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Hochschulpolitik

Ein Stück Selbstüberwindung:

(Ausgagbe Nr.1 - März/April 2002)
aus Fremden FreundInnen machen Interkulturelle Bildung kann und muss ein Weg zur Integration sein
Von Hüseyin Kalayci

Durch die Globalisierung werden die Informationen und Kommunikationsnetze stetig enger geknüpft. Bildungsprozesse haben in unserem Zeitalter der Begegnung immer etwas mit einem globalen interkulturellen Wissentransfer zu tun. In Verlauf dieses Prozesses rücken ferne und fremde Lebensarten näher zueinander. Einzelpersonen und Gesellschaften lernen zwangsläufig voneinander und verändern sich im Verlaufe des Prozesses. Wir nehmen neue Zusammenhänge und Perspektiven wahr, die wir früher nicht so wahr genommen haben. Die Begegnung mit Fremden und Fremdheit ist gleichzeitig die Begegnung mit neuen Sichtweisen, Standpunkten und Lebenserfahrungen. Durch die Globalisierung und Wanderungsbewegungen entstehen neue Beziehungen zwischen Menschen, und durch diese Beziehungen werden nationale, kulturelle und religiöse Grenzen überschritten. Weltoffene Menschen unterhalten Beziehungen zu fremden Menschen und Kulturen und erfahren dadurch eine gegenseitige kulturelle Bereicherung. Begegnung und Annäherung machen aus Unbekannten und Fremden Bekannte und FreundInnen. Vorurteile und Feindschaften, die durch getrennte Lebenswelten aufrecht blieben, werden durch gemeinsame Erlebnisse im interkulturellen Raum überwunden. Infolge des interkulturellen Austausches bekommen die Unterschiede eine positive Bedeutung. In der interkulturellen Interaktion bleiben die Fremden nicht immer fremd, das Eigene bleibt nicht immer gleich. Im interkulturellen Austausch können die Unterschiede die Menschen verbinden und eine Basis für gemeinsame Lernsituationen und Erfahrungen bilden. Er setzt für die Beteiligten Veränderungsbereitschaft voraus. Um Ablehnung und Abgrenzung zu minimieren, müssen ÖsterreicherInnen und ImmigrantInnen bereit sein voneinander zu lernen. Um multikulturelle Gesellschaft leben zu können, sollten die Menschen interkulturelle Bildungsprozesse fordern und fördern. In einer multikulturellen Gesellschaft ist die Bildung mehr den je interkulturell zu organisieren.
Die ImmigrantInnen und ÖsterreicherInnen leben in diesem Land und in dieser Stadt zusammen. Sie müssen sich gegenseitig kennenlernen und sollten Interesse füreinander entwickeln. Wir alle miteinander müssen persönliche, rassische, kulturelle Verunsicherungen aus unserem Leben verbannen. Jede(r) von uns ist anders: Das ist das Faszinierende an uns. Anders sein ist keine Bedrohung oder Gefahr und sollte in der Öffentlichkeit als solche nicht dargestellt werden. Die Angehörigen verschiedener Kulturen sollten sehen, dass die Kulturen miteinander weltweit verzahnt sind. Kulturelle Vielfalt ist unsere Lebensqualität, die wir unbedingt erhalten müssen. Die Assimilation von anderen Kulturen kann die Zerstörung von Identitäten vieler Menschen bedeuten. Interkulturelle Bildung kann Vorurteile gegenüber anderen Menschen und Kulturen aufheben und zu Erfahrungen und Horizonterweiterungen beitragen. Durch Akzeptanz und Differenz zu anderen Kulturen können transkulturelle Gemeinsamkeiten entdeckt und gelebt werden. Ein anderer Umgang mit Nähe und Distanz, Ähnlichkeit und Verschiedenheit, Zuneigung und Ablehnung von anderen Menschen wird möglich. In interkulturellen Lernprozessen können die Menschen erfahren, dass die Auseinandersetzung mit Fremdheit eine Auseinandersetzung mit der eigenen Ich-Identität darstellt. Durch diese Erfahrung wird es leichter, Freiheit, Würde, Gerechtigkeit und gleiche Rechte für alle zu billigen. Die Unterschiede werden als verbindende Kraft und nicht als etwas Trennendes empfunden. Ohne ein Stück Selbstüberwindung, ohne Bereitschaft, Fremdheit zu erfahren, kann man sich nicht an interkulturellen Bildungsprozessen beteiligen. Menschen, die zugeknöpft sind, die anderes Denken und Gefühle nicht zulassen können, werden es schwer haben, einen Zugang zu interkulturellen Bildung zu finden.
In der Gesellschaft werden die ImmigrantInnen oft so wahr genommen, wie sie in den Medien dargestellt werden. Medienbilder von ImmigrantInnen entsprechen nicht der Wirklichkeit der ImmigrantInnen in dieser Gesellschaft, sondern sind eng mit Macht und wirtschaftlichen Interessen verbunden. Für eine Veränderung der Wahrnehmungsgewohnheiten ist eine andere Darstellung der ImmigrantInnen in den Medien wichtig. Respekt und Akzeptanz der ImmigrantInnen, als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft, sollten dort ihren Platz finden. Für die ImmigrantInnen ist es wichtig, dass sie ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und ihre Bedürfnisse in der Öffentlichkeit selbst vertreten. Die ImmigrantInnen sollten nicht immer Objekte der österreichischen Fürsorgeeinrichtungen werden und bleiben. Um beidseitige Emanzipation und selbstbestimmtes Miteinander zu fördern, sollte interkulturelle Bildung in Kindergärten anfangen und in Schulen, Universitäten und anderen gesellschaftlichen Bildungseinrichtungen fortgesetzt werden.
 
 
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