Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie
Bronzezeit
Ende des ersten Drittels des 3. vorchristlichen Jahrtausends vollzieht sich der Wandel von der kupferzeitlichen Glockenbecherkultur zu den frühbronzezeitlichen Kulturgruppen. Die Frühbronzezeit dauerte von 2300 bis 1600 v. Chr. Im ostösterreichischen Raum herrscht zu dieser Zeit keine kulturelle Einheit. Vielmehr ist eine Aufspaltung in drei Kulturprovinzen festzustellen.
Bronzezeit - Bild © Citype, Gaube
Hockergrab der Frühen Bronzezeit. Der Tote wurde durch Fesselung in diese
Lage gebracht. Auf der Brust Fleischbeigabe mit Knochenpfriem.
Gross-Weikersdorf, Niederösterreich
(Naturhistorisches Museum Wien - www.nhm-wien.ac.at)
Zum einen ist der süddanubische Raum in eine westliche, in der die Unterwölblinger Kulturgruppe greifbar ist, und eine östliche Provinz mit der Wieselburger Kulturgruppe einzuteilen. Die Grenze zwischen den Kulturgruppen wird allgemein im Bereich des Wiener Waldes angenommen. Der Raum nördlich der Donau hat Anteil an der Aunjetiz-Kultur. Das Wiener Stadtgebiet liegt so an der Schnittstelle der Kulturen. Andererseits ist sie aber auch Peripherie der einzelnen kulturellen Erscheinungen.
Frühbronzezeit in Wien - © Magistrat der Stadt Wien
Aus Wien liegen nur wenige Funde dieses Zeitabschnittes vor. Ein unsicherer Befund ist aus dem 3. Bezirk (Rennweg 14) vorhanden, möglicherweise die Reste eines Grabes. Ebenfalls aus dem 3. Bezirk stammt ein Einzelfund. Es ist eine Bronzenadel aus der Prinz Eugen Straße 1, die jedoch bereits in die Wende zur Mittelbronzezeit zu datieren ist. Einige Siedlungspuren und zwei Grabbefunde im Bereich von Eßling und Aspern weisen auf eine Besiedlung des hochwassersicheren Raumes nördlich des kleinsten Wagrams hin.
Bronzezeit - Bild © Citype, Gaube Bronzezeit - Bild © Citype, Gaube
Brozezeitl. Bekleidung Ösenhalsring und Armschmuck
(Naturhistorisches Museum Wien - www.nhm-wien.ac.at)
Die Mittelbronzezeit wird von 1600 bis 1250 v. Chr. angesetzt. Sie geht einher mit dem Komplex der Hügelgräberkulturen, die in Wien mit der Ausprägung der mitteldanubischen Hügelgräberkultur nun das Siedlungsbild des Wiener Raumes verdichtet. Siedlungsbefunde sind in dieser Phase jedoch weiterhin äußerst spärlich. Solche sind in Wien 22, (auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern) in Wien 23, (Kekgasse) und außerhalb der Stadtgebietes auf dem Bisamberg, (Langenzersdorf NÖ) und auf dem Hochberg, (Perchtoldsdorf NÖ) nachgewiesen.
Wo Siedlungsnachweise fehlen geben Grabfunde den Umkreis von bislang nicht entdeckten Siedlungsstellen an. Gräber sind in doppelt so hoher Zahl wie Siedlungen aufgefunden worden.
Bronzezeit - Bild © Citype, Gaube
Gefäße - Bronzezeit
(Naturhistorisches Museum Wien - www.nhm-wien.ac.at)
Gräber wie Siedlungen liegen in den hochwassersicheren Bereichen der Stadtterrasse bzw. entlang der Bachläufe, einzig die Funde auf dem Bisamberg belegen die Nutzung höherer Areale zu Siedlungszwecken. Entlang des Liesingbaches ist eine Siedlungslandschaft in stark fragmentiertem Zustand erhalten geblieben. Die Fundstellen Kekgasse, Sulzengasse, Zwölfaxing und Csokorgasse belegen die flächendeckende Nutzung der Tallandschaft.
Bronzezeit - Bild © Citype, Gaube
Geschirr - Bronzezeit
(Naturhistorisches Museum Wien - www.nhm-wien.ac.at)
Als Einzelfunde sind am häufigsten Bronzenadeln entdeckt worden. Ob sie als Reste von nicht erkannten Bestattungen oder als Deponierungen zu interpretieren sind, ist fraglich. Auffällig ist das Fehlen von Waffen und Werkzeugen. Die Entwicklung von der mittelbronzezeitlichen Hügelgräberkultur zur spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur ist eine gleitende, die im Wiener Raum anhand materieller Belege gut nachzuzeichnen ist.

Die letzte Phase der Bronzezeit ist in unserem Raum von der Urnenfelderkultur geprägt. die rund 500 Jahre , etwa von 1250 bis 750 v. Chr. nachweisbar ist. Sie stellt eine über den gesamten europäischen Raum gemeinsame Erscheinung dar, die im Wiener Stadtgebiet. Allgemein ist für diese Phase ein sprunghafter Anstieg der Fundstellen festzustellen, der mit einer dichten Aufsiedelung und Durchdringung des Raumes zu erklären ist. Gegenüber den 14 mittelbronzezeitlichen Fundstellen sind bislang 41 spätbronzezeitliche bekannt. Die auffällige Zunahme der Fundplätze ist einerseits mit besseren Erhaltungsbedingungen, andererseits aber gewiss auch mit einer nun bis in die höheren Lagen des Wienerwaldes nachzuweisenden Nutzung des Raumes zu erklären. Das seit Beginn der Spätbronzezeit zunehmend trockenere und wärmere Klima begünstigt zusätzlich die stärkere Aufsiedelung der vormals feuchten Talböden.
Bronzezeit - Bild © Citype, Gaube
In der Speichergrube der urzeitlichen Wehranlage von Stillfried a.d.March / NÖ, wurden die Skelette von 7 Menschen entdeckt. Die Skelette stammen aus der Urnenfeldkultur (Bronzezeit, 9.Jh. v. Chr.), benannt nach der damals üblichen Brandbestattung.
Bei den 7 Toten handelt es sich um 3 Erwachsene und 4 Kinder. Charakteristische Ähnlichkeiten der Skelette lassen den Schluss zu, dass es sich bei den Toten um eine Familie gehandelt hat. Der Mann und die ältere Frau waren die Eltern der 4 Kinder. Die jüngere Frau dürfte die Schwester des Mannes gewesen sein.

Alle Mitglieder der Familie wurden zum gleichen Zeitpunkt bestattet, wahrscheinlich sind sie auch gemeinsam ums Leben gekommen. Da keine äußeren Gewalteinwirkungen zu erkennen sind, vermuten die Anthropologen als Todesursache Vergiftung. Die Krampfartige Haltung der Skelette legt nahe, dass zumindest einige der Personen lebend in die Grube kamen. Der wohl menschlich ergreifendste Befund ist die Lage der Mutter und des 6jährigen Knaben. Die Mutter legt scheinbar beruhigend und beschützend ihre rechte Hand auf das sterbende Kind, das sich an sie klammert.

Vom archäologischen Standpunkt ist diese Bestattung sehr untypisch für diese Zeit. Die Familie wurde weder am damals benutzten Friedhof beigesetzt, noch hat sie ein traditionelles Begräbnis erhalten. Dieser für die Anthropologen und Archäologen sensationelle Fund von 1976 ermöglicht den Anthropologen erstmals, anhand vollständiger Skelette das Bild des Menschen dieser Zeit zu rekonstruieren.
(Naturhistorisches Museum Wien - www.nhm-wien.ac.at)
Der Übergang von der Hügelgräber- zur Urnenfelderkultur ist an zwei Gräbern in Wien 14 erkennbar, die, noch in Hügelgräbertradition errichtet, bereits spätbronzezeitliche Fundstücke enthielten. Auch ein Einzelfund aus dem Bett des Wienflusses ist in diese Phase zu setzen. Entlang der großen Bachsysteme der Wien und der Liesing liegen in der älteren Phase der Urnenfelderkultur kleine weilerartige Siedlungen in einer Entfernung von rund 3,6 km aneinander gereiht. Auch nördlich der Donau liegen die Siedlungen entlang des kleinsten Wagrams an den Donauauen. Mit der entwickelten Phase der älteren Urnenfelderzeit taucht ein neues Phänomen auf - die Höhensiedlung. Auf dem Bisamberg ist eine solche bereits für die mittlere Phase nachgewiesen, und auch gegenüber der Donau auf dem Leopoldsberg entsteht eine Höhensiedlung, jedoch erst in der späten Urnenfelderzeit.
Spätbronzezeit in Wien - © Magistrat der Stadt Wien
Auch im Westen und Süden entstehen, bereits außerhalb des heutigen Stadtgebietes, Höhensiedlungen: so auf dem Buchberg, dem Kammerstein in Kaltenleutgeben und möglicherweise auf dem Frauenstein in Mödling. Gleichzeitig mit dem Aufkommen dieser, mit ihrem wirtschaftlichen Schwerpunkt vollständig anders orientierten Höhensiedlungen kommt es zu einem Ausdünnen der Siedlungssysteme in den Flusstälern. Das dichte Siedlungssystem der älteren Phase ist in der späteren Urnenfelderkultur nicht mehr nachzuweisen. Das kann einerseits mit einer Zentralisierung, aber auch mit einer Abnutzung der Böden auf den primär bewirtschafteten Lagen erklärt werden. Wahrscheinlich haben auch die veränderte Umweltbedingungen, mit einem zunehmend feuchteren und kühleren Klima eine Verlagerung der Siedlungsschwerpunkte begünstigt.
Text auszugsweise aus
Mag. Volker Lindinger
Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie
Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie
Naturhistorisches Museum Wien
A 1010 Wien, Burgring 7
Die Bronzezeit
In der Bronzezeit stieg die Bevölkerungsdichte weiter an; der Mensch ging daran, die Kulturlandschaft zu schaffen. Werkzeuge und Geräte waren nun aus Kupfer oder Bronze (einer Mischung aus ca. 90% Kupfer und 10% Zinn). Eine Verbesserung der Handelsbeziehungen (Bernsteinstraße!) und der bäuerlichen Wirtschaft führte zu steigendem Wohlstand und der ersten Ausprägung sozialer Schichten.
Bronzezeit - Bild © Citype, Gaube
Schaftröhrenaxt, Absatzbeil, Nadel - Bronzezeit
(Naturhistorisches Museum Wien - www.nhm-wien.ac.at)
 Hauptsächliche Siedlungsgebiete sind nun nicht mehr die höher gelegenen Terrassen, sondern die sogenannte Stadtterasse, etwa 12-15 m über dem Wasserspiegel der Donau und als Steilabfall noch heute bei Maria am Gestade und der Ruprechtskirche am Donaukanal erkennbar. Hier vorallem wurden die bereits zu größeren Dorfsiedlungen zusammengefassten Rechteckhäuser errichtet. Die Keramik- und Bronzefunde aus dem Stadtbereich von Wien sind zunächst nicht besonders zahlreich, aber von guter Qualität. Nach der Bestattungsart unterscheidet man drei bronzezeitliche Perioden: die Hockergräber- oder Aunjetitzer Kultur (ca. 1800 v. Chr. bis 1500 v. Chr.), die Hügelgräberkultur (ca. 1500 v. Chr. bis 1200 v. Chr.) und die Urnenfelderkultur oder Lausitzer Kultur mit ihren großen Friedhöfen und reichen Grabbeigaben zu den Aschenurnen. Waren die Funde im Wiener Stadtbereich aus den früheren Epochen eher spärlich gesät, so sind sie aus dieser Epoche relativ zahlreich, u.a. in der Inneren Stadt, vor allem aber in Kagran, Leopoldau und Aspern.
Text auszugsweise aus
Stadtchronik Wien
Dr. Christian Brandstätter, Dr. Günter Treffer
2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
mit freundlicher Genehmigung
Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
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www.brandstaetter-verlag.at
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