| |  | |  |  |  | |
|
 |
| Vormärz |
 |
 |
 |
| Delogierung einer Handwerkerfamilie.
Gemälde v. A. Schön |
 |
Vormärz nennt man die Zeit zwischen dem Wiener
Kongreß und dem Ausbruch der Revolution im März 1848. Es ist
eine Periode äußeren Friedens und innerer Unterdrückung. Das
Manufakturzeitalter geht zu Ende, die Industrialisierung bricht
sich, trotz staatlicher Bremsmanöver, Bahn. Die konservative
Regierungsform unter Franz I., unterstützt von seinem Kanzler
Metternich, versucht um jeden Preis, die alte Ordnung
aufrechtzuerhalten. Zu Recht erblickt das ancien régime in der
neuen Entwicklung das Gespenst der Revolution. So können die
neuen Ideen mit Gewalt unterdrückt werden, aber hinter dem
Rücken der "Polizey" setzt sich die industrielle Entwicklung
durch. Ein wohlhabendes Bürgertum entsteht, das zwar politisch
entmündigt, aber kulturell tonangebend wird, und im Gefolge die
Arbeiterschaft - beunruhigende Vorboten einer neuen Zeit.
Die Stadt, vor allem aber die Vorstädte verzeichnen einen
sprunghaften Bevölkerungsanstieg. Wohnungsnot und
Spekulantentum, Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit,
Kriminalität und Teuerung sind die Begleiterscheinungen des
heraufziehenden Industriezeitalters, denen Staat und Gemeinde
hilflos und zögernd gegenüberstehen. Die Handwerker und kleinen
Gewerbetreibenden verlieren vielfach ihre Selbständigkeit und
gesicherte Existenz und sinken zu schlechtbezahlten Arbeitern
herab. Zünfte und Innungen verlieren ihre historische
Funktionen. Die fast unmenschlich harten Arbeitsbedingungen in
den Fabriken - 14-Stunden-Tag; Verlust der Sonntagsruhe;
Entlohnung am Rande des Existenzminimums; Kinderarbeit - und die
vollkommen rechtlose Lage der Betroffenen häufen den sozialen
Sprengstoff an.
So steht der Vormärz im Zeichen mühsam unterdrückter Konflikte,
die 1848 explosiv zum Ausbruch kommen. |
 |
| Industrialisierung und
wirtschaftliche Entwicklung |
 |
 |
 |
| Bettelnde Kinder am Glacis. Gemälde
v. J. M. Ranftl. 1852 |
 |
| Im vormärzlichen Wien kommt es mit der Gründung
namhafter Firmen, die hochqualifizierte Erzeugnisse herstellen,
mit der Ausdehnung traditioneller Wirtschaftszweige wie der
Seidenindustrie und dem Entstehen neuer Produktionsbereiche zu
einem beträchtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Wien erhält
zum ersten Mal in der Geschichte eine exportfähige Industrie.
Allerdings vollzieht sich der industrielle Wandel später als in
anderen Ländern. Die Gründe dafür liegen in der hemmenden
Auswirkung des Fabriksansiedlungsverbots zu Beginn des
Jahrhunderts, aber auch in Folgen der langen Kriegszeiten und
der damit verbundenen Inflation und Kapitalknappheit. Nach dem
Wiener Kongress sitzt vor allem mit der Aufhebung der von
Napoleon über England verhängten Kontinentalsperre ein
wirtschaftlicher Rückschlag ein, der bis in die zwanziger Jahre
anhält. Die englische Konkurrenz und ein beschränkter
Binnenmarkt beeinträchtigen die Absatzchancen der meisten
Betriebe. Mit der Überwindung der wirtschaftlichen Depression
und dem sprunghaft ansteigenden Einsatz der Dampfmaschinen sowie
dem Ausbau des Eisenbahnnetzes gelingt zwischen 1830 und 1840
der Übergang vom Manufakturwesen zur frühgründerzeitlichen
Industrie. Bereits 1841 erreicht die Wiener Wirtschaft eine
beachtliche Kapazität und stellt ein Achtel der
Industrieproduktion aller Länder Österreichs (ohne Ungarn).
Trotz des konjunkturellen Aufschwungs bleibt jedoch die
Rückständigkeit gegenüber Westeuropa, aber zusehends auch
gegenüber den Teilstaaten des Deutschen Bundes aufrecht. Eine
neuerliche Wirtschaftskrise Ende der vierziger Jahre drängt
Bürger und Arbeiter zum Handeln. |
 |
| Die Zensur |
 |
 |
 |
| Karikatur über das Verhältnis von
Schriftsteller und Zensur. 14. mMärz 1848 |
 |
| Der Pflege und Entwicklung einer öffentlichen
Meinungsbildung sind im Vormärz enge Grenzen gesteckt. Polizei
und Zensur werden auf eine neue Grundlage gestellt, um alle das
System gefährdenden Ideen im Keim ersticken zu können. Josef
Graf Sedlnitzky, als Leiter der Polizei- und Zensurhofstelle von
1815 bis 1848 fast so lange im Amt wie Metternich, wird wie
dieser zum personifizierten Symbol der „Maulkorb-Ära“. Die
österreichische Zensur ist die denkbar umfassendste ihrer Zeit.
Sie bezieht nicht nur Gesprochenes und schriftliche Texte
(selbst Geschäftsschilder, Ankündigungen und Grabsteine!) ein,
sondern auch bildliche Darstellungen, Druckgrafiken wie
Buchillustrationen, Landkarten usw. benötigen vor der
Veröffentlichung die Bewilligung der Zensur. Literarische Werke,
Bühnendichtungen müssen Einstellungen und Verzerrungen
hinnehmen, die oft die seltsamsten Blüten treiben und den Spott
der Öffentlichkeit herausfordern. Um der Zensur auszuweichen,
publizieren immer mehr Autoren ihre Werke außerhalb Österreichs.
Diese Exilliteratur (?1831, 1848) gewinnt mit steigendem Unmut
der Bürger zunehmend an Bedeutung und findet trotz – und wegen –
auch der strengsten Verbote große Verbreitung. Alle Versuche,
Erleichterungen der Zensur durchzusetzen, scheitern. So wird die
Forderung nach Meinungs- und Pressefreiheit zu einem
Hauptprogrammpunkt der Revolution. |
 |
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
| Text auszugsweise aus |
 |
| Stadtchronik Wien |
Dr. Christian Brandstätter, Dr. Günter
Treffer
2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern
Von den Anfängen bis zur Gegenwart |
|
|
|
|
 |
|
|
|
mit freundlicher Genehmigung |
 |
 |
 |
| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
|
|
 |
| Bücher bei Amazon zum Thema |
|
Österreich / Geschichte |
 |
|
 |
| Weitere Ergebnisse zum Thema |
|
Österreich / Geschichte |
 |
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
|
| |
| |