Immer noch ist auf vielen Websites nicht erkennbar, was
einen Kunden dazu bringen könnte wiederzukommen. Daher hier einige Beispiele und Ideen.
Wenn man durch einen durchschnittlichen Supermarkt schlendert und für das Wochenende
einige Lebensmittel kaufen will, fallen einem viele teilweise sehr gute Beispiele für
Kundenbindungen auf. So ist z.B. eine einfache Tütensuppe oder -sauce offenbar nicht mehr
als solches zu verkaufen. Man braucht schon ein entsprechendes Kochstudio, in dem
fröhliche Hobbyköche mit dem Produkt ein tolles Essen "zaubern". Das einfache
Chemiepulver wird so zum geselligen Gesamterlebnis, dass jeder haben möchte. Menschliche
Beziehungen werden durch Tütensuppen hergestellt. Die entsprechenden Rezepte gibt es auf
der Packung hinten drauf. Eine Packung Weißmehl Type 405 mutiert durch ein
aufgedrucktes Panino Brot zur italienischen Backmischung mit Erfolgsgarantie für
exotisches Essen.
Selbst der am Rande angebotene weiße Plastikgartenstuhl scheint absolut
unverkäuflich, wenn nicht - ja wer hätte es gedacht - das Erlebnis einer Gartenparty mit
Freunden, guter Musik und viel Spaß das Produkt ins rechte Licht rückt.
Es ist wirklich beeindruckend, wie durch geschickte Marketing-Maßnahmen einfache, seit
jahrzehnten unveränderte Produkte zu Gesamt-Erlebnissen werden, mit denen der Kunde sein
Leben bereichern kann.
Wie gut könnte hier auch das Internet weiterhelfen. Ermöglicht es durch seine
universellen Kommunikations-Strukturen doch nicht nur das Broadcasting anderer Medien (TV,
Radio, Zeitungen, usw.), sondern zusätzlich die Kommunikation Kunde - Hersteller und
Kunde - Kunde. Darüber hinaus können auch multimediale Elemente genutzt werden, um das
Produkt ins rechte Licht und Umfeld zu rücken.
Mit entsprechenden weiteren Services und Informationen kann damit insgesamt eine
Website gestaltet werden, die vom Kunden häufig besucht wird. Wie kann ein solcher
Service aufgebaut werden? Antwort: Das hängt ganz vom Produkt ab.
Gartengeräte sind z.B. für einen Gartenfreund notwendig, um die Natur in geeigneter
Weise zu strukturieren. Falls Sie solche Geräte verkaufen, sollten Sie jedoch nicht nur
eine alphabetische Liste Ihrer Geräte ins Netz stellen, sondern eine
"Garten-Website". Dort führen Sie - je nach Jahreszeit - die notwendigen
Maßnahmen auf , geben Tipps für die Hege und Pflege der geliebten Flora und zeigen
Beispielgärten (also: Informationen). Damit der Benutzer nicht vergisst, die Rosen zu
schneiden oder Erbsen zu ernten, schicken Sie ihm zur rechten Zeit ein Mail, welches der
Benutzer selber gestalten kann. Er gibt an, welche Pflanzen er im Garten hat, und Sie
schicken ihm termingerecht ein "Pflege-Mail" (Also: Service). Logischerweise
wird der Benutzer bei so viel Fachkompetenz auch darauf vertrauen, dass die ebenfalls auf
Ihrer Gartensite angebotenen Geräte einzigartig für den Erfolg der Gartenpflege geeignet
sind. Ein gutes Beispiel für einen solchen Ansatz finden Sie übrigens hier.
Wenn Sie Papierservietten verkaufen, werden Sie natürlich nicht primär einen Shop mit
allen Motiven und Farben im Internet eröffnen. Besser ist es da schon, Ideen über
Tischdekoration für verschiedene Anlässe anzubieten, incl. einer Anleitung, wie ein
geselliger Abend oder Kindergeburtstag geplant und durchgeführt werden kann. Bsp.: www.duni.com Zur Durchführung solcher
kulinarischer Erlebnisse verkaufen Sie natürlich das geeignete Zubehör. Erweitert werden
könnte das noch durch:
- alternative Sprachversionen und
- weitere Services, z.B. ein monatlicher Newsletter "Table of the month" mit
jahreszeitlich wechselnden Deko-Vorschlägen.
- Wegweiser zum nächstgelegen Shop
Immerhin wurde eine Servietten-Börse eingerichtet. http://www.serviettenboerse.de.
So wird den Serviettenfreunden dieser Welt endlich ein Forum gegeben, in dem sie Ihrem
Hobby gezielt nachgehen können. Es ist schwer zu beurteilen, wie groß das Interesse und
die Zielgruppe für einen solchen Service ist, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall
wert, wenngleich die Beteiligung zur Zeit noch schleppend ist.
Schwierig wird es schon, wenn Sie Benzin verkaufen wollen. Vorteilhaft ist es, wenn Sie
sowieso schon seit vielen Jahren mit einem bekannten Formel 1 Rennstall kooperieren, um
Ihre Produkte z.B. emotional aufzuladen. Dies lässt sich dann einfach auch im Internet
darstellen, z.B. unter www.shell-ferrari.com.
Dort werden die Fans der rasenden Werbeträgern mit Bildschirmhintergründen, Screensaver,
Kurzfilmen uvm. ihrer Idole versorgt. So wird der graue Benutzer-PC zum
Rennsport-Terminal. Unnötig anzumerken, dass jeweils Verweise auf die Website die
Promotionartikel schmücken. Der Benutzer findet so immer wieder zur Website zurück, um
sich mit neuen Bildern des letzten Rennens auszurüsten.
Weiter Informationen erhält der mineralöl-interessierte Benutzer auf der Shell-Homepage. Dort wird direkt auf
Zielgruppen-spezifische Sites weiterverlinkt. Bei einem multi-nationalen Konzern sind dies
Benutzer in einzelnen Ländern sowie Benutzer mit unterschiedlichen
Verbraucher-Anforderungen (Schiffs- oder Flugbenzin usw.)
Erfolgsmessung
Erfahrungsgemäß kann durch den Aufbau solcher Erlebniswelten eine Community aufgebaut
werden, wodurch die Anzahl von wiederkehrenden Besuchern und damit die Anzahl der
Gesamtbesucher nachhaltig gesteigert wird. Wie aber soll eine Steigerung geplant und
mögliche Erfolge beurteilt werden? Ist 10% Mehrbesucher pro Quartal viel oder wenig? Als
ein Anhaltspunkt kann das Gesamtwachstum der Anzahl Internetbenutzer genutzt werden. Je
nach Studie liegt diese Steigerung bei ca. 50% pro Jahr. Je nach
Zielgruppe, nutzen mögliche Kunden aber bereits heute über- oder unterproportional das
Internet. Entsprechend unterschiedlich sind die Steigerungspotentiale.
Die nächst Frage ist: Wie wirken sich mehr Benutzer auf den Umsatz und Gewinn aus?
Wenn eine solche Site direkt mit einem Shop verbunden ist, können technische Analysen
z.B. Umsatz pro Besucher, oder Umsatz/Kosten helfen. Mitunter ist jedoch ein Online-shop
aus rechtlichen, technischen oder kostenbasierten Gründen nicht möglich. Hier können
Auswertungen wie z.B. Kontaktkosten pro Benutzer oder Page Impression helfen. Diese Werte
können aber nur noch statistisch ausgewertet werden. Wenn z.B. für Entwicklung und
Betrieb der Website pro Monat TDM 25 anfallen und etwa 10.000 Besucher die Site besuchen,
fallen pro Besucher Kosten in Höhe von DM 2,50 an. Ist das viel oder wenig? Die
Beurteilung dieser Zahlen wird ähnlich präzise, wie Kosten-Nutzen Rechnungen von
Anzeigen in Zeitungen auf Basis von Media-Daten.
Fazit
Besucherorientierte Erlebniswelten im Netz aufzubauen ist häufig sinnvoller, als rein
produkt- oder unternehmensoriente Informationen anzubieten. Bei der
"Pro/Contra-"Entscheidung helfen klassische Kosten-Nutzen-Rechnungen oft nur
begrenzt weiter. Es sollten daher strategische Überlegungen herangezogen werden. Dies
sind z.B.
- Welche Bedeutung hat die Kundenkommunikation über das Internet zukünftig?
- Welcher Zeithorizont ist für die Planung relevant? (Sofort, später oder gar kein
Handlungbedarf)
- Können Kunden über das Internet erreichen werden?
- Welche Erlebnisse können über das Internet kommuniziert werden?
- Können bestehende Marketingkonzepte integriert werden?
- Kann es zu einer Bedrohung durch Wettbewerbsaktivitäten kommen?
Je nach Entscheidung sollte die Realisierung schnell umgesetzt werden, da
wahrscheinlich auch Wettbewerber ähnliches entwickeln. |