Amalienbad
Amalienbad - © alt68erin - Fotolia.com
Bild: Art-Déco-Eleganz im Amalienbad in Favoriten
Ein sozialdemokratisches Schwimmbad
X. Bezirk (Favoriten), Amalienbad, Reumannplatz 23; U-Bahn-Station Reumannplatz (U1).

Die langen, heißen Sommer und der leichte Zugang zu den ruhigen Gewässern der Alten und Neuen Donau haben Schwimmen in Wien zu einem Volkssport gemacht. Jenen, die „al fresco“ baden wollen, steht das alte Freibad Gänsehäufel an der Alten Donau mit seinen baumbestandenen Ufern und seinen für bestimmte Berufe reservierten Abteilungen (siehe das Straßenbahner-Bad) zur Verfügung; ebenso das elegante Krapfenwaldlbad mit seinen mediterran anmutenden Kiefern an den Ausläufern des Wienerwalds im 19. Bezirk, mit den alten hölzernen Umkleidekabinen von 1914 und dem herrlichen Ausblick über Wien; auch das Schafbergbad im XVIII. Bezirk verbindet Schwimmvergnügen mit einer prachtvollen Aussicht. Wer lieber unter Dach badet, ist mit dem historischen Jörgerbad im XVII. Bezirk (Hernals) bestens bedient; es wurde 1912 eröffnet, besitzt farbige Glasfenster, die Goldfische darstellen, und hübsche Fliesen mit Wellenmuster im Foyer.

Doch die „pièce de resistance“ der Wiener Schwimmbäder ist sicher das Amalienbad, das zeigt, wie die Wiener sozialdemokratische Stadtregierung der Zwanzigerjahre nicht nur öffentliche Einrichtungen schuf, sondern dies auch sehr stilvoll. Otto Nadel und Karl Schmalhofer, damals Angestellte in der Bautensektion des Wiener Magistrats, haben das Gebäude entworfen. Als es 1926 eröffnet wurde, war es eines der größten Schwimmbäder Europas: bis zu 1300 Menschen konnten dort baden. Das Amalienbad gilt auch als eines der schönsten Baudenkmäler des Roten Wien. Das Hauptbecken ist 33 Meter lang und durch ein gewölbtes Glasdach überdeckt, das man bis zur Rekonstruktion nach schweren Bombenschäden im 2. Weltkrieg durch eine Schiebevorrichtung öffnen konnte. Die Innenausstattung wurde nicht einfach und schlicht gehalten, sondern im damals modernen Art-Déco-Stil. Am deutlichsten sieht man das bei den bunten, so praktischen wie ästhetisch ansprechenden Mosaiken im Hauptbecken, in der Sauna und im Foyer, die das Amalienbad berühmt gemacht haben. Der Platz, an dem das Hallenbad steht, ist nach Jakob Reumann benannt, Arbeiterführer und erster sozialdemokratischer Wiener Bürgermeister, bekannt für seine Kämpfe mit dem Stadtrat um das Los der Arbeiter zu verbessern.

Bemerkenswerter Weise gibt es in der Inneren Stadt nur ein einziges Hallenbad, und zwar im Vienna Marriott Hotel. Das war aber nicht immer so. Hinter einem unscheinbaren Toreingang in der Weihburggasse 20 befand sich einst das heute verlassene Zentralbad, das erste und einzige öffentliche Bad im I. Bezirk (leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich). Es liegt über einem natürlichen Brunnen, der pro Tag 200 000 Liter Wasser liefert; einst flossen sie in eine Reihe wunderschön gekachelter Bäder im maurischen Stil, die in unterirdischen Säulenhallen lagen. Im Hof dahinter ist ein unterirdischer Heizraum, der durch ein Glasdach erhellt wird.


Das zweite große Volksvergnügen, das Kino, ist in Wien ebenfalls gut vertreten; wie sein historisches Pendant, das Schwimmbad, hat es aber im 2. Weltkrieg schwer gelitten. Auf jeden Fall sehenswert ist das Metro Kino, Johannesgasse 4 in der Inneren Stadt, ein schönes, vom Österreichischen Filmarchiv betriebenes Kino aus der Belle Epoque (1900) mit einem besonders gemütlichen, holzgetäfelten Zuschauerraum, komplett mit Kronleuchter und Stuckplafond. Sehenswert sind auch die Breitenseer Lichtspiele, Breitenseer Straße 21 im XIV. Bezirk (Penzing). Sie wurden 1909 in einem Gebäude im Wiener Jugendstil eröffnet und sind das älteste noch in Betrieb stehende Kino Wiens, vielleicht sogar der Welt; die 186 Original-Holzsitze befinden sich noch am selben Platz.
Text auszugsweise aus
Duncan J. D. Smith; Nur in Wien
Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
Fotografien von Duncan J. D. Smith

„Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert, die Straßen anderer Städte mit Asphalt.“ Karl Kraus (1874-1936)
Wien ist sicherlich eine der großartigsten und zugleich homogensten Hauptstädte in Europa. Und es ist eine der faszinierendsten. Die Überfülle an Reiseführern, die es zu kaufen gibt, präsentiert dem nicht allzu anspruchsvollen Besucher eine märchenhafte (und leicht zugängliche) Fülle an Museen, Kirchen, Palais und kulinarischen Lokalitäten, und sie erzählen von der Geschichte der Stadt seit den Zeiten der Römer über jene des Habsburgerreiches bis zur Gegenwart.
mit freundlicher Genehmigung
Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
www.brandstaetter-verlag.at
Städtisches Bad - Amalienbad
Amalienbad - © QArts - Fotolia.com
Geschichte
Von 1923 bis 1926 wurde diese Badeanstalt nach Plänen der Architekten Karl Schmalhofer und Otto Nadel erbaut. 1926 konnte das Amalienbad eröffnet werden. Von der 1924 verstorbenen Gemeinderätin Amalie Pölzer hat das Bad seinen Namen. Das Glasdach des ursprünglichen Gebäudes ließ sich innerhalb von drei Minuten öffnen. So war auch im Sommer ein vollkommener Badegenuss möglich. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bad schwer beschädigt. Trotz Instandsetzung gingen viele architektonisch wertvolle Elemente verloren. Auf Beschluss des Wiener Gemeinderates begann 1979 eine umfangreiche Renovierung. 1986 konnte das generalsanierte Amalienbad wiedereröffnet werden. An Stelle des alten Kesselhauses wurde eine zweite, moderne Schwimmhalle gebaut. Seither dient das Amalienbad nicht mehr nur dem Badevergnügen.
Die Wiener Bäder (MA 44) haben hier ihren Sitz.
Einrichtungen und Angebot
Hallenbad, Sauna, Dampfbad, Brausebad, Kinderbecken, Versehrtenschwimmen, behindertengerechte Ausstattung, Seniorentag, Sonnenbad, Solarium, Massage, Kosmetik, Fußpflege, Ambulatorium, Saunabuffet und Restaurant
Die Sauna verfügt über einen Frauen- und einen Männerbereich. Zu bestimmten Zeiten wird einer der Bereiche gemischt oder als Familiensauna (Männer haben dann nur mit weiblicher Begleitung Zutritt) betrieben. Ist nichts angegeben, herrscht Normalbetrieb (getrennter Frauen- und Männerbereich).
aus
Websercice der Stadt Wien
wien.at vereinigt umfangreiche Informationen und Dienste zu allen Lebensbereichen der Stadt Wien sowie zahlreiche weitere Services
www.wien.gv.at
Weitere Ergebnisse zum Thema
Bäder in Wien
seite weiterempfehlen seite drucken nach oben nach oben