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Affäre Omofuma

Eine Skulptur als Antwort
(Ausgagbe Nr.2 - Juni/Juli 2002)

Wie weit geht ein Mensch eigentlich, bis er NEIN sagt?

Von Andres Klimbacher

Als ich vom Tod von Marcus Omofuma am 1. Mai 1999, am Tage seiner Abschiebung hörte, war ich schockiert - schockiert darüber, wie unmenschlich und unver­antwortlich diese Exekutivbeamten einen Mitmenschen behandelten. Ich begann sofort am nächsten Tag mit einer Großskulptur zu diesem Thema. Ich war mir damals sicher, dass es in der Kunst, durch die Künstlerschaft, einen großen Auf­schrei geben wird. „Dass so etwas in der heutigen Zeit überhaupt geschehen kann . . .“, doch der große Aufschrei blieb aus. Wer wen und warum in diesem Staat um das Leben bringt, dies scheint in dieser Gesellschaft nur wenige zu interessieren. Und genau so, wie Marcus Omofuma den sieben Exekutivbeamten gegenüber stand, stehen wir heute scheinbar der Bevölkerung gegenüber, die es vorzieht, es den bekannten drei Affen gleich zu tun . . . nicht sehen, nicht hören und nicht sprechen . . . Menschlichkeit ist scheinbar nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Scheinbar, nach dem jetzigen Urteil zu schließen, auch nicht diskutabel, und wie es aussieht, auch nicht erlernbar, denn es scheint für diese Exekutivbeamten vollkommen neu zu sein, dass man einen Mitmenschen nicht misshandelt. Die Aussage: „Sie hätten nur ihre Befehle ausgeführt, die wahren Verantwortlichen säßen viel höher“, ist für mich nur zum Teil richtig, denn in diesem Staat muss jeder und jede für sein oder ihr Handeln Rechenschaft ablegen. In Wirklichkeit steckt hinter diesem „Ruhigstellen mit Klebeband“die Unfähigkeit, eine solche „Situation“ zu lösen, tiefer Hass und Menschenverachtung. Nur zur Erinnerung: Auch vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag stehen immer wieder Angeklagte, die nur Befehle ausgeführt haben. Wie weit geht ein Mensch eigentlich, bis er „NEIN“ sagt . . . „Das tue ich nicht“ oder „Das kann ich meinem Mitmenschen gegenüber nicht verantworten“?Meine Skulptur, die ich am zweiten Mai 1999 begonnen und im Juli 2001 fertiggestellt habe, sollte lediglich daran erinnern, dass es einen großen Unterschied macht, ob ich aus freiem Willen, Ignoranz oder einfacher Dummheit nicht sehen, nicht hören oder nicht sprechen will. Ich möchte es nur nicht aufzwingen lassen - ich möchte nicht schweigen.Andres Klimbacher ist parteiloser, vereinsunabhängiger, freier Bildhauer.
 
 
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