Bermudadreieck
© Verlag Christian Brandstätter - Manfred Horvath
Bild: Liebevoll restauriert ist die elegante „Loos-Bar“ (American Bar)
heute eine der gefragtesten Cocktailbars der Stadt
© Verlag Christian Brandstätter - Manfred Horvath
Wien für Nachtschwärmer
Eine Bar neben der anderen säumt die steile Gasse, in der Abend für Abend die Massen den Berg hinan und wieder hinab ziehen. Trauben bilden sich vor den offenen Lokaltüren, aus denen Musik dröhnt, im Sommer fließen die Gastgärten am Rabensteig und am Ruprechtsplatz fast ineinander: So präsentiert sich das Bermudadreieck im 1. Bezirk, das touristische Nightlife-Mekka par excellence, das vor gut 25 Jahren ein Vorreiter der heute berühmten Wiener Lokalszene war. Begonnen hat es Ende der 1970er Jahre: Die Arbeiten an der U-Bahn-Linie 1 waren eben beendet, das eher vergammelte Quartier, in dem die schwerbewachte Synagoge und die uralte Ruprechtskirche in enger Nachbarschaft liegen, wurde saniert, als Lokale mit Pioniergeist wie das Bierlokal „Krah Krah“ oder der ehem. „Rote Engel“, der nun, nach einem Besitzerwechsel, „Der neue Enge“ heißt, einen ganz neuen Trend starteten. Hier, im Geflecht von Rabensteig, Seitenstettengasse und Ruprechtsplatz ballt sich seither die nächtliche Gastronomie: Zu den Alteingesessenen wie dem „Ma Pitom“ (der Name bedeutet „Warum plötzlich“ auf hebräisch), einem großen Lokal mit italienischen und internationalen Spezialitäten, oder dem souveränen „Salzamt“ samt Bar und feinem Restaurant (Architekt Hermann Czech) hat sich eine Vielzahl weiterer Lokale gesellt. Heute hat das Vergnügungslabyrinth zwar in den Augen der Wiener etwas Patina angesetzt, floriert aber dennoch vor allem dank seines legendären Rufs bei Wien-Besuchern. Außerdem frischen Newcomer immer wieder das Image auf, wie das quick-lebendige karibische „Ron Con Soda“ (70 Rumsorten) oder das „First Floor“ darüber, eine der schönsten Cocktailbars der Stadt. Man muß sich schon selbst auf die Piste begeben, um sich ein Bild von dem vielfältigen nächtlichen Treiben zu machen. Dabei ist die Beisl-Tour nicht ganz ungefährlich; schon so mancher soll in den Tiefen der Altstadtgassen zeitweilig verschollen gewesen sein, weil er oder sie aufs Heimgehen vergessen hat – deshalb auch die Namensgebung: In den Achtzigern, als sich die Gegend zum Vergnügungsviertel mauserte, hieß sie plötzlich Bermudadreieck. Es war dies im Szene-Jargon eine alte Bezeichnung aus dem Jahrzehnt davor, als sich um den Naschmarkt erstmals die Kneipen zu häufen begannen – Urzellen der ausgedehnten und vielfältigen Lokal-Landschaft von heute, die inzwischen zum internationalen Publikumsmagneten geworden ist. Auch in der Innenstadt entstanden damals erste Szene-Lokale, die bis heute boomen: Das „Kleine Café“ am Franziskanerplatz oder die „Wunderbar“ in der Schönlaterngasse (beide eingerichtet vom Architekten Hermann Czech).
auszugsweise aus
Käthe Springer; Wien City Guide
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Photographien von Manfred Horvath
Verlag Christian Brandstätter - Wien
mit freundlicher Genehmigung
Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
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