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| Friedhöfe in Wien |
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Friedhofsbesuche sind die nützlichsten
sie dienen wie nichts der Belehrung
und der Beruhigung
nirgendwo sonst kann sich ein heute doch überall gestörter Kopf
konzentrieren |
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| Thomas Bernhard, Heldenplatz |
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| Der Tod hat sich in Wien scheinbar immer recht heimisch
gefühlt. Die meisten Wiener Gschichten, Märchen und Mythen haben mehr oder weniger
direkt mit ihm zu tun, ob er nun im Gewand der Pest, die Wien mehrmals und auf verheerende
Weise heimsuchte, auftritt, oder, wie im berühmten Wienerlied Es wird a Wein
sein
, dann doch, zumindest gegen Bacchus, den Kürzeren zieht. Der Liebe
Augustin, der sagenumwobene Wiener Spielmann, der im Suff in eine Pestgrube fiel und am
folgenden Morgen zwar verkatert, aber ansonsten unversehrt spottlustig aus dem Loch stieg,
ist zum Urvater des echten Wieners geworden, der, so will es das Sprichwort,
nicht untergeht. Wien ist einer der Orte aber beileibe nicht der
einzige -, dem man ein besonderes Naheverhältnis zum Gevatter Tod nachsagt.
Das kann bis zum Klischee gehen, wird aber auch immer wieder im Alltag greifbar, und sei
es nur im Bestattungsritual der Burgtheatermitglieder, deren Sarg mit allem Pomp um die
heiligen Hallen des Burgtheaters getragen wird, bevor man ihn in der Erde versenkt.
Skeptikern sei ein Besuch des Zentralfriedhofes zu Allerheiligen empfohlen, wenn ganz Wien
seiner lieben Toten gedenkt. Mag auch sein, dass der Tod als
Gleichmacher seit der Zeit der Monarchie (und die ist so lange noch nicht
vorbei) besondere Sympathie in der Bevölkerung genießt. Das Anklopfritual
bei den Begräbnissen der Habsburger spräche immerhin dafür: Der kaiserliche Sarg musste
vor der Kapuzinerkirche, der traditionellen Begräbnisstätte der Habsburger, Einlass
begehren. Auf das Anklopfen des Zeremonienmeisters folgte von drinnen die Frage, wer da
sei, worauf die minutenlange Nennung des kaiserlichen Titels folgte. Der Bescheid von
drinnen lautete: Ignosco (Kenne ich nicht). Der zweite Versuch
viel dann etwas kürzer aus, bis es schließlich beim dritten Mal hieß: Ein armer
Sünder. Und das sind wir schließlich alle. Wien ist wahrhaftig eine Stadt, die dem
Friedhofsbesucher nichts zu wünschen übrig lässt. 46 belegbare Friedhöfe gibt es in
ihr, die aufgelassenen und in Parkanlagen umgewandelten nicht einmal mitgerechnet. Im
Laufe der letzten 150 Jahre sind die Bestattungsareale aus dem Zentrum der Stadt
abgewandert in die Außenbezirke, und dort liegen sie nun, auf den grünen Anhöhen des
Wienerwaldes, oder, wie der Zentralfriedhof, im flachen Süden der Stadt. Letzterer, die
Totenstadt Wiens, steht naturgemäß im Zentrum dieses Buches. Der von Wolfgang Ambros
besungene Zentralfriedhof hat seine ersten hundert Jahr schon lange hinter
sich. Seit 1874 werden die Toten Wiens zu einem guten Teil auf dem mehr als zwei
Quadratkilometer großen Areal in Simmering, dem XI. Wiener Gemeindebezirk, beigesetzt.
Nachdem man sich nach langen Querelen auf diesen Ort geeinigt hatte, traten bald die
nächsten Komplikationen auf: Der interkonfessionelle Charakter, der dem Friedhof eignen
sollte, rief bei den verschiedenen Glaubensrichtungen hitzige Streitereien hervor,
insbesondere, was die Einweihungsfeierlichkeiten betraf. Die Lösung war dann eine typisch
österreichische: In aller Frühe weihte Kardinal Rauscher am 30. Oktober 1874, von der
Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, den nach Plänen der Frankfurter Architekten Bluntschli
und Mylius errichteten Zentralfriedhof ein. Doch die sprichwörtliche
Liebe der Wiener zu ihren Toten wollte sich nicht so recht einstellen.
Aufgrund seines anonymen Charakters und der trotz allem weiten
Entfernung blieben die „Besucher“ aus, bis man sich entschloss, alles,
was Rang und Namen hatte, in eigens dafür geschaffene Ehrengräber zu
überführen. |
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| Heute hat der Zentralfriedhof ca. 3
Millionen „Bewohner“ und zählt zu den größten Friedhöfen Europas. Seinen
Mittelpunkt bildet die von Max Hegele
erbaute Lueger-Gedächtniskirche. Doch der Zentralfriedhof ist nicht der einzige Friedhof,
der einen Besuch lohnt. Auf die Schließung der kommunalen Leichenhöfe Kaiser
Josephs II. folgte die Errichtung der neuen Friedhöfe in den Vorstädten. Nur der St.
Marxer Friedhof, ein nahezu intakter Biedermeierfriedhof, hat überlebt.
Zahlreiche Friedhöfe säumen nun den Rand der Stadt, wo Wien in den Wienerwald übergeht;
der Grinzinger, der Hietzinger oder der verwunschene Kahlenberger Friedhof seien nur
stellvertretend genannt. Eine eigene Geschichte ist die der jüdischen Friedhöfe Wiens.
Sie alle mussten in der Zeit des Nationalsozialismus (und nicht nur dann) Schändungen
hinnehmen; noch heute sind die meisten von ihnen in einem bedauernswerten Zustand. Ein
Gang etwa über die Israelitische Abteilung des Zentralfriedhofs macht dem Besucher den
Verlust, den das Land durch die Vertreibung und Ermordung der Wiener Juden erlitten hat,
auf schmerzhafte Weise bewusst. Viele Vertreter der jüdischen Intelligenz sind auf
nicht-jüdischen Friedhöfen begraben, weil sie konvertieren mussten oder wollten, die
Mehrzahl aber hat im Ausland, in Argentinien, den USA oder Palästina eine letzte
Ruhestätte gefunden. Auf den Gräbern hier in Wien stehen heute oftmals unbekannte Namen,
die doch zu ihrer Zeit eine bedeutende Rolle gespielt haben. |
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Die berühmten Gräber Wiens
Wolfgang Amadeus Mozart
* 27. 1.1756 Salzburg, 5.12.1791 Wien |
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| Friedhof St. Marx |
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Zentralfriedhof,
Ehrengräber Gruppe 32 A, Nr. 55 |
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| Wer anfängt muss auch aufhören |
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| Die Geschichte von Mozarts letzter Ruhestätte ist einigermaßen verworren: Der
Zentralfriedhof reiht ihn in seine Ehrengräber ein, auf dem St. Marxer Friedhof wurde er
begraben, und sein mutmaßlicher Schädel liegt, vielfach vermessen und analysiert, im
Salzburger Mozarteum. Die bewegende Schlussszene aus Milos Formans Film
Amadeus, in der der anonyme Leichnam des allzu menschlichen Genies in ein
Massenschachtgrab geworfen wird, dürfte im Großen und Ganzen den Tatsachen entsprechen:
Der Reformkaiser Joseph II. hatte den Wienern mit einer 1784 erlassenen Begräbnisordnung
ihre schöne Leich freilich nur vorübergehend gründlich
verdorben: Aus Gründen der Platz- und Geldersparnis führte man den wieder verwendbaren
Sparsarg und die mehrfach belegbaren Schacht- und Massengräber ein. (Das
hartnäckige Gerücht, der missgünstige Hofkapellmeister Antonio Salieri habe Mozart
vergiftet, hat sich im übrigen als falsch herausgestellt.) In einem solchen Grab wurde
Mozart also am 6. Dezember 1791, gemäß dem Begräbnis III. Klasse zu acht Gulden 56
Kreuzer, das seine Witwe wohl aus punktuellem Geldmangel für ihn bestellt
hatte, beigesetzt. Ein Kreuz oder gar einen Grabstein gab es nicht. Als man sich im 19.
Jahrhundert wieder für das von Gott geliebte Wunderkind zu interessieren begann, war der
genaue Ort der Begräbnisstätte nicht mehr rekonstruierbar. 1859 errichtete man ein im
Vergleich zur Umgebung recht protziges Denkmal an der ungefähren Stelle seines Grabes,
das man anlässlich des hundertsten Todestages auf den Zentralfriedhof verlegte. Auf dem
St. Marxer Friedhof stellte ein musikliebender Friedhofswärter aus Fundstücken ein
Grabmal zusammen, das in seiner Arglosigkeit dem Naturell Mozarts vielleicht am ehesten
entspricht nun muss ich schliessen, ob es mich thut verdriessen, wer anfängt
muss auch aufhören, sonst thut man die leute stöhren, an alle meine freünde mein
Compliment, und wers nicht glaubt, der soll mich lecken ohne end
(aus den
Bäsle-Briefen). |
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| auszugsweise aus |
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| Christopher Dietz; Die berühmten Gräber Wiens |
Falco, Klimt, Kraus, Moser, Mozart, Schiele, Schubert u. v. a.
Fotos von Wolfgang Ilgner, Sigrid Riedl-Hoffmann und Frank Thinius
Band 1012 -
Perlen-Reihe
Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H. - Wien |
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|
mit freundlicher Genehmigung |
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Christopher Dietz |
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| Geschichte des Bestattungswesens in
Wien |
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| Die Kirche
am Wiener
Zentralfriedhof |
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Anhand der Entwicklung des Bestattungswesens in Wien lassen sich die Stationen der
Säkularisierung des Umganges mit dem Tod, die zugleich Stationen seiner Verdrängung an
die Ränder des Lebens sind, nachzeichnen.
Der mittelalterliche Freithof als Ort des öffentlichen Lebens

Die christliche Vorschrift, daß dieToten in unmittelbarer Nähe der Kirche oder sogar in
den Kirchen selbst bestattet werden müssen, führte zu den mittelalterlichen Freithöfen,
die rund um die Pfarrkirchen angelegt waren, und auf denen Leben und Tod noch einen engen
Bezug hatten, denn sie waren unbeschadet ihrer sakralen Funktion auch Orte des
öffentlichen Lebens, auf denen gehandelt, gefeiert, selbst der Prostitution nachgegangen
wurde. Freithof hieß nicht viel mehr als umgrenzter, "eingefriedeter" Ort. Erst
eine gänzlich andere, der unseren näher stehende Sensibilität ließ aus dieser
Bezeichnung das Wort "Friedhof" entstehen. In Wien gab es zunächst rund um die
Ruprechts- und die Peterskirche Freithöfe, später um die Pfarrkirchen St. Stephan, St.
Michael und zu "Unserer Lieben Frau" (Schottenstift). Für die Kirche waren die
Gebühren für Begräbnisse wichtige Einnahmen und für den Gläubigen stellte die Nähe
zur Kirche einen Trost dar, auch jenseits des Todes sich auf religiösen Schutz verlassen
zu können. Die soziale Hierarchie kam in der Anordnung der Grabstellen zum Ausdruck:
Während die Bestattung innerhalb der Kirche bald zum Privileg der Bischöfe und des Adels
wurde, gab es auch auf dem Freithof eine Unterteilung durch den Prozessionsweg, innerhalb
dessen die Bestattung aufgrund der Nähe zur Kirche begehrter und gehoberen Schichten
vorbehalten war als außerhalb. Gänzlich vom Friedhof verbannt und meist auf sogenannten
"Schindangern" oder an Wegkreuzungen begraben wurden die Vertreter der
"ehrlosen" Berufe wie Henker, Bader, Totengräber und Nachtwächter sowie
Spielleute, Verbrecher und Selbstmörder.
Die Pest verändert den Bezug zum Tod

Bereits im 16. Jahrhundert setzten Bestrebungen ein, öffentliche Friedhöfe in die
Vorstädte zu verlagern. Grund dafür waren der Platzmangel, aber auch das stärker
werdende Bewußtsein von hygienischen Mißständen. Vor allem die Pest führte erstmals
zur Errichtung großér Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern. Im Laufe des 18.
Jahrhunderts wurden die Friedhöfe in der Stadt geschlossen, nur in den Kirchengrüften
wurden noch Bestattungen durchgeführt.
Die Reformen Josefs II.

Joseph II bemühte sich Ende des 18. Jahrhunderts, um eine generelle Reform des
Bestattungswesens. Er ordnete die Auflassung aller Friedhöfe innerhalb der Linien (des
heutigen Gürtels) an und verbot die Bestattung in den Kirchengrüften (wovon nur die
Kaiserfamilie in der Kapuzinergruft, die Erzbischöfe in der Stephansgruft und das Kloster
der Salesianerinnen ausgenommen wurden). Der Luxus der Grabgestaltung, den sich ein Teil
des Bürgertums bereits leisten konnte, sollte durch Verbote eingedämmt werden und
Sparsamkeit und Funktionalität sich als Prinzip bei der Bestattung durchzusetzen (durch
Schachtgräber und wiederverwendbare Klappsärge). Da diese Verordnungen hartnäckigen
Widerstand von Seiten der Kirche, die ihre Einnahmen nicht verlieren wollte, und des um
das Recht auf einen "individuellen" Tod fürchtenden Volkes hervorriefen,
mußten sie zum Teil wieder rückgängig gemacht werden. Die Errichtung der
"communalen Friedhöfe" außerhalb der Linien setzte sich jedoch durch; darunter
der St. Marxer Friedhof, der noch heute ein Bild von der Bestattungskultur des Biedermeier
bietet. Durch das Anwachsen der Vorstädte wurden diese Friedhöfe bald zu klein und
konnten nicht mehr erweitert werden.
Die Verdrängung der Toten

Während die sogenannten "communalen" Friedhöfe noch von der Kirche verwaltet
wurden, sollte nun die Stadt die weitere Planung, Bau und Verwaltung der Freidhöfe
übernehmen. 1869 beschloss der Gemeinderat die Errichtung eines Zentralfriedhofes, es
wurde ein weit außerhalb der Stadt liegendes Grundstück angekauft. das 1874 seiner
Bestimmung übergeben wurde. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit dem Fortgang der
Gestaltungsarbeiten und trotz der großen Entfernung vom Stadtzentrum ist der
Zentralfriedhof heute von den Wienern als "Grabstapark Zenträu", wie ihn Helmut
Qualtinger in einem Lied nannte, akzeptiert. Auf 2,5 Millionen Quadratmetern Fläche ruhen
in 330.000 Grabstellen 3 Millionen Verstorbene.
Feuerbestattung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewann die Idee der Feuerbestattung, die in
vorchristlichen Kulturen stark verbreitet war, wieder Anhänger. Liberale Bürger
gründeten 1885 den Verein "Die Urne" und auch verschiedene Arbeitervereine
wollten dieser Idee wieder zur Anerkennung verhelfen. Es dauerte jedoch bis nach dem 1.
Weltkrieg bis die Gemeinde Wien die Errichtung eines Krematoriums beschloß, dessen
Inbetriebnahme durch die Weisung des Ministeriums der Republik verhindert werden sollte,
jedoch vom Verfassungsgerichtshof erlaubt wurde. Die katholische Kirche hat erst in den
60-er Jahren ihre Bedenken gegen die Feuerbestattung gemildert. 1991 gab es in Wien fast
70000 Urnengräber, neben 590000 Erdgräbern. |
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Mörderische Konkurrenz

Im Bestattungsgewerbe hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Folge der
Säkularisierung eine starke Konkurrenz zwischen privaten Unternehmern entwickelt.
Das Repräsentationsbedürfnis des Bürgertums führte dazu, daß sich die "Bestattungsindustrie" mit exzentrischen Angeboten selbst zu
überbieten versuchte. Von der Pflege des toten Körpers, über die Ausgestaltung des
meist noch am Wohnort befindlichen Aufbahrungsraumes, die Gestaltung des Trauerzuges mit
pompösen Kutschen und feierlich gekleideten Fackel- und Wappenträgern bis zur Gestaltung
des Grabes wurde versucht, aus dem Verstorbenen eine "schöne Leich" zu machen.
Von dem Namen eines der größten Bestattungsunternehmen, der "Entreprise des Pompes
funèbres" leitet sich der wienerische Ausdruck für Sargträger, der
Pompfüneberer" ab. Als die Methoden im Konkurrenzkampf der im Jahre 1894 auf 83
angewachsenen Unternehmen immer aufdringlicher wurden - z.B wurde den Hausmeistern für
die Bekanntgabe von schweren Erkrankungen Provisionen angeboten) entstand die Idee zur
Gründung eines städtischen Unternehmens.
Bestattung als kommunale Dienstleistung

1907 kaufte und vereinigte die Stadt zwei der größten Unternehmen, bis 1953 wurden nach
und nach auch alle anderen privaten Betriebe erworben, so daß heute die "Bestattung
Wien" als kommunaler Betrieb allein für alle Angelegenheiten bei Todesfällen
zuständig ist. Von den 54 aktiven Wiener Friedhöfen werden noch drei von der
römisch-katholischen Kirche, zwei von der evangelischen Kirche und drei von der
Israelitischen Kultusgemeinde betreut. |
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| aus Michael Totschnig: Wien und der Tod |
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| Friedhof Seegasse |
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| 1190 Wien, Seegasse 9-11 |
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Nach den im Zuge der Pestepidemien auftretenden Pogromen entstand erst gegen Ende des 16.
Jahrhunderts wieder eine größere Judengemeinde in Wien. Aus dieser Zeit stammt der
Friedhof in der Seegasse, der sich heute im Innenhof des Pensionistenheimes Haus Rossau
befindet. Als es 1670 erneut zur Vertreibung der Juden aus Wien kam, hinterlegte der
Kaufmann Koppel Fränkel 4000 Gulden, wofür sich die Stadt verpflichtete, den Friedhof zu
erhalten. Nach dem jüdischen Glauben ist das Grab unverletzlich und darf nicht
wiederbelegt werden und Friedhöfe sind Orte, die ewig zu respektieren sind. 1943 sollte
er geschleift und die Fläche verbaut werden. Dank einiger in Wien verbliebener Juden
konnte ein Teil der Grabsteine auf dem Zentralfriedhof begraben werden, von wo sie 1981
wieder zurückgeführt wurden. Der Friedhof wirkt heute wie ein Museum mit seinen
unregelmäßig angebrachten Grabsteinen, deren Inschriften ausschließlich hebräisch
sind, und dem gepflegten Rasen. Er ist einer der ältesten erhaltenen dem Totengedenken
gewidmeten Orte Wiens. Inmitten des verbauten Stadtgebietes stellt er eine Oase der Ruhe
und der Vergangenheit dar |
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| aus Michael Totschnig: Wien und der Tod |
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| Friedhof St. Marx |
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| 1030 Wien, Leberstraße 6-8 |
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Der
Friedhof St.Marx ist von den im Zuge der josefinischen Reformen angelegten Friedhöfen der
einzige noch erhaltene. Er wurde von 1784 bis 1874 belegt. Seine Erhaltung verdankt er dem
Heimatforscher Hans Pemmer, der sich gegen seine Umwandlung in eine Parkanlage einsetzte.
Die Gräber sind teilweise überwuchert, teilweise zerfallen, doch meist noch in so gutem
Zustand, daß sie ein beredtes Bild von der Kultur des Biedermeier geben, durch die
Grabsteine, die von Multikulturalität, von Berufs- und Standesehre, von
Gefühlsdarstellung und Selbstrepräsentation berichten. Die Skulpturen stellen vielfach
sehr stimmungsvolle Symbolik des Todes dar.
Heute betreut das Stadtgartenamt den Friedhof. Er ist ein einladender Ort für meditative
Spaziergänge, vorausgesetzt man ignoriert den Lärm der angrenzenden Autobahn. Im
Frühjahr bezaubert der Duft der Fliederblüten und auch die hier beheimateten Pfauen
tragen zum einzigartigen Reiz dieses Ortes bei. Der berühmteste unter den hier begrabenen
Toten ist Wolfgang Amadeus Mozart. Da er jedoch gemäß den für das ärmere Bürgertum
geltenden Bestimmungen in einem anonymen Schachtgrab beigesetzt wurde, war die genaue
Stelle später unauffindbar. 1859 wurde ein Denkmal an jener Stelle errichtet , die nach
amtlichen Nachforschungen als wahrscheinlicher Ort des Grabes angenommen wurde. Dieses
wurde später auf den Zentralfriedhof überstellt. Ein Friedhofswärter hat später an der
verwaisten Stelle aus verschiedenen Teilen ausgedienten Grabschmuckes ein neues Denkmal
gestaltet.  |
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| aus Michael Totschnig: Wien und der Tod |
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| Jüdischer Friedhof Währing |
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| 1180 Wien, Währinger Park, Semperstraße |
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| Der neben dem Allgemeinen Währinger Freidhof errichtete
Jüdische Friedhof wurde von 1784 bis 1884 belegt. 1942 wurde ein Teil zerstört, auf dem
später ein Wohnhaus errichtet wurde. Der erhalten gebliebene Teil ist stark von Planzen
überwuchert und durch herabgestürzte Äste teilweise unwegsam und doch ein äußerst
stimmungsvoller Ort vergangenen Totengedenkens. Die Gräber sind sowohl durch schlichte
Steine als auch durch monumentale Denkmäler, deren deutschsprachige Inschriften bereits
den Versuch der Assimilation bezeugen, gekennzeichnet. |
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| aus Michael Totschnig: Wien und der Tod |
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| Friedhof der Namenlosen |
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Am Stromkilometer 1918 der Donau trieb ein Wasserwirbel mit großer Regelmäßigkeit neben
Treibgut die Körper von Ertrunkenen an Land. Dort wurde 1854 ein Friedhof angelegt, der
die nicht identifizierbaren Toten aufnehmen sollte. Da der ursprüngliche Friedhof, der
heute von Bäumen überwachsen ist, immer wieder überschwemmt wurde, wurde 1900 ein neuer
"Friedhof der Namenlosen" errichtet, der bis 1940 104 Tote aufnahm. Durch den
Bau des Alberner Hafens änderte sich der Wasserlauf, sodaß heute hier keine Leichen mehr
geborgen werden. Der Friedhof wird jedoch von der Hafengesellschaft und der Stadt Wien
weiter erhalten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1996 hat der frühere Totengräber Josef Fuchs
ihn mit großer Sorgfalt betreut. Auf den Gräbern wurden von ihm schlichte eiserne Kreuze
mit weißen Christusfiguren angebracht. Der Friedhof liegt am Ende des Hafengeländes, von
riesigen, modernen Lagergebäuden überragt, doch der umgebende Erdwall und die 1935
errichtete Auferstehungskapelle scheinen die Ruhe der anonym Verstorbenen gewährleisten
zu wollen, denen folgendes Gedicht gewidmet ist:

Wenn Ruh und Frieden ihr gesucht
Ihr arggequälten Herzen
Fern von der Welt, die Euch nun sucht
Hier gibt es keine Schmerzen

Fehlt auch moderner Gräbertand
Nennt Euch kein Kreuz mit Namen
Ihr ruhet hier in Gottes Hand
In seinem Frieden Amen

Und kommt es einst zum Wiedersehen
Genießt die Ruh indessen
Der einstens ruft das "Auferstehen"
Wird Eurer nicht vergessen. |
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| aus Michael Totschnig: Wien und der Tod |
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| Wiener Friedhöfe |
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| Friedhöfe / Adressen |
Telefon |
| Altmannsdorf, 12., Stüber-Gunther-Gasse 1 |
665 69 84 |
| Aspern, 22., Langobardenstraße 180 |
282 13 17 |
| Atzgersdorf, 23., Reklewskigasse 25 |
865 93 80 |
| Baumgarten, 14,. Waidhausenstraße 52 |
914 14 16 |
| Breitenlee, 22., Breitenleer Straße 231 |
282 13 17 |
| Döbling, 19., Hartäckerstraße 65 |
479 51 94 |
| Dornbach, 17., Alszeile 28 |
485 78 04 |
| Erlaa, 23., Erlaaer Straße 82-90 |
865 93 80 |
| Eßling, 22., Gartenheimstraße 34A |
282 13 17 |
| Gersthof, 18., Möhnergasse 1 |
479 14 78 |
| Grinzing, 19., An den langen Lüssen 33 |
320 31 92 |
| Großjedlersdorf, 21., Strebersdorfer Straße 4 |
292 12 33 |
| Hadersdorf-Weidlingau, 14., Friedhofstraße 12 |
979 19 26 |
| Heiligenstadt, 19., Wildgrubgasse 20 |
328 38 43 |
| Hernals, 17., Leopold-Kunschak-Platz 7 |
486 33 62 |
| Hetzendorf, 12., Elisabethallee 2 |
813 34 86 |
| Hietzing, 13., Maxingstraße 15 |
877 31 07 |
| Hirschstetten, 22., Quadenstraße 11 |
283 81 42 |
| Hütteldorf, 14., Samptwandnergasse 6 |
979 32 29 |
| Inzersdorf, 23., Kolbegasse 34 |
615 49 19 |
| Jedlesee, 21., Audorfgasse 47 |
271 51 61 |
| Kagran, 22., Goldemundweg 11 |
258 54 55 |
| Kaiserebersdorf, 11., Thürnlhofstraße 27 |
767 65 54 |
| Kalksburg, 23., Zemlinskygasse 26 |
889 82 19 |
| Lainz, 13., Würzburggasse 28 |
813 34 86 |
| Leopoldau, 21., Leopoldauer Platz 77 |
282 13 17 |
| Liesing, 23., Siebenhirtenstraße 16 |
869 01 75 |
| Mauer, 23., Friedensstraße 6-16 |
888 51 54 |
| Meidling, 12., Haidackergasse 6 |
813 34 86 |
| Neustift, 18., Pötzleinsdorfer Höhe 2 |
440 14 44 |
| Oberlaa, 10., Friedhofstraße 33 |
688 23 49 |
| Ober-St.-Veit, 13., Gemeindeberggasse 26 |
879 76 95 |
| Ottakring,
16., Gallitzinstraße 5 |
914 29 09 |
| Pötzleinsdorf, 18., Starkfriedgasse 67 |
47 89 66 |
| Rodaun, 23., Leinmüllergasse 1 |
888 42 23 |
| Siebenhirten, 23., Pollakgasse 3 |
888 42 23 |
| Sievering, 19., Nottebohmstraße 51 |
440 13 97 |
| Simmering, 11., Unter der Kirche 5 |
767 31 70 |
| Stadlau, 22., Gemeindeaugasse 27 |
282 23 14 |
| Stammersdorf-Ort, 21., Liebleitnergasse 6 |
394 30 14 |
| Stammerdorf-Zentral , 21., Stammersdorfer Str. 244-260 |
292 13 61 |
| Strebersdorf, 21., Anton-Haberzeth-Gasse 6 |
271 51 61 |
| Südwestfriedhof, 12., Hervicusgasse 44 |
804 33 96 |
| Süßenbrunn, 22., Friedhofweg |
282 13 17 |
| Zentralfriedhof, 11., Simmeringer Hauptst. 234, 2.Tor |
760 41-97803 |
| Simmeringer Feuerhalle, 11., Simmeringer Hauptstr. 337 |
760 41-97892 |
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