14. August 1899. Mit dem Anheizen einer Ofenbatterie beginnt die
Inbetriebnahme des ersten kommunalen Gaswerkes in Wien. Am 28. September wird erstmals
Leuchtgas in das neuerrichtete Rohrnetz geleitet. Am 31. Oktober 1899 wird dann das neue
Gaswerk Simmering feierlich eröffnet, und unter dem Jubel der Bevölkerung beginnen die
ersten städtischen Gaslaternen an der Ringstraße zu leuchten.
Wurde vor 100 Jahren Gas primär als Lichtquelle benötigt, so entwickelte
es sich ab 1900 zur Wärmequelle. Bei der Beleuchtung setzte sich bald
die elektrische Energie durch. So waren 1914 die Straßen Wiens noch
mit 45.522 Gasflammen, aber bereits mit 4.435 elektrischen Lampen
beleuchtet. 1923 beschloss dann die Gemeindeverwaltung, in allen Straßen
Wiens elektrische Beleuchtung einzuführen.
Bei der Wärme allerdings trat Gas den Siegeszug an. Den Beginn machte das Kochen.
Die ersten Gasherde kamen um 1909 auf den Markt, und zwar als Kombination von Gaskocher
und Backrohr. Durch die soziale Tarifbildung der Gemeinde Wien in der Zwischenkriegszeit
wurde Gas auch für ärmere Schichten erschwinglich. Die Gaswerke fungierten übrigens
auch ab 1914 als Erzeuger und Händler von Gasback- und Brotrohren sowie Gasherden.
1911 wurde ein zweites Gaswerk in der Leopoldau eröffnet, und mehrere
Gasbehälter in verschiedenen Teilen der Stadt neben den Standorten
der Gaswerke in Simmering und Leopoldau standen Gasbehälter auch in
der Brigittenau (1911 erbaut), am Wienerberg (1940 übernommen) und
in Baumgarten (seit 1933) sorgten dafür, dass eine kontinuierliche
und sichere Versorgung gewährleistet war. Ab 1930 wurde Gas dann auch
zum Heizen eingesetzt.
Nur in den ersten Jahren nach der Jahrhundertwende war reines Kohlengas in Gebrauch, das
im Gaswerk Simmering erzeugt wurde, danach entwickelte man eine Mischung aus Kohlen-,
Generator- und Wassergas, das unter der Bezeichnung Stadtgas zum Begriff
wurde.
Die unwirtschaftliche Kohleentgasung wurde bereits in den 50er Jahren reduziert und 1969
völlig eingestellt. Erdgas übernahm die Rolle als Primärenergieträger für die
Stadtgaserzeugung. Es wurde auch dem Stadtgas beigemischt, aber nur in geringen Mengen, da
es einen doppelt so hohen Heizwert und andere Brenneigenschaften hat.
Die Funktion von Gas für Beleuchtungszwecke wurde bereits 1923 von
Elektrizität übernommen. Stadtgas diente im Haushalt zum Kochen und
zur Warmwasserbereitung mittels Durchlauferhitzer. Ende der 60er Jahre
kam es dann zum Durchbruch der Gasheizungen. Die komplette Umstellung,
vom aufwendig herzustellenden Stadtgas auf das in der Natur vorkommende
Erdgas, die zwischen 1970 und 1978 erfolgte und bei der 1,5 Millionen
Gasgeräte bei mehr als 750.000 Kunden in Wien und Niederösterreich
adaptiert werden mussten, stellte die Weichen für eine moderne, hocheffiziente
und umweltfreundliche Gasversorgung in Wien und Umgebung.
WIENGAS, wie sich die ehemaligen Gaswerke seit 1991 nennen, arbeitet schon
heute mit der Technologie der Zukunft. Lage und Beschaffenheit des Gasrohrnetzes, eines
der längsten städtischen Versorgungsnetze der Welt, sind digital abrufbar, die
Mitarbeiter sind mit internationalen Erdgasversorgern in ständigem Kontakt und setzen
neue Erkenntnisse der internationalen Forschung und Wissenschaft unverzüglich in die
Praxis um.
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