Donauauen
© Erhard Gaube
Bis ins 19. Jahrhundert war die Donau ein ungezähmter Fluss. Dann veränderte der Mensch durch umfangreiche Regulierungen drastisch den Naturhaushalt dieser Flusslandschaft. Viele Nebenarme wurden abgedämmt und sind seither nur mehr bei Hochwässern von der Donau durchströmt. Weitere massive Eingriffe folgten durch die jahrzehntelange forstwirt- schaftliche Nutzung in weiten Teilen der Auwälder. In den 50er Jahren begann der Ausbau einer nahezu lückenlosen Kette von Flusskraftwerken im österreichischen Teil der Donau.1984 drohte mit dem geplanten Bau des Kraftwerkes Hainburg die Zerstörung des letzten freifließenden Donauabschnitts mit seinen Auwäldern.
© Erhard Gaube
 Aufrufe aller Natur- und Umweltschutzvereinigungen bewirkten landesweite Proteste. Als die Betreiber des Kraftwerksprojektes nicht einlenkten und den Bau beginnen wollten, kam es zu einer gewaltlosen Besetzung der Auwälder durch tausende Menschen aus allen Alters- und Berufsgruppen. Nach mehreren erfolglosen Räumversuchen durch Polizeieinheiten im Dezember 1984, wurde von der Bundesregierung eine Nachdenkpause verordnet. Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen wurden angestellt und dabei überraschende Entdeckungen gemacht.
© Erhard Gaube
So konnten in der Donau weit mehr Fischarten festgestellt werden als zum Zeitpunkt der Kraftwerk- splanungen bekannt war. Das wichtigste Ergebnis dieser Studien war, dass die Donauauen in und östlich von Wien nationalparkwürdig sind. Es wurde auch festgestellt, dass ein Kraftwerk mit einem Nationalpark nicht vereinbar ist. Am 27. Oktober 1996 war es dann soweit, zwischen der Republik Österreich und den Bundesländern Wien und Niederösterreich wurde ein Staatsvertrag unterzeichnet. Der Nationalpark Donau-Auen war damit offiziell eröffnet.
Zahlen / Daten / Fakten
 
Flussauen-Nationalpark mit 9.300 Hektar Fläche
65 % Auwald
20 % Gewässer
15 % Äcker, Wiesen und sonstige Flächen
Zwischen den Ballungszentren Wien und Bratislava
Donau
36 km im Nationalpark
350 m Flussbreite durchschnittlich
Pegelschwankungen bis zu 8 Meter
Artenspektrum
mehr als 700 Arten höherer Pflanzen
mehr als 30 Säugetier- und 100 Brutvogelarten
8 Reptilien- und 13 Amphibienarten
rund 60 Fischarten
Schutzbestimmungen
1978 Lobau: Lobauverordnung (Voll-, Teilnaturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet)
1978 Untere Lobau: Biosphärenreservat der UNESCO
1979 Donau-March-Thaya-Auen: Landschaftsschutzgebiet
1983 Donau-March-Auen und Untere Lobau: Ramsarschutzgebiet
1996 Nationalpark Donau-Auen
1997 Kategorie II der IUCN (International Union for Conservation of Nature)
Lobau
Das 2500 ha große, ursprüngliche Augebiet liegt noch innerhalb der Stadtgrenzen. Eine Wildnis mit einzigartiger Tier- und Pflanzenwelt, traditionelles Zentrum der Nacktbadekultur, Naherholungsraum für Großstädter, Paradies für Außenseiter und Alternativkulturen – das war und ist die Lobau noch immer. Dass man sich hier auch auf historischem Boden befindet, daran erinnert der Napoleonstein, ein kleiner Obelisk mit der Aufschrift „Napoleon 1809“. Hier nahm der Korse Quartier, von hier wollte er Wien angreifen, und hier hat er seine erste Niederlage erlitten. Prater und Lobau sind für die Wiener stets Inbegriff der Au schlechthin gewesen. Seit 1984 Umweltschützer mit einer Besetzung bei Hainburg für die Rettung der Aulandschaft kämpften, hat sich dieser Begriff gedehnt. Der gelernte Ausflügler weiß heute, dass sich östlich von Wien insgesamt rund 10.000 ha intakter Aulandschaft erstrecken, die als Nationalpark geschützt werden. Die Donau verzweigte sich bei Wien früher in ein fischreiches Netz von Donauarmen, die immer wieder für verheerende Überschwemmungen sorgten. 1868-81 erfolgte daher eine große Donauregulierung. Mit technischen Methoden, die sich schon beim Bau des Suezkanals bewährt hatten, zwängte man den Fluß in ein einziges Bett. Ein schmucklos begradigter Fluß entstand und ein ebenso schmuckloses Überschwemmungsgebiet. Aus dem Flussarm, an dem Wien eigentlich lag, wurde der heutige Donaukanal, der für die Donauschifffahrt nicht mehr zu gebrauchen war. Ein anderer Arm der Urdonau verwandelte sich in ein stehendes Gewässer von 1.6 km² Fläche.
auszugsweise aus
Käthe Springer; Wien City Guide
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Photographien von Manfred Horvath
Verlag Christian Brandstätter - Wien
mit freundlicher Genehmigung
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