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| Februarkämpfe 1934 |
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Der zerschossene Karl-Marx-Hof,
Symbol der sozialen Leistungen im "roten Wien",
zugleich "zwei Kilometer Art-Déco-Architektur".
Bild: Hans Rauscher | Die Bilder Österreichs
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
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| Die Gegensätze zw. Soz.-Dem. und Republikanischem Schutzbund (1933 verboten)
einerseits und Christl.-Soz. und Heimwehr bzw. der Regierung andererseits (Erste Republik)
führten in den Februartagen (12.-15. 2.) 1934 zum Bürgerkrieg. Die F. brachen aus, als soz.-dem. Schutzbündler unter R. Bernaschek einer
Waffensuchaktion der Heimwehr (als Hilfspolizei) im Linzer soz.-dem. Parteiheim
("Hotel Schiff") bewaffneten Widerstand leisteten. Vorangegangen waren die
wiederholte Aufforderung B.Mussolinis an Bundeskanzler E. Dollfuß, den Marxismus zu
bekämpfen, die Absetzung der Leitung der Arbeiterkammer sowie die Verhaftung namhafter
Schutzbündler (u. a. Major A. Eifler und Hauptmann R. Löw). |
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Bundesheer steht in einer
Stadtbahnstation in Bereitschaft. 12. Februar 1934.
Bild: Stadtchronik Wien
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
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| Dem Kampf in Linz folgten Aufstände in Wien und anderen
Ind.-Orten (Steyr, St. Pölten, Weiz, Eggenberg b. Graz, Kapfenberg,
Bruck a. d. Mur, Wörgl usw.). Zentren des mit Artillerieeinsatz
niedergekämpften Widerstands in Wien waren Arbeiterheime und Gemeindebauten
(Karl-Marx-Hof, Goethe-, Sandleiten-, Reumannhof u. a.), bes.
in Floridsdorf (z. B. Schlingerhof). Die unorganisierte Aufstandsbewegung
scheiterte hauptsächlich daran, dass der von der Soz.-dem. Partei
ausgerufene Generalstreik nicht durchgeführt wurde. |
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Bei den Februarkämpfen 1934 getötete Soldaten. |
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Panzerwagen der Polizei nach
dem Beschuss eines Gemeindebaus. |
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Kampfhandlungen vor der Donaubrücke in Wien im
Februar 1934. |
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Soldaten vor Straßensperren, die in den Wiener Straßen errichtet wurden. |
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| Die Kämpfe kosteten die Schutzbündler fast 200 Tote und mehr als 300
Verwundete, die Exekutive 128 Tote und 409 Verwundete. Einige Führer des Aufstands wurden
hingerichtet (G. Weissel, K. Wallisch, K. Münichreiter u. a.), andere konnten ins
Ausland fliehen (J.Deutsch, O. Bauer, R. Bernaschek). Dem Aufstand folgte das Verbot der
Soz.-dem. Partei, der Gewerkschaften, aller soz.-dem. Arbeiterorganisationen sowie der von
den Soz.-Dem. geleiteten Gem.- und Landesvertretungen und die Ausrufung der Maiverfassung 1934 bzw. des
Ständestaats. |
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| Schutzbund |
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Verhaftete Schutzbündler. Februar
1934.
Bild: Stadtchronik Wien
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
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| Republikanischer Schutzbund, 1923/24 aus den Ordnerformationen der Soz.-dem. Partei
gebildete paramilitär. Organisation, die einheitlich uniformiert, in Kompanien, Bataillone und Regimenter
gegliedert und gut (mit Infanteriewaffen) ausgerüstet war. Sitz der Zentralleitung war
Wien, in jedem Bundesland bestand eine Landesleitung. Der R. S. sollte für die
Soz.-Dem. ein Ersatz für das von den Christl.-Soz. beherrschte Bundesheer und Zeichen
"proletar.Wehrhaftigkeit" sein, er ging teilweise aus Mitgliedern der Volkswehr
hervor und war später das Pendant zur christl.-soz.Heimwehr. Seine größte Stärke
erreichte der R. S. 1928 mit 80.000 Mitgliedern v. a. in Wien, in den
Ind.-Gebieten von NÖ., OÖ., Kä. und der Stmk. Er hatte des öfteren lokale
Zusammenstöße zu bestehen, sein größter Aufmarsch fand am 9. 10. 1928 in Wr.
Neustadt statt. Ab den 30er Jahren verlor er an Schlagkraft, am 30./31. 3. 1933 wurde
er von der Regierung Dollfuß aufgelöst, blieb aber illegal bestehen und begann am
12. 2. 1934 in Linz den Kampf gegen die Regierung ( Februarkämpfe). Im
folgenden Bürgerkrieg wurden fast 200 Schutzbündler getötet und rd. 300 verwundet.
Nach der Niederlage wurden viele Mitgl. verhaftet, einige 100 flüchteten in die CSR und
in die Sowjetunion, wo unter Stalin viele umkamen, manche kämpften im Span. Bürgerkrieg
1936-39 in den Internat. Brigaden. Der Versuch, in Ö. neben den Revolutionären
Sozialisten einen "Autonomen Schutzbund" zu gründen, scheiterte. |
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| Heimwehr |
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| (Heimatschutz, Heimatwehr, Heimwehren), zusammenfassender Name für die
freiwilligen, zunächst überparteil. Selbstschutzverbände, die sich unmittelbar nach dem
Ende des 1. Weltkriegs in den Bundesländern als Ortswehren, Bürgergarden,
Kameradschafts- und Frontkämpferverbände gebildet hatten (z. B. für den
Abwehrkampf in Kä.). Sie wurden zuerst in Ti., dann auch in anderen Alpenländern
organisatorisch zusammengeschlossen und bes. von obersteir. Großindustriellen
unterstützt, die in ihnen ein Gegengewicht zu den Organisationen der Arbeiterschaft
sahen. Sie verfügten über ein bedeutendes Waffenpotential (z. T. ital. Waffen),
trugen Landesfarben (das steir. Weiß-Grün) und -trachten (H.-Hut = Feldmütze mit
Spielhahnstoß, dem sog. Hahnenschwanz) als Uniformen und veranstalteten öffentl.
Aufmärsche. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit dem soz.-dem. Republikanischen
Schutzbund, die mehrmals auch Todesopfer forderten.
Durch die Radikalisierung der innerpolit. Auseinandersetzung in
der Ersten Republik, bes. nach dem Justizpalastbrand von 1927 (Julirevolte),
wurde die H. zur bewaffneten bürgerl. Kampfbewegung gegen die Soz.-Dem.
und gewann, von I. Seipel unterstützt, von da an in der Innenpolitik
immer mehr Einfluss. Neben dem Bundesführer R. Steidle spielten
dabei E. R. Starhemberg, W. Pfrimer und Major E. Fey die Hauptrollen.
Auch ins Ausland, v. a. in das faschist. Italien, reichten
ihre Verbindungen. Mit dem Aufmarsch des steir. Heimatschutzes am
7. 10. 1928 in Wr. Neustadt eroberte sich die H. erstmals auch
in einer Hochburg der soz.-dem. Arbeiterschaft die Straße. Im Korneuburger
Programm von 1930 bekannten sich ihre Führer zu den Grundsätzen
des Faschismus (Austrofaschismus), lehnten Demokratie und Parlamentarismus
ab, forderten die Macht im Staat und traten für eine ständische
Gliederung des Staats ein. Zu den Schwächen der H. gehörten der
ständige Rivalitätskampf ihrer Führer und ihre Spaltung in einen
monarchist. und einen dt.-nat. Flügel; eine Schwächung erfuhr sie
auch, als J. Schober den Deutschen W. Pabst, den eigentl. Organisator
der H.-Bewegung, aus Ö. auswies. In der nur kurze Zeit dauernden
Regierung C. Vaugoin waren E. R. Starhemberg Innen- und F.
Hueber Justizmin. Für die Nationalratswahl von 1930 stellte die
Starhemberg-Gruppe eine eig. Liste (Heimatblock) auf, während sich
die Gruppe unter der Führung E. Feys (bes. in NÖ. und Wien) mit
den Christl.-Soz. verband. Danach blieb der Gegensatz zw. Starhemberg
und Fey ein entscheidendes Element in der inneren Entwicklung der
H. Der Heimatblock erhielt 8 Sitze im Nationalrat, aber innere Differenzen
lähmten seine Opposition. Nachdem im Sept. 1931 der von W. Pfrimer
geführte Staatsstreich ( Pfrimer-Putsch) gescheitert war, schloss
sich seine steir. Gruppe den Nat.-Soz. an. H.-Ultimaten in verschiedenen
Bundesländern und aggressive Reden von Starhemberg und Fey bildeten
dann den Auftakt zu den Februarkämpfen 1934, in denen die H. ebenso
wie beim Juliputsch 1934 als Hilfspolizei eingesetzt wurde.
In den ersten Jahren des Ständestaats hatte die H. mit den Posten des Vizekanzlers,
des Innen- und anderer Minister wichtige Machtpositionen inne. Zeitweise war Starhemberg
sogar Bundesführer der Vaterländ. Front. Infolge ihrer Rivalitätskämpfe und
außenpolit. Ungeschicklichkeiten verlor die H. allmählich ihre Macht. Mit dem Sturz
Starhembergs im Okt. 1936 wurde die H. aufgelöst, ihre Wehrverbände wurden als
"Frontmiliz" der Vaterländischen Front eingegliedert. |
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Text auszugsweise aus |
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