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2002 |
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Inlandspolitik
Kopfschmerzen für Schüssel,
eine starke Schulter für Haider |
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(Ausgagbe Nr.4 - Okt/Nov 2002)
Eine kleine Bilanz der letzten Koalition
Von Mahendra Galani
Die Schulter ist ein ganz wichtiges Teil unseres Körpers, wir können die
Schulter verwenden um etwas auszudrücken, zu zeigen, zu tragen,
anzubieten und etliches mehr. Man braucht auch in der Politik eine
Schulter für lauter solche Funktionen. Manche Politiker suchen ständig
die Schultern von anderen, um ihre eigenen politischen Agenden
unterstützen zu lassen.
Jörg Haider kann meiner Meinung nach ohne die Schultern anderer kaum
etwas machen: Am Anfang (nach der Nationalratswahl im Oktober 1999) hat
Wolfgang Schüssel ihn auf seinen Schultern getragen, natürlich nahm er
Haider nur Huckepack, weil er selbst der Bundeskanzler werden wollte.
Die FPÖ war die Pariah-Partei und ist es noch immer geblieben. Es war
klar, dass ohne die schmächtigen ÖVP-Schultern die blaue Partei nicht an
die Macht kommen könnte. Es folgten die EU-Sanktionen, es gab weltweiten
Protest gegen diese Koalition. Auch in Österreich fanden Demonstrationen
statt - jeden Donnerstag abend.
Obwohl Haider nicht in der Regierung war, musste er wegen dem
internationalen und auch unter Druck hier zu Hause, seinen Posten als
Chef der Freiheitlichen im Mai 2000 verlassen. Natürlich brauchte er
jetzt dringend wieder eine neue Schulter: Seine Entscheidung fiel auf
Susanne Riess-Passer. Da er nun von etwaigen Verpflichtungen in bezug
auf die Bundesregierung frei war, begann er erst seine Gegner
anzugreifen und dann der Bundesregierung seine kalte Schulter zu zeigen.
Er konnte es nicht vermeiden, sich in alle Sachen einzumischen,
delegieren kann er noch nicht, aber vielleicht lernt er es ja
irgendwann. Eigentlich ist Haider immer ein Oppositionspolitiker
geblieben - obwohl er Kärntner Landeshauptmann ist, mischte er sich
ständig in die Bundespolitik ein. Hat sozusagen mit seinen Muskeln
gerollt. In der Bundespolitik war es des öfteren der Fall, dass der
Bundeskanzler, statt zu regieren, ständig Haider verteidigen mußte.
Haider gab hübsche unpassende Statements, die für Schüssel politisch
eine Katastrophe waren. Schüssel schämte sich sicher oft für Statements,
wie den Vorschlag den EU Mitgliedsbeitrag nicht zu bezahlen, oder
Österreich sollte aus der Europäischen Union austreten, oder Österreich
sollte den Mitgliedsantrag von Tschechien wegen Temelin blockieren,
wegen den zwei größeren Themenkreisen EU-Osterweiterung und
Steuerreform, und und und. Alle diese Themen machten der Bundesregierung
sicher einige Kopfschmerzen. Doch vielleicht war das alles noch nicht
genug: Haider goss gerne Öl ins Feuer, wie mit seiner Reise in den Irak,
dem Treffen mit Saddam und den Aussagen zur Unterstützung irakischer
Kinder. So eine Spielerei, denn, weil er zu Hause sehr beschäftigt war,
hat er wohl vergessen, dass Saddam seit 25 Jahren an der Macht ist. Und
Generationen von Kindern haben seit vielen Jahren verhungern müssen.
Sein einziges Ziel ist es immer in den Medien zu bleiben, es ist ihm
völlig egal, was er redet oder macht, oder welchen Eindruck er in der
Welt draußen hinterlässt. Er will nur seine tollen Schultern zeigen,
aber dafür will er sich auf die Schultern von anderen stellen.
Überraschung oder Strategie
Wie sich die ganze Story in der FPÖ in den letzten einigen Tagen
entwickelt hat, sieht man klar, dass Haider nicht verdauen konnte, dass
die Vizekanzlerin und FPÖ-Obfrau momentan populärer als er ist. Sie und
auch Finanzminister Grasser sowie andere FPÖ-Leute benahmen sich zum
Teil wie Teammitglieder der Bundesregierung.
Die FPÖ-Chefin machte IHRE Arbeit als Parteichefin recht gut, sie zeigte
sogar ihre politische Schulter vor. Ich glaube, für Haider war es nicht
akzeptabel - obwohl er sie selbst als das kleinere Übel installiert
hatte - dass von einer Frau so ein politischer Auftritt kommt. Er
verwendete und nutzte die Steuerreform als Ausrede für den Machtkampf in
der Freiheitlichen Partei aus und rechnete sicher nicht damit, dass die
Vizekanzlerin auch stur sein kann. Er bedachte sicher nicht, dass sie,
Grasser, und seine eigene rechte Hand, FP-Klubchef Westen-thaler,
wirklich ihren Rücktritt erklären würden.
Wenn man politisch tot ist, braucht man vier Menschen, um einen ins Grab
zu tragen, aber die oben genannten Personen waren stark genug, um die
Regierung zu dritt zu Grabe zu tragen. Diese drei Persönlichkeiten
trugen auf ihren Schultern die verstorbene schwarz-blaue Regierung zu
Grabe, war das geplant? Wie die FPÖ das verstand und andere von der
Partei reagierten, so ist es jetzt klar, dass das Manöver eine
unerwartete, unangenehme Überraschung war. Haider unternahm, ohne ein
bisschen weiter zu denken, weitere Schritte, und wie es heute ausschaut,
ist die FPÖ ein Körper ohne Kopf, Partei ohne Obmann oder Obfrau. Ein
Kopf kann nur funktionieren, wenn er einen Körper hat!
Herbert Scheibner will nicht kandidieren, Jörg Haider begann wieder mit
seinen Spielchen: Er will nicht FPÖ-Obmann sein, weil jemand massive
Drohungen gegen seine Familie wegen dem Abfangjäger-Kauf gemacht hatte.
Reichhold ist der Retter der Stunde: Der sich als lieber freundlicher
Bauer präsentierende derzeitige Infrastrukturminister mit ideologischer
Vergangenheit setzt auf Geschlossenheit und kündigt „weitere
Konsequenzen“ an. Der alte Freund Jörg Haiders aus Kärnten und von
Riess-Passer zur Kandidatur Ermunterte sichert sich das Vetorecht bei
der Listenerstellung für die Nationalratswahl. Natürlich glauben jetzt
schon viele, dass die FPÖ in vorgezogenen Nationalratswahlen massiv
verlieren würde. Reichhold versicherte, dass die FPÖ bei einem Ergebnis
unter 12 Prozent in Opposition gehen wird.
Haider braucht sicher wieder wie damals die Schulter von jemand um sich
auszuheulen. Für diese Tränen stelle ich ihm aus Menschlichkeit meine
starke braune Migrantenschulter zur Verfügung: Will er die haben? |
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