Kottan ermittelt - Alle Morde vorbehalten
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Kottan ermittelt
Alle Morde vorbehalten
Helmut Zenker
Deuticke Verlag
ISBN 3-216-30706-9
Prolog
Der Untergang des Abendlandes hat viele Gesichter. Die vier markantesten will Ihnen dieses Buch ans Herz legen.

Wir befinden uns in einem Jahr ohne jegliche Bedeutung. Die Mächte der Finsternis sind noch nicht zur Ruhe gekommen. Allerorten schreiten sie rücksichtslos und unaufhaltsam voran. Allerorten? Nein! Nein! Und noch einmal nein! Die erstaunten Augen der Welt sind auf Wien gerichtet, wo ein beherztes Team von Kriminalbeamten im Sicherheitsbüro sich noch nicht geschlagen gibt. Im Gegenteil. Man ist nicht bereit, den geordneten oder ungeordneten Rückzug anzutreten.

Polizeipräsident Heribert Pilch, der immer noch in der Rolle des besten Polizeipräsidenten aller Zeiten dilettiert, will ungebrochen aus Wien an der Donau die europäische Metropole der Sicherheit machen. Er vertraut der Statistik, dem Glück und der Routine; seinen Mitarbeitern nie.

Morddezernatsleiter Paul Schremser ist an Vertrauen von oben nicht interessiert. Mit Sonderbewilligung stürzt sich der geborene Innendienstler in den täglichen Außendienst. Major Adolf Kottan, zur Zeit von drei Disziplinarverfahren umzingelt, werkt eher noch deswegen, weil seine künstlerische Entwicklung mit Kottans Kapelle heftig stagniert.

Der Eifer von Alfred Schrammel ist nicht zu überbieten, seine Erfolglosigkeit auch nicht.

Im Sicherheitsbüro herrscht also in diesen Stunden nicht die gewohnte Atmosphäre von Arbeitsdrang und Tatendurst, denn wir schreiben einen Samstag. Die Kriminalbeamten sind als Privatpersonen über die dunstige Stadt verstreut. Nur ein neuer Fall könnte die Handvoll wackerer, unbeugsamer Kriminalbeamter vor dem Montagmorgen zusammenführen.

Aus dem Inhalt:
…Dazu ist nun wirklich nichts zu sagen. Peinlich. Und schon wieder die Erzählhaltung gewechselt. Kein Buch des Autors scheint ohne Toiletten und Prostituierte auszukommen. Ich bin nicht der erste, der das feststellt, aber ich in meiner Einfallslosigkeit kann mir nur einen Grund für diesen Zwang vorstellen: Frustration.

Immerhin findet der Autor immer neue Worte für die ewig gleichen Vorgänge. Eigentlich ist es ja auch immer dieselbe Dame der Straße, die uns beschrieben wird, ob sie nun Elvira Markl, Renate Murawatz, Sandra oder Verena Leskovar heißt. (Letztere hat der Autor wenigstens schon 1987 sterben lassen.)

Was ist überhaupt mit den Leuten in diesen Büchern? Triste, eindimensionale Figuren. Mißgeburten. Klischees. Sogar die Kulissen könnten Karikaturen sein. Reicht das heutzutage für ein gefragtes Buch? Ist diese Geisterbahnfahrt wahrhaftig, zeigt diese dreckige Operette das wirkliche Wien? Wenn ja, mag es mich nie dorthin verschlagen. Fehlt nur noch, daß finstre Nazitypen die kalte Szene bevölkern. …

…Helga Dusek hat die Augen geschlossen. Ihre zähen Gedanken nicken. Formanek bricht sein Schwärmen auf einmal ab. Seine Stimme wird kalt. „Darf ich um Ihre Schmuckstücke bitten?“ Widerstandslos läßt sich die Frau zwei Ringe von den Fingern ziehen und ein Armband abnehmen. „Sie müssen sich keine Gedanken machen, was damit geschieht. Auch wegen der Kleider nicht. Ich habe ein Second-Hand-Shop am Gürtel.“

Formanek weiß, daß er eigentlich nur mehr zu sich selbst spricht. Seine leuchtenden Augen wandern zu den Gestalten auf der Bühne. Helga Dusaks Platz ist schon eingezeichnet.

„Zwei, drei Objekte noch, und das Bild wird vollendet sein. Interessieren Sie sich auch für das Handwerkliche?“ Nein, denkt Hilde Dusak. Sie will endlich schlafen, traumlos und ungestört schlafen. Formanek rüttelt an ihrem Oberkörper.

„Sterben werden Sie hier, auf dem Rücken liegend. In Ihrer Rückenmuskulatur werden zuerst Lähmungserscheinungen auftreten. Beine und Arme werden Sie noch stundenlang bewegen können. Das entspannt die Muskeln und erleichtert meine Arbeit. Wie bei Suppenschildkröten, die sich auf dem Rücken zu Tode strampeln, was das Fleisch besonders zart macht. Keine Angst, meine Liebe, das Kannibalistische ist mir fremd. Gelegentlich ein paar Wirbel in der Suppe, aber die Suppe haben Sie extra gelobt.“ „Die war wirklich gut.“

Die Erinnerung an den Anfang des Abendessens, das mit ganz anderen Absichten verknüpft war, ist ihr letzter Gedanke. Von draußen ist noch eine Rettungssirene zu hören, dann das Heulen eines Hundes.

„Spüren Sie die Sehnsucht? Ich verspreche auch für hinterher nur beste Arbeit.“ Formanek öffnet den matten Bauernkasten, in dem in drei Reihen Messer aufblitzen. „Es werden nur zwei kleine Schnitte sein. Das Blut muß heraus, bevor es stockt.“ …
Auszugsweise Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Deuticke Verlages.
erhältlich im Buchhandel
© Privatarchiv Helmut Zenker, geb. 1949 in St. Valentin/NÖ, lebte als freier Schriftsteller in Wien und starb im Januar 2003 in Wien. Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Wespennest (1969).
Lastwagenfahrer, Briefträger, Zeugwart, Sonderschullehrer in Wien, Mathematik- und Musiklehrer in Tirol, Regisseur und Cutter. Werkauswahl: Kassbach (Roman, 1974), zwölf Kriminalromane (Kottan / Minni Mann, 1979-1992), Mondgeschichten (Deuticke, 2003), über 100 Drehbücher für Film und TV (u.a. Kottan, Der vierte Mann, Tohuwabohu, Santa Lucia, Schwitzkasten)
1010 Wien; Hegelgasse 21
Tel.: +43 1 512 15 44-281
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Auszugsweise Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Deuticke Verlages und der Autoren in Zusammenarbeit mit Wien-Vienna.
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