Afrika! Afrika! - © Afrikanische Zirkus GmbH & Co. KG
20. März bis 08. Mai 2008 - Wien
Rotundenplatz an der Messe
Die sinnliche Entdeckung Afrikas
fasziniert Medien und Publikum
André Hellers sinnliche Entdeckung Afrikas fasziniert das Publikum mit Tempo, Energie und dem Ausdruck überschäumender Lebensfreude. Zu sehen ist das andere Afrika: der Kontinent eines unermesslichen Reichtums an kulturellen Traditionen und voller Kreativität. Fast zwei Jahre lang sind André Hellers Mitarbeiter dafür in Afrika unterwegs gewesen. Zwischen Mali und Marokko, zwischen Ägypten und Südafrika, an allen Küsten und im Landesinneren sowie in der afrikanischen Diaspora haben sie faszinierende Künstler gefunden, Tänzer, Artisten, Musiker, Sänger, Exzentriker und Akrobaten. Das erklärte Anliegen von André Heller war es, den Afrikanern eine europäische Bühne zu eröffnen, die der Großartigkeit ihrer Kunst entspricht. „Sein Afrika“, schrieb der Stern, „ist so geworden, wie er es sich vorgestellt hat: ein prunkvolles Zelt, spektakuläre Artistik und Fantasiekostüme, die an Fabeltiere erinnern oder an Götter aus einer anderen Welt. Genau in die will Heller seine Zuschauer entführen – und es gelingt seinen Jongleuren, Seiltänzern und Schlangenmenschen, weil sie selbst so viel Spaß an dem haben, was sie tun. Ansteckenden Spaß.“
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Mehr als einhundert Künstler aus vielen Regionen Afrikas sind an der Show beteiligt. Viele von ihnen kommen aus einer der zwei afrikanischen Zirkusschulen, die Kooperationspartner dieses Projektes sind.
Mit der materiellen und logistischen Unterstützung der Afrikanischen Zirkus GmbH & Co. KG entwickelten sie aus ihrer Kultur heraus die Beiträge für das Programm André Hellers.
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Neben der Artistik bestimmen vor allem die Masken- und Kostümwelten, die  Musik und der Tanz das Manegenereignis. Auch die maurisch anmutenden Zeltpaläste, ihre phantasievoll bemalten Innenwände und der mit Berberteppichen belegte Fußboden gehören zum Gesamtkunstwerk des reisenden Theaters. Wer es besucht, kann für Stunden in eine andere Welt eintauchen. Zu erleben ist sie während der Darbietungen sowie in den Pausen – im afrikanischen Café oder auf dem afrikanischen Markt in den Souks. Manches davon mag unseren phantastischen Vorstellungen und mythischen Traumbildern entsprechen, anderes wirkt dagegen ausgesprochen überraschend. Ungewöhnliches zeigt eine zeitgenössische Galerie. Auch in ihr ist ein für die meisten neues Afrikabild zu sehen. Wie der Tanz und die Musik gehört die bildende Kunst zu den Ausdrucksformen, in denen sich die Afrikaner vornehmlich kontinental und weniger national verstehen.
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So wie das Zirkustheater durch die Unterstützung der Zirkusschulen gleichsam aus Afrika heraus entwickelt wird, will es auch mit einem Teil seiner Einnahmen nach Afrika zurückwirken. Ein Euro von jeder verkauften Eintrittskarte wird in Zusammenarbeit mit der UNESCO und dem Goethe-Institut für die Förderung afrikanischer Kulturprojekte ausgegeben. Zu diesem Zweck wurde die Stiftung der Deutschen UNESCO-Kommission für die Kulturen Afrikas „Art in Africa“ gegründet. Das Bemühen der Afrikaner, sich mit ihrer kulturellen Identität, ihrem Zukunftsanspruch internationale Geltung zu verschaffen, soll damit nachhaltig unterstützt werden. Auch durch die UNESCO in Paris wurde dieses Engagement anerkannt, indem sie die Schirmherrschaft für AFRIKA! AFRIKA! übernommen hat. Schon in der Phase der Vorbereitung hatte Doudou Diène, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zu Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, seine Sympathie für AFRIKA! AFRIKA! bekundet und das Unternehmen beratend begleitet.
André Heller - Der Initiator
André Heller wurde 1947 in Wien geboren. Er zählt zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Multimediakünstlern der Welt. Seine Verwirklichungen umfassen Gartenkunstwerke, Wunderkammern, Prosaveröffentlichungen und
Prozessionen ebenso wie die Erneuerung von Zirkus und Varieté, Millionen verkaufter Schallplatten als Chansonnier eigener Lieder, große fliegende und schwimmende Skulpturen, den avantgardistischen Vergnügungspark Luna Luna, Filme, Feuerspektakel und Labyrinthe sowie Theaterstücke und Shows, die vom Broadway bis zum Wiener Burgtheater, von Indien bis China, von Südamerika bis Afrika ihr Publikum fanden.
André Heller
AFRIKA! AFRIKA!
Manche meiner Projektideen tauchen kurz auf, versuchen ein bisschen in meinem Kopf zu funkeln, um sich dann, blass geworden, schnell wieder zu verabschieden. Andere sind selbstbewusster, beharrlich über Jahre und Jahrzehnte mitunter. Sie bestehen darauf, verwirklicht zu werden. Meine ersten Notizen zu einem afrikanischen Zirkus stammen aus dem Jahre 1973. Damals wurde ich anlässlich einer mehrmonatigen Marokko-Reise zufällig Zeuge eines Gaukler- und Musikantenfestes in Zagora, einem am Rande der Sahara gelegenen Städtchen, in dem auch eine höchst pittoreske Kamelreiterbrigade der königlichen Armee stationiert war.
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Aus den unterschiedlichsten Regionen versammelten sich an diesem Abend Menschen, die wie Fabelwesen daherkamen und deren Energien aufs äußerste belebend und anregend wirkten, zumal auf einen Sechsundzwanzigjährigen, der eben den stets etwas melancholischen Wiener Künstlerstimmungen entflohen war. In den kommenden Jahrzehnten führten mich dann zahlreiche Arbeits- und Inspirationsbesuche in afrikanische Länder. Mein Respekt für die, unter schwierigsten Bedingungen ihre Künste erlernenden und ausübenden Frauen und Männer, die mit bewundernswertem Willen und strahlendem Optimismus ihre Träume leben, stieg ins Kilimanjarohafte. Ich beschloss, für sie eine würdige, reisende Plattform zu schaffen, einen Ort der sinnlichen Schönheit, mit der professionellsten licht- und tontechnischen Ausstattung, damit sie endlich einem westlichen Publikum zeigen können, wie sehr sie auf gleicher Augenhöhe mit jener Meisterschaft agieren, die traditionell unser verwöhntes Publikum zu begeistern vermag. Allerdings ist die zirzensische Kunst der Afrikaner in vieler Hinsicht unvergleichlich, weil sie dem Tanz ebenso selbstverständlich verpflichtet ist wie der Akrobatik, dem Acappellagesang ebenso wie dem Musizieren, dem Sportlichen wie dem Spirituellen, verbunden dem tiefen Ernst wie dem unbändigen Lachen. Es ist populärste und anspruchvollste Kunst zugleich, eine Volkskunst, deren Bühne für gewöhnlich die öffentlichen Plätze darstellen. Nur die höchste Qualität, das Intensivste, Bizarrste und Rhythmusgeladenste vermag das Publikum zwischen Senegal und Sansibar, Ägypten und Botswana, Mali und dem Kongo in seinen Bann zu ziehen.
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Unser Afrikabild ist hauptsächlich vom Katastrophalen geprägt: Krieg, Hunger Krankheit, Korruption, politische Instabilität sind seit Jahrzehnten die von den Medien vermittelten Haupteindrücke eines Kontinents, der dreimal so groß ist wie Europa und auf dem nahezu doppelt so viele Menschen leben wie in Nordamerika. Dass dieser unbestreitbaren Not und Bitterkeit allerorten und immerzu die großartigsten künstlerischen Ergebnisse abgetrotzt werden, wird entscheidend weniger wahrgenommen. AFRIKA! AFRIKA! ist der Versuch, bestimmte kulturelle Aspekte des großen, wundersamen Kontinents vor unsere westlichen Augen und Ohren zu stellen. Es will keine anstrengende Arbeit für einen ethnologischen Kongress sein, sondern eine unterhaltsame, spektakuläre Show für Menschen aller Altersstufen und Ausbildungsgrade. Eine Show, die aber sehr wohl für Respekt und weitergehendes Interesse gegenüber dem so genannten Fremden wirbt. Ich hoffe, dass die unbändige Lebensfreude und Dynamik, die unsere hochbegabten afrikanischen Gäste ausstrahlen, auch Sie inspirieren und dass Sie am Ende der Vorstellung unsere Zeltpaläste mit einem frohen Herzen verlassen.

André Heller
Wien am 14. Dezember 2005
Georges Momboye
Der Choreograph
Der von der Elfenbeinküste stammende Georges Momboye zählt weltweit zu den führenden Vertretern des afrikanischen Tanzes. Als Enkel eines Stammeshäuptlings, zu dessen Aufgaben
Zeremonien und Tanzrituale gehörten, war der Tanz seit Georges Momboyes Kindheit selbstverständlicher und wichtiger Teil seines Lebens – und sollte es bleiben. Er studierte am Nationalballett der Elfenbeinküste afrikanischen Tanz, klassisches Ballett und Tanzformen des Jazz. Zu seinen Lehrern zählten Alvin Ailey, Brigitte Matenzi, Rick Odums und Gidèle Houri. Das Verschmelzen afrikanischer Wurzeln mit westlicher Moderne faszinierte ihn so sehr, dass er nach New York ging, sich aber schließlich in Paris niederließ. Dort gründete er 1992 die ,Compagnie Georges Momboye’, ein Kreativzentrum mit inzwischen internationaler Reputation. Artisten, Musiker und Tänzer afrikanischtraditioneller Prägung arbeiten mit Vertretern des ,Modern Dance’ zusammen. Mit einigen seiner Inszenierungen wie Zoltan Kodalys „Harry Janos“, Igor Stravinskys „Le sacre du printemps“, Claude Debussys „Prélude à l´après-midi d´un faune“ und „Clair de Lune“ hat er unterdessen die Opernbühnen erreicht. AFRIKA! AFRIKA! stellt für Georges Momboye eine „einmalige Herausforderung dar, meine Heimat anders darzustellen, als sie der Westen immer sieht“. Eine Aufgabe, die wie für ihn geschaffen ist. „Die afrikanische Kultur“, sagt Momboye, „ist überhaupt nur durch den Tanz zu verstehen, da dieser in Afrika nicht nur eine ästhetische Inszenierung, ein isoliertes Element ist, sondern unmittelbare Lebensbegleitung, spontaner Ausdruck von Emotionalität und mit gewissen Tätigkeiten des Lebens ursprünglich verbunden, zum Beispiel mit der Jagd. Deshalb spielt auch die Akrobatik eine so große Rolle.“
Doudou Diène
Der Repräsentant der UNO
Doudou Diène ist im Senegal geboren, hat Philosophie und Politologie studiert
und in Jura promoviert. Seit 2002 ist er Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zu Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Zuvor, von 1993 bis 2002,
  war er für die interkulturellen und interreligiösen Projekte der UNESCO verantwortlich. Von daher rührt auch sein Interesse an André Hellers Projekt AFRIKA! AFRIKA!, das er beratend begleitet, da es sich in sein ganz persönliches Bemühen um den Erhalt der kulturellen Vielfalt einfügt. Diese nämlich sieht er durch einen unterschwellig fortwirkenden Rassismus ebenso bedroht wie durch unreflektierte Globalisierungstendenzen. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit ist deshalb der Einsatz für die Erziehung der Kinder zu Toleranz und kulturellem Selbstbewusstsein.
Doudou Diène
Für einen anderen Blick auf die afrikanische Kultur
„Der Weiße sieht nur, was er kennt“, sagt ein altes afrikanisches Sprichwort. Es erinnert an die Vorurteile, mit denen die Kolonialherren auf die Völker Afrikas und ihre Kulturen blickten. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Es geht um ein fortwirkendes Missverständnis. Bis heute begegnet uns Afrika in der Berichterstattung westlicher Medien vor allem mit seinen Miseren und Katastrophen. Hartnäckig halten sich zudem die rassistischen Vorurteile gegenüber dem „schwarzen Kontinent“; bewusst oder unbewusst wird er als befremdlich wahrgenommen - wie ein schwarzes Loch, von dem kein Licht ausgehen kann. Das wichtigste Argument zur Legitimation von Sklaverei und kolonialer Ausbeutung lieferte seinerzeit die Behauptung, Afrika sei kulturell und zivilisatorisch minderwertig. Und noch immer bestätigen die weite Verbreitung und tiefe Verwurzelung dieser eingeschränkten Sichtweise, wie sehr das eingangs zitierte Sprichwort zutrifft. Das in Europa verbreitete Erscheinungsbild Afrikas ist nach wie vor das eines Kontinents, der vor allem von Armut, Krankheiten und Katastrophen gezeichnet wurde. Folgt man der unterschwelligen Argumentation des überlebten Vorurteils, so wäre dieser Zustand Afrikas lediglich die logische Konsequenz aus seiner kulturellen Minderwertigkeit. Folgerichtig müsste man Afrika zugleich auch die Fähigkeit absprechen, seiner gesellschaftlichen Übel Herr zu werden. Anstatt die Unterentwicklung Afrikas vor dem Hintergrund seiner Geschichte und seiner zum Teil genau daraus resultierenden strukturellen Schwierigkeiten zu verstehen, wird sie unversehens und ungeachtet aller humanitären Hilfe aus einer irrationalen, rassistischen Behauptung hergeleitet, solange die Bereitschaft zum Verständnis der fremden Kultur fehlt. Allzu oft nur wird die reiche Kultur Afrikas aus westlicher Sichtweise auf exotisch-bunte Folklore reduziert. Schlimmstenfalls wird sie vorgeführt als kollektiver Ausdruck alltäglicher Bräuche, die zwar von einem gewissen ästhetischen Anspruch getragen sind, einer tieferen Bedeutung jedoch entbehren, schlicht „primitiv“ sind. Diese verzerrte Wahrnehmung afrikanischer Kultur ist die eigentliche Ursache von Rassismus und Diskriminierung, die alle Beziehungen zwischen dem afrikanischen Kontinent und Europa überschatten. Es ist eine Wahrnehmung der Vorzeit, realitätsfern und verstellt durch kulturelle Ignoranz. Nur durch gemeinsame Anstrengungen, durch Aufklärung und Kulturaustausch wird man eine grundlegend neue und nachhaltige Beziehung zwischen Afrika und der westlich geprägten Welt schaffen. Dieser Dialog ist umso nötiger, als beide Welten schon lange keine weit voneinander entfernten Galaxien mehr darstellen, sondern ein multikulturelles und multiethnisches Miteinander bilden. Sklaverei, Verschleppung, Kolonisation und Immigration haben dazu geführt, dass „Afrika“ weit über den afrikanischen Kontinent hinaus ausstrahlt. Über Europa und Amerika hinweg eint es seine Bürger durch eine stark ausgeprägte Identität und die weltweiten Zuflüsse seiner Kulturen. Es ist deshalb an der Zeit, dass Europa beginnt, sich dessen bewusst zu werden und die reichhaltige Fremde wahrzunehmen, die tausend Blumen, die unterdessen in seinem kulturellen Garten wachsen. Das ist vielleicht auch der beste Weg, sich der alles gleichmachenden Dynamik der Globalisierung entgegenzustellen. Davor, vor der drohenden Nivellierung, bewahrt allein der gegenseitige kulturelle Austausch, das Sich-kennen-und-verstehen-lernen. Das allein ist der richtige Weg, ein Weg der kulturellen Liebe. Mit AFRIKA! AFRIKA! hat ihn André Heller eingeschlagen. Das Projekt wird dem neuen „homo europaeus“ helfen, in der Wahrnehmung und Bewertung afrikanischer Kultur seinen Horizont zu erweitern.

Doudou Diène
Genf im Dezember 2005
Der Afrika-Euro
Spenden für die Kultur in Afrika
Nach den ersten neun Monaten und den Gastspielen in Frankfurt, Hamburg, München und Berlin haben weit über 500.000 Besucher das magische Zirkusereignis vom Kontinent des Staunens gesehen. Ein Euro jeder verkauften Karte - der „Afrika-Euro“ - ist in die Stiftung der Deutschen UNESCO-Kommission für die Kulturen Afrikas „Art in Africa“ geflossen.
Bei der Stiftung handelt es sich um die erste ihrer Art überhaupt. Gegründet wurde sie am 14. Dezember 2005 anlässlich der Weltpremiere von AFRIKA!

AFRIKA! in Frankfurt am Main, und zwar gemeinsam von der Deutschen
UNESCO-Kommission und der Afrikanischen Zirkus GmbH & Co. KG.
Von Anfang an war das Engagement der Initiatoren von AFRIKA! AFRIKA! für die Bewahrung und Vermittlung der Vielfältigkeit afrikanischer Kulturen Teil ihres Vorhabens. Das Ziel dieser Unterstützung ist es, über die unmittelbare Zusammenarbeit hinaus einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung und Festigung der afrikanischen Kulturindustrie zu leisten. Schon frühzeitig stieß die Idee auf das besondere Interesse Doudou Diènes, des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen zu Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, der AFRIKA!
AFRIKA! beratend begleitet. Im August des vergangenen Jahres erklärte dann auch die UNESCO in Paris, dass sie die Schirmherrschaft für das Projekt übernimmt. Diese Verpflichtung und Auszeichnung zugleich gilt einem Unternehmen, das einen Teil seiner Einnahmen wieder nach Afrika zurückführen wird. Der „Afrika-Euro“ steht für die Kulturförderung in Afrika zur Verfügung. Bei der Auswahl und Unterstützung der zu fördernden Projekte kooperiert die UNESCOStiftung mit dem Goethe-Institut. Mit ihrer fachlichen Kompetenz sowie mit der Präsenz ihrer Institutionen in Afrika bieten die UNESCO und das Goethe-Institut eine Gewähr für die sachkundige Auswahl und Begleitung der Fördervorhaben, die ausschließlich afrikanischen Interessen, nicht der Umsetzung europäischer Afrikavorstellungen dienen. Dieser besondere Einsatz ist getragen von der Überzeugung, dass Kunst und Kultur entscheidende Voraussetzungen für das Selbstbewusstsein aufstrebender Gesellschaften sind, dass sie deren Kreativität und Identitätsbehauptung fördern, im Innern wie über die Grenzen hinaus. Mögliche erste Förderprojekte konnte das Goethe-Institut im Rahmen des Münchner Gastspiels in den Zeltpalästen von AFRIKA! AFRIKA! vorstellen. Die Compagnie Phénix aus Kamerun begeisterte mit der Präsentation einer ihrer Performances modernen Tanzes. In der Preview des Dokumentarfilms „Dance meets Differences“ stellte Gerhard Schick den interkulturellen Tanzworkshop Gerda Königs vor, in dem kenianische Künstler mit und ohne körperliche Besonderheiten zusammen arbeiteten. Der ägyptische Popstar Mohamed Mounir, dem in der arabischen Welt Zehntausende zujubeln, präsentierte, verbunden mit einem mitreißenden Konzert, sein Förderprojekt „Musik der Nilländer“. Ein theoretisches Fundament fand die Präsentation der Fördervorhaben in einer flankierenden Podiumsdiskussion, in der ausgewiesene Afrika-Kenner Potentiale und Risiken einer Kulturförderung in Afrika beleuchteten.
Eine afrikanische Reise
Die Kunstausstellung im Zirkus
Die Eigenart des Zirkus, das ständige Reisen, lieferte die Inspiration für die Themenstellung der Kunstausstellung, die AFRIKA! AFRIKA! begleitet. Dieses Motto symbolisiert das stete Unterwegs, das Wandern, die Bewegung, den nomadischen Lebensstil. Mit seinen Aufführungen und Veranstaltungen ist der Zirkus eine Arena der Aktivität und Veränderung, ein Ort wie Afrika, ein Kontinent, der sich in rasender Geschwindigkeit verändert, und dessen Bewohner sich im Prozess der Transformation befinden. Die ausstellenden Künstler sind aus den unterschiedlichsten afrikanischen Ländern, aus Kamerun, dem Senegal, Nigeria, Ghana, Algerien und Benin. Sie leben in Afrika und der Diaspora. Sie alle kennen die teils frei gewählte, teils durch Migration bedingte Reise zwischen den Welten, sie alle sind heute Vermittler der Kulturen. Ihre Arbeiten sind geprägt von den eigenen Erfahrungen, von kulturellem Austausch und Vermischung. Dabei ist es oft eine ganz luzide Bildersprache, die das Thema aufgreift: Häufig werden Fortbewegungsmittel dargestellt. Sokari Douglas Camp schafft afrofuturistische Wagen und Schiffe. Boubacar Touré Mandémory, der selbst lange mit Karawanen gezogen ist, zeigt sich in seinen Fotografien fasziniert vom Hauptfortbewegungsmittel der Afrikaner, den Füßen. Zinkpè installiert ein anderes Transportmittel: die in viele Teile der Welt exportierten, mit ortspezifischen Dingen voll beladenen Sammeltaxis. Philip Kwame Apagya hingegen ermöglicht die für viele Afrikaner ein Wunschtraum bleibende Reise in ferne Länder: Vor den Kulissen der Studiofotografie kann sich jeder in den pulsierenden Metropolen der Welt portraitieren lassen. Wie schon Paul Virilio sagte, ist jede Reise ein kleiner Tod. Ein Tod aber auch, dem häufig das blühende Leben folgt. Nicole Guiraud und Barthélémy Toguo zeigen die Stigmata des Reisens, die Flucht, das Exil und die Heimatlosigkeit. Die Kunstausstellung wird in einem der vielen Zeltpaläste präsentiert. Die Zeltlandschaft  ist, in Anlehnung an maurische Vorbilder, selbst ein räumliches Afrikaerlebnis, ein Teil der Show von AFRIKA! AFRIKA!
Die Zeltpaläste
Afrikanische Räume magischen Zaubers
Die Show AFRIKA! AFRIKA! Ist ein Gesamtkunstwerk. Schon von weitem macht die Silhouette der maurisch anmutenden Zeltpaläste neugierig. Beim Näherkommen erkennt man dann ihre Farbenpracht, die den Besucher bereits vor dem Eintritt in den „Kontinent des Staunens“ auf die turbulenten Darbietungen vorbereitet. Die Idee für dieses phantastische Zeltensemble stammt von André Heller, die aufwändige Herstellung hat der weltweit bekannteste Zirkuszeltbauer, die Firma „Canobbio“ in Italien übernommen. Ihre Firmengeschichte reicht bis ins Jahr 1926 zurück, als Federico Canobbio damit begann, Wetterplanen für Heuwagen herzustellen. Seit den 50-er Jahren produzierte Canobbio dann Zirkuszelte und hat sich unterdessen als der weltweit renommierteste Zirkuszeltbauer etablieren können. Mit der Entwicklung der Zeltpaläste für AFRIKA! AFRIKA! begann das Unternehmen im Frühjahr 2005. Statik und Konstruktion wurden mit modernster Computertechnik errechnet und mit dem TÜV abgestimmt. Auch der Zuschnitt der Planen erfolgte computergesteuert. Die Fertigung der 17 Tonnen schweren Stahlkonstruktion für das Hauptzelt belegte über Monate eine riesige Montagehalle. Das Aufstellen der Zelte ist selbst für einen international erfahrenen Zeltbaumeister wie den Niederländer Jan van Bergen eine immer wiederkehrende Herausforderung. „Nur mit modernster Technik“, sagt er, „lässt sich diese Präzisionsarbeit zuverlässig meistern.“ An jedem der vier Masten des Hauptzeltes befinden sich elektrische Winden, die die beinahe zwölf Tonnen schweren Planen gleichmäßig heraufziehen.
Afrika! Afrika! - © Afrikanische Zirkus GmbH & Co. KG
26 Meter hoch erhebt sich das Chapiteau – so hoch, wie ein neunstöckiges Haus und höher als jedes Zirkuszelt, das bisher in Europa stand. Über zweitausend Besucher können im größten Zelt des Ensembles Platz finden. Umgeben sind sie von phantastischer Ornamentik: Teppichböden im Berberstil und stilisierte afrikanische Motive verschmelzen mit den Bildern der Manege und Projektionen zu einem großartigen afrikanischen Gesamterlebnis, das sich auch in den angrenzenden kleineren Zeltpalästen fortsetzt. So wie der Barbereich sind das Foyerzelt, die Kunstausstellung und das Veranstaltungszelt durch überdachte Gänge, die nordafrikanischen Bazaren, den Souks, ähneln, mit dem Chapiteau verbunden. Ein Bankettzelt für rund 400 Gäste kann für Events, Firmenveranstaltungen oder private Feiern angemietet werden. In den Pausen können die Gäste durch diese einmalige Zeltlandschaft wandern.
Die Afrikanische Zirkus GmbH & Co. KG
Ein Kurzporträt des Veranstalters
Die Afrikanische Zirkus GmbH & Co. KG ist eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Arena GmbH & Co. KG. Beide Unternehmen stehen unter der Leitung von Matthias Hoffmann. Bereits 1970, noch als Student, hat der Konzert- und Showveranstalter seine erste Firma Hoffmann Konzerte gegründet, mit der er bis 1975 jährlich über hundert Konzerte organisierte. Immer weiter wurde das Unternehmen zu einem der führenden Konzertveranstalter Deutschlands ausgebaut. 1986 folgte eine Erweiterung um die Sparte Hoffmann-Klassik mit Künstlern wie José Carreras oder Placido Domingo. Von 1989 bis 1993 arbeitete Matthias Hoffmann erfolgreich mit André Heller an der Umsetzung und Vermarktung des Chinesischen Staatszirkus. Ab 1990 begann verstärkt die Konzentration auf den Klassikveranstaltungsmarkt. Dies beinhaltete weltweite Arena-Opern-Produktionen, Konzerte mit José Carreras, Placido Domingo und Montserrat Caballé. Es folgte die Gründung von Hoffmann Concerts Inc. in den USA mit Büros in New York City, London und Wien, der Firmensitz blieb in Mannheim. 1996 startete Hoffmann die Welttournee der Drei Tenöre mit 13 Stadionkonzerten und insgesamt rund einer Million Besuchern. Von 2001 bis 2005 produzierte die Deutsche Arena GmbH & Co. KG mit Sitz in Mörfelden das Eckart Witzigmann Palazzo. Innerhalb kürzester Frist gelang es dem Unternehmen, das Palazzo zum Marktführer unter den Restaurant-Theatern zu machen. 2005 entstand die Afrikanische Zirkus GmbH & Co. KG, beraten wird sie von der österreichischen Unternehmung Artevent GmbH, Wien. Unter der Leitung des Geschäftsführers Robert Hofferer realisiert die Artevent GmbH seit vielen Jahren Großprojekte, wie etwa die Swarovski Kristallwelten oder den WWF-Pavillon zur Expo 2000.
Quelle: (Text/Bilder) Afrikanische Zirkus GmbH & Co. KG
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