Fronleichnamsprozession auf dem Hallstättersee, Oberösterreich, vor 1920.
Das Fronleichnamsfest, kurz: Fronleichnam (von althochdeutsch: fron
Herr, liknam Leib; kirchenlat.: corpus christi), offiziell Hochfest des Leibes und
Blutes Christi, landschaftlich Prangertag, Blutstag, bezeichnet ein Fest im
katholischen Festjahr, das am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest gefeiert wird (am
zweiten Donnerstag nach Pfingsten, Ende Mai oder Anfang Juni). Der Donnerstag als
Festtermin knüpft an den Gründonnerstag an, der wegen des stillen Charakters der
Karwoche keine größere Festlichkeit erlaubt. Aus diesem Grund wurde Fronleichnam an das
Ende der österlichen Zeit gelegt.
Das Fest, ein Erinnerungsfest an die Einsetzung des Altarsakraments, wurde erstmals 1246
im Bistum Lüttich gefeiert und 1264 von Papst Urban IV. als allgemeines Kirchenfest zur
Verehrung der Eucharistie eingeführt. Es feiert die Eucharistie als Opfer, Kommunion
(Opferspeise) und als Motiv der Anbetung. Es ist also keines der Kirchenfeste, die eine
christliche Umdeutung von überkommenen heidnischen oder jüdischen Hochtagen sind.
Das Fest geht der Legende nach auf ein Wunder zurück, das einem ungläubigen böhmischen
Mönch auf seiner Pilgerreise nach Rom 1263 in dem mittelitalienischem Städchen Bolsena
widerfahren sein soll: Als er während der Eucharistie die Hostie brach, tropfte daraus
Blut auf den Altartisch; die Hostie war also wirklich der Leib Christi. Andere sehen dies
auch durch eine Vision der später heilig gesprochenen Augustinernonne Juliana von
Lüttich im Jahre 1209 bestätigt. Sie habe, so wird berichtet, beim Beten den Mond
gesehen, der an einer Stelle verdunkelt gewesen sei. Christus habe ihr erklärt, dass der
Mond die Kirche bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des
Eucharistie-Sakraments.
Fronleichnam erhält durch die Prozession, bei der die Gläubigen hinter der Monstranz mit
der Hostie herschreiten, ein besonderes Gepräge. In dieser Art wurde das Fest erstmals
1279 in Köln begangen. Die erste Fronleichnamsprozession in Bayern fand 1273 in
Benediktbeuern statt.
Vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Verzweckung des Festes (wie parallel des
Reliquienkults) für die Gewinnung von Ablassgeldern ist es nicht verwunderlich, dass der
Reformator Martin Luther ein ausdrücklicher Gegner des Fronleichnamsfestes war; er
bezeichnete es 1527 als das schädlichste aller Feste und betrachtete die
Prozessionen als unbiblisch und als Gotteslästerung. Heute dagegen wirken nicht selten
evangelische Pastoren in Amtstracht bei der Fronleichnamsfeier mit.
In der Orthodoxen Kirche ist die Zurschaustellung des eucharistischen Brotes unbekannt.
Das Konzil von Trient (15451563) bestätigte das Fronleichnamsfest und wertete es
gleichsam zu einer gegenreformatorischen Machtdemonstration auf. Als Reaktion darauf wurde
es in manchen gemischt-konfessionellen Gebieten (z.B. der Schweiz) üblich, dass die
protestantischen Bauern als Provokation den Mist gerade an Fronleichnam auf die Felder
ausbrachten; die katholischen Bauern antworteten dann am Karfreitag mit gleicher Münze.
Andererseits verzichteten die Katholiken in den Vereinigten Staaten oft auf solche
Prozessionen als demonstrative Zeichen des Katholizismus, um keine Kontroversen mit der
mehrheitlich protestantischen Bevölkerung auszulösen. In den USA wird Fronleichnam erst
am darauffolgenden Sonntag gefeiert, da kirchliche Feiertage dort mit Ausnahme von
Weihnachten nicht arbeitsfrei sind.
Die heutige Sinngebung der Prozession geht in der Regel vom Bild des wandernden
Gottesvolks aus, dessen Mitte Christus, das Brot des Lebens, ist. Eine
besondere Tradition kennt die Fronleichnamprozession auch als "Prozession zu
Pferd" (Antlassritt) oder Schiffsprozession.
Fronleichnam (mittelhochdeutsch "vronlicham" = Leib des
Herrn), katholisches Fest der Eucharistie (seit 1264) am 2. Donnerstag nach Pfingsten.
Fronleichnam ist in Tirol und der Steiermark schon vor 1285, in Salzburg 1352 und in Wien
1334 nachweisbar. Bei der allgemein üblichen Fronleichnamsprozession ("Umgang")
wird das Allerheiligste in der Monstranz unter einem "Himmel" (Baldachin auf 4
Stangen) entlang des geschmückten Prozessionswegs zu 4 im Freien aufgestellten Altären
getragen. In der Weststeiermark (zum Beispiel Deutschlandsberg) säumen Blumenteppiche den
Prozessionsweg; auf dem Traunsee und dem Hallstätter See (Oberösterreich) werden
Seeprozessionen abgehalten, die an die prunkvolle Ausgestaltung der Fronleichnamsumzüge
in der Zeit der Gegenreformation (in Traunkirchen etwa 1632 von den Jesuiten eingeführt)
erinnern. Im Salzburger Lungau (Zederhaus, Muhr) und Pongau (Bischofshofen, Hüttau,
Pfarrwerfen, Werfenweng) werden kunstvoll mit Blumengirlanden geschmückte, rund 5 m hohe
und 30 kg schwere "Prangstangen" mitgeführt, ebenso in Rohr im Gebirge
(Niederösterreich). Auf der Salzach bei Oberndorf (Salzburg) wird das
"Himmelbrotschutzen" veranstaltet, bei dem 4 gesegnete (nicht geweihte) Hostien
ins Wasser geworfen werden. "Antlaßritte" ("Antlaß" = Entlassung,
ursprünglich auf den kirchlichen Ablaß am Gründonnerstag bezogen, später auf das stets
auf einen Donnerstag fallende Fronleichnamsfest übertragen) werden im Tiroler Brixental
(Brixen im Thale, Kirchberg, Westendorf) abgehalten. Im Mittelalter fanden am
Fronleichnamstag auch geistliche dramatische Spiele ("Fronleichnamsspiele")
statt. Dabei übernahmen Einzelgruppen zu Wagen und zu Fuß die Vorführung verschiedener
biblischer Szenen. Der Stoff der Fronleichnamsspiele umfasste einen größeren Zeitraum
als der der österlichen Passionsspiele. Sie fanden im Barock ihre größte theatralische
Entfaltung und wurden bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts vorgeführt.
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