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| Die Herzogsgruft von St. Stephan in Wien |
| 1362 |
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Bild: Blick in die Herzogsgruft |
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Lage, Baugeschichte |
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Obwohl der Bereich um Wien eine frühchristliche Tradition hat, die sich auf die Zeit nach der Aufhebung des Verbots des Christentums bezieht, und die Kirchengründung von St. Peter innerhalb des Legionslagers „Vindobona" als Vorgängersiedlung von Wien gilt, sind die unterhalb des Stephansdomes und im Bereich des ehemaligen „Stephansfreithofes" gelegenen „Katakomben" keine spät-antik-frühchristlichen Grablegen. Sie stammen aus dem Mittelalter und größtenteils aus dem Spätbarock. Die unterirdischen Räume im Dombereich sind Bestattungsgrüfte, wie sie auch in anderen Kirchen zu finden sind. Diejenigen außerhalb des Dombereiches entstanden durch eine Erweiterung des Stephansfriedhofes. Kg. Ferdinand untersagte aus hygenischen Gründen eine weitere Bestattung auf dem Stephansfriedhof (23. 1. 1530), dieses Verbot wurde jedoch zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung (1683) und der Pestepidemien (1679 und 1713) umgangen. Nach Totenbüchern des Domes kamen mehr als 10.000 Tote in die Katakomben (1745-1783). Ks. Joseph II. verbot per Hofdekret die Leichenbestattung mit wenigen Ausnahmen. Bei der Neuregelung der Wiener Wasserversorgung (1872/73) wurden aus hygenischen Gründen die Grabkammern ausgeräumt, die Leichenreste in tiefen Gruben oder Seitenkammern eingemauert und die verbliebenen Knochen in neue Karner gelegt. Heute sind die Katakomben der Stephanskirche mit Führungen für Besucher zugänglich.
Ein Höhepunkt bei diesem Rundgang ist die Herzogsgruft, deren früherer Eingang (heute durch eine Marmorplatte verschlossen) vor den Stufen
des Presbyteriums lag. |
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| Grundriss der Katakomben von St. Stephan |
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Theresianische Erweiterung.
Neu angelegte Herzogsgruft unter dem Hochaltar,
heute auch Aufbewahrungsort der Intestinaurnen |
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Alte Herzogsgruft |
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Bischofsgruft |
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Unterkirche (Gruftkapelle) |
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Lapidarium |
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Domherrengruft |
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Heute nur teilweise vorhandene Gänge und Grabkammern der Katakomben |
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Alter Zugang im Deutschen Haus |
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Die Bestatteten in der „alten Herzogsgruft" |
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Hz. Rudolf IV. der Stifter ließ unter dem albertinischen Chor eine tonnengewölbte Gruft (5 x 3,6 m) mit Stiegenabgang als herzogliche Begräbnisstätte anlegen (1359). Der erste Bestattete war sein jüngerer Bruder Hz. Friedrich III. der Freigebige (gest. 1362), dem Hz. Rudolf selbst nachfolgte (1365). Dann wurden Hz. Albrecht III. mit dem Zopfe (1395, der jüngere Bruder Hz. Rudolfs IV.), Hz. Albrecht IV. (1404, Sohn Hz. Albrechts III.), Hz. Wilhelm der Freundliche (1406) und Hz. Leopold IV. der Dicke
(1411, beides Söhne Hz. Leopolds III.) in der Stiftergruft beigesetzt.
Es folgten Johanna Sophia von Niederbayern (1410, Witwe Hz. Albrechts IV.) und Hz. Georg (1435, Sohn Kg. Albrechts II.). Mit Ehz. Albrecht VI.
(1463, Sohn von Hz. Ernst dem Eisernen) wurde die Reihe der
älteren Habsburger abgeschlossen.
Nach Herrgott, der die Herzogsgruft wissenschaftlich untersuchte und mit Hilfe der beigegebenen Inschriftentafeln die Särge identifizierte (1739), sollte im Sarg neben Hz. Rudolf IV. seine Gemahlin Katharina ruhen.
Dies wird von Neumann mit der Begründung zurückgewiesen, dass für das herzogliche Paar ein gemauertes Grab inmitten der Gruft hergerichtet war
und Rudolfs Sarg nur provisorisch auf einem Grabstein stand. Seiner
Meinung nach ruht Johanna Sophia von Niederbayern (Mutter von Albrecht V.) neben Hz. Rudolf IV. Mit den Särgen der früh verstorbenen Kinder Ks. Maximilians II., Ehz. Ferdinand (gest. 1552), Ehzn. Maria (gest. 1564) und Ehz. Karl (gest. 1566), war der Platz der „alten Herzogsgruft" erschöpft.
Seit Ks. Ferdinand III. wurden dort auch Intestina- und Herzurnen
kaiserlicher Familienmitglieder aufbewahrt. |
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Bild: Die Herzogsgruft vor (links) und nach (rechts) der Erweiterung.
Stiche von Salomon Kleiner in Herrgott, tom. I, p. II, tab. XVI und XVII |
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Anbau der „neuen Herzogsgruft" |
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Ksn. Maria Theresia ließ die „alte Herzogsgruft" (heute Lapidarium) durch einen quergestellten Ovalbau erweitern (1754). Die Skelette wurden aus den zerfallenen Särgen gehoben, in Leinentücher gehüllt, mit Namensschildern versehen und mit den Urnen bis zur Überführung in die neue Gruft in der
St.-Katharinen-Kapelle verwahrt. Alle Vorfahren erhielten neue Metallsärge
mit Kruzifixen und Inschriftentafeln von Balthasar Moll, die Gravuren
stammen vom bedeutenden Vedutisten Salomon Kleiner. Die Einweihung
der „neuen Herzogsgruft" fand im Beisein der Kaiserin durch
Ebf. Johann Graf von Trautson statt (17. 3. 7755). |
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Umbettung in die Herzogsgruft |
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Neben den reich dekorierten spätbarocken Särgen aus theresianischer Zeit sind in der Herzogsgruft noch drei schlichtere Sargtruhen aus der Zeit josephinischer Klosteraufhebungen.
Die sterblichen Überreste Kg. Friedrichs III. des Schönen und seiner Tochter Elisabeth kamen aus der Kartause Mauerbach in die Herzogsgruft (1783). Ein anderes Opfer des Reformkaisers war das „Königinkloster", das Elisabeth, die Schwester der Kaiser Rudolf II. und Matthias, Gemahlin des französischen Königs Karl IX., stiftete (1582). Nachdem Kg. Karl IX. mit seiner Mutter, Katharina von Media, in Paris die „Bartholomäusnacht" entfesselt hatte und bald darauf im Wahnsinn starb, kehrte die 20-jährige Witwe an den Wiener Hof ihres Bruders zurück und wurde nach ihrem Tod (1592) in der Gruft ihrer Stiftung unter dem Hochaltar beigesetzt. Das „Königinkloster" diente auch als vorläufiger Bestattungsort für die Särge ihrer Schwägerin Ksn. Anna (gest. 1618), ihres Bruders Ks. Matthias (gest. 1619) und für den Sarkophag Ks. Ferdinands II. (gest. 1637). Ihre Särge wurden nach wenigen Jahren in andere kaiserliche Begräbnisstätten überführt: Ks. Matthias und Ksn. Anna in die Kapuzinergruft und Ks. Ferdinand II. in das Mausoleum in Graz. Nach der Klosterauflösung kam der Sarg Ksn. Elisabeths in die Herzogsgruft. Die Herzen von Ksn. Anna, Ks. Matthias und Ks. Ferdinand II., die sich ursprünglich in Wandnischen hinter dem Altar der Klosterkirche befanden, brachte man in die Herzgruft bei den Augustinern.
Auch Eleonora von Mantua-Gonzaga, zweite Gemahlin Ks. Ferdinands II., Gründerin des Karmeliterinnenklosters zu den „Siebenbüchnerinnen" und vieler anderer Wohltätigkeitsstiftungen in Wien, verbrachte bis zu ihrem Tode (1655) die Witwenjahre in ihrer Klostergründung, wurde wunschgemäß in der Karmeliterinnen-Ordenstracht unter dem Hochaltar beigesetzt und nach der Klosteraufhebung in die Herzogsgruft übertragen. Das ehemalige Kloster
kam durch eine Versteigerung in den Besitz der protestantischen Gemeinde Wien, die sich auf Grund des Toleranzpatentes Ks. Josephs II. bilden
konnte. Nach mehrmaligem Umbau erhielt das Gotteshaus in der Dorotheergasse seine heutige Gestalt. |
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Anordnung der Särge in der Herzogsgruft |
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| 1 |
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Hz. Wilhelm der Freundliche † 1406 |
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9 |
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Hz. Leopold IV der Dicke † 1411 |
| 2 |
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Erzh. Karl † 1566 |
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10 |
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Hzn. Katharina oder Johanna von Bayern |
| 3 |
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Kg. Friedrich III der Schöne † 1330 |
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11 |
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Hz. Rudolf IV der Stifter † 1365 |
| 4 |
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Erzhn. Maria † 1564 |
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12 |
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Hz. Albrecht III mit dem Zopf † 1395 |
| 5 |
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Kgn. Elisabeth † 1592 |
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13 |
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Hz. Albrecht IV † 1404 |
| 6 |
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Erzh. Ferdinand † 1552 |
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14 |
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Ksn. Eleonara von Mantua † 1686 |
| 7 |
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Hz. Georg † 1435 |
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15 |
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Hz. Friedrich III † 1362 |
| 8 |
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Hz. Albrecht VI † 1463 |
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Vergleicht man das Aussehen der heutigen Herzogsgruft mit dem
Stich Salomon Kleiners (1755, in Herrgotts „Taphographia“, Tafel XVII),
so stellt man außer den unter Ks. Joseph II. hinzugefügten Särgen
kaum eine entscheidende Veränderung fest. Nur die Herz- und
Intestinaurnen, die ursprünglich auf Wandregalen um die Sarkophage
herum gruppiert waren, befinden sich heute in vergitterten Nischen
im Eingangsbereich zur Herzogsgruft. |
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| Gruftdekor |
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An der Stirnwand der Gruft sind ein gotisches Relief mit dem
Inschriftenkreuz (ähnlich dem bleiernen auf dem Rudolfssarg) und den
beiden Wappenschilden aus der Zeit des Stifters sowie ein
Inschriften-Relief aus der theresianischen Epoche eingelassen. |
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Herz- und Intestinaurnen in der Herzogsgruft |
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| Im Vorraum zur theresianischen Herzogsgruft stehen seit 1956 in 18 vergitterten Wandnischen Intestina- und Herzurnen verschiedener Größen. Auf Grund ihres schlechten Erhaltungszustandes mussten viel in schlichte, zylindrische Kupfergefäße eingestellt werden. Teilweise fehlt ihre Kennzeichnung oder sie ist uneinheitlich. |
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Herz- und Intestinaurnen.
Stich von Salomon Kleiner in Herrgott,
tom. IV, p. II, tab. CXIII |
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Nach Kriegsschäden (1945) erfolgte eine Restaurierung der gesamten Gruftanlage unter Leitung des Dombaumeisters Kurt Stögerer (1956). Die Unterkirche und das Lapidarium wurden gebaut und von der Turmhalle des Nordturmes ein neuer Abgang angelegt, über den alle Grüfte und die noch zugänglichen Reste der ursprünglichen Katakomben erreichbar sind. |
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| auszugsweise aus |
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| Die Grabstätten der Habsburger |
| Kunstdenkmäler einer europäischen Dynastie |
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| Brigitta Lauro |
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| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
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