Heuriger, Wein der letzten Ernte, im weiteren Sinn auch Lokale, in
denen der Heurige ausgeschenkt wird. Die Nähe der Weingärten zur Stadt hat speziell in
Wien diese besondere Form des Weinkonsums entstehen lassen. Der echte Wiener Heurige ist daran zu erkennen, dass ein Föhrenbuschen
(daher auch die Bezeichnung Buschenschank) oder ein Kranz über dem Lokaleingang darauf
hinweisen, dass der betreffende Weinhauer Wein ausschenkt. Neben Wein aus eigenem Anbau
dürfen auch bestimmte Speisen verkauft werden. Der Wein wird nach Martini (11. November)
des nächsten Jahres zum "Alten". Das Buschenschankrecht wurde durch Patent
Josephs II. vom 17. 8. 1784 verankert; jetzt Landesgesetz in den Bundesländern Wien,
Niederösterreich, Burgenland und Steiermark.
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Mit dem Himmel ist der Wiener aufs Beste vertraut. Er weiß, wo er beginnt, wie man
hinkommt, und wie man hineinkommt.
Der Himmel beginnt nämlich dort, wo die
Cobenzlgasse aufhört. Am Fuß des Pfaffenberges. Hin findet man leicht,
über die Himmelstraße. Und hinein kommt man am besten nach einem langen,
"erfüllten" Leben im Vorhimmel: beim Heurigen. Als geborener
Wiener hat man ohnehin beim "Herrgott Protektion" (Heurigenlied),
ist dauernd von Engerln, die auf Urlaub nach "Wean" kommen,
umgeben und ausserdem mit "Ihm" nahe verwandt. Denn "der
Herrgott muss ein Wiener sein", wie man aus den verlässlichen
Quellen des Volksmundes, den Wienerliedern erfährt. Aber will man
dort überhaupt hin, in den Himmel? Wo doch der Heurige selbst ein
vollwertiger Ersatz, ja, Tummelplatz von Petrus und allen heiligen
Helfern ist -Oder doch zumindest der Sammelplatz von "Weinbeissern"
und Natursängern, von Maderln und Buam, von alt und jung, reich und
arm - Außerdem kann man vom Buschenschank, wenn man schließlich
doch genug hat, auch wieder nach Hause - ob wacklig mit dem Dackel,
zielstrebig mit den "Öffis" (wie die Wiener ihre öffentlichen
Verkehrsmittel nennen) oder mit einem Taxi - was beim Himmel, außer
man ist ein Engerl mit Urlaubsanspruch, nicht garantiert ist. Auch
diese einmalige, weltberühmte, von keinem ausgelassenen Touristen
ausgelassene Institution scheint ja fast ewig zu sein - wie der Himmel
eben. Schon vor 3.000 Jahren wurde hier Wein angebaut. Der römische
Kaiser Probus, nach dem eine Gasse in Grinzing benannt ist, kultivierte
den Weinbau, und der Sohn Maria Theresias, Josef II., regelte schließlich
den Wein-Ausschank. Nach alt-österreichischer (und damit vermutlich
ewig währender) Bürokratie-Tradition per Dekret. Ein solches ist übrigens
auch heute noch die gesetzliche Grundlage für den Heurigen. Derzufolge
"... erhält jedermann die Erlaubnis, die von ihm selbst erzeugten
... Weine und Obstmost zu allen Zeiten des Jahres, wie, wann und zu
welchem Preis er will, auszuschenken."
Geregelte Gemütlichkeit
Weitere strenge Regeln für die Gemütlichkeit kamen dazu: Ausschenken
dürfen die Buschenschanken - seit kurzem - zwar das ganze Jahr über
(früher nur 300 Tage im Jahr). Allerdings nur in traditionellen Heurigengegenden
und nur den im Wiener Raum selbstgekelterten Wein. Natürlich auch
Alkohoholfreies, wobei mindestens ein alkoholfreies Getränk billiger
sein muss als das billigste akolholische. Die meisten Buschenschanken
und Heurigen werden um 16 Uhr geöffnet. Musikalische Veranstaltungen
- soweit die Darbietung ausschließlich durch anwesende Musiker in
hergebrachter Art erfolgt - müssen um 23 Uhr, an Feiertagen und Samstagen
um 23.30 Uhr beendet sein. Als "Unterlage" zum Wein wird
beim Heurigen ein meist äußerst üppiges Buffett angeboten: lauwarmer
Kümmelbraten und Surfleisch (marinierter Braten), Schinkenfleckerln
und Schweinsbraten, Blunzengröstel, Brat- und Backhendel. Dazu gibt's
Süßspeisen wie Kaiserschmarren, Milchrahmstrudel oder Apfelstrudel.
Dabei war es bis vor etwa 20 Jahren durchaus üblich, die Verpflegung
im "Heurigenpackerl" von zu Hause mitzunehmen und dazu den
Wein zu bestellen. Zur Kaiserzeit holte noch der "Salamutschi-Mann"
aus seinem Korb Salami, Käse und Brot und verkaufte die Gustostückerln
den Heurigengästen. Übrigens soll der Brauch, beim Heurigen ohne Besteck
"aus dem Papierl" zu essen, der Grund für die Erfindung
des Heurigen-typischen Henkelglases sein: Mit fetten Fingern ist ein
glattes Glas schwer zu halten und wirkt schnell unappetitlich. Im
Mittelalter war Wein eine der Haupteinnahmequellen Wiens, und die
Stadtbehörde achtete streng darauf, dass der gute Ruf dieser Wiener
Köstlichkeit nicht geschädigt wurde. Deshalb stellte ein offizieller
Weinprüfer die Qualität des Rebensaftes fest, und erst wenn er den
Wein für gut befunden und zum Ausschank freigegeben hatte, konnte
der "Weinrufer" ausgesandt werden. Der lief mit einem grünen
Tannen- oder Föhrenbuschen durch die Straßen und kündigte die bevorstehende
Ausschank an. Dieser Buschen wurde dann über dem Tor des Winzers an
einer Stange "ausg'steckt" - der "Buschenschank"
war geboren. Übrigens erhob der Fiskus, einst wie heute erfinderisch,
dafür eine eigene Gebühr, das "Stangentanzgeld".
Wein, Weib und Gesang
Wie ernst man es in alten Zeiten mit der Wein-Qualität nahm, zeigt eine Geschichte aus
der Zeit Kaiser Friedrichs III. Da hatten die amtlichen Vorkoster einmal den gesamten Wein
eines Jahrgangs für viel zu sauer befunden. Und weil ihn die Winzer nicht einfach
wegschütten wollten, mengte man ihn dem Mörtel bei, den man gerade zum Bau des
Stephansdoms brauchte. Ob deshalb der "Steffl lächelnd auf uns niederschaut",
wie man so gerne beim Heurigen singt? Auch die Liebe - oder manches, was fälschlich
dafür gehalten wird - ist seit jeher mit dem Heurigen verbunden. Wie einst das Beispiel
der "Lucken" zeigte, Bretterbuden, in denen diesseits und jenseits der
Stadtmauer Wein ausgeschenkt wurde. Von "Weinmeistern", die gar keine Weinbauern
waren und deshalb für das Ausschank-Recht zahlen mussten. Und die, mangels Arbeit im
Weingarten, viel Zeit für andere, manchmal nicht ganz legale Dinge hatten. Sie
beschäftigten sogenannte "freie Töchter", die nicht nur Wein, sondern auch ein
üppiges Dekollete vor sich her trugen. Was oft zu Ärgernissen führte. Bis schließlich
zuerst weibliches Personal und dann die ganze Weinmeisterei verboten wurde. Übrigens
dürfte es damals auch in echten Buschenschanken nicht gerade prüde zugegangen sein.
Seither ist viel Wasser die Donau hinunter und viel Wein durch durstige Kehlen geflossen.
Heute wird der Heurige oft von reschen "Maderln" (Mädchen) in feschen
"Dirndln" (volkstümliche Kleider) an den Tisch gebracht. Übrigens nur die
Getränke, nicht jedoch das Essen, das man sich üblicherweise vom Buffett holen muss. Was
bei unerfahrenen Besuchern manchmal schon Unmut hervorgerufen hat.
Zuprosten über Tische hinweg
Ja, es gibt sie noch, die wein- und efeuumrankten Winzerhöfe, wie vor 150 Jahren, als der
Heurige schon totgesagt wurde, weil sich damals die Reblaus wie eine biblische Plage
unbarmherzig durch die Weingärten fraß und das vernichtete, was dem Wiener mehr wert ist
als "a neucha Huat" (neuer Hut). Und weil man in Vormärz-Tagen Angst vor
Bespitzelung durch die Obrigkeit hatte. Ungebetene Zuhörer haben ja leichtes Spiel: Denn
was wäre der Heurige ohne fröhliches Zuprosten von einander (anfangs) fremden
Gesellschaften über die Tische hinweg, was wäre er ohne spontanes Geplauder mit dem
Herrn Nachbarn, der Frau Nachbarin? Und dass dabei oft mehr der Bauch spricht als das
Hirn, daran ist sicher der Wein nicht ganz unschuldig.
Aber beide Widrigkeiten wurden überwunden. Die Reblaus mit Hilfe kalifornischer,
reblausfester Weinstöcke. Die Bespitzelung durch die bürgerliche Revolution von 1848. So
setzen sich heute jährlich tausende Touristen aus aller Welt auf die vorzugsweise grünen
Holzbänke, um das berühmte "Vierterl" (1/4 Liter) zu genießen.
Heurigen-Einsteiger schwelgen in Grinzing, Sievering und Neustift, Fortgeschrittene in
Stammersdorf, Strebersdorf und Oberlaa. Sie probieren den "Gemischten Satz", wie
man Wein aus verschiedenen Traubensorten bezeichnet. Oder Weißweine wie Grüner
Veltliner, Müller Thurgau, Neuburger, Welschriesling, Rheinriesling und Weißburgunder
sowie Rotweine wie Blauer Portugieser, St. Laurent und Blaue Zweigeltrebe.
500 Wiener Winzer
Sie alle gedeihen in Wien, der einzigen Weltstadt mit Weinbau innerhalb der Stadtgrenzen.
Die immerhin etwa 500 Weinbaubetriebe, die auf 722 Hektar ihren Wein fechsen (ernten) und
ihn in 150 Buschenschanken anbieten. Wie zum Beispiel Familie Reinprecht, die in Grinzing
gut 20 Hektar bebaut und etwa 150.000 Liter jährlich ausschenkt - an bis zu 2.500 Gäste
pro Tag. Oder die Familie Mayer, die nach der Zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683 einige
verwüstete Weingärten in Grinzing und Heiligenstadt wieder kultivierte und seither als
"Mayer am Pfarrplatz" dort ansässig ist. In dem Haus, in dem einst Beethoven an
der 9. Symphonie gearbeitet hat.
Eine Broschüre, die ausgewählte Wiener Heurige mit einer kurzen Beschreibung,
Öffnungszeiten, Lage und öffentlichen Verkehrsverbindungen enthält, bekommt man gratis
beim Wiener Tourismusverband
(Tel. + 43-1-211 14-222, Fax + 43-1-216 84 92)
Text auszugsweise aus
Wiener Tourismusverband
Tipps und Services für Wien-Besucher/innen, Angehörige der
Tourismusbranche und der Medien
Heuriger ist der Name zahlreicher Österreicher
Gastronomiebetriebe. Ursprünglich wurde dort nur der letztjährige Wein ausgeschenkt,
also der heurige Wein. Heuer ist österreichisch für diesjährig. Davon leitet sich auch
der substantivierte Name ab: Man geht zum Heurigen und sitzt beim Heurigen. Ein Heuriger
hat allerdings einige Einschränkungen gegenüber einem üblichen Gasthaus. Es darf nur
der eigene Wein ausgeschenkt werden. Auch beim Verkaufen von Essen sind sie auf einige,
vor allem kalte Speisen beschränkt. Außerdem darf ein Heuriger nur eine bestimmte Dauer
pro Jahr ausgesteckt, das heißt geöffnet haben. Dies geschieht mit einem Föhrenbuschen,
der über den Eingang gehängt wird. In einem Heurigenort ist es meist untereinander
abgesprochen wann wer ausgesteckt hat. Somit ist gewährleistet, dass in einem größeren
Weinort das ganze Jahr ein oder mehrere Heurigenlokale offen haben. Es stehen auch
separate Tafeln im Ort, wo jeder Weinhauer anzeigt, wann er offen hat.
Da einerseits die Erwartungen an ein Heurigenlokal
gestiegen sind, diese aber auf diese Art nicht leicht zu finanzieren sind, haben heute
viele Lokale auch eine Restaurantkonzession zusätzlich. Somit kann das Angebot wesentlich
erweitert werden und diese "Pseudo - Heurigen" verkaufen sogar Bier, was bei
einem klassischen Heurigen ausgeschlossen ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es
Sitte, dass man zum Heurigen sein eigenes Essen mitbrachte. Sogar eigene Getränke konnten
gegen Erlag eines sog. Stoppelgeldes konsumiert werden.
Heuriger
a) Bezeichnung für den Wein der letzten Ernte, der jung, resch und spritzig ist und
jeweils am 11. November, zu Martini, zum "Alten" wird.
b) Bezeichnung des Lokales, in dem ausschließlich selbst geernteter Wein aus Wien und den
angrenzenden Gemeinden ausgeschenkt wird. Zukauf von fremdem Wein oder fremden Trauben ist
verboten. Übrigens auch das Ausschenken von Bier, Kaffee und kohlensäurehaltigen
Getränken ausser Sodawasser, Mineralwasser und Kracherl (Sodawasser mit Geschmack). Heurigenbankerl
Holzbank ohne Lehne, oft grün lackiert, auf der man an einem ebenso einfachen Tisch sitzt
und mangelnde Bequemlichkeit durch Weingenuss ausgleicht. Heurigenrestaurant
Ein Restaurant mit Heurigenatmosphäre, das zusätzlich zum Heurigenbuffett mit
Selbstbedienung auch Speisekarten und Tischbedienung bietet. Heurigenbuffett
Eine Vitrine mit kalten und warmen Braten, mit Aufläufen, Salaten, Wurst, Käse und
Brotaufstrichen wie dem berühmten Liptauer. Dieser Topfenaufstrich mit Paprika, Zwiebel
und Kapern ist - je nach Gusto - scharf oder mild zu haben. Man wählt aus, was man dann
mit dem Tablett selbst an den Tisch bringt - beim echten Heurigen werden nur die Getränke
serviert. Schrammeln
Das berühmteste Heurigenquartett, das vor der Jahrhundertwende für einen Run auf
Nussdorf sorgte. Dort traten die beiden Brüder Schrammel mit ihrem Quartett als die
"Nussdorfer" auf und entwickelten einen eigenen Sound: mit zwei Geigen, tiefer
Gitarre und G-Klarinette (die später durch eine Zieharmonika ersetzt wurde). Sie
schrieben selbst Wienerlieder, die heute noch gesungen werden - z.B. "Wien bleibt
Wien". Drüberstrahrer oder Fluchtachterl
In Wien kann man sich, weder am Telefon noch persönlich, kurz und schnell verabschieden.
Dazu gehört eine längere Litanei von: "... also, Servus, alles Gute, bis bald, wir
sehen uns ...". Beim Heurigen wird zum Abschied ein zusätzliches "Achterl"
(1/8 Liter) Wein - oft im Hinausgehen an der Schank - getrunken. Weinbeisser
Ein Weintrinker, der den edlen Tropfen nicht kenntnislos durch die Gurgel jagt, sondern
ihn langsam, Schluck für Schluck, im Mund hin- und herwandern lässt, um ihn richtig zu
genießen. Sturm
Leicht milchiger, noch etwas süßlicher, in Gärung begriffener Traubenmost, mit dem man
sich nicht zuprostet, weil er ja noch kein Wein ist. Beim Anstoßen sagt man deshalb
"Mahlzeit" (vielleicht auch deshalb, weil noch viele Traubenreste im Glas
schwimmen). Staubiger
Ein schon stark in Gärung begriffener, sehr milchiger Traubenmost mit bereits
beträchtlichem Alkoholgehalt - meist schon recht herb, daher nicht jedermanns Geschmack. Heurigensänger
Im Gegensatz zum "Natursänger", der unbefugt trällert, ein vom Lokal bezahlter
Entertainer. Er kommt spielend jedem Gästewunsch nach und beherrscht selbstverständlich
sämtliche Wienerlieder (zu denen es auf Anfrage oft auch nicht ganz stubenreine Verse
gibt).
Text auszugsweise aus
Wiener Tourismusverband
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