Männerwaschanleitung
Männerwaschanleitung
Thomas Rottenberg
Dagmar Hansel
Fotos: Christian Fischer
Deuticke Verlag 2002
ISBN 3-216-30653-4
Duschen ist keine Kunst. Zähneputzen auch nicht. Und beim Rasieren bleiben auch nie diese lästigen roten Flecken am Hals. Oder? Eben.

Weil Männern über Jahrhunderte niemand erklärt hat, was ein Hauttyp, die T-Zone oder eine Peelingcreme eigentlich sind, haben Frauen - dank Mutter, Freundinnen und Modemagazinen - von klein auf in Fragen der Körperpflege einen Vorsprung, der sich gewaschen hat. Diese Kluft verkleinern zu wollen, würde - selbstverständlich - keinem Mann je einfallen. Denn Männer sind nicht eitel. Und die Erde ist eine Scheibe.

Dieses Buch verrät keine Geheimnisse. Es ist eine Waschanleitung. Ganz simpel. Weil für Männer. Und obwohl man vorher ohnehin genau weiß, was da drin stehen könnte, sieht Mann nachher besser aus. Und zwar ganz einfach.
Aus dem Inhalt:
M. war doch eigentlich nur aufs Klo gegangen. Aber das dauerte jetzt schon ziemlich lange. 15 Minuten sind sogar in einer Rambazambaskidorfaufrissdisco eine zu lange Zeit, um das Make-up aufzufrischen. Aber M. hatte gesagt: "Ich muss mich nur rasch frisch machen - dann gehen wir gemeinsam zu mir", bevor sie verschwunden war. Das war jetzt eine Viertelstunde her - und von der kleinen Blonden mit dem tollen Mund und dem engen Top war weit und breit nichts mehr zu sehen. Ich hatte also wieder einmal verloren. Und natürlich alle Drinks gezahlt.

Dabei hatte es so vielversprechend begonnen. Also ohnehin genauso wie immer. Und Anfang zwanzig ist das gleichbedeutend mit vielversprechend: Es war der zweite Abend. Wir waren zu viert hier. Auf der Jagd. Schnee, Spaß und Hormone. Vielversprechend eben.

Der Abend war auch gut angelaufen: Die Bar war voller Zielobjekte. Die Konkurrenz war zwar auch am Werk, aber das war erstens vorherzusehen gewesen und zweitens nicht weiter schlimm, weil überall so.

M. saß an der Bar. Sie hätte mir vermutlich sogar bei besserem Licht und weniger Krach gefallen. Jetzt und hier sowieso. Scheinbar sah sie das genauso. Anfang zwanzig zählt jeder Abend. Und man sammelt Kerben im Bettpfosten - auch wenn man ein paar Jahre später behauptet, selber nie so gewesen zu sein. Das waren dann immer nur die anderen.

M. jedenfalls wusste, was sie wollte. Ich auch. Und wir waren nicht allzu sehr erstaunt, als wir feststellten, dass unsere Bedürfnisse einige Überschneidungen aufwiesen. Auch dass diese Schnittmenge mit jedem Drink größer wurde, war nicht sonderlich überraschend. Ich hatte meine Hände überall - und auch M. versuchte, auf meinem Körper Brailleschrift zu lesen. Irgendwann kam sie unter meinem Hemd an. "Oh, das ist aber ein dichter Naturpulli!", meinte sie, zog die Hand weg - und knutschte weiter. Ich dachte mir nichts. Auch nicht, als wenige Minuten später die Ansage vom "Frischmachen" kam. Ich habe M. nie wieder gesehen. Falsch: Ich habe M. wieder gesehen. Zwei Tage später. Sie mich nicht. Obwohl ich zweimal laut "Hallo" gerufen habe.

Meine Freunde lachten sich krumm. Dann zog einer los und kam mit einer Tube Rasierschaum und einer Hand voll Einwegrasierer zurück. Ehrlich gesagt hatte ich Angst, als sie zu dritt über mich und meinen Brustpelz herfielen. Ein paar kleine Schnittwunden später fühlte ich mich nackt - aber bereit, neuen Abenteuern ins Gesicht zu blicken. Daran, dass ein T-Shirt sich direkt auf der Haut doch anders anfühlte, gewöhnte ich mich rasch.

B. war großartig. Eine tolle Tänzerin. Die anderen Jungs hatten ganz neidisch geschaut. B. war mit ein paar Freundinnen aus Holland zum Skifahren gekommen, erzählte sie mir, als wir von der Disco in mein Hotel wankten. B. wollte etwas erleben, sagte sie. Ob vielleicht einer meiner Freunde später nachkommen wolle? Aber als G. dann mit dem ersten Sonnenstrahl ins Zimmer torkelte, war B. schon wieder weg. Und ich völlig am Boden. "Unmännlich" hatte sie mich genannt. "Haarloses Baby." Und noch ein paar Sachen. In mehreren Sprachen. Aber sie war geblieben - bis sie die Schnittwunden an meinem Oberkörper sah. Da begann sie zu grinsen. Dann kicherte sie. Und schließlich platzt es lauthals aus ihr heraus. Sie streifte T-Shirt und Pulli über, zog den Rock wieder an, steckte den BH in die Anoraktasche - und war Geschichte. Ihr Lachen hörte ich, bis sie im Aufzug verschwunden war.
Auszugsweise Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Deuticke Verlages und der Autoren.
erhältlich im Buchhandel
Die Autoren:
Dagmar Hansel, Jahrgang 1969, ist ausgebildete Kosmetikerin, Sport- und Heilmasseurin.
Sie lebt und arbeitet in Wien.
Thomas Rottenberg, Jahrgang 1969, ist Journalist und schreibt bei der Tageszeitung "Der Standard".
Er lebt und arbeitet in Wien.
Christian Fischer, Jahrgang 1963, freischaffender Fotograf, unter anderem für die Tageszeitung "Der Standard", lebt und arbeitet in Wien.
1010 Wien; Hegelgasse 21
Tel.: +43 1 512 15 44-281
info@deuticke.at
Auszugsweise Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Deuticke Verlages und der Autoren in Zusammenarbeit mit Wien-Vienna.
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