Bundeskanzleramt - ©Christian Brandstätter Verlag
Bundeskanzleramt
A 1014 Wien, Ballhausplatz 2
+43-(0)1- 53115-0
post@bka.gv.at
Das Bundeskanzleramt ist zuständig für die Koordination der allgemeinen Regierungspolitik, die Informationstätigkeit der Bundesregierung und die staatliche Verfassung.

Weiters nimmt das Bundeskanzleramt die Vertretung der Republik Österreich vor dem Verfassungsgerichtshof, dem Verwaltungsgerichtshof und internationalen Gerichtshöfen wahr.
Manfred Matzka
Vieler Herren Häuser
20 Wiener Palais
Christian Brandstätter Verlag
Manfred Matzka ist ein intimer Kenner österreichischer Regierungspalais: Gut lesbar auch für den kunsthistorischen Laien, macht er mit diesem Buch die stummen Zeugen der Geschichte unseres Landes lebendig und Bürgerinnen und Bürgern zugänglich, denen sie eigentlich gehören.

Die Republik Österreich hat aufgrund der großen historischen Vergangenheit der Haupt- und Residenzstadt Wien eine große Zahl architektonisch wertvoller Schlösser und Palais mit neuem Leben erfüllt, in bestem Zustand erhalten und den staatlichen Institutionen als Sitz zur Verfügung gestellt. Bisher gab es keine vollständige und repräsentative Darstellung dieser Gebäude.

Dieser Bildband präsentiert 20 der schönsten Profanbauten Wiens mit zahlreichen, zu einem großen Teil bisher noch nicht veröffentlichten Fotografien. Jedem Objekt sind eine Darstellung der Baugeschichte und der Geschichte der „Herren“ dieser Häuser sowie eine Beschreibung eines Rundgangs durch die Räumlichkeiten gewidmet. Die Illustrationen geben einen Einblick auch in Bereiche, die der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich sind und damit einen Überblick über Architekturdenkmäler Wiens von der Gotik und dem frühen Barock bis zum Ringstraßen- und Jugendstil.

Neben den bekannten und prominenten Bauten wie etwa der Staatskanzlei am Ballhausplatz, dem Winterpalais des Prinzen Eugen, den Palais Modena, Starhemberg und Trautson, dem Parlament und der Hofburg finden sich hier auch weniger bekannte Gebäude wie das Palais Porcia, das Schloss Laudon und viele mehr.
Der Autor
Manfred Matzka, 1950 in Niederösterreich geboren, Jurist, ist derzeit Präsidialchef des Bundeskanzleramtes in Wien. Zahlreiche Publikationen, darunter juristische Fachbücher, ein zeitgeschichtliches Buch über Sozialdemokratie und Verfassung und ein höchst informativer Reiseführer über Istrien (Verlag Christian Brandstätter, 2002).
Bundeskanzleramt
Geheime Hof- und Staatskanzlei
Die Geschichte
(Auszugsweise)
Bundeskanzleramt - ©Christian Brandstätter Verlag
Bild: Das Bundeskanzleramt heute
Die Pläne für den Neubau, die sich leider nicht erhalten haben, entwarf der aus Genua stammende Johann Lukas von Hildebrandt, der seit 1700 den Titel „Kaiserlicher Hofingenieur und Hofarchitekt“ trug. Der Prominentenarchitekt seiner Zeit, der bereits das Untere Belvedere für Prinz Eugen von Savoyen geschaffen hatte, erfreute sich der besonderen Gunst Graf Sinzendorfs. Der ausführende Baumeister war Christian Alexander Oedtl.

Als Bauplatz wurde der damalige Meierhof des Hofspitals gewählt. Hildebrandt ordnete fünf Gebäudeflügel um einen Innenhof an, der Hintertrakt der Hofkanzlei grenzte an das Minoritenkloster.

Als „Kutscher Europas“ hielt Metternich in diesem Gebäude die zentralen Sitzungen des Wiener Kongresses ab, die eine Neuordnung Europas bewirkten. Das Haus am Ballhausplatz und der auch heute noch unverändert bestehende Kongresssaal, in dem am 9. Juni 1815 die Schlussakte unterzeichnet wurde, waren kurzfristig Zentrum der Weltpolitik.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Büroräume für die Menge der Geschäfte des k. u. k. Ministeriums des Äußern wieder zu eng. So wurde 1881 noch einmal auf dem ehemaligen, von Kaiser Joseph II. verstaatlichten Klostergrund ein Erweiterungsbau Richtung Löwelstraße und Metastasiogasse angefügt. Nach Abtragung der letzten Reste des Minoritenklosters und des Hofspitals wurde schließlich 1900 nach Plänen von Architekt Otto Hofer ein Ergänzungstrakt zum Minoritenplatz angebaut, der das Haus-, Hof- und Staatsarchiv mit einer gusseisernen Konstruktion der Depotgeschoße aufnahm.

Auch nach der Ausrufung der Republik im November 1918 wurden die Geschäfte der Außenpolitik und die Koordination der Gesamtregierung vom Ballhausplatz aus geführt. Doch das Haus nahm auch noch andere Dienststellen der jungen Republik auf.

Das Haus blieb von der gewaltsamen Entwicklung der Ersten Republik nicht verschont. Bei einem Putschversuch illegaler Nazis wurde am 12. Juli 1934 im Marmorecksalon der Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordet.

Nach dem Anschluss 1938 wurde auf dem Ballhausplatz bewusst die Bedeutung des Hauses zurückgedrängt. Am 10. September 1944 wurde das Bundeskanzleramt bei einem Bombardement schwer getroffen, der rechte Flügel des Hauses fast völlig zerstört. Im April 1945 fanden im Bereich des Ballhausplatzes Kämpfe statt, die jedoch dem Gebäude keinen weiteren Schaden zufügten.

Zwar war Österreich ein vierfach besetztes Land, dessen Souveränität durch die Alliierten schwer eingeschränkt war, doch wieder wurde das Haus am Ballhausplatz Zentrum der Politik des Landes. Als erster Regierungschef bezog Leopold Figl im November des Jahres 1945 die Amtsräume des Hauses. Auch der Bundespräsident residierte noch kurzfristig im Bundeskanzleramt, doch Karl Renner nutzte in klarer Erkenntnis früherer Abhängigkeiten im Oktober 1946 die erste Gelegenheit, um separate Amtsräume in der Hofburg zu beziehen.

Die Wiederinstandsetzung des zerstörten Teils dauerte bis 1950, wobei die Außenfront schon 1946 fertig gestellt werden konnte. Die Anordnung der Räume wurde etwas verändert, die historischen Räume stilgerecht wiederhergestellt und die neuen Räume für den Bundeskanzler – der bis dahin im früheren Metternich-Arbeitszimmer residiert hatte – von den Architekten Oswald Haerdtl und Robert Obsieger neu ausgestattet. Die Machtkonzentration im Hause blieb auch in der Zweiten Republik erhalten, sowohl Bundeskanzleramt als auch die Agenden der Außenpolitik wurden im Hause Ballhausplatz 2 verwaltet.
Das Haus
Bundeskanzleramt - ©Christian Brandstätter Verlag Bundeskanzleramt - ©Christian Brandstätter Verlag
Bild links: Grauer Ecksalon
Bild rechts: Altes Amtszimmer des Bundeskanzlers mit Ausstattung von Oswald Haerdtl
Die barocke Hauptfassade des fünfeckigen ursprünglichen Baukörpers dominiert mit ihrem pilastergerahmten Portal, dem großen Balkon und den schmiedeeisernen Verzierungen den Platz, an dem sich gegenüber die Amalienburg und der Eingang zum Leopoldinischen Trakt der Hofburg befinden.

Von der stuckverzierten Einfahrt führt rechts eine barocke Prunkstiege zu den Repräsentationsräumen und den Arbeitszimmern der Ressortspitze. Der Treppenaufgang ist mit schmiedeeisernen Gittern und Kandelabern versehen. Die Rückwand schmückt ein Gobelin flämischer Herkunft aus dem 18. Jahrhundert. Er stellt eine Szene aus der griechischen Mythologie dar, nämlich Perseus, der Jupiter, Merkur und Minerva Tieropfer darbringt. Auf dem Treppenabsatz ist eine Skulptur – der „kleine König“ – Fritz Wotruba aufgestellt.

Vom Stiegenhaus führen Gänge nach links und nach rechts in die Repräsentationsflügel. Der rechte Flügel beginnt mit dem Marmorecksalon. Dieser Raum wurde nach den schweren Zerstörungen – so wie auch die folgenden drei Räume – nach 1945 neu gestaltet: Architekt Haerdtl dekorierte Boden und Wände mit Marmor, die Appliken, Luster und Wappenverzierungen an der Decke versuchen staatliche Autorität zu symbolisieren.

An der Nordwand des Salons hängt das Original des Staatsvertragsgemäldes von Robert Fuchs. Es porträtiert möglichst detailreich alle Personen, die am Zustandekommen des Staatsvertrags Anteil hatten: Figl, Raab, Schärf und Kreisky an der Spitze der österreichischen Politiker, die Außenminister Dulles, Molotow, MacMillan und Pinay als Repräsentanten der Alliierten. Zahlreiche Beamte – darunter auch der spätere Bundespräsident Kirchschläger – sind in hierarchischer Ordnung um den Unterzeichnungstisch im Oberen Belvedere aufgestellt. An der Nebenwand ist ein zweites Staatsvertragsbild angebracht, jenes von Sergius Pauser, das als erstes von der Regierung in Auftrag gegeben worden war, dann aber offenbar weniger Gefallen fand, weil die handelnden Personen nicht einzeln erkennbar sind. In einer Ecke des Fußbodens erinnert ein Gedenkstein an den Mordanschlag auf Engelbert Dollfuß. Als die NS-Putschisten in das Amt eindrangen, versuchte er zunächst zum Durchgang in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu fliehen. Da die Verbindungstür aber versperrt war, macht er kehrt, um zur Wendeltreppe neben dem Steinsaal zu gelangen und lief hier seinen Mördern in die Hände.

Anschließend an den Marmorecksalon reichen sich drei Räume, die ebenfalls nach 1945 vollständig neu gestaltet werden mussten; an ihrer Stelle hatten sich seit Metternichs Zeiten der große Säulensaal und dahinter seine Privaträume befunden. Heute werden die Räume von der Symbolik der Innenarchitektur der späten 40er Jahre geprägt, was vor allem für das zur Gänze holzvertäfelte alte Amtszimmer des Bundeskanzlers gilt, in dem auch Staatswappen, Wappen der Bundesländer und das habsburgische Kürzel A.E.I.O.U intarsiert sind.

Weiter führt der rechte Gebäudeflügel in den Präsidialtrakt, dessen vier Zimmer im Wesentlichen die Ausstattung als ehemalige Privaträume des Fürsten bewahrt haben. Im Vorraum dominieren ein prachtvoller Luster aus dem ehemaligen Gebäude des Staatsarchivs und ein offener Kamin; die Wände zieren Porträts einer Habsburger-Prinzessin und des späteren Kaisers Joseph II. in einem römischen Schäferkostüm. Das so genannte Kabinettschefzimmer, der daran anschließende Raum und das Zimmer des Präsidialchefs haben ebenfalls ihre Stuckdecken und Luster bewahrt, die Bilder und die teilweise eingebauten Möbel sind wertvolle Stücke, die seit jeher zum Bestand des Hauses gehörten. Aus dem letzten Raum, dem Schlafzimmer Metternichs, führte einst eine Wendeltreppe hinunter in das Gärtchen des Minoritenklosters.

Zur Hoffront hin wird dieser Flügel durch den Kleinen Ministerratssaal abgeschlossen. Hier finden sich zwei bemerkenswerte und wertvolle Porträts von Persönlichkeiten, deren Wirken eng mit dem Ballhausplatz verknüpft ist: Ein Bild von Thomas Lawrence zeigt den 1773 geborenen Fürst Metternich in den ersten Jahren seiner Amtszeit. Von diesem Bild gibt es zwei Repliken, eine davon in Windsor Castle und die andere in der österreichischen Botschaft in London. Das zweite Bild zeigt seinen Nachfolger, den 1800 geborenen Fürst Schwarzenberg, der nach 1848 als Ministerpräsident und Außenminister wesentlich die restaurative Politik des jungen Kaisers Franz Joseph bestimmte.
Manfred Matzka; Vieler Herren Häuser
20 Wiener Palais
Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
www.brandstaetter-verlag.at
mehr zum Verlag
seite weiterempfehlen seite drucken nach oben nach oben