Friedhöfe in Wien
Zentralfriedhof Wien - © e. Gaube, Citype
Friedhofsbesuche sind die nützlichsten
sie dienen wie nichts der Belehrung
und der Beruhigung
nirgendwo sonst kann sich ein heute doch überall gestörter Kopf
konzentrieren
Thomas Bernhard, „Heldenplatz“
Der Tod hat sich in Wien scheinbar immer recht heimisch gefühlt. Die meisten Wiener G’schichten, Märchen und Mythen haben mehr oder weniger direkt mit ihm zu tun, ob er nun im Gewand der Pest, die Wien mehrmals und auf verheerende Weise heimsuchte, auftritt, oder, wie im berühmten Wienerlied „Es wird a Wein sein…“, dann doch, zumindest gegen Bacchus, den Kürzeren zieht. Der Liebe Augustin, der sagenumwobene Wiener Spielmann, der im Suff in eine Pestgrube fiel und am folgenden Morgen zwar verkatert, aber ansonsten unversehrt spottlustig aus dem Loch stieg, ist zum Urvater des „echten Wieners“ geworden, der, so will es das Sprichwort, „nicht untergeht“. Wien ist einer der Orte – aber beileibe nicht der einzige -, dem man ein besonderes Naheverhältnis zum „Gevatter Tod“ nachsagt. Das kann bis zum Klischee gehen, wird aber auch immer wieder im Alltag greifbar, und sei es nur im Bestattungsritual der Burgtheatermitglieder, deren Sarg mit allem Pomp um die heiligen Hallen des Burgtheaters getragen wird, bevor man ihn in der Erde versenkt. Skeptikern sei ein Besuch des Zentralfriedhofes zu Allerheiligen empfohlen, wenn ganz Wien seiner „lieben Toten“ gedenkt. Mag auch sein, dass der Tod als „Gleichmacher“ seit der Zeit der Monarchie (und die ist so lange noch nicht vorbei) besondere Sympathie in der Bevölkerung genießt. Das „Anklopfritual“ bei den Begräbnissen der Habsburger spräche immerhin dafür: Der kaiserliche Sarg musste vor der Kapuzinerkirche, der traditionellen Begräbnisstätte der Habsburger, Einlass begehren. Auf das Anklopfen des Zeremonienmeisters folgte von drinnen die Frage, wer da sei, worauf die minutenlange Nennung des kaiserlichen Titels folgte. Der Bescheid von drinnen lautete: „Ignosco“ („Kenne ich nicht“). Der zweite Versuch viel dann etwas kürzer aus, bis es schließlich beim dritten Mal hieß: „Ein armer Sünder“. Und das sind wir schließlich alle. Wien ist wahrhaftig eine Stadt, die dem Friedhofsbesucher nichts zu wünschen übrig lässt. 46 belegbare Friedhöfe gibt es in ihr, die aufgelassenen und in Parkanlagen umgewandelten nicht einmal mitgerechnet. Im Laufe der letzten 150 Jahre sind die Bestattungsareale aus dem Zentrum der Stadt abgewandert in die Außenbezirke, und dort liegen sie nun, auf den grünen Anhöhen des Wienerwaldes, oder, wie der Zentralfriedhof, im flachen Süden der Stadt. Letzterer, die Totenstadt Wiens, steht naturgemäß im Zentrum dieses Buches. Der von Wolfgang Ambros besungene Zentralfriedhof hat seine „ersten hundert Jahr“ schon lange hinter sich. Seit 1874 werden die Toten Wiens zu einem guten Teil auf dem mehr als zwei Quadratkilometer großen Areal in Simmering, dem XI. Wiener Gemeindebezirk, beigesetzt. Nachdem man sich nach langen Querelen auf diesen Ort geeinigt hatte, traten bald die nächsten Komplikationen auf: Der interkonfessionelle Charakter, der dem Friedhof eignen sollte, rief bei den verschiedenen Glaubensrichtungen hitzige Streitereien hervor, insbesondere, was die Einweihungsfeierlichkeiten betraf. Die Lösung war dann eine typisch österreichische: In aller Frühe weihte Kardinal Rauscher am 30. Oktober 1874, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, den nach Plänen der Frankfurter Architekten Bluntschli und Mylius errichteten Zentralfriedhof ein. Doch die sprichwörtliche Liebe der Wiener zu ihren Toten wollte sich nicht so recht einstellen. Aufgrund seines anonymen Charakters und der trotz allem weiten Entfernung blieben die „Besucher“ aus, bis man sich entschloss, alles, was Rang und Namen hatte, in eigens dafür geschaffene Ehrengräber zu überführen.
Zentralfriedhof Wien - © e. Gaube, Citype
Heute hat der Zentralfriedhof ca. 3 Millionen „Bewohner“ und zählt zu den größten Friedhöfen Europas. Seinen Mittelpunkt bildet die von Max Hegele erbaute Lueger-Gedächtniskirche. Doch der Zentralfriedhof ist nicht der einzige Friedhof, der einen Besuch lohnt. Auf die Schließung der „kommunalen Leichenhöfe“ Kaiser Josephs II. folgte die Errichtung der neuen Friedhöfe in den Vorstädten. Nur der St. Marxer Friedhof, ein nahezu intakter Biedermeierfriedhof, hat „überlebt“. Zahlreiche Friedhöfe säumen nun den Rand der Stadt, wo Wien in den Wienerwald übergeht; der Grinzinger, der Hietzinger oder der verwunschene Kahlenberger Friedhof seien nur stellvertretend genannt. Eine eigene Geschichte ist die der jüdischen Friedhöfe Wiens. Sie alle mussten in der Zeit des Nationalsozialismus (und nicht nur dann) Schändungen hinnehmen; noch heute sind die meisten von ihnen in einem bedauernswerten Zustand. Ein Gang etwa über die Israelitische Abteilung des Zentralfriedhofs macht dem Besucher den Verlust, den das Land durch die Vertreibung und Ermordung der Wiener Juden erlitten hat, auf schmerzhafte Weise bewusst. Viele Vertreter der jüdischen Intelligenz sind auf nicht-jüdischen Friedhöfen begraben, weil sie konvertieren mussten oder wollten, die Mehrzahl aber hat im Ausland, in Argentinien, den USA oder Palästina eine letzte Ruhestätte gefunden. Auf den Gräbern hier in Wien stehen heute oftmals unbekannte Namen, die doch zu ihrer Zeit eine bedeutende Rolle gespielt haben.
Die berühmten Gräber Wiens
Wolfgang Amadeus Mozart
* 27. 1.1756 Salzburg, † 5.12.1791 Wien
aus: Die berühmten Gräber Wiens - Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H. aus: Die berühmten Gräber Wiens - Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H.
Friedhof St. Marx Zentralfriedhof,
Ehrengräber Gruppe 32 A, Nr. 55
Wer anfängt muss auch aufhören
Die Geschichte von Mozarts letzter Ruhestätte ist einigermaßen verworren: Der Zentralfriedhof reiht ihn in seine Ehrengräber ein, auf dem St. Marxer Friedhof wurde er begraben, und sein mutmaßlicher Schädel liegt, vielfach vermessen und analysiert, im Salzburger Mozarteum. Die bewegende Schlussszene aus Milos Formans Film „Amadeus“, in der der anonyme Leichnam des allzu menschlichen Genies in ein Massenschachtgrab geworfen wird, dürfte im Großen und Ganzen den Tatsachen entsprechen: Der Reformkaiser Joseph II. hatte den Wienern mit einer 1784 erlassenen Begräbnisordnung ihre „schöne Leich“ – freilich nur vorübergehend – gründlich verdorben: Aus Gründen der Platz- und Geldersparnis führte man den wieder verwendbaren „Sparsarg“ und die mehrfach belegbaren Schacht- und Massengräber ein. (Das hartnäckige Gerücht, der missgünstige Hofkapellmeister Antonio Salieri habe Mozart vergiftet, hat sich im übrigen als falsch herausgestellt.) In einem solchen Grab wurde Mozart also am 6. Dezember 1791, gemäß dem Begräbnis III. Klasse zu acht Gulden 56 Kreuzer, das seine Witwe – wohl aus punktuellem Geldmangel – für ihn bestellt hatte, beigesetzt. Ein Kreuz oder gar einen Grabstein gab es nicht. Als man sich im 19. Jahrhundert wieder für das von Gott geliebte Wunderkind zu interessieren begann, war der genaue Ort der Begräbnisstätte nicht mehr rekonstruierbar. 1859 errichtete man ein im Vergleich zur Umgebung recht protziges Denkmal an der ungefähren Stelle seines Grabes, das man anlässlich des hundertsten Todestages auf den Zentralfriedhof verlegte. Auf dem St. Marxer Friedhof stellte ein musikliebender Friedhofswärter aus Fundstücken ein Grabmal zusammen, das in seiner Arglosigkeit dem Naturell Mozarts vielleicht am ehesten entspricht – „nun muss ich schliessen, ob es mich thut verdriessen, wer anfängt muss auch aufhören, sonst thut man die leute stöhren, an alle meine freünde mein Compliment, und wers nicht glaubt, der soll mich lecken ohne end…“ (aus den Bäsle-Briefen).
 
auszugsweise aus
Christopher Dietz; Die berühmten Gräber Wiens
Falco, Klimt, Kraus, Moser, Mozart, Schiele, Schubert u. v. a.
Fotos von Wolfgang Ilgner, Sigrid Riedl-Hoffmann und Frank Thinius
Band 1012 -
Perlen-Reihe
Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H. - Wien
mit freundlicher Genehmigung
Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H.
www.deuticke.at
Die Website zum Buch
"Die berühmten Gräber Wiens"
18 Friedhöfe, 295 Grabstätten mehr oder weniger Berühmter aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert, 30 ganzseitige Porträts bedeutender Persönlichkeiten inkl. Foto des Grabes - das alles enthält das kleine Büchlein "Die berühmten Gräber Wiens" (Wien - München 2000), das dieser Website zugrunde liegt.
Zur Website
Suchen Sie in der rund 300 Einträge umfassenden Datenbank, lesen Sie die ausführlichen Porträts von Falco, Klimt, Kraus, Moser, Mozart, Qualtinger, Schiele, Schubert, Strauß und vielen anderen, planen Sie Ihre Friedhofstour anhand der Friedhofsübersicht oder lesen Sie die Einführung zu den "Berühmten Gräbern Wiens"!

Sie sind selber Friedhofs-Fan?

Dann arbeiten Sie mit! Die Datenbank der berühmten Gräber wird laufend erweitert. Senden Sie mir die Grabstätte(n) derjenigen Person(en), die Sie hier vermissen. 10 vollständige, selbst recherchierte Datensätze (Name, Vorname, Lebensdaten, Friedhof, Gruppe/Reihe/Grab, Kurzbeschreibung) werden mit einem Gratis-Exemplar von
"Die berühmten Gräber Wiens" belohnt!

Schauen Sie auch auf meiner Website
"Erotische Grabskulptur auf europäischen Friedhöfen" vorbei!

Christopher Dietz
Geschichte des Bestattungswesens in Wien
Zentralfriedhof Wien - © e. Gaube, Citype
Die Kirche am Wiener Zentralfriedhof
 

Anhand der Entwicklung des Bestattungswesens in Wien lassen sich die Stationen der Säkularisierung des Umganges mit dem Tod, die zugleich Stationen seiner Verdrängung an die Ränder des Lebens sind, nachzeichnen.

Der mittelalterliche Freithof als Ort des öffentlichen Lebens

Die christliche Vorschrift, daß dieToten in unmittelbarer Nähe der Kirche oder sogar in den Kirchen selbst bestattet werden müssen, führte zu den mittelalterlichen Freithöfen, die rund um die Pfarrkirchen angelegt waren, und auf denen Leben und Tod noch einen engen Bezug hatten, denn sie waren unbeschadet ihrer sakralen Funktion auch Orte des öffentlichen Lebens, auf denen gehandelt, gefeiert, selbst der Prostitution nachgegangen wurde. Freithof hieß nicht viel mehr als umgrenzter, "eingefriedeter" Ort. Erst eine gänzlich andere, der unseren näher stehende Sensibilität ließ aus dieser Bezeichnung das Wort "Friedhof" entstehen. In Wien gab es zunächst rund um die Ruprechts- und die Peterskirche Freithöfe, später um die Pfarrkirchen St. Stephan, St. Michael und zu "Unserer Lieben Frau" (Schottenstift). Für die Kirche waren die Gebühren für Begräbnisse wichtige Einnahmen und für den Gläubigen stellte die Nähe zur Kirche einen Trost dar, auch jenseits des Todes sich auf religiösen Schutz verlassen zu können. Die soziale Hierarchie kam in der Anordnung der Grabstellen zum Ausdruck: Während die Bestattung innerhalb der Kirche bald zum Privileg der Bischöfe und des Adels wurde, gab es auch auf dem Freithof eine Unterteilung durch den Prozessionsweg, innerhalb dessen die Bestattung aufgrund der Nähe zur Kirche begehrter und gehoberen Schichten vorbehalten war als außerhalb. Gänzlich vom Friedhof verbannt und meist auf sogenannten "Schindangern" oder an Wegkreuzungen begraben wurden die Vertreter der "ehrlosen" Berufe wie Henker, Bader, Totengräber und Nachtwächter sowie Spielleute, Verbrecher und Selbstmörder.

Die Pest verändert den Bezug zum Tod

Bereits im 16. Jahrhundert setzten Bestrebungen ein, öffentliche Friedhöfe in die Vorstädte zu verlagern. Grund dafür waren der Platzmangel, aber auch das stärker werdende Bewußtsein von hygienischen Mißständen. Vor allem die Pest führte erstmals zur Errichtung großér Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden die Friedhöfe in der Stadt geschlossen, nur in den Kirchengrüften wurden noch Bestattungen durchgeführt.

Die Reformen Josefs II.

Joseph II bemühte sich Ende des 18. Jahrhunderts, um eine generelle Reform des Bestattungswesens. Er ordnete die Auflassung aller Friedhöfe innerhalb der Linien (des heutigen Gürtels) an und verbot die Bestattung in den Kirchengrüften (wovon nur die Kaiserfamilie in der Kapuzinergruft, die Erzbischöfe in der Stephansgruft und das Kloster der Salesianerinnen ausgenommen wurden). Der Luxus der Grabgestaltung, den sich ein Teil des Bürgertums bereits leisten konnte, sollte durch Verbote eingedämmt werden und Sparsamkeit und Funktionalität sich als Prinzip bei der Bestattung durchzusetzen (durch Schachtgräber und wiederverwendbare Klappsärge). Da diese Verordnungen hartnäckigen Widerstand von Seiten der Kirche, die ihre Einnahmen nicht verlieren wollte, und des um das Recht auf einen "individuellen" Tod fürchtenden Volkes hervorriefen, mußten sie zum Teil wieder rückgängig gemacht werden. Die Errichtung der "communalen Friedhöfe" außerhalb der Linien setzte sich jedoch durch; darunter der St. Marxer Friedhof, der noch heute ein Bild von der Bestattungskultur des Biedermeier bietet. Durch das Anwachsen der Vorstädte wurden diese Friedhöfe bald zu klein und konnten nicht mehr erweitert werden.

Die Verdrängung der Toten

Während die sogenannten "communalen" Friedhöfe noch von der Kirche verwaltet wurden, sollte nun die Stadt die weitere Planung, Bau und Verwaltung der Freidhöfe übernehmen. 1869 beschloss der Gemeinderat die Errichtung eines Zentralfriedhofes, es wurde ein weit außerhalb der Stadt liegendes Grundstück angekauft. das 1874 seiner Bestimmung übergeben wurde. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit dem Fortgang der Gestaltungsarbeiten und trotz der großen Entfernung vom Stadtzentrum ist der Zentralfriedhof heute von den Wienern als "Grabstapark Zenträu", wie ihn Helmut Qualtinger in einem Lied nannte, akzeptiert. Auf 2,5 Millionen Quadratmetern Fläche ruhen in 330.000 Grabstellen 3 Millionen Verstorbene.

Feuerbestattung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewann die Idee der Feuerbestattung, die in vorchristlichen Kulturen stark verbreitet war, wieder Anhänger. Liberale Bürger gründeten 1885 den Verein "Die Urne" und auch verschiedene Arbeitervereine wollten dieser Idee wieder zur Anerkennung verhelfen. Es dauerte jedoch bis nach dem 1. Weltkrieg bis die Gemeinde Wien die Errichtung eines Krematoriums beschloß, dessen Inbetriebnahme durch die Weisung des Ministeriums der Republik verhindert werden sollte, jedoch vom Verfassungsgerichtshof erlaubt wurde. Die katholische Kirche hat erst in den 60-er Jahren ihre Bedenken gegen die Feuerbestattung gemildert. 1991 gab es in Wien fast 70000 Urnengräber, neben 590000 Erdgräbern.
Zentralfriedhof Wien - © e. Gaube, Citype
Mörderische Konkurrenz

Im Bestattungsgewerbe hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Folge der Säkularisierung eine starke Konkurrenz zwischen privaten Unternehmern entwickelt. Das Repräsentationsbedürfnis des Bürgertums führte dazu, daß sich die "Bestattungsindustrie" mit exzentrischen Angeboten selbst zu überbieten versuchte. Von der Pflege des toten Körpers, über die Ausgestaltung des meist noch am Wohnort befindlichen Aufbahrungsraumes, die Gestaltung des Trauerzuges mit pompösen Kutschen und feierlich gekleideten Fackel- und Wappenträgern bis zur Gestaltung des Grabes wurde versucht, aus dem Verstorbenen eine "schöne Leich" zu machen. Von dem Namen eines der größten Bestattungsunternehmen, der "Entreprise des Pompes funèbres" leitet sich der wienerische Ausdruck für Sargträger, der Pompfüneberer" ab. Als die Methoden im Konkurrenzkampf der im Jahre 1894 auf 83 angewachsenen Unternehmen immer aufdringlicher wurden - z.B wurde den Hausmeistern für die Bekanntgabe von schweren Erkrankungen Provisionen angeboten) entstand die Idee zur Gründung eines städtischen Unternehmens.

Bestattung als kommunale Dienstleistung

1907 kaufte und vereinigte die Stadt zwei der größten Unternehmen, bis 1953 wurden nach und nach auch alle anderen privaten Betriebe erworben, so daß heute die "Bestattung Wien" als kommunaler Betrieb allein für alle Angelegenheiten bei Todesfällen zuständig ist. Von den 54 aktiven Wiener Friedhöfen werden noch drei von der römisch-katholischen Kirche, zwei von der evangelischen Kirche und drei von der Israelitischen Kultusgemeinde betreut.
aus Michael Totschnig: Wien und der Tod
Friedhof Seegasse
1190 Wien, Seegasse 9-11
Nach den im Zuge der Pestepidemien auftretenden Pogromen entstand erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts wieder eine größere Judengemeinde in Wien. Aus dieser Zeit stammt der Friedhof in der Seegasse, der sich heute im Innenhof des Pensionistenheimes Haus Rossau befindet. Als es 1670 erneut zur Vertreibung der Juden aus Wien kam, hinterlegte der Kaufmann Koppel Fränkel 4000 Gulden, wofür sich die Stadt verpflichtete, den Friedhof zu erhalten. Nach dem jüdischen Glauben ist das Grab unverletzlich und darf nicht wiederbelegt werden und Friedhöfe sind Orte, die ewig zu respektieren sind. 1943 sollte er geschleift und die Fläche verbaut werden. Dank einiger in Wien verbliebener Juden konnte ein Teil der Grabsteine auf dem Zentralfriedhof begraben werden, von wo sie 1981 wieder zurückgeführt wurden. Der Friedhof wirkt heute wie ein Museum mit seinen unregelmäßig angebrachten Grabsteinen, deren Inschriften ausschließlich hebräisch sind, und dem gepflegten Rasen. Er ist einer der ältesten erhaltenen dem Totengedenken gewidmeten Orte Wiens. Inmitten des verbauten Stadtgebietes stellt er eine Oase der Ruhe und der Vergangenheit dar
aus Michael Totschnig: Wien und der Tod
Friedhof St. Marx
1030 Wien, Leberstraße 6-8
Der Friedhof St.Marx ist von den im Zuge der josefinischen Reformen angelegten Friedhöfen der einzige noch erhaltene. Er wurde von 1784 bis 1874 belegt. Seine Erhaltung verdankt er dem Heimatforscher Hans Pemmer, der sich gegen seine Umwandlung in eine Parkanlage einsetzte. Die Gräber sind teilweise überwuchert, teilweise zerfallen, doch meist noch in so gutem Zustand, daß sie ein beredtes Bild von der Kultur des Biedermeier geben, durch die Grabsteine, die von Multikulturalität, von Berufs- und Standesehre, von Gefühlsdarstellung und Selbstrepräsentation berichten. Die Skulpturen stellen vielfach sehr stimmungsvolle Symbolik des Todes dar. Heute betreut das Stadtgartenamt den Friedhof. Er ist ein einladender Ort für meditative Spaziergänge, vorausgesetzt man ignoriert den Lärm der angrenzenden Autobahn. Im Frühjahr bezaubert der Duft der Fliederblüten und auch die hier beheimateten Pfauen tragen zum einzigartigen Reiz dieses Ortes bei. Der berühmteste unter den hier begrabenen Toten ist Wolfgang Amadeus Mozart. Da er jedoch gemäß den für das ärmere Bürgertum geltenden Bestimmungen in einem anonymen Schachtgrab beigesetzt wurde, war die genaue Stelle später unauffindbar. 1859 wurde ein Denkmal an jener Stelle errichtet , die nach amtlichen Nachforschungen als wahrscheinlicher Ort des Grabes angenommen wurde. Dieses wurde später auf den Zentralfriedhof überstellt. Ein Friedhofswärter hat später an der verwaisten Stelle aus verschiedenen Teilen ausgedienten Grabschmuckes ein neues Denkmal gestaltet.
aus Michael Totschnig: Wien und der Tod
Jüdischer Friedhof Währing
1180 Wien, Währinger Park, Semperstraße
Der neben dem Allgemeinen Währinger Freidhof errichtete Jüdische Friedhof wurde von 1784 bis 1884 belegt. 1942 wurde ein Teil zerstört, auf dem später ein Wohnhaus errichtet wurde. Der erhalten gebliebene Teil ist stark von Planzen überwuchert und durch herabgestürzte Äste teilweise unwegsam und doch ein äußerst stimmungsvoller Ort vergangenen Totengedenkens. Die Gräber sind sowohl durch schlichte Steine als auch durch monumentale Denkmäler, deren deutschsprachige Inschriften bereits den Versuch der Assimilation bezeugen, gekennzeichnet.
aus Michael Totschnig: Wien und der Tod
Friedhof der Namenlosen
Am Stromkilometer 1918 der Donau trieb ein Wasserwirbel mit großer Regelmäßigkeit neben Treibgut die Körper von Ertrunkenen an Land. Dort wurde 1854 ein Friedhof angelegt, der die nicht identifizierbaren Toten aufnehmen sollte. Da der ursprüngliche Friedhof, der heute von Bäumen überwachsen ist, immer wieder überschwemmt wurde, wurde 1900 ein neuer "Friedhof der Namenlosen" errichtet, der bis 1940 104 Tote aufnahm. Durch den Bau des Alberner Hafens änderte sich der Wasserlauf, sodaß heute hier keine Leichen mehr geborgen werden. Der Friedhof wird jedoch von der Hafengesellschaft und der Stadt Wien weiter erhalten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1996 hat der frühere Totengräber Josef Fuchs ihn mit großer Sorgfalt betreut. Auf den Gräbern wurden von ihm schlichte eiserne Kreuze mit weißen Christusfiguren angebracht. Der Friedhof liegt am Ende des Hafengeländes, von riesigen, modernen Lagergebäuden überragt, doch der umgebende Erdwall und die 1935 errichtete Auferstehungskapelle scheinen die Ruhe der anonym Verstorbenen gewährleisten zu wollen, denen folgendes Gedicht gewidmet ist:

Wenn Ruh und Frieden ihr gesucht
Ihr arggequälten Herzen
Fern von der Welt, die Euch nun sucht
Hier gibt es keine Schmerzen

Fehlt auch moderner Gräbertand
Nennt Euch kein Kreuz mit Namen
Ihr ruhet hier in Gottes Hand
In seinem Frieden Amen

Und kommt es einst zum Wiedersehen
Genießt die Ruh indessen
Der einstens ruft das "Auferstehen"
Wird Eurer nicht vergessen.
aus Michael Totschnig: Wien und der Tod
Wiener Friedhöfe
Friedhöfe / Adressen Telefon
Altmannsdorf, 12., Stüber-Gunther-Gasse 1 665 69 84
Aspern, 22., Langobardenstraße 180 282 13 17
Atzgersdorf, 23., Reklewskigasse 25 865 93 80
Baumgarten, 14,. Waidhausenstraße 52 914 14 16
Breitenlee, 22., Breitenleer Straße 231 282 13 17
Döbling, 19., Hartäckerstraße 65 479 51 94
Dornbach, 17., Alszeile 28 485 78 04
Erlaa, 23., Erlaaer Straße 82-90 865 93 80
Eßling, 22., Gartenheimstraße 34A 282 13 17
Gersthof, 18., Möhnergasse 1 479 14 78
Grinzing, 19., An den langen Lüssen 33 320 31 92
Großjedlersdorf, 21., Strebersdorfer Straße 4 292 12 33
Hadersdorf-Weidlingau, 14., Friedhofstraße 12 979 19 26
Heiligenstadt, 19., Wildgrubgasse 20 328 38 43
Hernals, 17., Leopold-Kunschak-Platz 7 486 33 62
Hetzendorf, 12., Elisabethallee 2 813 34 86
Hietzing, 13., Maxingstraße 15 877 31 07
Hirschstetten, 22., Quadenstraße 11 283 81 42
Hütteldorf, 14., Samptwandnergasse 6 979 32 29
Inzersdorf, 23., Kolbegasse 34 615 49 19
Jedlesee, 21., Audorfgasse 47 271 51 61
Kagran, 22., Goldemundweg 11 258 54 55
Kaiserebersdorf, 11., Thürnlhofstraße 27 767 65 54
Kalksburg, 23., Zemlinskygasse 26 889 82 19
Lainz, 13., Würzburggasse 28 813 34 86
Leopoldau, 21., Leopoldauer Platz 77 282 13 17
Liesing, 23., Siebenhirtenstraße 16 869 01 75
Mauer, 23., Friedensstraße 6-16 888 51 54
Meidling, 12., Haidackergasse 6 813 34 86
Neustift, 18., Pötzleinsdorfer Höhe 2 440 14 44
Oberlaa, 10., Friedhofstraße 33 688 23 49
Ober-St.-Veit, 13., Gemeindeberggasse 26 879 76 95
Ottakring, 16., Gallitzinstraße 5 914 29 09
Pötzleinsdorf, 18., Starkfriedgasse 67 47 89 66
Rodaun, 23., Leinmüllergasse 1 888 42 23
Siebenhirten, 23., Pollakgasse 3 888 42 23
Sievering, 19., Nottebohmstraße 51 440 13 97
Simmering, 11., Unter der Kirche 5 767 31 70
Stadlau, 22., Gemeindeaugasse 27 282 23 14
Stammersdorf-Ort, 21., Liebleitnergasse 6 394 30 14
Stammerdorf-Zentral , 21., Stammersdorfer Str. 244-260 292 13 61
Strebersdorf, 21., Anton-Haberzeth-Gasse 6 271 51 61
Südwestfriedhof, 12., Hervicusgasse 44 804 33 96
Süßenbrunn, 22., Friedhofweg 282 13 17
Zentralfriedhof, 11., Simmeringer Hauptst. 234, 2.Tor 760 41-97803
Simmeringer Feuerhalle, 11., Simmeringer Hauptstr. 337 760 41-97892
aus
Websercice der Stadt Wien
wien.at vereinigt umfangreiche Informationen und Dienste zu allen Lebensbereichen der Stadt Wien sowie zahlreiche weitere Services
www.wien.gv.at
DVD bei Amazon zum Thema
Zentralfriedhof
Weitere Ergebnisse zum Thema
Friedhöfe
seite weiterempfehlen seite drucken nach oben nach oben