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| Der Nazi-Putsch 1934 |
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Der ermordete Bundeskanzler Dollfuß
auf einem Sofa im Bundeskanzleramt
nach dem Attentat vom 25. Juli 1934.
Bild: Hans Rauscher | Die Bilder Österreichs
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
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Nach dem Bürgerkrieg errichtete Engelbert
Dollfuß, ein früherer hoch dekorierter Offizier der "Kaiserjäger" und
tiefgläubiger Katholik, der mangelnde körperliche Größe durch
Entschlossenheit und Härte ausglich, einen "Ständestaat": Darin gaben
nicht mehr die Parteien, sondern die Berufsstände - unter Führung von
Kirche und konservativen Eliten - den Ton an. Eine neue Verfassung wurde
"im Namen des Allmächtigen" verkündet, der Kirchenbesuch für alle
Schüler zur Pflicht, Ehe- und Familienrecht wurden im Sinne der Kirche
gestaltet. Ein solcher Staat schloss naturgemäß alle Andersdenkenden
aus, somit die Mehrheit. Dementsprechend wurde fortdauernde Repression
notwendig - Friedrich Torberg sprach von neu eingeführten Feiertagen wie
"Maria Denunziata" und "Mariä Hausdurchsuchung".
An den Lebensverhältnissen der breiten Bevölkerung verbesserte sich aber
nichts und das Regime sah im Vergleich zu den (durch forcierte
Rüstungspolitik erzielten) Arbeitsbeschaffungserfolgen
Hitler-Deutschlands immer schlechter aus. Dadurch ermutigt, versuchten
österreichische Nazis am 25. Juli 1934 einen verfrühten Putsch. Er
scheiterte zwar, aber der Sicherheitsapparat des Regimes war bereits
psychologisch so gelähmt (und unterwandert), dass es den Putschisten
gelang, das Bundeskanzleramt zu stürmen, stundenlang zu besetzen und
Kanzler Dollfuß zu ermorden. Dollfuß gilt der ÖVP, der Nachfolgepartei
der Christlichsozialen, heute noch als Märtyrer und erster Kämpfer gegen
den Nationalsozialismus. Und doch war er nach dem Urteil von Hugo
Portisch, dem Doyen der zeitgeschichtlichen Publizistik, "auf dem
falschen Weg: Was Dollfuß und mit ihm Österreich um die Anerkennung
gebracht hat, den Aggressionsplänen Hitlers als erste Widerstand
geleistet zu haben, lag darin, dass er selbst einen autoritären Staat
geschaffen, die Demokratie zerstört und seinen sozialdemokratischen
Gegnern keine Gnade gezeigt hat." |
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| Text auszugsweise aus |
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| Hans Rauscher | Die Bilder Österreichs |
| Hans Rauscher versammelt erstmals die
Bilder, die jeder mit Österreich assoziiert, die der
österreichischen Identität zugrunde liegen. Er zeigt die Fotos,
Fernsehbilder, Plakate und Gemälde historischer Ereignisse, die
sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt haben. Er
führt uns in ein Museum mit den Bildikonen Österreichs und
erzählt eine Geschichte der Emotionen unseres Landes. |
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| Juliputsch 1934 |
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Exekutivbeamte bergen einen
gefallenen Wachmann aus dem von
Nationalsozialisten besetzten RAVAG-Gebäude. (1. bezirk, Johannesgasse
4).
Bild: Stadtchronik Wien
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
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| Der mit Wissen dt. offizieller Stellen
durchgeführte nat.-soz. Putschversuch in Ö. begann am 25. Juli mit dem
Überfall von 154 als Soldaten des Bundesheeres und Polizisten
verkleideten SS-Leuten auf das Bundeskanzleramt. Dabei wurde
Bundeskanzler E. Dollfuß von 2 Schüssen tödlich getroffen. Gleichzeitig
drang eine Gruppe von Putschisten in die Wr. Senderäume der
RAVAG ein und verbreitete die falsche Nachricht, dass Dollfuß die
Regierungsgeschäfte an A. Rintelen übergeben habe. Dies sollte das
Zeichen für den Aufstand der Nat.-Soz. in ganz Ö. sein, der in einigen
Teilen OÖ., der Stmk. und Kä. zu mehrtägigen Kämpfen führte (Kollerschlag).
Kleinere Aktionen gab es in Sbg. Nach der Niederschlagung wurden 13
Putschisten hingerichtet, etwa 4000 Aufständische wurden in Anhaltelager
eingewiesen, viele flüchteten nach Jugoslawien. Auf Regierungsseite
forderten die Kämpfe 107 Todesopfer, auf Seite der Aufständischen
140 Tote. Verletzt wurden insges. 500-600 Menschen. Für die Aburteilung
der Beteiligten wurden am 26. Juli 1934 Militärgerichte geschaffen. |
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| Engelbert
Dollfuß |
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E. Dollfuß auf der
Floridsdorfer
Brücke während der
Beschießung der Gemeindebauten. |
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Plakat der Regierung
Dollfuß. März 1934. |
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| Dollfuß, Engelbert, * 4. 10. 1892 Texing (Gem. Texingtal,
NÖ.), 25. 7. 1934 Wien (im Bundeskanzleramt ermordet), Politiker (CS).
Nach Teilnahme am 1. Weltkrieg Sekr. des Nö. Bauernbundes, 1927 Dir. der Nö.
Landwirtschaftskammer, 1931 Min. f. Land- und Forstw., 1932-34 Bundeskanzler und
Außenminister. D. schaltete im März 1933 das Parlament aus, verbot 1933 die NSDAP, die
Kommunist. Partei und den Republikan. Schutzbund, 1934 nach den Februarkämpfen auch die
Soz.-dem. Partei und ließ als einzigen polit. Willensträger die Vaterländische Front
zu. Er regierte mit Notverordnungen und führte das Standrecht und die Todesstrafe wegen
des nat.-soz.Terrors ein. Er schuf mit der Maiverfassung 1934 einen autoritären
Ständestaat und stützte sich v. a. auf die kath. Kirche, die Heimwehr und die
Bauern. 1934 schloss er mit dem Hl. Stuhl ein Konkordat und räumte durch die
"Röm. Protokolle" mit Italien und Ungarn Mussolini bed. Einfluss auf die ö.
Innen- und Außenpolitik ein. Er wurde beim nat.-soz. Juliputsch ermordet, nachdem
schon im Okt. 1933 ein Attentat auf ihn verübt worden war. |
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Text auszugsweise aus |
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