Das Wiener Beisl hat seinen Namen aus dem
Jiddischen.
Frage in Günther Jauchs Millionenshow: Wohin geht man, wenn man in
Österreich ein Beisl aufsucht?
(a) Gaststätte; (b) Schwimmbad; (c) Kino; (d) Toilette.
Der Kandidat entscheidet sich für Toilette und fällt zurück auf 500 Euro
ein Irrtum, der ihn viel Geld kostet.
Auch die Herkunft des Wortes war lange Zeit mit einem Irrtum behaftet. Bis zum Jahre 1975
dachte man nämlich, das Wort stamme von hebräisch bájiss ab. Dann erschien
eine neue Lieferung des Wörterbuchs der bairischen Mundarten in Österreich.
Dort können wir lesen, dass der Ausdruck Beisl vom böhmischen Wort
paizl (=Kneipe, Spelunke, Butike) herzuleiten ist. Es handelt sich um eine
verkleinernde Kurzform des Hauptworts hampejz mit den Bedeutungen
Hundehäuschen, Kegelbahn, später auch Bordell.
Zunächst verstand man in Wien unter Beisl ein Lokal niederer Güte, bis sich ein
Bedeutungswandel zum Besseren einstellte. Heute spricht man sogar von
Nobelbeiseln, das sind Lokale mit verfeinerter bodenständiger Küche, wo sich
die Noblesse trifft. Der deutsche Gastrokritiker Wolfram Siebeck (Die Zeit)
hat den Beisln von Wien ein eigenes Buch gewidmet.
Das jiddische Wort bájiss, das die Sprachforscher, mich eingeschlossen, so
lange in die Irre geleitet hat, bedeutet übrigens Haus, in der Wiener
Gaunersprache auch Zuchthaus und Arbeitshaus.
Textauszug aus
Grüner, Sigmar - Sedlaczek, Robert Lexikon der Sprachirrtümer Österreichs
Deuticke Verlag ISBN: 3-216-30714-X