 |
 |
 |
| Die Bunte -
Medium für Würde, Gerechtigkeit und Demokratie |
| A 1090 Wien, Rotenlöwengasse 12/1 |
 |
|
|
|
|
|
 |
Die aktuelle Online Ausgabe der
Bunten Zeitung
finden Sie unter: |
|
 |
|
Zur Inhaltsübersicht: Ausgabe
2002 |
 |
Affäre Omofuma
Die drei Würschtln und das offene Grab |
 |
(Ausgagbe Nr.2 - Juni/Juli 2002)
Weil der Wert des Urteilsspruchs fünfzig Schilling ausmacht, beginnt
jetzt ein zivilrechtliches Omofuma-Verfahren.
Von Di-Tutu Bukasa
Zu dem Prozess gegen drei Polizisten, die Omofuma bis zum Tod gequält
haben, haben wir vieles zu berichten. Wir werden dies auch im Lauf der
Zeit auf verschiedenen Bühnen zivilgesellschaftlich gegen die
Staatlichkeit prozessieren. An viele Freunde, die es nicht geschafft
haben, am Prozess teilzunehmen, vor allem jene afrikanischen Freunde,
die anderes erfahren wollen als das, was man bis jetzt erfahren hat: Es
muss zuerst angemerkt werden, dass der Prozess gegen die drei Polizisten
ein politischer Prozess war, der es gleichzeitig nicht sein durfte. Es
war zunächst ein Prozess gegen eine anonyme „Missgeburt“... Wenn es
nicht Grillparzer war, der dafür gesorgt hat, dass in diesem Land
Entscheidungen und Maßnahmen mit Halbheit und Lässigkeit getroffen
wurden, dann war es der Kapitän des Flugzeuges, der über die Kompetenz
der österreichischen Exekutive und darüber, wie man sich in einem
Flugzeug zu verhalten hat, Bescheid wissen musste. Die drei Polizisten
dagegen wurden lediglich als Figuren, als Automaten, die nicht wissen
können, wie mit einem Afrikaner umzugehen ist, vorgeführt. Unterscheiden
zu können, ob ein Mensch wild tobt oder um sein Leben ringt, kann man
von einem Polizisten nicht verlangen.Außerdem dienen laut den
Verteidigern der Polizisten alle, sowohl die regierenden Parteien in den
Ministerien, als auch die damalige und jetzige Opposition, repräsentiert
durch Magistra Stoisits, als Beweise dafür, dass trotz deren
parlamentarischer Anfrage, in diesem pyramidalen und monographisch
strukturierten Staat, niemand wissen konnte, dass jemand, der wie ein
Paket à la Schlangenmensch fixiert wird, zugrunde gehen kann. Erst durch
die Errichtung eines Menschenrechtsbeirats sind wir dann alle klüger
geworden, und vor allem jetzt, inklusive die Exekutive. Bis jetzt wusste
niemand, insbesondere die Polizisten nicht, dass, um das Leben eines
Gefangenen zu schützen, nicht nur die Nase frei sein muss, sondern es
auch möglich sein muss, dass Luft in den Brustraum gelangen kann. Die
Behinderung der Elastizität und Tätigkeit des Brustkorbes hat laut
Professor Brickmann die Atmung beeinträchtigt, was zum Tod geführt hat.
Ohne Professor Brinkmann hätte niemand in diesem Land die manipulative
Lüge der österreichischen Expertise erkannt...Und trotz Brinkmann ist
das vorläufige Resultat, das österreichische Urteil, mies ausgefallen.
Die Entmündigung der drei Polizisten wurde ungefähr so argumentiert:
Wenn die Behörden (Parteien, Parlament, Ministerium) nicht abschätzen
konnten, welche Folgen die „Verklebung des Mundes“ haben konnte - wie
sollen dann die drei Würschteln wissen, wohin es führen kann? Warum
sollte überhaupt irgendjemand zur Verantwortung gezogen werden?In diesem
Prozess hatte man den Eindruck eines großen Deals des
Ex-F-Justizministers Ofner mit Teilen der Exekutive: Es herrschte
Wahlkampfstimmung. Wie als Signal wurde nach der schon erfolgten
Eroberung der ArbeiterInnenschaft jetzt ein Schulterschluss mit der
Exekutive demonstriert, die noch vor kurzem eine Bastion der
sozialdemokratischen Partei war. Es ging sicher nicht mehr um Marcus
Omofuma. Der Prozess war, lang genug nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges, eine entscheidende Wende einer politischen Metamorphose:
via Omofuma hin zu einem offenen Grab für die traditionelle
Einflusssphäre der SPÖ. Die drei Polizisten wurden - gemäß „méthode
autrichienne“ - schuldig gesprochen, aber morgen schon dürfen sie ihre
Arbeit wieder aufnehmen. Die Straftat, für die sie verurteilt wurden
(nicht die, für die sie angeklagt wurden), ist strafrechtlich mit einem
Strafrahmen von drei Jahren Haft sanktioniert. Sechs Monate bedingt für
den Tod eines Menschen. Einige Vergleiche. Ein Alkoholiker verursacht in
einem Verkehrsunfall den Tod eines Menschen: 1 ½ Jahre unbedingt. Ein
Drogenabhängiger versucht einen räuberischen Diebstahl (der ihm
misslingt): sechs Monate unbedingt... Welche Bilanz haben wir unter
anderem bei diesem Prozess ziehen können? Die Exekutive hat leider
keinen Grund zu lernen, was sie künftig unterlassen könnte, weil dies
mit persönlichen Konsequenzen verbunden wäre. Im Gegenteil: die Ära der
Ästhetisierung der Fahnen und des Fechtens, des offenen Rassismus und
der Gewalt bahnt sich ihren Weg. Während die politische und
intellektuelle Klasse Österreichs nach wie vor absent und vielleicht
schon vor der europäischen Hauptströmung des Rechtspopulismus
kapituliert hat, verzetteln sich die Linken, uneinig um politisches Ziel
und Programm.Die MigrantInnensäule der Kampagne „Österreich für alle
gleich“ evaluiert die Gefahr im Hause Österreich folgendermaßen: Die
SozialdemokratInnen haben längst ihre Themen, ihre Symbole und
Gewissheiten eingebüßt. Jahrzehntelang waren argumentativ Bürgertum und
Kapitalismus ihre Gegner. Sie kämpften für die Neutralität, für mehr
Mitbestimmung und Demokratie, aber auch für eine von Staatseingriffen
geprägte Wirtschaftspolitik sowie gegen außenpolitischen
Interventionismus. Kaum eine dieser Forderungen hat heute noch
Bestand.Übertriebene politische correctness lässt die GenossInnen
dagegen oft zu jenen Themen schweigen, durch die sich viele Menschen, zu
Recht oder nicht, bedroht fühlen: Wirkliche Ursachen für steigende
Kriminalität, die Aufklärung des Drogensyndroms, wirkliche Alternativen
zur österreichischen Missgeburt des „Integrationsvertrages“ etc.
etc.Besteht eine rechtspopulistische Allianz zwischen Teilen der
Regierungspartei FPÖ und Neonazis à la Willi E., Gottfried K., Stephan
T. oder Franz R., die, teilweise nach mehrjähriger Haft mittlerweile
entlassen, die gewaltbereite rechte Szene reorganisieren? Die
Internationalität dieser Gefahr durch Demagogen (Ordnung, Autorität und
Nation) lässt sich daran ablesen, dass in den letzten drei Jahren in
fünf EU-Ländern sozialdemokratisch dominierte von rechtspopulistischen
Regierungen abgelöst worden sind. Das Vorfeld des politischen Unwetters,
die Umwelt bestimmt längst im Kern, was „gesund“ und „nicht gesund“ sei.
Entweder ist das „Böse“ vor dem Tor, oder es ist schon drinnen. Weder
Wachsamkeit noch eine Politik des gewohnten Jein hilft noch. Eine
zivilgesellschaftliche lockere Allianz zwischen NGOs mit manchen
demokratischen Parteien ist unabdingbar. |
| |
| |
 |
|
Zur Inhaltsübersicht: Ausgabe
2002 |
 |
|
|
 |
 |
|