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Inlandspolitik

We(h)r machte es?

(Ausgagbe Nr.2 - Juni/Juli 2002)

Handlungsspielräume betont die Ausstellung zu den Verbrechen der Wehrmacht

Von Volodja Brodzinskyi

Als die Welt im Mai 1945 vom Hitlerfaschismus befreit worden war, tat man sich in Westdeutschland und nicht nur dort mit der Aufarbeitung dieses fürchterlichen Kapitels der Menschheitsgeschichte ein bisschen schwer. In den meisten Fällen tat man vorsichtshalber gar nichts. Beispielsweise wurde nicht ein einziger jener NS-Juristen, die 50.000 politische Todesurteile zu verantworten hatten, vor Gericht gestellt. Auch nicht jeder NS-Arzt musste über Hals über Kopf die Koffer packen und mit Spanischwörterbuch unter dem Arm das Vaterland verlassen: Manch einer genoss weiter, bis ihm die grauen Haare sprossen, seine tägliche Melange im Café Landtmann.

Auch in der Armee, nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere, beide waschen ihr Gesicht" (ukrainisches Sprichwort: Jeder deckt den anderen), nahm die Aufarbeitung der Geschichte seltsame Formen an. Die politische und moralische Verantwortung des Militärs im NS-Regime war kein Thema und das entstandene Vakuum erfüllte man mit dem „Saubere-Wehrmacht-Mythos". Nicht ohne Beistand der Politik.

Unser Ex-Nachbar und der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU), ein Prachtexemplar von multipler Person, meinte zwar „es soll DEM Deutschen die Hand verdorren, der das Gewehr berührt", sah sich doch als Verteidigungsminister gezwungen, in der Ausbildung „eine Art Reichswehrqualität" festlegen zu müssen. Die Nachwirkungen zeigten sich nicht nur sprachlich: Das jüngste Beispiel mit der Umbenennung der Kaserne in Rendsburg, die nach dem Wiener Wehrmachtssoldaten Anton Schmid benannt wurde, ist nicht uninteressant: Der Feldwebel rettete mindestens 300 JüdInnen das Leben und wurde dafür hingerichtet. Drei Kasernen hatten davor die Umbenennung abgelehnt . . .
 
 
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