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Sport
„Es geht um Chancengleichheit." |
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(Ausgagbe Nr.2 - Juni/Juli 2002)
Aytac SV und der „Ausländerparagraph" im Amateurfußball
Von Georg Spitaler
Eigentlich handelt es sich hier um eine Erfolgsgeschichte. Aytac SV ist
ein Verein auf dem Weg nach oben: In nur vier Jahren gelang unter der
engagierten Leitung von Präsident Hüseyin Ünal und Obmann Ingeneur
Mustafa Iscel der Aufstieg aus der untersten Spielklasse in die 1.
Klasse B. Damit ist Aytac im Moment der am besten plazierte Klub mit
migrantischem Hintergrund. Auch mit dem Aufbau zweier
Nachwuchsmannschaften wurde begonnen. „Wir sind ein multikulturelles
Team. Bei uns gibt es nicht nur Türken, sondern auch Spieler und
Funktionäre aus Serbien, Indien oder Südamerika", stellt Obmann Iscel
klar. Und: „Wir sind keine Ausländer, sondern Wiener". Aber sehen die
Gegner das auch so? Oder macht man auf dem Platz Bekanntschaft mit
Rassismus? „Bei uns in der Liga gibt es ein gutes Verhältnis zu den
anderen Teams. Sicher - schlechte Verlierer gibt es immer. Aber das
Problem sind nicht die Sportler, sondern die Strukturen." Bereits vor
zwei Jahren setzte Iscel daher mit anderen Klubs eine Initiative gegen
den „Ausländerparagrafen" im Amateurfußballbereich. Wer Steuern zahlt,
soll auch die gleichen Rechte haben, so der Aytac-Obmann. Denn: „Für den
Finanzminister sind ja auch alle gleich". Aber im Fußball gelten nach
wie vor andere Regeln. „Für unseren Verein ist es nicht so schlimm. Denn
neunzig Prozent unserer Spieler haben die österreichische
Staatsbürgerschaft. Aber es geht ums Prinzip, also um
Chancengleichheit." Und diese Chance bekommen junge Spieler aus
türkischen Familien nicht allzu oft. Alle reden von der Nachwuchsarbeit
und der Zukunft des Nationalteams, aber an türkische Österreicher der
zweiten oder dritten Generation denken dabei scheinbar nur wenige.
„Viele meiner Kicker würden sich sicher freuen, wenn sie jemals für
Österreich spielen könnten". Aber dann gibt es das Beispiel Mohammed
Akagündüz: Von Teamchef Baric zwar einberufen, schmorte er nur auf der
Ersatzbank. In England oder Holland ging man andere Wege - im Moment
unerreichbare Vorbilder für Österreich?
Junge Türken ohne österreichische Staatsbürgerschaft, die etwa im Zuge
von Familienzusammenführungen nach Österreich kommen, erleben oft
Ausgrenzungen und Benachteiligungen: Am Arbeitsplatz, von staatlicher
Seite (Stichwort „Integrationsvertrag") und sogar im Sport: Dabei kann
gerade der Fußball zur Integration in der neuen Heimat beitragen:
Deutsch lernt man am besten am Fußballplatz, so der Aytac-Obmann. „Egal
welche Sprache die Spieler sonst sprechen - mit dem Trainer und
Funktionäre muss man sich meistens auf deutsch verständigen". Fußball
wäre der ideale Ort für lebendige Integration, so Mustafa Iscel. „Musik
und Sport - das sind die Bereiche, in denen man Grenzen überwinden
kann". Wenn die Strukturen es zulassen. |
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