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| Susanne Winkler (Hrsg.) |
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| August Stauda |
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| Ein Dokumentarist des
alten Wien |
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Wien Museum
Christian Brandstätter Verlag |
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| Der Wiener Architektur- und Landschaftsfotograf
August Stauda (1861-1928) hat das „alte“ Wien der Jahrhundertwende in
mehr als 3000 Fotografien festgehalten. Dabei konzentrierte er sich –
ähnlich wie der in den 20er-Jahren von den jungen Avantgardekünstlern
entdeckte und gefeierte Eugène Atget in Paris – auf die Dokumentation
jener Wiener Stadtteile, die um die Jahrhundertwende massive
städtebauliche Veränderungen erfuhren. |
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Bild: Eine seiner Aufnahmen lässt
vermuten, dass er von einem Atelier in
der prestigereicheren Inneren Stadt geträumt hat: Er retuschierte seinen
Namen auf die Reklametafel eines Berufskollegen, der ein Atelier in
der vornehmen Rotenturmstraße besaß. |
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Stauda hat in seinen Stadtbildern nicht nur
Sehenswürdigkeiten der Inneren Stadt festgehalten, sondern auch
unspektakuläre urbane Situationen. Damit eröffnet sein Œuvre die seltene
Möglichkeit, die Großstadt Wien in einer historischen Phase, die von
tief greifenden Veränderungen und starkem Wachstum bestimmt war, in
ihrer architektonischen und sozialen Vielfalt in den Blick zu bekommen.
Man erahnt den Rhythmus ihrer „Normalität“, eine Erfahrung, die in der
retrospektiven Betrachtung nur selten möglich ist.
Zugleich vermitteln die Bilder eine Atmosphäre des grundsätzlich
Prekären jeder Stadtentwicklung. Entstanden in einer Zeit des Abreißens
und Neubauens erzählen Staudas Bilder auch von der Instabilität des
urbanen Lebens. In diesem Buch wird nun zum ersten Mal ein
repräsentativer Querschnitt seiner Stadtbilder vorgestellt. |
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| August Stauda, geboren 1861 bei
Königinhof in Böhmen, übersiedelte 1882 nach Wien. Nach dem
Militärdienst lernte er bei seinem Onkel Johann Evangelista Stauda
das Fotografieren und eröffnete schon bald sein eigenes Atelier. Er
war „Spezialist in Aufnahmen von Architekturen, Häusern, Villen,
Schlössern, und Interieurs …“ und ab 1913 beeideter
Sachverständiger, Schätzmeister und „Bürger von Wien“. Während des
Ersten Weltkrieges ging sein Unternehmen bankrott. Am 8. Juli 1928
starb der Stadtchronist im Alter von 66 Jahren. |
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August Stauda konzentrierte sich bei seiner Arbeit –
ähnlich wie Eugène Atget in Paris – auf eine Dokumentation jener
Stadtteile, deren Existenz durch die massiven städtebaulichen
Veränderungen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bedroht war. Sein
Interesse galt vor allem den Nebengassen mit ihren alten Häusern und
Innenhöfen.
Bemerkenswert an Staudas topografischer Fotografie ist, dass das
Beiläufige und Zufällige des alltäglichen Lebens auf vielen seiner
Aufnahmen weit weniger ausgeblendet ist als bei den meisten seiner
Berufskollegen. Stauda wollte „Charakteristisches“ wiedergeben und dazu
gehörten für ihn auch die Menschen, „die in irgend einer Beziehung zur
Landschaft stehen, das Bild beleben; man vermeide jedoch die Pose, das
Sich-photographieren lassen der Personen“. Diese Auffassung Staudas
entspricht nur mehr bedingt der um 1900 in der Architektur- und
Stadtfotografie vorherrschenden Meinung, dass Individuelles eher
auszublenden sowie Vergängliches durch Unschärfe zu entfernen sei. |
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| Mariahilfer Straße, 1908 |
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| Grinzinger Straße 88, 1907 |
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| Simmeringer Hauptstraße 83 - im
Innenhof, 1904/05 |
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| Vorwort zum Buch |
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Expeditionen sind nicht nur dann Erfolg versprechend,
wenn ihre Ziele in weiter Ferne liegen. Denn erstaunliche Entdeckungen
kann man auch dort machen, wo man sich schon lange befindet. Etwa, um
die Museen ins Bild zu holen, in jenen Sammlungsbeständen, die längst
inventarisiert sind und dennoch viele Kriterien einer terra incognita
erfüllen.
Im Wien Museum, das vor rund 130 Jahren als Historisches Museum
gegründet wurde, ist nun ein Schatz gehoben worden, dessen Einzelteile
zwar längst in Verwendung waren, der als zusammenhängendes Ganzes aber
erst seit kurzem erkennbar ist. Es handelt sich um rund 3000 Fotografien
des um 1900 tätigen Berufsfotografen August Stauda, die Ansichten der
Stadt Wien zeigen. Wie häufig in topografischen Sammlungen (das Wien
Museum besitzt insgesamt etwa 200 000 Fotografien), waren die Aufnahmen
bisher ausschließlich nach den dargestellten Gebäuden und Straßen
inventarisiert und damit in ein Ordnungssystem gestellt, in dem die
Autorenschaft keinen Stellenwert hat. August Stauda war zwar in der
täglichen Arbeit ein geläufiger Name, zugleich aber blieb er ein
Anonymus, dessen Arbeit und fotografische Haltung nicht greifbar war.
Susanne Winkler und Frauke Kreutler haben nun erstmals versucht, sich
einen Überblick zu verschaffen, indem sie alle Stauda-Aufnahmen aus dem
riesigen Bestand herausfilterten. Heute kann man sagen: Endlich sieht
man nicht nur Bäume, sondern einen ganzen Wald.
Denn Stauda hat nicht nur Sehenswürdigkeiten und exzeptionelle Orte,
sondern auch unspektakuläre urbane Situationen festgehalten. Damit
eröffnet sein Œuvre die seltene Möglichkeit, die Großstadt Wien in einer
historischen Phase, die von tief greifenden Veränderungen und starkem
Wachstum bestimmt war, in ihrer baulichen und sozialen Vielfalt in den
Blick zu bekommen. Die große Zahl der Fotografien ermöglicht eine
strukturelle Sicht auf die Stadt. Man erahnt zumindest den Rhythmus
ihrer „Normalität“, eine Erfahrungsebene, die in der retrospektiven
Betrachtung nur selten möglich ist. Zugleich vermitteln die Fotografien
eine Atmosphäre des grundsätzlich Prekären jeder Stadtentwicklung,
zumindest dann, wenn man weiß, dass Stauda in einer hektischen Zeit des
Abreißens und Neubauens mit seinem Equipment durch Wien wanderte. Seine
Bilder erzählen also auch von der Instabilität des urbanen Lebens.
Wolfgang Kos
Direktor Wien Museum |
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| Susanne Winkler (Hrsg.), Studium der Geschichte und
Germanistik in Wien, seit 1994 Kuratorin im Wien Museum, zahlreiche
Ausstellungen und Publikationen, u.a. „Blickfänge einer Reise nach Wien.
Fotografien 1860 – 1910 aus den Sammlungen des Historischen Museums der
Stadt Wien, 2000“. |
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| Susanne Winkler (Hrsg.);
August Stauda |
| Ein Dokumentarist des alten
Wien |
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| Christian Brandstätter
Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen,
Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
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| mehr zum Verlag |
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