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2002 |
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Hochschulpolitik
Argumente und Gesetze weit weg von der Realität |
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(Ausgagbe Nr.1 - März/April 2002)
Wie sollen sich ausländische Studierende ein Leben und Studium in
Österreich leisten?
Von Basma Abu Naim
Welche Entfernung und Abstraktion Gesetze von der Realität haben können,
wird offensichtlich, wenn man kurz die Details vom Leben ausländischer
Studierender in Österreich betrachtet. In Österreich gibt es zur Zeit
etwa 11.000 ausländische Studierende, die aus Nicht-EWR-Ländern kommen.
Um überhaupt in Österreich studieren zu dürfen, müssen sie eine Reihe
von bürokratischen Hürden überstehen. Diese zu überwinden kostet viel
Zeit, Geld und Mühe, auch deshalb, weil oft falsche Informationen von
Studienabteilungen vermittelt werden, da deren Angestellte nicht einmal
die simple Qualifikation für ihren Job besitzen, eine Fremdsprache zu
beherrschen.
Es dauert mindestens zwei Jahre, bis eine StudentIn als ordentliche/r
HörerIn an einer Universität immatrikuliert bzw. inskribiert wird. Bis
man sich richtig orientiert und über genug Sprachkenntnisse verfügt, um
Prüfungen zu machen und im Studium Erfolg und Fortschritt zu haben,
vergeht auch einige Zeit. Bis dahin wird einem klar, dass das Studium
noch im Durchschnitt sechs bis acht Jahre dauern wird und in dieser Zeit
der/die Studierende überhaupt kein Geld verdienen und keine
Arbeitserfahrung machen darf.
Die meisten der sogenannten ausländischen Studierenden kommen aus
Entwicklungsländern, in denen das durchschnittliche Einkommen die 590
Euro (um die 8000 Schilling) nicht überschreitet. Das bedeutet, dass es
bei vielen Studierenden auch seitens der Eltern erwartet wird, sich
gewissermaßen selbst finanzieren zu können, zumindest zum Teil. Wie es
eigentlich überall der Fall ist (sowohl für inländische als auch für
Studierende aus dem Ausland, unabhängig davon, aus welchem Land sie
kommen, mit welchem durchschnittlichen Einkommen).
Deshalb passiert es infolge dieser einfachen Tatsachen sehr oft, dass
Studierende in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Diese Situation hat
sich seit der Einführung von Studiengebühren noch dramatisch verschärft,
weil gerade von dieser Gruppe von ausländischen Studierenden der
doppelte Beitrag von 740 Euro (circa 10.000 Schilling) zu bezahlen ist.
Viele Möglichkeiten, Geld zu erhalten, sind ja nicht vorhanden. Entweder
sucht man um ein Stipendium an, wobei nur wenige Stipendien bewilligt
und oftmals gekürzt werden, oder man bricht das Studium ab und kehrt
zurück in das Heimatland, oder man wird in die sogenannte
„Schwarzarbeit“ gedrängt! Allerdings mit welchem Risiko: nämlich die
Aufenthaltserlaubnis zu verlieren, und unter welch bedenklichen
Umständen: schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen, keine
Versicherung, Ausnützung und sogar sexuelle Belästigung in angeblich
nicht wenigen Fällen bei Frauen.
Als Antwort auf die Frage, warum ausländische Studierende nicht arbeiten
dürfen, wie es der Fall in vielen europäischen Ländern wie Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Schweden oder Dänemark ist, in denen die
Gesetze in dieser Hinsicht immer flexibler werden und seit einigen
Jahren Regelungen existieren, die die Studienzeit der Studierenden aus
Nicht-EWR-Ländern wesentlich erleichtern, wird man mit Argumenten
konfrontiert, die genausoweit von der Realität entfernt sind wie die
Gesetze, für die sie argumentieren. Zum Beispiel, dass es zu einem
Mißbrauch des Aufenthaltstitels kommen könnte, scheint mir kein
wirkliches Argument zu sein, da der Studienerfolg jedesmal bei
Verlängerung des Aufenthaltstitels nachgewiesen werden muss, dass heißt
die sogenannten „ScheinstudentInnen“ verlieren ohnehin ihre
Aufenthaltserlaubnis, wenn sie wirklich nur „ScheinstudentInnen“ sind
und keinen Fortschritt im Studium machen. Oder dass Studierende die Jobs
von österreichischen ArbeitnehmerInnen wegenehmen könnten, ist genauso
ein schlechtes Argument, wenn man sich überlegt, um wieviel Studierende
es sich tatsächlich handelt, welche Jobs in welchem Ausmaß sie annehmen
und dass überhaupt zur Zeit in Österreich die Arbeitslosigkeitsrate
unter AkademikerInnen eine niedrige ist. Eigentlich können die
Studierenden eher einen positiven Wirtschaftsfaktor darstellen, da sie
das Geld, das sie verdienen, in Österreich ausgeben und dadurch Kontakt
zu österreichischen Firmen anknüpfen können, die sie nach ihrem Studium
in ihren Heimatländern weiter ausbauen.
Das AusländerInnenreferat der Österreichischen HochschülerInnenschaft
kämpft seit Jahren dafür, dass ausländische Studierende eine
Arbeitserlaubnis erhalten. Unter der neuen linken ÖH ist dies ein
Schwerpunkt des Referates geworden. Die politische Arbeit hat bereits
begonnen und ist seit Ende Jänner durch die Novellierung des
Fremdengesetzes noch intensiviert worden. Es gab Forderungsbriefe an
zuständige Ministerien und Politiker, die bis jetzt positive Ergebnisse
und Unterstützung gebracht haben. Weiters wurde mit dem Österreichischen
Gewerkschaftsbund Kontakt aufgenommen, um eventuell eine gemeinsame
Aktion durchzuführen. Ursprünglich wurde eine Öffentlichkeitsoffensive
für Mitte April geplant, mit dem Ziel, Aufmerksamkeit auf das Thema zu
lenken. In den letzten Tagen hat sich die Lage zu ändern begonnen. In
den Medien wurde berichtet, dass in Zukunft ausländische Studierende
drei Monate im Jahr arbeiten werden dürfen. Für viele bedeutet das ein
großes Aufatmen, für uns heißt es unsere politische Arbeit fortzusetzen,
damit die neue Regelungen das Leben und das Studium der vielen
ausländischen Studierenden erleichtern und dadurch keine weiteren
bürokratischen Hürden entstehen.
Basma Abu Naim ist AusländerInnenreferentin der ÖH-Bundesvertretung. |
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