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Affäre Omofuma

Chronologie der Omofuma-Affäre
(Ausgagbe Nr.1 - März/April 2002)

(Zusammenstellung: Simon Inou)
Marcus Omofuma ist am 1. Mai 1999 während seiner Abschiebung im Flugzeug verstorben. Reaktionen der AfrikanerInnen verstärkten die Brutalität der Polizei gegen die Afrikanische Gemeinschaft. Chronologie eines angekündigten Todes.

1. Mai 1999:
Marcus Omofuma (25) stirbt bei der Abschiebung aus Österreich via Sofia. ZeugInnen sagen, die drei begleitenden Fremdenpolizisten hätten den Nigerianer gefesselt und geknebelt. Das „Ruhigstellen“ des Mannes sei vom Flugpersonal verlangt worden, verantworten sich die Beamten.

3. Mai 1999:
Menschenrechtsorganisationen wie SOS Mitmensch und Caritas sowie die Grünen, das Liberale Forum, die KPÖ und auch Vertreter des damaligen SPÖ-Koalitionspartners ÖVP üben Kritik an der Abschiebepraxis. Rücktrittsaufforderungen an Innenminister Schlögl werden laut (In Belgien war der Innenminister nach dem Tod von Semira Adamu zurückgetreten). Der damalige SPÖ-Parteivorsitzende Kanzler Viktor Klima stellt sich vor seinen Innenminister. Schlögl betont, er sei sich „weder einer direkten noch einer indirekten Schuld bewusst“, obwohl „ein Rücktritt für mich die einfachste Lösung wäre“. Bulgarien tritt das Strafverfahren im Fall Omofuma an Österreich ab.

4. Mai 1999:
Das zuständige Landesgericht Korneuburg leitet die Voruntersuchung ein. Gerichtliche Ermittlungen beginnen.

5. Mai 1999:
Das „System“ habe bei der Abschiebung Omofumas versagt, urteilt der Vertreter des UNO-Flüchtlingshochkommissariats für Zentraleuropa, W. Blatter.

10. Mai 1999:
Im Nationalrat findet auf Antrag der Grünen eine Sondersitzung statt. Die Verwendung von Klebebändern zur Knebelung im Polizeidienst soll per Erlass verboten werden. Schlögl kündigt die Einrichtung eines Menschenrechtsbeirats an.

11. Mai 1999:
Es werden Vorwürfe laut, auch der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Michael Sika, und die Sektionschefs im Innenministerium, Manfred Matzka und Wolf Szymanski, hätten vom Einsatz von Klebebändern gewusst. Die Spitzenbeamten weisen dies zurück.

12. Mai 1999:
In Wien findet eine von zahlreichen landesweiten Gedenkfeiern für Marcus Omofuma statt.

14. Mai 1999:
Aus Bulgarien trifft ein „Vorgutachten“ ein, das Medienberichten zufolge am Leichnam Omofumas Hinweise auf Erstickungstod diagnostiziert.

16. Mai 1999:
Der Wiener Gerichtsmediziner Christian Reiter beginnt mit der Obduktion.

17. Mai 1999:
Die Disziplinarkommission verneint eine Suspendierung der drei beschuldigten Fremdenpolizisten. Das Disziplinarverfahren wird eingeleitet.

18. Mai 1999:
Innenminister Schlögl kündigt an, auf den Dienst der drei Beamten zu „verzichten“, es folgt eine „Nachtragsanzeige“ bei der Disziplinarkommission.

19. Mai 1999:
Der Kärntner LH und FPÖ-Parteivorsitzende Jörg Haider wirft Schlögl vor, seit dem Tod Omofumas eine „Aufweichung der Abschiebepraxis“ zu praktizieren.

20. Mai 1999:
Alle drei beschuldigten Beamten werden im zweiten Anlauf suspendiert.

21. Mai 1999:
Das Innenministerium erklärt, dass Omofuma unter einer anderen Identität („Marcus Bangurari“ aus Sierra Leone) von 1994 bis 1998 in Deutschland gelebt hatte. Auch dort war sein Asylantrag abgelehnt worden. Später wird bekannt, dass der Nigerianer in Deutschland eine kleine Tochter hat.

27. Mai 1999:
Dutzende Afrikaner sind festgenommen worden. Darunter der Schriftsteller Ofoedu Charles, einer der Hauptorganisatoren der Demonstration am fünften Mai gegen den Polizeiterror gegen AfrikanerInnen.

23. Juni 1999:
Der Presserat kritisiert die Berichterstattung der Krone über den Fall.

5. Juli 1999:
Der neue Menschenrechtsbeirat konstituiert sich.

19. Juli 1999:
Das Justizministerium gibt bekannt, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Innenminister Schlögl, Sicherheitschef Sika, Sektionschef Matzka, den Wiener Polizeipräsidenten Peter Stiedl eingestellt hat. Minister und Spitzenbeamte waren nach dem Tod Omofumas unter anderem von den Grünen angezeigt worden.

4. November 1999:
Das letzte noch ausständige Gutachten der Gerichtsmedizin liegt vor: Mehrere Todesursachen werden demnach in Betracht gezogen.

12. November 1999:
Gedenk-Schweigeminute bei der Anti-Rassismus-Demo in Wien

Jänner 2000:
Es wird bekannt, dass der Unabhängige Verwaltungssenat für Wien und Niederösterreich in der Causa Omofuma nicht tätig werden wollte. Anwalt Thomas Prader hatte den Senat namens der Tochter des Verstorbenen aufgerufen, zu überprüfen, ob es bei der Abschiebung zu Menschenrechtsverletzungen gekommen war. Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs steht noch aus.

24. Jänner 2000:
Unter dem Titel " Das Netz der schwarzen Drogenmafia" veröffentlicht die Kronenzeitung ein Foto von Mag. Koffi-Sagbo Agbogbe. Er sei, so die Krone, ein verdächtiger Drogendealer. Das Foto wurde während der Omofuma-Demonstration vom 27.5. 2000 gemacht, bei der Herr Agbogbe sehr engagiert war.

3. Februar 2000:
Die „Kronen Zeitung“ publiziert eine Richtigstellung über den oben genannten Fall und überzeugte sich, dass die Behauptung vom 24. Jänner 2000 unrichtig ist. „Herr Magister Agbogbe ist vollkommen unbescholten und keiner Straftat verdächtig“ so die „Kronen Zeitung“ und zog daher ihre unrichtigen Behauptungen zurück.

Februar 2001:
Die Suspendierung der Beamten wird aufgehoben.

April 2001:
Nach langem Gutachterstreit bestätigt die entscheidende Expertise, dass Omofuma erstickt ist.

August 2001:
Die Anklage gegen die Beamten wegen „Quälens eines Gefangenen mit Todesfolge“ ist rechtskräftig.

24. Jänner 2002:
Unabhängig vom Strafverfahren entscheidet der UVS Wien, dass die Beamten rechtswidrig handelten.

4. März 2002:
Geplanter Beginn des Strafprozesses am Landesgericht Korneuburg.
 
 
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