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Zur Inhaltsübersicht: Ausgabe
2002 |
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Hochschulpolitik
Kulturentreffpunkt Universität |
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(Ausgagbe Nr.1 - März/April 2002)
Im Lichte besehen existieren bei der angeblich angestrebten
internationalen Vielfalt der österreichischen Universitäten zweifelhafte
Einschränkungen. Oder ist nur Europa gemeint?
Von Marion Guerrero
Auf die Frage nach der Internationalität an der Universität Wien
scheinen sehr unterschiedliche Antworten zulässig zu sein. Und jede
dieser Antworten wirft wiederum die Frage nach der Interpretation des
Begriffs „Internationalität“ auf.
Die Aussendungen des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst
stellen die Universität Wien als eine Vorreiterin in Sachen
Studierendenmobilität und Austauschmöglichkeiten dar; europainterne
Austauschprogramme wie ERASMUS/SOKRATES werden massiv ausgebaut und
erfreuen sich folglich regen Zulaufs. Auch die Umsetzung des sogenannten
„Bologna-Prozesses“, eines politischen Aktionsprogramms der EU zur
Angleichung der nationalen Bildungssysteme innerhalb der Union, wird
durch euphorische Lobreden und die Organisation österreichischer
„Bologna-Tage“ energisch forciert. Dass die Bologna-Erklärung - das
politische Manifest, das dem Angleichungsprozess zu Grunde liegt - unter
anderem durch ihre Ungenauigkeit und Unbestimmtheit auch Gefahren gerade
FÜR eine umfassendere Internationalität birgt, wird nicht wahrgenommen
oder bewusst verschwiegen. Die starke Konzentration auf
innereuropäischen Studierendenaustausch verdrängt zunehmend
Mobilitätsprogramme mit dem asiatischen, lateinamerikanischen oder
afrikanischen Raum. Durch Autonomie der Universitäten soll die oft
betonte Wettbewerbsfähigkeit etwa mit nordamerikanischen Universitäten
oder die Anpassung der europäischen Bildung an die Bedürfnisse des
Arbeitsmarktes erreicht werden - was mit großer Wahrscheinlichkeit unter
anderem eine Erhöhung der Studiengebühren zur Folge haben wird, die
Studierende aus Entwicklungsländern wohl besonders hart träfe.
Felsenfeste Hürden
Für das AusländerInnen-Referat der Österreichischen
HochschülerInnenschaft an der Universität Wien sind die Neuerungen der
letzten Zeit ganz klar negativer Natur.
Da beispielsweise Deutschkenntnisse eine Voraussetzung für die Zulassung
zum Studium an einer österreichischen Universität sind, wurden
Deutschkurse bisher zu einem relativ geringen Preis mit der Möglichkeit
einer Rückerstattung der Kursgebühr angeboten - diese entscheidende
Erleichterung für ausländische Studierende wurde nun kurzerhand
weggekürzt. Auch die bürokratischen Hürden stehen noch felsenfest wie eh
und je in der Laufbahn einer/s nicht dem Europäischen Wirtschaftsraum
angehörigen Studierenden und haben sich unter eifriger Mithilfe des
„Zukunftsministeriums“ für Bildung und Wissenschaft eher vervielfältigt
als verabschiedet. Die mehr oder weniger offen zur Schau getragene
AusländerInnenfeindlichkeit der meisten BeamtInnen, die für die Anträge
der Studierenden aus anderen Ländern zuständig sind, und die Tatsache,
dass in der Studienabteilung am Schalter für ausländische Studierende
fast niemand willens oder fähig ist, zumindest Englisch zu reden,
bewirken Demotivierung und Mutlosigkeit, noch bevor das Studium richtig
angefangen hat.
„Uns ist ein Fall bekannt, in dem ein Beamter eine ausländische
Studentin absichtlich falsch informiert und ihr ohne Grund mit einer
Expulsion aus der Uni Wien gedroht hat,“ erzählt Didar Can,
Auslandsreferentin der ÖH Uni Wien (Foto). „In diesem Land lernen
ausländische StudentInnen, mit der Angst zu leben.“
Studierende aus anderen Ländern trügen sehr viel zu Toleranzbildung und
Verständigung der Nationen bei; sie dürften nicht als Last, sondern als
Beitrag zur Offenheit und zur Internationalität gesehen werden, die ja
erklärtermaßen eines der Hauptziele der Universität Wien sei.
Abseits des Mainstreams
Auch für das Büro für österreichische Entwicklungszusammenarbeit,
der EZA, hat der aktuelle Trend in der Universitätspolitik nichts mit
der Schaffung von Verständnis für internationalen Austausch zu tun.
Statistisch gesehen seien die österreichischen Studierenden nicht sehr
reisefreudig; dennoch habe sich durch verstärkte Werbung die Einstellung
von StudentInnen und wissenschaftlichem Personal positiv verändert.
Der Austausch abseits des „Mainstreams“ Europa, USA und Kanada floriere,
das Interesse an weniger beachteteten Ländern wachse kontinuierlich, so
wie das Bewußtsein, dass die Kooperation mit zahlreichen Staaten in der
Zukunft eine große und wichtige Rolle spielen werde. Ironischerweise
tendiere die allgemeine öffentliche Meinung aber zunehmend in die
gegenteilige Richtung. „Bei uns sind nicht viele Wählerstimmen zu
fangen, deshalb können Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit ohne
große Diskussionen gekürzt werden, vor allem, da es sich um
Ermessensausgaben des Außenministeriums handelt“, meint ein Mitarbeiter
der EZA. Doch nicht nur dort haben die letzten Jahre massive
Streichungen gebracht.
Organisationen wie das Lateinamerika Institut, die Orientgesellschaft
oder das Afro-Asiatische Institut, die unter anderem für die
Stipendienvergabe an Studierende aus Entwicklungsländern und deren
Betreuung zuständig sind, hatten in den Jahren von 1998 bis 2000 mit
drastischen finanziellen Kürzungen auf fast die Hälfte ihres bisherigen
Budgets zu kämpfen. Verglichen mit den Steinen, die zukünftigen
Studierenden an einer österreichischen Universität schon in ihrem
Heimatland in den Weg gelegt werden, ist der Mangel an Stipendien
allerdings eher zweitrangig. Eine der Voraussetzungen für ein Studium in
Österreich ist unter anderem der Nachweis über einen Betrag von
mindestens 70.000 Schilling im Vermögen der/s Studierenden. Die Prüfung
dieser ungewöhnlichen Bedingung obliegt den österreichischen
Botschaften; je nach gutem Willen können sich diese flexibel innerhalb
eines großen Ermessensspielraums bewegen. Vor allem in afrikanischen
Ländern werden so durch strenge Bewertungen der Vermögenserfordernisse
Austauschbemühungen schon im Keim erstickt. „Es gehört zur gängigen
Praxis, dass Botschaften Studierenden aus den sogenannten
Dritte-Welt-Ländern von vornherein von einem Studium in Österreich
abraten und eher versuchen, so ein Vorhaben zu vereiteln, als es zu
unterstützen,“ erklärt Mag. Markus Pleschko vom Afro-Asiatischen
Institut. Im Lichte der angeblich angestrebten internationalen Vielfalt
der österreichischen Universitäten eine zweifelhafte Praxis, falls mit
dem Bekenntnis zur Internationalität nicht nur Europa gemeint ist.
Europazentrierte Einstellung
Auch die Möglichkeiten aufgeschlossener Studierender
österreichischer Staatsbürgerschaft, die ein Semester in einem
außereuropäischen Land absolvieren möchten, sind eingeschränkt. Im
vergangenen Jahr reformierte die Regierung ein wichtiges Teilstück des
österreichischen Mobilitätsangebotes: die Kulturabkommen,
Studienkooperationen mit anderen Ländern, wurden aufgelöst und teilweise
in Universitäts-, Fakultäts- oder Institutsabkommen umgewandelt. Die
Universitäten können nunmehr ihre PartnerInnen selbst auswählen und
erhalten zu diesem Zweck das bisher aufgewendete Budget zur autonomen
Gestaltung. An und für sich könnte eine solche Neuerung zahlreiche
Möglichkeiten und Chancen eröffnen; im Zusammenspiel mit den Kürzungen
im EZA-Bereich und mit der europazentrierten Einstellung in hohen
universitären Ebenen steht allerdings eine weitere Einschränkung der
Austauschmöglichkeiten und der Kulturenvielfalt zu befürchten. Ein
besorgniserregendes Vorzeichen, das die Tendenz in diese Richtung
bestätigen könnte, ist die Tatsache, dass im Zuge der Reform Abkommen
mit zahlreichen Staaten wie etwa Mexiko oder der Türkei ersatzlos
aufgelöst wurden.
ÖH-Arbeit
„Die Universität Wien engagiert sich verhältnismäßig wenig für
Internationalität“, stellt Iris Hoheneder (Foto li), eine der
Vorsitzenden der ÖH Uni Wien, fest. „Es entsteht fast der Eindruck, als
sollte es Austauschstudierenden so schwer wie möglich gemacht werden,
hier zu studieren.“ Probleme mit BeamtInnen der Studienabteilung seien
auch der ÖH nicht unbekannt; doch trotz häufiger Beschwerden von seiten
der HochschülerInnenschaft sei kaum eine Besserung der Situation
erkennbar. Das Auslandsbüro der Universität Wien (Büro für
Internationale Beziehungen) bemühe sich zwar um möglichst umfassende
Hilfestellungen und ausführliche Beratung, verfüge aber kaum über das
nötige Personal, um das durch die mangelnde Transparenz und das geringe
Engagement der Studienabteilung hervorgerufene Informationsdefizit
auszugleichen. Deshalb werde ein Großteil der Betreuung ausländischer
Studierender von der ÖH wahrgenommen. „Im großen und ganzen will die Uni
Wien vor allem ihren traditionell internationalen Ruf bewahren“, glaubt
Andrea Brunner (Foto re), ebenfalls Vorsitzende der ÖH an der
Universität Wien. „Da sich die österreichische Wirtschaft in Richtung
EU-Osterweiterung bewegt und dort ihren Schwerpunkt setzt, werden auch
im akademischen Bereich Austauschprogramme mit osteuropäischen Ländern
massiv unterstützt. Hier nimmt Österreich tatsächlich eine
hervorstechende Rolle im Vergleich zu anderen EU-Staaten ein.“
Allerdings werde durch zu starke europäische und wirtschaftliche
Orientierung der kulturelle Facettenreichtum der Universitäten
eingeschränkt. Auch das Überwiegen von Forschungskooperationen und
AkademikerInnenaustausch gegenüber der Studierendenmobilität im
herkömmlichen Sinne lege die Vermutung nahe, dass es bei der
vielgerühmten Internationalität gar nicht so sehr um die Bedürfnisse der
StudentInnen als vielmehr um eine Image-Kampagne gehe. In einem Punkt
sind sich die meisten ExpertInnen jedenfalls einig: Internationalität
ist nicht nur wünschenswerte, sondern notwendige Eigenschaft einer
zukunftsorientierten Universität. Den Begriff einzig und allein auf
Europa zu beziehen, zeugt von einem eingeschränkten Weltbild und wenig
Weitblick: Es sei dahingestellt, wie lange sich eine solche Einstellung
als progressiv verkaufen lässt.
Marion Guerrero ist Referentin für Internationales an der ÖH Uni Wien |
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