Die Ankeruhr
Mehr als eine Firmenwerbung
Bild: Thomas Apolt
Bild:  Figurenprogramm der Ankeruhr, Hoher Markt, zwischen Haus Nr. 10/11 und 12 (Thomas Apolt)
„Wir treffen uns bei der Ankeruhr.“ Die kleine Sehenswürdigkeit am Hohen Markt gilt als beliebter Treffpunkt in der Innenstadt. Für Touristen ist sie eine der vielen künstlerisch wertvollen Kuriosa
Wiens. Die Versicherungsgesellschaft „Der Anker“ hatte das Areal seit dem Jahr 1861 sukzessive aufgekauft und nach Plänen von Ernst Gotthilf und Alexander Neumann einen repräsentativen Firmensitz, den „Ankerhof“, errichten lassen. Der Maler Franz von Matsch schuf für die Verbindungsbrücke zwischen den Häusern im Jahre 1913 eine Kunstuhr.
Ankeruhr - © Citype, Gaube
Die im Jugendstil gestaltete Uhr zeigt ein reichhaltiges Figurenprogramm, dessen Konzeption auf die Vergänglichkeit des Lebens und damit wohl auf den Abschluss einer entsprechenden Versicherung hinweisen sollte. Die Brücke wird von vier Konsolen getragen, mit den Figuren Adam und Eva bzw. Engel und Teufel. Der Mittelbau wird von der Sonne und den Figuren Leben und Tod gekrönt. Die Uhr misst vier Meter im Durchmesser, das Mosaik auf dem Ziffernblatt zeigt das Wappen der alten Wiener Bürgerfahne sowie zwölf Wappenschilde mit Symbolen aus Berufswelt und Privatleben. Vor dem Mosaik ziehen im Lauf von zwölf Stunden zwölf Figuren aus der Geschichte Wiens mit musikalischer Untermalung vorbei: Marc Aurel (1 Uhr), Karl der Große (2 Uhr), Leopold VI. (3) Walther von der Vogelweide (4), Rudolf I. und seine Gattin Anna (5), Hans Puchsbaum (6), Maximilian I. (7), Johann Andreas von Liebenberg (8), Ernst Rüdiger Graf Starhemberg (9), Prinz Eugen (10), Maria Theresia, Franz Stephan von Lothringen (11) und Joseph Haydn (12).
Ankeruhr - © Jean-jacques Cordier - FOTOLIA
Der Hohe Markt gilt als der älteste Platz Wiens. Zur Römerzeit stand hier der Palast des Lagerkommandanten, das „Prätorium“, in dem auch Marc Aurel längere Zeit residierte und 108 starb. Die Grundmauern einiger Offiziershäuser sind heute noch zu besichtigen. Im Mittelalter war der Hohe Markt das Zentrum der Stadt. Hier lagen das Gerichtsgebäude, die so genannte „Schranne“, mit Pranger und Richtstätte, sowie zahlreiche Zunft- und Patrizierhäuser. Der „Vermählungsbrunnen“, der 1729-32 von Joseph Emanuel Fischer von Erlach im Auftrag von Kaiser Karl VI. errichtet wurde steht im Zentrum des Platzes.
auszugsweise aus
Matthias Settele; Wiener Denkmäler
Wiener Stadtgeschichten
vom Walzerkönig bis zur Spinnerin am Kreuz
Fotos von Thomas Apolt
Band 1011 -
Perlen-Reihe
Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H. - Wien
mit freundlicher Genehmigung
Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H.
www.deuticke.at
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