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Alltag

Unbedenkliche Namensgebungsabsicht

(Ausgagbe Nr.1 - März/April 2002)
Sikhs - eine verkannte österreichische Volksgruppe
Von Amrit-Shan Singh

Jeder unsichere Mensch braucht sicher Vorurteile. Und die sind schnell gefunden, wenn es um Einordnungen nach der Physiogonomie geht. „Turban“ und „Bart“ und schon ist es (insbesondere nach dem elften September) um eine faire Beurteilung geschehen. Sogar die Volksanwaltschaft und das „European Monitoring Center“ in Wien verweigerten die Hilfe, wenn einzelne Sikhs eine faire Behandlung in Österreich erwarten. Im „White Anti-Racism“ ist alles nicht edelweisse unten durch. Aber dank des optimistischen Weltbildes - geprägt von einer Philosophie als Brücke über die Brüche und Gräben von Religionen und „Rassen“ hinweg, können auch noch die grössten Vorurteile den bedingungslosen Optimismus und die konfliktübergreifende Weltsicht von Sikhs nicht erschüttern. Prinzip Hoffnung als Rettungs-Zeichen für die Ausweglosigkeit des postmodernen „No future“. Probiere es aus: Wenn Du nicht weiterkannst - frage eine/n Sikh! Doch wie sind diese/n in Österreich zu erkennen? Von außen: ungeschnittenes Haar, durch ein Kopftuch zusammengehalten. Stahlring als rechter Armreif. Am Namen: Singh oder Kaur. Oder am jahrhundertelang tradierten Kulturschatz: Panjabi als Sprache, Gurmukhi als Schrift, den „Guru Granth Sahib“ als heilige Schrift und verehrungswürdige Lebensweisheit.

Aber die Sikh-Namensgebung in Österreich stößt bei manchen Standesbeamten „in völkischer Tradition“ auf manch besondere Reinheitspräferenzen:

Da gibt es zum Beispiel welche in Klagenfurt/Celovec, die partout verhindern wollen, dass Sikh-Eltern ihre Kinder so taufen, wie sie sich das wünschen. Aus „Amanpreet“ musste „Johann“ werden (1993). Aus „Darshan“ musste „Daniel“ werden (1997), Söhne der Familie M. Singh, Erkergasse, Klagenfurt/Celovec.

In Wien verlangt besagter Schlag von Standesbeamten Gutachten vom Institut für Indologie an der Universität Wien, wenn Kinder Namen bekommen sollen, die „Telefonbuch-Säuberern“ anrüchig erscheinen. Um sein Kind „Karam“ taufen zu dürfen, musste Herr R. Singh, Wien XII, bei Herrn Professor Mesquita erst eine wissenschaftliche Expertise in Auftrag geben, die eine Unbedenklichkeit der Namensgebungsabsicht zu bescheinigen hätte. Wohlgemerkt: Hiebei handelt es sich um Vornamen! Bei Familiennamen wird es noch um einiges verwirrender. Da gibt es, frei nach dem Standesbeamten Unterberger im Rathaus, zwei Klassen mit Familiennamen „Singh“: Die „zuagrasten“ Singh und die „eingeborenen“ Singh. Den einen kann man halt leider den Familiennamen Singh, wenn er sich aus einer ausländischen Urkunde herleitet, nicht mehr aberkennen. Dafür aber sehr wohl den „Eingeborenen“, sollten sie in der „Verlegenheit“ sein ihren Namen nicht über eine ausländische Urkunde „legitimieren“ zu können. Egal, ob Geburt, Heirat, Scheidung, Religionsbeitritt, Adoption oder Tod - den „religionsbedingten Namenszusätzen“ (so lautet die „völkisch-standesamtliche“ Entwertung der „eingeborenen“ Singh Nachnamen) geht es an den Kragen. Dasselbe Spiel - eben vice versa - wiederholt sich beim Familiennamen „Kaur“, den die Sikh Frauen tragen. Eine „Blüte“: Singh Kaur Erich Maria (von und zu Unterberger).

Ergebnis dieser „Säuberungsversuche“: Grosse Verwirrung - und Menschen, die am Papier anders heißen als in Wirklichkeit und so mit standesamtlich „gefälschten Papieren“ in dauernden Erklärungsnotstand vor ihrem Gewissen und ihrer Gemeinschaft sind - beides wider Willen - wehrlose (Sprachbarrieren-)Objekte sinnloser Umvolkungs-Manipulationen.

Unser Tempel/Kulturzentrum in der Langobardenstrasse 47, 1220 Wien ist rund um die Uhr für jede/n weit offen. Willkommen!

Singh A.-S., Sikh Volksgruppe und Kirche Österreich,

Langobardenstr 47, 1220 Wien, vereingurdwara@hotmail.com
 
 
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