Wien, Städtisches Strandbad "Gänsehäufel", 20er
Jahre
Strandbad Gänsehäufel und Kleines
Gänsehäufel um
1928
aus "Slanar Atlas" - Atlas für Hauptschulen, Mittelschulen und
verwandte Lehranstalten von Dr. Hans Slanar, 1928
Entstand durch eine Schotteranhäufung infolge der Donauregulierung.
"Entdeckt" durch Florian Berndl, 1907 eröffnet, aber erst 1913 wurde
das Gelände durch die Stadt Wien gepachtet. Fassungsvermögen an
Menschen bereits 1913 ca. 7.200 Personen.
Bilder: Citype 2006 - B. Gruber
1945 wurde das Bad durch Bomben schwer getroffen und beschädigt. Ab
1946 Wiederaufbau nach Plänen der Architekten Max Fellerer und Eugen
Wörle. Heute besitzt das Gänsehäufel eine Kapazität von ca. 30.000
Personen, eine Badefläche von 270.000 m2 und einen zwei Kilometer langen
Strand.
aus
Websercice der Stadt Wien
wien.at vereinigt umfangreiche
Informationen und Dienste zu allen Lebensbereichen der Stadt
Wien sowie zahlreiche weitere Services
Als „Wildnis“ vom Lebensreformer Florian Berndl
„entdeckt“ und 1907 als kommunales Bad eröffnet, entwickelte sich das
Gänsehäufel schnell zum sommerlichen Fluchtort und Prestigeprojekt der
Stadtpolitik. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg kamen jährlich über
200.000 Besucher, um zwischen Sandkuren, Wasserspaß und Biertrinken den
Alltag zu vergessen. Schon bald wurde dem „Lido von Wien“ auch
erotisches Flair nachgesagt.
Das Bad mit dem zwei Kilometer langen Strand wurde zum Treffpunkt des Mittelstandes, denn die Reichen vergnügten sich im mondänen Kritzendorf,
das Proletariat im „kostenlosen“ Überschwemmungsgebiet. Nach seiner
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erlebte das Gänsehäufel eine ruhmreiche
Auferstehung: Die bauliche Neugestaltung durch Max Fellerer und Eugen
Wörle fand sogar international Beachtung und steht seit den 90er Jahren
unter Denkmalschutz. Später kamen zusätzliche Attraktionen dazu, etwa
das Wellenbad oder der FKK-Bereich.
Die Ausstellung nimmt die gängigen Gänsehäufel-Mythen
als Ausgangsbasis für thematische Fokussierungen: Die Geschichte des
Ortes wird von seinen „alternativen“ Anfängen bis zum Einsatz
als Wien-Image rekonstruiert. Es geht um Körperkult, Bademode und
Freizeitinszenierung, um den Betrieb hinter den Kulissen, Wasserqualität
und den wechselnden Umgang mit der Natur. Und schließlich kommen auch
die „Bewohner“ des Bades zu Wort – die Mieter der legendären Kabanen,
wie die Badekabinen am Gänsehäufel genannt werden.
Eine Voraussetzung für die Existenz des Gänsehäufels
war die Donauregulierung von 1875, mit der die heutige „Alte Donau“ zum
Seitenarm ohne Strömung wurde. Schon bald tummelten sich erste Anhänger
des Wildbadens am „Gänsehaufen“. Im Jahr 1900 pachtete der
eigenbrötlerische Lebensreformer Florian Berndl einen Teil der
„wertlosen Schotterinsel“, offiziell um hier Edelweiden zu kultivieren.
Dabei ging es dem Wiener Original darum, seine Ideen von Sonnen- oder
Sandkuren in die Praxis umzusetzen. Sein „Inselparadies“ wurde zum
Stadtgespräch – und schon bald wegen „Sittenwidrigkeit“ angeprangert.
Zugleich erkannte Bürgermeister Karl Lueger die neue Naturverbundenheit
als gesellschaftlichen Trend. Berndls Vertrag wurde gekündigt und
bereits 1907 eröffnete die Stadt eines der frühesten kommunalen
Strandbäder Europas, das innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsmagneten
wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg strömten bereits rund 20.000 Besucher
täglich an die Alte Donau. Das Publikum wurde streng getrennt: in
Frauen-, Männer- und Familienbad. Eine inoffizielle „Heiratsbörse“
vermittelte freilich zwischen alleinstehenden Männern und Frauen, sodass
auch Singles in den Genuss des „Gemischtbadens“ kommen konnten.
Strandkörbe und Rattanliegen sorgten für Mittelmeerflair; Cafés,
Milchtrinkhallen und „Salettln“ für Speis, Trank und Musik.
Kein Zufall also, dass das populäre, im Krieg
zerbombte Bad schon 1950 in neuem Glanz wiedereröffnet wurde. Die
Gestaltung von Max Fellerer und Eugen Wörle gilt in seiner eleganten
Sachlichkeit bis heute als eines der Paradebeispiele moderat moderner
Architektur nach 1945. Der 27 Meter hohe Uhrturm wurde zum Wahrzeichen
des Bades, zu dessen Angeboten nun ein eigenes Wellenbecken,
Sportmöglichkeiten und zeitweise sogar eine kuriose Wasserski-Anlage
zählten. Nach der Sanierung in den Jahren 2000 bis 2004 präsentiert sich
das Gänsehäufel heute als immer noch attraktives Sommerbad mit
modernster Anlagentechnik, inklusive Einsatz von Solarenergie und
höchster Wassergüte.