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| Die letzten Basteien |
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I. Bezirk (Innere Stadt), Ecke
Coburgbastei/Gartenbaupromenade
Die Römer waren die ersten, die sich beim Bau der Wälle ihres
Legionslagers Vindobona die geographische Lage Wiens zunutze machten.
Nachdem sie sich um 400 n. Chr. aus der Stadt zurückgezogen hatten,
blieben diese Wälle und die Verbindungsstraßen bestehen und bildeten den
Grundriss des mittelalterlichen Wien. Der Name „Wenia“ tauchte zuerst in
den Salzburger Annalen von 881 auf; dort bildet die Stadt einen Teil der
Ostmark des Heiligen Römischen Reiches (angeblich leitet sich der Name
vom illyrisch-keltischen „Verdunja“ her, was Waldbach bedeutet).
Nachdem das fränkische Reich zusammengebrochen war, unterwarf der
Sachsenkönig Otto der Große die germanischen Gebiete; 976 verlieh sein
Sohn Otto II. Die Mark den baierischen Babenberger Grafen unter Leopold
I. (976-994). Sie sollten die östliche Reichsgrenze sichern, zunächst
als Markgrafen, später als Herzöge. 996 n. Chr. wurde der Name
Ostarrichi, die Urform des Namens Österreich, erstmals urkundlich
erwähnt. Die Babenberger bauten Wiens Wirtschaft und Kultur wieder auf,
und um die Mitte des 12. Jahrhunderts, unter Heinrich II. (1141-1177),
wurde Österreich ein unabhängiges Herzogtum. Heinrich ließ am Hof einen
Herzogshof errichten und verlieh Wien das Stadtrecht. Herzog Leopold V.
(1177-1194) verwendete das Lösegeld für den englischen König Richard I.
Löwenherz, den er 1192 gefangen genommen hatte (angeblich in einer
Dorfschenke in Erdberg; heute steht dort ein Wohnblock in der
Erdbergstraße 41 im Bezirk Landstraße), um 1195-1250 eine neue
Stadtbefestigung zu bauen. Die Silbermünzen wurden in der 1194 von
Leopold gegründeten Münze am Hohen Markt 4 geprägt. Obwohl diese Mauern
4,5 Kilometer lang, zehn Meter hoch und vier Meter dick waren,
unterbrochen durch Tore und Türme, ist von ihnen bloß ein gelegentliches
Mauerstück geblieben (zum Beispiel im Heiligenkreuzerhof, nahe der 3.
Stiege, das Satteldach auf dem Griechenbeisel am Fleischmarkt
11/Griechengasse 9 und das originale Stubentor, das älteste von Wien –
um 1200 -, das als Schwarzer Turm bekannt war; seine Umrisse sind in
schwarzen Steinen auf dem heutigen Pflaster nachgezogen). An den Rest
erinnern nur noch einige Straßennamen – zum Beispiel Salztorgasse und
Schottentor – oder Wandtafeln – zum Beispiel das Katzensteigtor am
unteren Ende der Seitenstettengasse, 1825 abgerissen -, das Stadttor an
der Hohen Brücke in der Wipplingerstraße, die Werdertorgasse und ein
Mosaik des Roten Turms in der Rotenturmstraße. |
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| Reste der Bastion
vor dem Palais Coburg. |
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Ein Ziegel von der
Mölkerbastei, gestempelt mit dem habsburgischen Doppeladler. |
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1278 kam die Dynastie Habsburgs unter Rudolf I.
(1273-1291) an die Macht; die Habsburger blieben die nächsten 640 Jahre
Herrscher von Österreich. Doch obwohl Wien nun die Hauptstadt eines
mächtigen Reiches war, wurden die alten Befestigungen aus der
Babenbergerzeit bei der ersten Türkenbelagerung von 1529 beinahe
zerstört. In der Folge ordnete Kaiser Ferdinand I. (1556-1564) an, an
deren Stelle die so genannte Zickzackmauer zu errichten und die Hofburg
zu befestigen (sie war damals als Alte Burg bekannt; dorthin zog der
Kaiser mit seinem Hofstaat im Jahre 1533). Die Wälle waren von
Befestigungen der italienischen Renaissancezeit beeinflusst; die
zwischen 1531 und 1566 errichteten massiven Ziegelmauern wurden durch
acht Tore durchbrochen und besaßen zahlreiche Türme und durch Stein
verstärkte, sternförmig vorspringende Bastionen, die so genannten
Basteien, die sich über dem brach liegenden Gelände, dem Glacis,
erhoben. Dieses Niemandsland war 570 Meter breit und erstreckte sich von
den Wällen bis zu den ungeschützten Vorstädten; ein angreifendes Heer
besaß also keine Deckung. Die gigantischen Kosten der Befestigung sind
zum Teil verantwortlich dafür, dass es in Wien so wenige
Renaissance-Bauwerke gibt.
Obwohl sie teilweise stark beschädigt wurden, überstanden die Mauern
eine zweite Türkenbelagerung 1683 und waren zur Zeit der Revolution von
1848 noch mehr oder minder intakt. Nun aber war die einzige Bedrohung
Wiens Unruhe unter der Bevölkerung, und die glaubte man besser bekämpfen
zu können, indem man zwei riesige Kasernen baute, die durch eine breite
Straße auf dem Glacis verbunden waren. Schließlich hatten sich die
Revolutionäre von 1848 hinter den Stadtmauern vor den anrückenden
kaiserlichen Truppen verschanzt, die den Aufruhr niederschlagen sollten.
So begann man nach einem Erlass von Kaiser Franz Joseph I. (1848-1916)
am 20. Dezember 1857, die Mauern aus der Renaissancezeit wegzureißen;
der Schutt wurde verwendet, um das Glacis einzuebnen und damit der
überfüllten inneren Stadt ein wenig Luft zu verschaffen. Es entstand ein
hufeisenförmiger Boulevard nach Pariser Vorbild, die Ringstraße. Sie ist
vier Kilometer lang und bis zu 60 Meter breit; an ihren Rändern sind die
wichtigsten kulturellen und politischen Institutionen aufgereiht.
Die Ringstraße ist das bedeutendste architektonische Vermächtnis des
Kaisers. An einigen wenigen Stellen jedoch finden sich noch Fragmente
der alten Renaissancemauern, vor allem dort, wo sie die Fundamente
bedeutender Bauwerke bildeten. So gibt es an der Mölkerbastei, benannt
nach dem Benediktinerstift Melk, das in der Stadt Grundbesitz hatte,
eine hohe, aus Ziegeln errichtete Bastion, auf der eine Reihe anmutiger
Häuser aus dem 18. Jahrhundert steht, darunter das nach seinem Besitzer
Baron Pasqualati benannte Pasqualatihaus. 1804 sowie 1813 bis 1815 lebte
hier auf Nummer 8 im vierten Stock Beethoven (1770-1827) in einer
berüchtigt unordentlichen Wohnung, wo er seine einzige Oper „Fidelio“
komponierte. Um die Ecke gibt es eine Straße namens Schottenbastei, doch
hier sind keine Mauerreste erhalten geblieben.
Auch das frühere Albertinapalais – heute befindet sich hier die vor
kurzem aufwändig renovierte Graphische Sammlung Albertina – erhebt sich
auf einem alten Wall der Hofburg. Am besten Aufschluss aber gibt die
kürzlich restaurierte Coburgbastei, ein Mauerwall, auf dem das riesige
Palais Coburg steht; davor befand sich einst eine vorspringende Bastion,
die Braunbastei, deren äußere Ecke heute noch zu sehen ist. Durch
Fenster auf Straßenniveau kann der Vorübergehende die mächtigen
gewölbten Kasematten sehen, die tief in die dicken Backsteinmauern
hinein reichen; einst waren hier Truppen und Kanonen untergebracht. Im
Gebäude selbst, heute ein Luxushotel, zeigt ein herrliches modernes
Mosaik eine Vogelschau der Stadtbefestigungen Wiens aus der
Renaissancezeit.
Schließlich kamen unweit des Palais Coburg, in der Stubenbastei, bei
den Aushubarbeiten für die U3 1985-1987 die Fundamente des Stubentors
aus der Renaissancezeit mit ihren 22 Meter hohen Wällen ans Tageslicht.
Seine Umrisse sind in weißem Stein auf der Straße nachgezogen; in der
U-Bahn-Station gibt es eine interessante Ausstellung, die die Geschichte
des Stubentors seit der Babenbergerzeit bis zu seinem Einbau in die
Bastei und zu seiner Demolierung zeigt. Ein weiteres Fragment findet
sich bei der nahe gelegenen Dominikanerbastei, weiß angemalt, passend
zur weißen Barockkirche, deren Grundmauer sie bildet. Am Donaukanal sind
keine Reste mehr erhalten, doch sind einige Reste der Gonzagabastei in
der U-Bahn-Station Schwedenplatz zu sehen. |
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| Das Äußere Burgtor nahe der Neuen Burg ist
das einzige noch existierende Stadttor; allerdings wurde es erst
in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts in die Stadtmauern
eingefügt. Es sollte an die Völkerschlacht von Leipzig erinnern,
in der die Österreicher mit ihren Verbündeten Napoleon besiegt
hatten. Die Anbauten links und rechts wurden in der
Ständestaatzeit (1934-1938) hinzugefügt; die düsteren
stilisierten Adler (Bild 3) gehören zu den seltenen Beispielen
faschistischer Kunst in Wien. Seit damals befindet sich im
Burgtor das wichtigste Denkmal für die Gefallenen des 1.
Weltkriegs. |
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| auszugsweise aus |
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| Duncan J. D. Smith; Nur in Wien |
Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten,
geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
Fotografien von Duncan J. D. Smith
„Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert, die Straßen
anderer Städte mit Asphalt.“ Karl Kraus (1874-1936)
Wien ist sicherlich eine der großartigsten und zugleich
homogensten Hauptstädte in Europa. Und es ist eine der
faszinierendsten. Die Überfülle an Reiseführern, die es zu
kaufen gibt, präsentiert dem nicht allzu anspruchsvollen
Besucher eine märchenhafte (und leicht zugängliche) Fülle an
Museen, Kirchen, Palais und kulinarischen Lokalitäten, und sie
erzählen von der Geschichte der Stadt seit den Zeiten der Römer
über jene des Habsburgerreiches bis zur Gegenwart. |
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|
mit freundlicher Genehmigung |
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| Christian Brandstätter
Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen
und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
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| Werdertor |
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| Foto vom Werdertor (1880) - © Wiener Stadt- und
Landesarchiv |
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| Im 13. Jahrhundert ließ König Ottokar II. Premysl die
Wiener Ringmauer um ein weiteres Tor ergänzen. Das neu errichtete
Werdertor wurde beim Ruprechtssteig in der Nähe des Austritts des
Ottakringer Bachs hin zur Donau (heute Donaukanal) errichtet. Im Laufe
der Jahrhunderte wurde das Tor immer wieder ausgebaut, an die neue
Stadtbefestigung angepasst und restauriert. Durch die Errichtung des
kaiserlichen Arsenals wurde der Verlauf der Wiener Befestigungsanlagen
geändert. Das Werdertor verlor dadurch seine Bedeutung als Teil der
Festungsanlage. Das Gebäude fiel an die Stadtgemeinde, der Werderturm
wurde mit Ausnahme der Torhalle demoliert. Im Jahr 1717 errichtete Josef
Anton Stranitzky ein dreistöckiges Zinshaus über dieser Torhalle. So
blieb die ehemalige Substanz weiterhin erkennbar. Im Jahr 1880 wurde das
Gebäude mitsamt den Torresten abgerissen dabei fertigte man eine
Fotografie und zwei Pläne an, um die letzten Reste dieses Stadttors zu
dokumentieren. |
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aus |
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| Websercice der Stadt Wien |
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