In den Raunächten wurde in Häusern und
Ställen geräuchert, um Mensch und Tier vor dem Einfluss böser Geister zu
schützen. Die finstere Zeit der Wintersonnenwende wurde als bedrohlich
und lebensfeindlich erfahren. Der Name der Drei Heiligen Könige sollte
die bösen Geister bannen und für das ganze Jahr Segen bringen. C + M + B
(plus Jahreszahl, plus Kreuz über dem M) schreiben die SternsingerInnen
mit geweihter Kreide an die Tür. Es bedeutet „Christus mansionem
benedicat“, übersetzt „Christus segne dieses Haus“. Die drei Kreuze
stehen für die Dreifaltigkeit. Seit jeher heißt es, dass jene Felder,
über welche SternsingerInnen gehen, doppelte Ernte tragen.
Das Sternsingen überlebte trotz
gesellschaftlicher und politischer Umbrüche und Veränderungen. Der
Brauch des Sternsingens ist heute lebendig wie eh und je. Was sich
verändert hat, ist die Verwendung der Gelder. Begonnen hat das
Engagement der Katholischen Jungschar im Jahre 1955. Der Geschäftsführer
der MIVA fragte bei der Jungschar an, ob sie nicht für Verkehrsmittel
für Missionare sammeln könnte. Die Spenden reichten damals für drei
Motorräder. Der Startschuss war geglückt - die Jungschar hat einen alten
Brauch mit neuem Sinn erfüllt: die Verkündigung der Weihnachtsbotschaft
in die ganze Welt hinaus zu tragen, lebendiges Brauchtum mit
solidarischem Engagement für notleidende Menschen in der „Dritten Welt“
zu verknüpfen.
Seitdem ist die „Hilfe unter gutem Stern“ kontinuierlich gewachsen.
Heute können jährlich an die 500 Projekte in Afrika, Asien und
Lateinamerika finanziell unterstützt und damit 1 Million Menschen direkt
erreicht werden.
Sternsingen:
weit verbreiteter Heischebrauch rund um den Dreikönigstag (6. Jänner, Epiphania Domini,
alter Jahresbeginn). Kinder oder Jugendliche vazieren in der Verkleidung der Heiligen Drei
Könige Caspar, Melchior und Balthasar durch ihre Gemeinden, singen und sammeln Geld für
karitative Zwecke.
Sonja war kurz im Lande, wieder einmal, um eine Ausstellung über die Arbeit in Guatemala
vorzubereiten. Jetzt ist sie schon wieder drüben als Koordinatorin der österreichischen
Guatemala-Initiative. Mit bis zu einem halben Dutzend Mitarbeitern greift Sonja den seit
Jahrhunderten unterdrückten Indianern des kleinen zentralamerikanischen Landes unter die
Arme. Infrastruktur-Assistenz wird den über zwanzig Indigena-Völkern Guatemalas ebenso
geleistet wie Prozessbegleitung in jenen Verfahren, die die Opfer der Militärdiktaturen
der 1970er und 1980er Jahre gegen ihre Peiniger anstrengen.
Die Initiative existiert seit bald einem Jahrzehnt; was allerdings ihre Zukunft angeht,
hat Sonja Sorgen: Bis zu vier Zivildiener des österreichischen Innenministeriums
arbeiteten bis dato gleichzeitig in Guatemala, geht es nach den Plänen der Regierung,
wird es diese bald nicht mehr geben. Ein mühevoll aufgebautes System ist in Gefahr. Dass
Sonja selbst noch vor Ort bleiben kann, dankt sie einer der liebenswertesten
österreichischen Schnorr-Traditionen: der Dreikönigsaktion.
Die Bibelforschung verbringt viel Zeit damit, die Identität der sagenhaften Heiligen Drei
Könige zu klären. Könige waren es wohl kaum, die Bezeichnung Weise aus dem
Morgenland kommt den Krippenbesuchern sicherlich näher, möglicherweise waren es
auch ganz einfach fahrende Kaufleute, die in den Wirren der judäischen Volkszählung im
Jahre Null ebenso kein Quartier fanden wie der Nazarener Zimmermann Josef mit seiner sich
eben in Vergrößerung befindlichen Familie.
Aber die Legende von den reisenden Aristokraten, die von einem Kometen direkt an das
Strohlager des neugeborenen Messias geführt wurden, ist eines der glamourösesten Details
der Christnachtgeschichte. Tausende Kinder und Jugendliche, die seit Jahrzehnten von der
katholischen Jungschar koordiniert, um den 6. Jänner in die Häuser und Wohnungen singen
kommen und die berühmte Dreikönigs-Chiffre mit weißer Kreide auf die Türstöcke
schreiben, füttern mit ihren Spenden eine Schar von Initiativen, die denjenigen von
Licht ins Dunkel kaum nachstehen.
Auch Sonja kann, wenn alles gut geht, wieder ein Jahr lang ihre Arbeit in Guatemala-Ciudad
machen. Auf jeden Fall im Sinne von Caspar, Melchior und Balthasar, die, wenn schon keine
Könige, eines ganz sicher waren Reisende und also Kosmopoliten.
Textauszug aus
Molden, Ernst Christbaum kaufen, baden gehen
Deuticke Verlag ISBN: 3-216-30704-2
Die "Heiligen drei Könige" waren die Weisen aus dem
Morgenland, von denen das Matthäusevangelium berichtet: "Und sahen das Kindlein,
warfen sich nieder, huldigten ihm, taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gold und
Weihrauch und Myrrhe" (Matthäusevangelium 2, 11).
Zug der drei Weisen ins Morgenland -
Kirchenfenster
An diese Textstellen schlossen sich schon früh Ausdeutungen an; die
Zahl der Weisen war zunächst noch nicht auf drei festgelegt. Der Ausdruck
"Könige" wurde dann im 3. Jahrhundert von Tertullian und anderen
Kirchenschriftstellern gebraucht. Ihre heutigen Namen tauchten erstmals im 6. Jahrhundert
auf und wurden im 9. Jahrhundert volkstümlich. Als Sterndeuter, Philosophen und Zauberer
sucht sie die Legende Aurea zu erklären. Zahlreiche Legenden und Kommentare erzählen das
von Wundern erfüllte Leben der drei Weisen, ehe ihnen der Stern erschien, sie die Reise
nach Jerusalem unternahmen, vor Herodes standen und, nach der Verehrung des Kindes und
durch einen Engel im Traumgesicht gewarnt, einen anderen Rückweg in die Heimat
einschlugen.
Aus frühchristlichen Quellen stammt die Erzählung von ihrer Taufe durch den Apostel
Thomas und von ihrer Bischofswürde, von einem gemeinsamen Weihnachtsfest im Jahr 54 und
ihrem unmittelbar darauf folgenden Tod, vom Auffinden ihrer Gebeine und deren
Überführung nach Konstantinopel durch Kaiserin Helena.
Sternsinger
Illustration: Ludwig Richter, 1803 - 1884
Aus der Zahl der Gaben Myrre, Gold und Weihrauch schloss man im 3. Jahrhundert auf die
Dreizahl der Magier. Ab dem 6. Jahrhundert bekamen sie ihre Namen, zunächst
"Thaddadia, Melchior und Balytora". Seit dem 8. Jahrhundert heißen sie
"Caspar, Melchior und Balthasar", zugleich wurden sie in den Stand der Könige
erhoben. Verschieden wurden im Schrifttum des Mittelalters die Namen und Geschenke
gedeutet. Im Malerbuch vom Berg Athos ist die Folge Caspar, Melchior, Balthasar
festgelegt. Die Geschenke sind am verständlichsten in den "Gesta Romanorum"
gedeutet: Das Gold bezeichnet den einem König gebührenden Weisheitsschatz, der Weihrauch
das ergebungsvolle Opfer und Gebet, die Myrrhe die reinhaltende Kraft der
Selbstbeherrschung. Außer der Unterscheidung in drei Lebensalter, die sich im 12.
Jahrhundert einbürgerte, trat um 1300 der jüngste als Mohr auf. Die drei Könige wurden
als Vertreter der damals bekannten drei Weltteile Asien, Europa und Afrika angesprochen,
auch zurückgeführt auf die drei Söhne Noahs.
Angebliche Reliquien der drei Weisen aus dem Morgenland wurden ursprünglich in Mailand
aufbewahrt, nach der Unterwerfung Mailands brachte der Kanzler Barbarossas die Reliquien
als Geschenk nach Köln, wo seither das Fest dieser Überführung am 23. Juli 1164
gefeiert wird. Wegen ihrer Reise zum neugeborenen Jesuskind wurden sie zu Patronen der
Reisenden und Pilger, besonders auch als Patrone für die "letzte Reise", den
Tod. Die Namen vieler Gaststätten haben hier ihre Wurzel: "Stern", "Drei
Kronen", "Mohr" u.a.
Ab dem 6. Jht. bekamen sie ihre Namen: "Thaddadia, Melchior, Balytora".
Ab dem 8. Jht. hießen sie, das bis heute: "Caspar, Melchior; Balthasar".
Zugleich wurden sie in den Stand der Könige erhoben.
Seit dem 12. Jhdt. machte man aus 1 König einen schwarzhäutig. Die Legende sagt, dass
ihre Gebeine von der hl. Helena nach Konstantinopel gebracht wurden. Von dort kamen sie
nach Mailand. 1164 übersiedelten sie nach Köln, wo diese im
"Dreikönigsschrein" ihre Ruhe fanden.
Schon um 378 wurden Wechselgesänge zwischen Maria und den Magiern bezeugt.
Dreikönigsspiele waren bis in die Neuzeit beliebt. Noch heute weit verbreitet ist in der
katholischen Kirche der Brauch der von Haus zu Haus ziehenden Sternsinger, die um eine
Gabe bitten und das Haus segnen, wobei die jeweilige Jahreszahl und die Initialen C + M +
B an die Haustür geschrieben werden. Das Sternsingen wurde im 16. Jahrhundert erstmals
urkundlich vermerkt und war bald schon sehr verbreitet. Zunächst wurde ein Kreuz auf die
Türen gemalt, daraus entwickelten sich der Haussegen "C + M + B",
"Christus Mansionem Benedicat", "Christus segne das Haus", welcher das
Böse abhalten soll.
Dreikönigstag anderswo...
In Russland und einigen GUS-Staaten wird an diesem Tag das
Weihnachtsfest gefeiert! Da in diesen Staaten noch nach dem Julianischen Kalender
gerechnet wird. Dort tritt an die Stelle des Christkinds oder Weihnachtsmanns das
"Väterchen Frost" unterstützt vom "Snegorotschka", dem
Schneeflöckchen.