Lexikon der Sprachirrtümer Österreichs
Grüner, Sigmar - Sedlaczek, Robert
Lexikon der Sprachirrtümer Österreichs
Deuticke Verlag
ISBN: 3-216-30714-X
Aus dem Inhalt:
Naschmarkt

Der bedeutendste Obst- und Gemüsemarkt Wiens hieß früher Aschenmarkt. Er lag am Beginn der Wiedner Hauptstraße, wo es eine Aschenlagerstätte gab. Außerdem wurde auf dem Markt Holzasche zum Reinigen von Geschirr verkauft.

Mauritz Schuster beschreibt den alten Naschmarkt als „eine kleine Stadt von Verkaufsständen, deren aufgehäufte Waren von gewaltigen farbigen Stockschirmen überdacht waren; im übrigen wurden auch durch die Reihen der Standeln schmale, gassenartige Wege freigelassen. Einst sah man all die bunten Obst- und Gemüseberge unter den hellen Riesenschirmen neben den oft malerisch gekleideten Marktfrauen weithin leuchten…“ Dieses reich bewegte Leben war nicht nur für Maler, sondern auch für Dichter und Schauspieler anregend.

Erst 1919 übersiedelte der Markt im Zuge der Neugestaltung des Karlsplatzes auf die Wienflussüberdachung an der Wienzeile.

Weil es auf diesem Markt schließlich keine Asche mehr zu kaufen gab, in dem reichhaltigen Angebot aber auch Näschereien zu finden waren, erfolgte eine Umdeutung von Aschenmarkt zu Naschmarkt. Die Aussprache „Oschnmoakd“ ist bei älteren Wienern etwa bis 1945 belegt.

Eine andere Theorie besagt, dass der Name Aschenmarkt von mittelhochdeutsch „asch“ (=Gefäß), eventuell auch Milchkanne abzuleiten ist. Gemeint waren ursprünglich Holzgefäße aus Esche. Demnach hätte der Markt deshalb seinen Namen erhalten, weil es dort Milch zu kaufen gab.
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