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2002 |
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Inlandspolitik
Hauptsache illegal |
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(Ausgagbe Nr.1 - März/April 2002)
Eine Informationskampagne der „Internationalen Organisation für
Migration“ und des UNOFlüchtlingshochkommissariates soll den Schutz und
die Rechte von Flüchtlingen unterstützen.
Von Kerstin Kellermann
Nach den Terroranschlägen in den USA hat sich das Klima für Flüchtlinge
verschlechtert. Die Tendenz sie zu kriminalisieren wurde noch stärker“,
erläutert die Leiterin des UNHCR Österreich, Carola Paul, anläßlich des
Starts einer EUweiten Informationskampagne über Flüchtlinge und
AsylwerberInnen im Cafe Landmann vor zahlreichen JournalistInnen.
„Flüchtlinge dienen als Zielscheibe von Attacken, alte Klischees und
Feindbilder werden gestärkt. Eine normale Migration nach Europa ist
nicht möglich, daher versuchen MigrantInnen sich als AsylwerberInnen
darzustellen So werden dann alle als „Illegale“ abgestempelt. Kann man
afghanische Flüchtlinge wirklich nur als illegale EinwanderInnen
bezeichnen, wie Außenministerin Ferrero Waldner in Tokio erklärte?“,
fragt sich die streitbare UNHCR-Leiterin, um gleich noch eine Schaufel
auf ihre Argumentationsschiene zu legen: „Man darf nicht in die Falle
gehen, Flüchtlinge mit Terrorismus zu verbinden. Es zeigt von böser
Ironie, wenn ausgerechnet diejenigen, die vor Terror flüchteten, als
Verursacher gelten. Gerade diese Verbindung erzeugt die Feindseligkeit.
Wir sollten uns vor jenen hüten, die unter dem Vorwand von Schutz gerade
diese Gefühle auslösen.“ Die erniedrigende Behandlung von Flüchtlingen
in Österreich wäre nicht das, was die Europäische Union im Sinn hat. Die
Informationskampagne mit dem Slogan „Flüchtlinge kommen nicht
freiwillig. Sie klopfen erst an unsere Türe, wenn ihre eigene nicht mehr
steht. Öffnen wir unsere Herzen!“ läuft gleichzeitig in 14 EU-Ländern an
und wurde in Brüssel entwickelt. Letztes Jahr zeigte der Spot mit dem
Titel „Respect“ - der Song ist von Aretha Franklin - inmitten anderer
Tanzender eine tanzende Madeleine Allbright. Heuer fällt der Kurzfilm
etwas dramatischer aus: Es klopft an der Türe. Kurz darauf wird
geschossen und die Wohnung verwüstet. Schnitt. Ein anderes Land wird
gezeigt - das Aufnahmeland leuchtet im Gegensatz zur vorigen
schwarz-weißen Frequenz in bunten Farben. Es klopft wieder an der Türe.
Die Flüchtlingsfrau erschrickt, dann öffnet sie vorsichtig. Vor ihr
stehen freundlich NachbarInnen, die sie auf ein Fest einladen wollen.
„Der Spot spielt auf die traumatischen Erfahrungen an, der Angst vor dem
Klopfen an der Türe. Der Spot soll NachbarInnen ermutigen,
traumatisierte Flüchtlinge zu sich einzuladen und freundlich zu sein.
Nicht die Distanz zu wählen oder sie noch zusätzlich zu traumatisieren,
z.B. durch den Vorwurf die Sprache nicht zu sprechen“, erläutert Irena
Vojackova-Solorano, Leiterin der „Internationalen Organisation für
Migration“ und Koordinatorin für Zentraleuropa, die eine „geregelte
Migration“ vertritt und „Fakten auf den Tisch legen“ will. Denn
„Rassismus tritt dort auf, wo wenig Kontakte zu NichteuropäerInnen da
sind, die Ängste sind auf irrationalen Gefühlen begründet.“ Negative
Informationen oder Wahrnehmungen in der Öffentlichkeit können zu
gesellschaftlicher Isolierung der Flüchtlinge führen und die Integration
gefährden. Auch auf die Stärke der Flüchtlinge soll Bezug genommen
werden. „Was tragen sie bei? Sie wollen nicht nur
SozialhilfeempfängerInnen sein," betont Carola Paul.
„Wie stufen Sie Österreichs Asylpolitik ein?“, fragt ein Journalist.
„Österreich liegt im Mittelfeld, im Bereich der Bundesbetreuung - ich
müßte eher Bundesverwahrung sagen - ist Österreich im Schlussfeld. In
anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass Flüchtlinge ein Dach
über dem Kopf haben, Essen erhalten und die Kinder in die Schule gehen
können. In Österreich gilt das nur für ein Drittel der Flüchtlinge - die
anderen stehen auf der Straße.“ Carola Paul schüttelt den Kopf und
zündet sich die nächste Zigarette an. „Man muß genauer schauen. Zum
Beispiel, ob wer illegal kommt, weil er legal keine Chance hat, die
Grenze zu überqueren. In der EU gibt es noch keine Einigung zur Asyl-
und Migrationspolitik.“ Das österreichische Innenministerium, das „der
Hauptpartner wäre“ (Paul) wurde von der Kampagne, die in Österreich nur
über 26.000 Euro Budget aus dem Europäischen Flüchtlingsfonds verfügt,
informiert. Nur in Spanien und Italien nehmen die Innenministerien aktiv
an der Kampagne teil. Die Zahl der Abweisungen steigt. Innerhalb der
größten Flüchtlingsgruppe des letzten Jahres, den AfghanInnen, betrug
die Anerkennungsquote fünfzig Prozent. Klara Paul meint, daß die Genfer
Flüchtlingskonvention zunehmend restriktiv ausgelegt wird: „Wir hatten
auch in Österreich Angriffe auf die Genfer Flüchtlingskonvention durch
Politiker.“ Die Genfer Konvention ist auch nach fünfzig Jahren das
einzige Dokument, das den Schutz von Flüchtlinge regelt - zu den 140
Signatarstaaten gesellte sich nun auch die Ukraine dazu. Der UNHCR
überwacht die Anwendung der Genfer Konvention, das gelingt aber nicht
immer. So hat Deutschland lange Jahre keinen Flüchtling anerkannt, der
nicht von einem Staat und seinen Organen verfolgt wurde. Erst jetzt
ändert sich dies durch die Überzeugungsarbeit „langsam, sehr langsam“.
Verschleppte und „illegale“ (illegalisierte) Personen besitzen keinerlei
Rechtsstatus. Dass dieser Umstand geändert werden kann, zeigte in den
letzten Jahren die Wirkung der Aufklärungsarbeit in Bezug auf die
Betroffenen des Frauenhandels. Wichtige Bedingung ist aber, dass
Flüchtlinge eben nicht von politischen AkteurInnen für ihre Zwecke
verwendet werden, denn wenn die Aussenministerin so eine Aussage tätigt,
dann „liegt das nicht an ihrer Bildung“ (Vojackova-Sollorano). |
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