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| Hannes Etzlstorfer (Hrsg.) |
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| Küchenkunst & Tafelkultur |
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Culinaria von der Antike
bis zur Gegenwart |
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| Christian Brandstätter Verlag |
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| Werner Sommer |
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| Vom offenen Feuer zum Mikrowellenherd |
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Der technologische Wandel am Beispiel des Herdes
Hausfrauen dieser Art
standen stundenlang am Herd, um die Zubereitung des
Gastmahls nicht etwa bloß zu überwachen, sondern tatkräftig mitzugestalten.
Friedrich Torberg (1908-1979)
In den letzten Jahren fand eine überraschende Renaissance im Fernsehbereich statt: Die
Kochsendung kam wieder in Mode. Sie war zwar nie ganz verschwunden, mit dem
internationalen Erfolg des jungen Engländers Jamie Oliver konnte das eher angestaubte
Hausfrauenformat der Kochsendung jedoch in die Jugendkultur des 21. Jahrhunderts
hinübergerettet werden. Der Erfolg im Fernsehen schlug sich auch in Buchformat nieder:
Jamie Olivers Kochbücher finden entsprechenden Absatz. Bisweilen kann man seine Bücher
auf Märkten quasi als Einkaufslistenersatz in den Händen seiner Fans
sehen. Die Cover sind zielgruppengerecht gestaltet, aber auch die klassische Version ist
zu finden: Jamie in der Küche mit Lieblingsutensilien seiner Kochkunst Olivenöl
und Mörser (Kochen mit Jamie Oliver, 2003). An der Wand hängen diverse
Geräte, Messer und Beile; eine Präsentation des Arbeitsplatzes Küche, die sich
prinzipiell von ähnlichen Darstellungen in Kochbüchern früherer Jahrhunderte kaum
unterscheidet. |
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Bild links: Küchenszene. Holzschnitt zum Titelblatt.
In: Koch- vnnd Kellermeisterey von allen Speisen vnnd Geträncken. Frankfurt/M. (Herman
Gulfferichen), 1547. Sign. 69. F. 41 (3)
Bild rechts: Rauchküche. Kupferstich, Detail. In: Wolf Helmhard Hohberg: Georgica curiosa
aucta. 3. Band. Nürnberg (Endters), 1749. Sign. 47. R. 1 |
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| Der Titelholzschnitt in Balthasar Staindls Ain künstlichs und
nutzlichs Kochbuch von 1547 etwa zeigt den Prototyp aller neuzeitlicher Küchen: ein
Herd mit offenem Feuer, darauf Töpfe, Spieße mit Grillgut bestückt, Gerätschaften am
Boden, auf Schränken, an der Wand, Vorräte, Fässer, in der Mitte der Koch mit Löffel
und Pfanne hantierend. Bei aller zeichenhaften Abstraktion geben diese Abbildungen oft
detaillierte Aufschlüsse über die Küche als Arbeitsstätte, die Ausstattung derselben
und die Kochgewohnheiten; abseits dieser Einrichtungsabbildungen finden sich auch
anschauliche Beschreibungen von Arbeitsvorgängen. Einen anschaulichen Überblick über
Entwicklung von Küche, Mobiliar, Gerät und die Stellung des Menschen in diesem System
liefert Gertrud Benkers In alten Küchen (1987). |
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| Der Ort |
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| Die Küche als abgeschlossener Raum mit Herdstelle und Gelegenheit zur
Bereitung von Speisen ist in Mitteleuropa konkret erst vom späten Mittelalter an fassbar.
Wir finden in frühen Küchenillustrationen im Herdraum kaum einen Platz zum Einnehmen der
Mahlzeiten, die Küche war reine Arbeitsstätte so im Frontispiz zu
Supp, Gemüs und Fleisch für bürgerliche Haushaltungen (1842)
oder im dritten Band von Florinus Oeconomus prudens et legalis (1751).
Je nach Größe des Hauses und der zu versorgenden Gemeinschaft war sie ein dunkler Winkel
im Hausgang, ein kleiner Raum oder eine ausgedehnte Halle in einem eigenen Gebäude (zur
Ausstattung einer Papstküche mit offener Feuerstelle siehe Bartolomeo Scappis überaus
detailverliebtes und für die Kenntnis der Küchenausstattung an den Renaissancehöfen
besonders bedeutsames Papstkochbuch von 1570). Die Küchenmöbel blieben bis ins 19.
Jahrhundert reine Gebrauchsobjekte. Erst spät kann man von einem ausgesprochenen
Küchenmobiliar sprechen. Ab 1850 ging eine Vereinheitlichung der Ausstattung vor sich.
Mauers Illustriertes Wiener Kochbuch (1885) zeigt eine Ansicht einer
Musterküche, wie sie den herrschaftlichen und bürgerlichen Verhältnissen
entspricht. Diese Entwicklung lässt sich über Margarete Schütte-Lihotzkys
Frankfurter Küche bis zur heutigen Ikea-Küche beobachten. |
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| Bild links: Küchenszene. Kupferstich zum Titelblatt. In: Conrad
Hagger: Neues Saltzburgisches Koch-Buch. Augsburg (Lotter), 1718. Sign. 38. B. 31. Hier
erinnert nichts mehr an die rußgeschwärzten Arbeitsräume des Spätmittelalters und der
frühen Neuzeit; alles hat bereits repräsentative Dimensionen erreicht: der
volutengesäumte Kamin, die Tellerkredenz. Im Mittelpunkt steht der mit dem kunstvollen
Dekorieren einer Pastete beschäftigte |
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Durch die Einführung der geschlossenen Herdstelle konnte ein
wohnlicher Aufenthaltsraum geschaffen werden. Die Küche übernahm vor allem bei
den unteren Schichten wieder Wohnfunktion. Im gehobenen Stadthaushalt entwickelte
sich der Kochraum etwa ab 1900 in Richtung Labor: weißer Anstrich, blitzender
Fliesenboden, entrümpelte Ecken, Licht und Luft, perfekte Sauberkeit wie in der Klinik,
arbeitssparende Maschinen und praktische Geräte die Idealvorstellung der Zeit.
Eine Küche ist eigentlich nichts anderes als ein Laboratorium, und es ließe sich
auch viel besser darin arbeiten, wenn sie als solches betrachtet, auch so ähnlich
eingerichtet wäre. Sie müßte aussehen etwa wie eine Apotheke, wo jedes Fläschchen und
jede Kleinigkeit sein ganz besonderes Gefach oder seinen ganz bestimmten Platz hat
Auch alle Gewürze und sonstigen Dinge, wie Tee, Kakao usw., die man in Dosen aufhebt,
sollte man in Glasdosen geben, mit der dazugehörigen Aufschrift wie in der
Apotheke. (Lihotzky 1921, S. 221) Eine Optimierung der Arbeitsabläufe nach den
Grundsätzen des Taylorismus brachte der 1926 in Frankfurt entstandene Prototyp der
modernen Küche der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000).
Neben dem Feuer ist nichts für die Küche so unentbehrlich wie Wasser. Schon in den
Illustrationen der ersten gedruckten Kochbücher um 1500 haben wir anschauliche Beispiele
für die Tätigkeit des Abwaschens: Geschirr und Töpfe wurden in einem großen
Holzschaff, einem metallenen Kessel oder Zuber, später in emaillierten oder verzinkten
Wannen von der Magd oder der Hausfrau mit einem Lappen oder einem Drahtschwamm gereinigt.
Das Wasser schüttete man meist in den Abguss an einer Außenwand. In vielen
Bürgerhäusern gab es Spül- oder Schüttsteine in Fensternähe oder auf der Diele. Die
Illustrationen zur Papstküche zeigen Spülsteine mit fließendem Wasser sowohl in der
Küche als auch im Nebenraum. Im 19. Jahrhundert wurden dann verschiedene Einrichtungen
erfunden, die die Arbeit erleichtern sollten, u. a. Spültische mit eingelassenen
Emailschüsseln, die im geschlossenen Zustand als Ablagetische verwendet werden konnten. |
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Bild links: Kochen mit dem Bratspieß. Kolorierte
Federzeichnung. Fol. 102v. In: Giovanni Cadamosto: Trattato circa le nature de
lherbe, de cibi et de venendei, de pietre et de parole et de loro juvamenti et
nocumenti et ad removere li nocumenti soi. Medizinischer Traktat. Italien, 3. Viertel 15.
Jahrhundert. Codex 5264
Bild rechts: Küchenszene. Kupferstich. In: Bartolomeo Scappi: Opera divisa in sei libri.
Venedig (Michele Tramezzino), 1570. Sign. 44. G. 99. Neben dem Feuer ist das Wasser ein
unentbehrliches Küchenelement, das freilich nur in den großen Küchen als Fließwasser
verfügbar war. In der Papstküche Bartolomeo Scappis gab es neben einem Brunnen (pozzo)
auch ein Auffangbecken für Fließwasser (conserva). |
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Bis ins 18. Jahrhundert war das wichtigste Verwahrmöbel die Truhe. In
Küchendarstellungen des 16. bis 18. Jahrhunderts sieht man Truhen jedoch selten. Manchmal
waren im verrauchten Kochraum alte und ausrangierte einfache Schränke in Verwendung. Ab
ca. 1850 taucht in den städtischen Küchen ein neuer Möbeltyp auf: das Buffet. Über
einem zweitürigen Unterschrank erhebt sich, von einer Abstellfläche unterbrochen, der
durch Glastüren verschlossene Oberschrank. Im oberen einsehbaren Teil nimmt das Buffet
Geschirr, im Unterteil meist Töpfe auf. Die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gängigen
Wandstellagen wurden dadurch zum Großteil überflüssig. Das bessere Geschirr wurde
früher schon in den Stuben aufgestellt und gezeigt. Für das Gebrauchsgeschirr gab es
aber auch an den Küchenwänden Gestelle. Sie nahmen alles auf, was griffbereit sein
musste: Pfannen, Schüsseln, Schöpflöffel, Spieße, an Haken hingen Henkelgefäße.
Im Barock entwickelte sich in vornehmen Häusern als eine Art Modeerscheinung die
Prunkküche. Dies war ein Raum, der, wie die spätere gute Stube, kaum benützt wurde und
nur der Funktion des Aufbewahrens und der Repräsentation diente. Entsprechend reihte man
auf den Simsen der Feuerhüte und in oft wandbedeckenden Stellagen reichlich Geschirr und
Gerät, das Auskunft über die wirtschaftliche Situation des Hauses geben sollte. Die
Küche des 15. und 16. Jahrhunderts ist in der Regel jedoch spärlich ausgestattet. Viele
Arbeitsgänge wurden kniend oder hockend auf dem Boden verrichtet. Zum Sitzen dienten
allenfalls einfache Hocker mit drei oder vier Beinen. Diese Hocker, zunächst ca. 30 cm
hoch, werden in den folgenden Jahrhunderten dem heutigen Stuhl in der Höhe angepasst. Der
Stuhl mit Lehne und die Sitzbank in der Küche sind relativ späte Erscheinungen. In
Herdnähe fanden sich rechteckige Platten auf Untergestellen und andere einfachste Möbel
als Abstell- und Arbeitsflächen. Ein Universalmöbel war der Hackstock: ein Mittelding
aus Hocker, Bank und Tisch. Hier wurden Kleintiere geschlachtet, Federn gerupft, Innereien
ausgenommen, Fleisch wurde zerteilt, fertiges Geflügel tranchiert, Kräuter und Gemüse
zerkleinert. |
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| Das Gerät |
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| Bei der Gestaltung des Herdraumes stellten sich zwei Probleme: Welches
ist die rechte Form und die angemessene Höhe für die Feuerstelle, und auf welche Weise
ist der Rauchabzug zu regeln? Ein Schritt zur Lösung des ersten Problems war die Anhebung
der Holzscheite zum Zweck der Luftzufuhr, etwa durch das Verwenden eines Feuerbocks. Die
höhere Lage erwies sich als zweckmäßig für das Bedienen der Kochgeräte. Frühere
Kochbuchillustrationen zeigen gemauerte Herde, die bis zu den Knöcheln, zu den Knien (in
einer Küchenszene bei Platina, 1543, im Titelkupfer bei Staindl, 1547) oder schon bis zu
den Hüften reichten. Ab dem 16. Jahrhundert waren in gehobenen Haushalten schon
tischartige Herde mit einer Höhe von 50 bis 100 cm gebräuchlich; sie waren rechteckig,
aus Stein gebaut, mit einer gewölbten Öffnung im vorderen Bereich, in der Brennholz
aufbewahrt wurde (z.B. in Zelenas Kochbuch, 1798). Die immense Brandgefahr sollte durch
verschiedene Maßnahmen gebannt werden: Die Küchenwölbungen sollten möglichst hoch
sein, ein mauerumschlossener Raum rings um den Herd geschaffen werden; die Funken wurden
durch einen Feuerhut abgefangen und der Rauch (zunehmend ab dem 16. Jahrhundert) durch
einen Schlot abgeleitet. |
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| Bild links: Cucina fatta a Campagna. Kupferstich. In: Bartolomeo
Scappi: Opera divisa in sei libri. Venedig (Michele Tramezzino), 1570. Sign. 44. G. 99.
Kochen für große Tafeln macht selbst in Großküchen rationelle Arbeitsaufteilung und
den Einsatz von Großgeschirr notwenig. In Scappis Papstküche wird die Heißluft vom
Kochkessel auch für den Antrieb der Bratspieße verwendet. |
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All diese Maßnahmen führten schließlich zur räumlichen Separierung
des Kochvorganges. Der Herd rückte aus Platzgründen, und um Kamine von mehreren
Feuerstellen aus nutzen zu können, an die Wand. Sollte der Kochherd von allen Seiten
bedienbar sein, musste der Rauchfang ziemlich hoch gesetzt werden. So blieben Ruß und
Rauch in manchen Gegenden bis ins 20. Jahrhundert bestimmend für die Küche. Die Räume
waren zumal oft fensterlos und wurden nur durch das Feuer erhellt.
Aufgrund der immer größer werdenden Holzknappheit begann man sich mit dem Bereich Heizen
umfassend zu beschäftigen. Der Physiker Benjamin Thompson Graf Rumford (1753-1814)
argumentierte, es komme auf eine Konzentration der Wärmequelle an und sagte dem
offenen Feuer den Kampf an. Er ließ Herde sowohl für einfachste Verhältnisse als auch
für Küchen mit großem Aufwand bauen und befasste sich mit Größe, Form und Material
von Kochtöpfen und deren Deckeln. Mit dem offenen Feuer verschwand allmählich der große
Kessel; viele kleinere Töpfe und Pfannen gehörten fortan zur Grundausstattung. Erstmals
war es nun möglich, Herdspeisen auf der heißen Herdplatte aus Metall über
dem Feuerraum gleichzeitig mit Ofenspeisen im Heißluftrohr zu bereiten.
Aber auch der Speiseplan wandelte sich mit der Einführung moderner Kochmaschinen
Eintopfgerichte, Suppen und Breie gingen zurück, stattdessen war nun das mehrgängige
Menü in der bürgerlichen Küche möglich (vgl. Wiegelmann 1972, S. 223f.). Der
Sparherd fand aber trotzdem nur zögernd Eingang in die Haushalte. Als
Bremsklötze wirkten die Trägheit der Bevölkerung, die lieber am Altgewohnten festhalten
wollte, sowie die Eisenindustrie. Im 19. Jahrhundert wurden verschiedene Modelle von
Kochöfen und diverse Kombinationen angeboten. Ab ca. 1850 setzten sich dann die Sparherde
oder Kochmaschinen, wie man die moderne Art des geschlossenen Herdes nannte,
zunächst im städtischen Bereich durch, die Modelle wurden auch leichter und handlicher
und somit transportabler. Meyers Konversationslexikon aus 1895 (Bd. 10, S.
319ff.) zeigt uns eine beeindruckende Zahl von Öfen der unterschiedlichsten Formen: einen
Zimmerkochofen, den Anstaltsherd von Senking, einen Kochherd mit drei Kesseln, Groves
Dampfkocheinrichtung, Senkings Wasserbadkocheinrichtung, Paulys Grudenschrank, und eine
Massenkocheinrichtung für Kaffee.
Es entwickelte sich ein nach Größe, Form und Schmuck differenziertes Herddesign.
Ornamentale oder figurale Reliefs wurden in die gusseisernen Herdwände geprägt,
Porzellangriffe und Scharnierbeschläge der Ofentüren waren schmückendes Beiwerk
einen solchen Formenreichtum hatte der Herd weder vorher gekannt noch später jemals
wieder erreicht. Um 1900 trat schließlich der Gasherd seinen Siegeszug in den
Stadtküchen an, wodurch die offene Flamme in gezähmter Form wieder ins Haus kam. Der
Elektroherd wurde zwar nach dem Ersten Weltkrieg leistbar (vgl. Albrecht 1937), setzte
sich auf breiter Form aber erst in den 50er Jahren durch. Trotz wechselnder Energie und
gewandelter Form blieb das Prinzip immer gleich. Erst die Erfindung der Mikrowelle, die
Ende der 80er Jahre einen Absatzboom erlebte, bracht nicht nur eine neue Energieform,
sondern auch eine neue Kochtechnik. |
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| Bilder: Diverse Küchenmaschinen und Geräte für die
Arbeit am Küchenherd. Kupferstiche. In: Bartolomeo Scappi: Opera divisa in sei libri.
Venedig (Michele Tramezzino), 1570. Sign. 44. G. 99 |
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Verschiedenes Herdgerät diente zum Entfachen und Bändigen des Feuers:
Der Feuerbock sollte die Luftzufuhr zum Heizmaterial sicherstellen, mit langstieligen
Schaufeln wurde Asche entfernt; Ofenbesen, Gabeln, Feuerzangen, eine Feuerstülpe zum
Abdecken der Glut sowie Blasebälge und Blasrohre gehörten zur Ausstattung. Zu den
ältesten Bratgeräten zählen Spieß und Rost. Wurde der Spieß anfangs mit der Hand zum
Feuer gehalten, so schuf der Mensch bald Geräte, die ihm die Mühen erleichterten: von
Vorrichtungen wie Astgabeln bis hin zu beweglichen Eisenständern (Bratböcke), wobei die
Spieße entweder von einem Helfer oder durch verschiedene Mechanismen gedreht wurden. Man
ließ Hunde in Tretmühlen laufen, setzte Wasserkraft ein, erfand ein Gerät, das mit
Hilfe von Schwungkugeln die Drehbewegung verlängerte; es wurden Bräterautomaten
entwickelt, die sich die Windkraft, Gewichte oder die Kraft von Spiralfedern zu Nutze
machten. Das Braten am Spieß war den Kochbüchern zufolge vom 16. bis ins 18. Jahrhundert
sehr beliebt. Vom Zaunkönig bis zum Ochsen, kaum etwas war vor der menschlichen Freude am
Braten gefeit, vor allem in den gehobenen Schichten Bratenwender waren bei Bauern
eher selten zu finden; hier stand der Bratenrost häufiger in Verwendung.
Eines der wichtigsten Gefäße zur Speisenzubereitung ist die Pfanne, weswegen von ihr
eine Vielzahl von Formen, Größen und Materialien anzutreffen ist. Gleiches gilt für
Kessel und Töpfe, die entweder aufgehängt oder durch Dreifüße fixiert wurden. Viele
andere Vorbereitungs- und Hilfsgeräte waren durch die Jahrhunderte im Gebrauch und
erleichtern auch heute noch die Arbeit: Siebe und Seiher, Mörser und Handmühlen, Reiben,
Pressen, Quetschen, Nudelbretter und walker, Trichter, Backgabeln und
schaufeln, Spicknadeln, Koch- und Schöpflöffel, Quirle, Backformen, ja selbst
Steine zum Erhitzen von Flüssigkeiten. |
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| auszugsweise aus |
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| Hannes Etzlstorfer (Hrsg.); Küchenkunst & Tafelkultur |
| Culinaria von der Antike bis zur Gegenwart |
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