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| Judenverfolgung 1421 |
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Die Geschichte der Wiener Juden im Mittelalter ist, verglichen mit der
Dauer der Besiedelung Wiens im Mittelalter, nur kurz. Knapp 230 Jahre lang können wir die
Existenz einer jüdischen Gemeinde nachweisen, von Leopold V. um 1190 bis zur Vernichtung
der jüdischen Gemeinde Wiens in der Geserah im Jahre 1421. |
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Das Leben der Juden im Wien des Mittelalters war sicher nicht einfach.
Zwar für fast 200 Jahre geachtet wegen ihrer Künste als Bankiers und Finanziers,
verachtet wegen ihrer fremden Sitten und Bräuche, missverstanden in ihrer religiösen
Anschauung und am Schluss gehasst, weil man ihnen nachsagte, Verbrechen gegen Christen zu
begehen. Daneben konnte man aber lange Zeit in Wien nicht auf die Juden verzichten, die
Finanzkraft der Stadt, ihrer Bürger und auch des Landesherren hing oftmals von ihren
Finanzkünsten und auch von ihren Steuern ab, die sie zu zahlen hatten, nur um in der
Stadt leben zu dürfen.
Der erste urkundlich bezeugte Jude Wiens war Schlom (Salomon), der unter Herzog Leopold V.
(1177-1194) um 1193/94 nach Wien kam, wo ihn der Herzog zu seinem Münzmeister ernannte.
In dieser Funktion hatte er die Münzherstellung als unabhängige Kontrollinstanz für den
Herzog, der diese den Hausgenossen, einem Gremium von Wiener Bürgern, übergeben hatte,
zu überwachen. Die Einrichtung der Wiener Münzstätte unter Leopold V. und damit auch
die Berufung Schloms dürfte mit der Auszahlung des Lösegelds für den englischen König
Richard Löwenherz, den Leopold einige Jahre zuvor gefangengenommen hatte,
zusammengefallen sein.
Unter Herzog Friedrich II. (1230-1246) gestaltete sich das Zusammenleben zwischen Juden
und Christen in Wien ohne Probleme. Obwohl es den Juden laut kanonischem Recht verboten
war christliche Bedienstete zu beschäftigen, wurde dies in Wien toleriert, da die Juden
in Wien zur sozialen Oberschicht zählten und dadurch bestimmte Sonderrechte hatten, waren
sie rechtlich dem Kaiser untertänig, was aber im täglichen Umgang nicht unbedingt
beachtet wurde. Die rechtliche Stellung der Juden in Wien war damit wesentlich besser als
die ihrer deutschen Glaubensgenossen. Sie besaßen in großen Teilen des täglichen Lebens
Autonomie und so konnten sich, besonders ab dem 13. Jahrhundert, die jüdischen Gemeinden
in Österreich ungehindert entwickeln.
König Ludwig belehnte 1313 Albrecht II. (1330-1358) , Otto und die Brüder Friedrich I.
und Leopold I mit dem Herzogtum Österreich. Zum ersten Mal in der Geschichte des Deutsche
Reiches tritt er auch das Juden-Regal, also die Verfügungsgewalt über die Juden, an
seine Lehensmänner ab, eine Regelung, die von da an beibehalten wird.
1338 kam es im niederösterreichischen Pulkau zu einem angeblichen Hostienfrevel mit
anschließendem Hostienwunder. Als Hostienfrevel wurden Verbrechen bezeichnet, bei denen
Juden angeblich geweihte Hostien stahlen und mit Nadeln durchbohrten, um zu sehen, ob die
Hostie wirklich der Leib des Herrn sei, da sie dann ja bluten müsste. Das Hostienwunder
besteht dann darin, dass die Hostie zu bluten beginnt und sich als Leib des Herrn erweist.
Der Papst reagierte sofort, man hatte in Avignon noch den Fall einer Bluthostie, die in
Klosterneuburg von einem Geistlichen hergestellt wurde, in Erinnerung und wandte sich an
den Bischof von Passau und an den Herzog mit der Aufforderung, das Wunder zu untersuchen,
und, wenn sie herausfänden, dass auch nur ein geringer Zweifel an der Echtheit der
Wunderhostie bestehe, diese sofort zu vernichten und die Anführer der Hostienbewegung zu
verhaften seien.
Die Wiener Bürger nutzten die Angst der jüdischen Gemeinde vor Verfolgung nun soweit
aus, dass sie von den Juden verlangten, den Zinsfuß von 8 Pfennig pro Pfund auf 3 Pfennig
pro Pfund zu senken, um vor dem Pogrom verschont zu bleiben. Tatsächlich blieben die
Wiener Juden von den Beschuldigungen unbehelligt ebenso wie die Juden aus Wiener Neustadt
und Krems, wo ebenfalls Abmachungen dieser Art getroffen wurden.
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| Die Wiener Geserah |
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Nach den teilweise für die jüdische Gemeinde in Wien wirtschaftlich
verheerenden Jahren der Herrschaft von Albrecht III.(1396-1404) kamen Albrecht IV.
(1404-1406) und sein Onkel Wilhelm an die Macht.
Diese behandelten die jüdische Gemeinde besser als ihr Vorgänger und so kam es zu einer
Phase relativer Ruhe in der Gemeinde in Wien. Es kamen aber aus anderen Teilen
Österreichs immer mehr aus ihren Gemeinden vertriebene Juden nach Wien, da man sie
beschuldigt hatte, Schuld an einer Dürrekatastrophe zu haben, die in den Jahre 1396 und
1397 über die Steiermark und Kärnten hereinbrach.
Dadurch stieg die Aggressivität der Wiener Bevölkerung den Juden gegenüber, und die
Wiener konnten nur durch den Einsatz von Truppen davon abgehalten werden, in die
Judenstadt einzufallen und die Juden zu ermorden. Zwei Schutzbriefe ermöglichten den
Juden, sich frei innerhalb des Gebietes bis zur Enns und bis zum Semmering zu bewegen, des
weiteren sollte ihnen geholfen werden ihre Schulden einzutreiben, und sie waren auf drei
Jahre von allen Sondersteuerpflichten befreit.
Mit dem Tod Albrechts IV. 1404 und Wilhelms 1406 fanden sich die Juden nun in einer für
sie misslichen Situation wieder, denn der Sohn Albrechts IV., Albrecht V., war noch ein
Kind und als solches nicht handlungsfähig, während als seinen Vormund die judenfeindlich
gesinnten Stände Herzog Leopold IV. (1407-1411) bestimmten.
Als nun am 5. November 1406 in der Wiener Synagoge ein Brand ausbrach, der sich auf die
ganze Judenstadt ausweitete, beschuldigten Wiener Studenten die Juden, dass sie die ganze
Stadt niederbrennen wollten und riefen zur allgemeinen Plünderung der jüdischen Häuser
auf, an welcher sich auch die Wiener Bürger beteiligten.
Im Gesamten sollen den Juden Besitztümer im Wert von über 100.000 Gulden verloren
gegangen sein, die christlichen Schuldner verloren aber dabei alle Pfänder, da diese, sie
waren ja bei den Gläubigern aufbewahrt, verbrannten.
1411 wurde Albrecht rechtmäßiger Herrscher Österreichs und er begann die Wirtschaft zu
fördern, dazu verwendete er auf Vorschlag der Zünfte wieder das Geld der Juden. Der
jüdische Handel in Wien hatte sich nach der Katastrophe von 1406 schnell wieder erholt
und 1417 gehörten Juden, etwa ein Sechstel aller Häuser der Stadt.
Doch ging den Juden das wichtigste verloren bzw. es veränderte sich, und zwar der
Kundenstamm. Waren früher Adelige die Großkunden der Juden, so wurden es jetzt immer
mehr Bürger, die bei den Juden Darlehen und Kredite aufnahmen. Diese hatten aber nicht
die Macht die Juden zu beschützen, sondern waren sogar mit den Juden auf geschäftlicher
Basis konkurrierend. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie nach und nach begannen,
die Juden aus ihren Geschäften herauszudrängen und diese selbst zu übernehmen. Dazu kam
noch ein für Albrecht unglücklich verlaufender Hussitenkrieg, der es für ihn nötig
machte, sich nach weiteren Geldquellen umzusehen.
Es kam ihm daher gerade recht, dass man im Frühsommer des Jahres 1420 eine Mesnerin
beschuldigte, an die Juden konsekrierte Hostien verkauft zu haben, die diese dann
entweihen und schänden wollten. Diese Beschuldigungen reichten für Albrecht V. aus im
ganzen Land Judenverfolgungen zu beginnen und die Wiener Juden gefangenzunehmen.
Viele der Juden, die am Anfang glaubten, dass man sie der Zusammenarbeit mit den Hussiten,
die gerade das Land verwüsteten, beschuldigte, verschanzten sich daraufhin in der Wiener
Synagoge und begingen Selbstmord, als man ihnen die Kinder zur Zwangstaufe entreißen
wollte. Der Rabbi der Synagoge, Rabbi Jonah, setzte als letzter Überlebender daraufhin
die Synagoge in Brand und starb inmitten der aufgehäuften Betpulte auf der Bima der
Synagoge.
Die armen Juden, aus denen man kein Geld herauspressen konnte, wurden daraufhin auf der
Donau in ruderlosen Booten ausgesetzt. Sie trieben die Donau bis nach Ungarn hinunter.
Die Reichen aber blieben eingekerkert und wurden solange gefoltert, bis sie entweder den
Ort ihrer vermutlichen Schätze preisgaben oder bis sie sich taufen ließen.
Jene Juden, die sich der Zwangstaufe widersetzten und nicht während der Folter starben,
etwa 200 Menschen, wurden am 12. März 1421 auf die Gänseweide, die heutige Erdberger
Lände, geführt und verbrannt. Nach der Wiener Geserah stimmten die Juden vor ihrem nahen
Ende noch freudige Gesänge an, da sie nun bald Gott sehen würden. Nach ihrem Tode
durchwühlten die Wiener Bürger und Studenten die Asche der Verbrannten, da man der
Meinung war, die Juden hätten Gold und Wertsachen verschluckt.
Die Häuser der Judenstadt wurden vom Herzog eingezogen und entweder verkauft oder an
politische Günstlinge vergeben, die Synagoge wurde bis zu den Grundmauern abgerissen und
ihre Steine wurden zum Bau der Universität, deren Professoren sich in der Begründung des
Pogroms besonders hervorgetan hatten, verwendet. Österreich wurde für die Juden Europas
zum ,,Erez Hadamim", dem Blutland, und bis in die Zeit Friedrichs III. (1463-1493)
und Maximilians I. (1493-1519) wollten sich keine Juden mehr in Wien ansiedeln.
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| Das Wiener Judenghetto |
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Das Ghetto lag rund um den heutigen Judenplatz und erstreckte sich nach
Norden bis zur Kirche Maria am Gestade. Die Westseite wurde vom Tiefen Graben, die
Ostseite von der Tuchlauben begrenzt. Die Südseite bildete der Platz "Am Hof".
Das Ghetto besaß 70 Häuser, die so angeordnet waren, dass ihre Rückwände eine
geschlossene Begrenzungsmauer bildeten. Durch vier Tore konnte das Ghetto betreten werden,
die beiden Haupteingänge lagen jeweils an der Wipplingerstraße. Wenige dieser in Wien
lebenden Juden waren reich. Die meisten Familien besaßen nur ein Haus, viele Familien
lebten auch mit einer anderen Familie in einem Haus. Nur von der reichen Familie Streuss
ist bekannt, dass sie etwa ein Dutzend Häuser hatte und diese vermietete. Den Mittelpunkt
des Judenviertels bildete das erstmals 1205 erwähnte Schul- oder Bethaus, das sich am
heutigen Schulhof befand. 1406 wurde nach einem großen Stadtbrand eine neue Synagoge
errichtet, die aber nach der Vertreibung der Juden 1421 demoliert wurde. Wichtig für die
jüdische Gemeinschaft war auch das Spital, wo man feststellte, dass es nicht nur
zur Krankenbetreuung, sondern auch als Altersheim diente.
Judenplatz: Der Platz bildete
bis zur Vertreibung der Juden (1421) den Mittelpunkt der Judenstadt und hieß damals
Schulhof. Neben der Judenschule, einer der bedeutendsten des deutschsprachigen Raumes,
befanden sich hier auch das Judenspital, die Badestube und die Synagoge (zwischen
Jordangasse und Kurrentgasse).
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Die Juden in Wien:
Pogrome, Ausweisungen, Neuansiedlungen |
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| Die Habsburger waren, wie auch die Babenberger,
im allgemeinen judenfreundlich eingestellt und bedienten sich ihrer
gerne als Finanziers. Eine Ausnahme stellte Albrecht V. dar, der ein
ausgesprochener Judenhasser war. Unter seiner Regierung kam es daher
auch zu einem selbst in der schrecklichen Geschichte der Juden
außergewöhnlichen Akt von öffentlicher Brutalität. Wie immer dürfte auch
der Wunsch weiterer Kreise, sich am Vermögen der verfolgten Juden zu
bereichern, eine ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Doch wissen wir
nicht, was das unheilvolle Geschehen tatsächlich auslöste. Jedenfalls
wurden auf Befehl des Herzogs zweihundertzehn Juden in offenen Wagen auf
die heutige Weißgerberlände geschafft und auf der Gänseweide auf
Scheiterhaufen verbrannt. Die Juden, die sich nicht verbrennen lassen
wollten, soll der Rabbiner in der alten Synagoge auf dem Judenplatz mit
dem Messer getötet haben, sich selbst als letzen. Jedenfalls trug diese
Aktion dem Herzog etwa 18 000 Wiener Pfennig ein, und der Bürgermeister
Hans Muster erhielt vom Herzog ein „arisiertes“ jüdisches Haus zum
Geschenk – ein böses Kapitel aus Wiens Geschichte! Doch schon bald kamen
die Juden wieder zurück, siedelten sich allerdings nicht mehr in dem
alten Ghettobezirk um den Judenplatz, sondern vielmehr entlang der
Seitenstettengasse an, wo sich bald das neue Ghetto befand. Vor allem
Friedrich III. in seinen ständigen Geldnöten bediente sich jüdischer
Bankiers. 1528 erließ Ferdinand eine Judenordnung, laut der den Juden
die Ausübung eines Gewerbes und der Erwerb von Grundbesitz verboten
wurde. 1551 wurde ein Judenpatent erlassen, das sie zwang, am Rock ein
gelbes Zeichen zu tragen. Unter Maximilian II. und Matthias wurde erneut
die Ausweisung der Juden befohlen. Aber sie k ehrten immer wieder
zurück, und da sie sich über die ganze Stadt zu verbreiten begannen,
wies ihnen Kaiser Ferdinand II. 1625 einen Teil der Unteren Wird als
Wohnort zu. Diese Judenstadt entwickelte sich bald aufs glanzvollste,
und prompt folgte eine neue Katastrophe: Verschiedene Vorfälle nicht
zuletzt der Brand der Hofburg im Februar 1668, den man den Juden in die
Schuhe schob, vor allem aber ein Gelübde der Gemahlin Kaiser Leopolds
I., der spanischen Infantin Margarita Teresa, führte 1670 zur
neuerlichen Ausweisung der Juden. 1675 erhielten 250 jüdische Familien
die Erlaubnis, sich wieder in Wien anzusiedeln; allerdings wurde ihnen
nun kein eigenes Ghetto mehr zugewiesen. Nach wie vor bevorzugten aber
viele von ihnen die Leopoldstadt als Wohnort. Das Toleranzpatent Josefs
II. 1782 öffnete auch den Juden neue Möglichkeiten. Sie durften von nun
an eigene Gemeinden gründen. Im 19. Jahrhundert steig der Zuzug von
Juden nach Wien sprunghaft an. |
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