Der Karfreitag (althochdeutsch "kara" = Klage, Kummer, Trauer), auch
"Stiller Freitag" oder "Hoher Freitag", ist der Freitag vor Ostern. Er
folgt auf den Gründonnerstag und geht dem Karsamstag voraus. Er ist unter Einbeziehung
des Gründonnerstagabends der erste Tag der österlichen Dreitagefeier (Triduum paschale).
An diesem Tag wird der Kreuzigung Jesu Christi gedacht.
Die liturgische Ordnung der Katholischen Kirche kennt für den
Karfreitag eine besondere Struktur des zentralen Gottesdienstes. Diese "Feier vom
Leiden und Sterben Christi" besteht aus den drei Teilen Wortgottesdienst,
Kreuzverehrung und Kommunionfeier. Sie beginnt meist gegen 15 Uhr, zur überlieferten
Todesstunde Jesu; wo der Karfreitag kein staatlich geschützter Feiertag ist oder aus
anderen Gründen die nachmittägliche Feier schwer möglich ist, kann sie auch am Abend
begangen werden. Die liturgische Farbe ist seit der Liturgiereform des Zweiten
Vatikanischen Konzils nicht mehr schwarz, sondern rot.
Die Karfreitagsliturgie ist eingebunden in die Dreitagefeier von Leiden, Tod und
Auferstehung des Herrn, dem Österlichen Triduum. Diese einzige Feier beginnt am
Gründonnerstag mit der Messe vom Letzten Abendmahl und findet ihren Höhepunkt in der
Auferstehungsfeier der Osternacht.
Der Wortgottesdienst beginnt mit einer Zeit des Schweigens, zu der sich der Vorsteher der
Feier als Zeichen der Hingabe und Konzentration auf den Boden hinstrecken kann
(Prostratio). Nach einem Eröffnungsgebet folgen Lesungen aus dem Jesajabuch und dem
Hebräerbrief, dazwischen der Gesang von Psalm 31. Höhepunkt der Wortfeier ist der
Vortrag der Leidensgeschichte (Passion) nach dem Evangelisten Johannes, der
traditionsgemäß mit verteilten Rollen erfolgen kann. Nach der Predigt folgen die Großen
Fürbitten, welche die Anliegen der Kirche, der Welt und der Notleidenden in den Blick
nehmen. Die Bitte für die Juden, deren aus dem Mittelalter stammender und bis ins 20.
Jahrhundert gebrauchter Wortlaut als diskriminierend empfunden werden konnte, ist heute
mit Wertschätzung für das Volk Israel und offenem Ziel formuliert. Jede der einzelnen
Bitten besteht aus drei Teilen: Nennung des Anliegens, stilles Gemeindegebet im Knien,
abschließende Oration des Vorstehers.
Die Kreuzverehrung bildet den zweiten Teil der Feier. Ein Kruzifix wird in den Altarraum
gebracht und/oder dort enthüllt und gezeigt. Dann kommen alle Mitfeiernden zu diesem
Kreuz und verehren es durch die klassischen Zeichen der Kniebeuge und des Kusses; es sind
auch Alternativformen möglich wie die Verneigung, das Niederlegen von Blumen, das
Aufstecken von Kerzen oder das Einlegen eines Weihrauchkorns in ein Kohlebecken.
Verschiedene Gesänge begleiten die Kreuzverehrung, darunter die klassischen Improperien
und der Hymnus Pange lingua gloriosi proelium certaminis.
Eine schlichte Kommunionfeier, eingeleitet mit dem Vaterunser und abgeschlossen durch ein
Dank- und ein Segensgebet, bildet den dritten Teil des zentralen
Karfreitagsgottesdienstes. Da am Karfreitag traditionsgemäß keine Eucharistie gefeiert
wird, werden für die Karfreitagskommunion genügend Hostien aus der Messe des
Gründonnerstags aufbewahrt.
Mancherorts schließt sich als weiteres, eher volkstümliches Element die Grablegung an.
Das in der Feier verehrte Kreuz oder eine Figur des Leichnams Jesu werden dabei unter
Gesang und Gebeten an einen feierlich geschmückten Ort, meist in einer Seitenkapelle der
Kirche, verbracht.
Neben der Hauptfeier sind der Kreuzweg und die "Andacht von den Sieben Worten (Jesu
am Kreuz)" beliebte Frömmigkeitsformen. Örtlich leben noch Karfreitagsprozessionen
weiter, so an manchen Orten des deutschen Sprachraums, in Süditalien und Sizilien und vor
allem in Andalusien.
In der Katholischen Kirche ist der Karfreitag ein strenger Fast- und Abstinenztag. Die
Tradition, freitags grundsätzlich kein Fleisch zu essen, ist auf den Karfreitag
zurückzuführen.
Kreuztragung Christi
Die vorliegende Arbeit entstand um 1495.
Die Tafel eines Flügelaltars aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stellt die Kreuztragung
dar. Simon von Kyrene hilft Jesus, der vor den Augen Marias am Burgtor unter der Last des
Kreuzes zusammenbricht.
aus www.aeiou.at
Die Feier in der evangelischen Kirche
Vom 16. bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war der Karfreitag einer
der (relativ wenigen) Tage, an dem in fast allen evangelischen Kirchen das Abendmahl
gefeiert wurde. Auch heute noch ist der Empfang des Abendmahls an diesem Tag ein wichtiger
Teil der Spiritualität in manchen Gemeinden. In anderen Kirchengemeinden wird der
Karfreitag in altkirchlicher Tradition als aliturgischer Tag, also ohne Abendmahlsfeier
begangen. Hier spielt dann die Abendmahlsfeier im Oster(nacht)gottesdienst eine wichtige
Rolle. Als liturgische Farbe gilt schwarz, auch wenn häufig auf jegliche Farbgebung
verzichtet wird. Auch Blumenschmuck und Kerzen sind am Karfreitag eher unüblich. Am
Karfreitag (wie auch am Karsamstag) schweigen mancherorts in Anlehnung an die katholische
Tradition die Glocken. In manchen evangelischen Kirchen findet, neben dem
Hauptgottesdienst am Morgen oder statt dessen, eine "Liturgische Feier zur
Todesstunde Jesu" (traditionell um 15 Uhr) oder eine musikalische Aufführung statt.