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Karl-Marx-Hof
© alt68erin - Fotolia.com
Der Karl-Marx-Hof ist einer der bekanntesten Gemeindebauten Wiens und liegt im Bezirk Döbling.

Der Karl-Marx-Hof wurde auf einem Gelände errichtet, das bis ins 12. Jahrhundert ein schiffbarer Donauarm gewesen war. 1750 waren davon nur mehr einige Tümpel erhalten, die unter Kaiser Joseph II. zugeschüttet wurden. In der Folgezeit wurden auf dem Gelände Gärtnereien betrieben. Mitte der 1920er Jahre begann die Absiedlung der Gärtnereien, da das sozialdemokratische Wohnbauprogramm die Errichtung der drittgrößten Wohnhausanlage Wiens in der Ersten Republik vorgesehen hatte.

Zwischen 1927 und 1930 vom Otto-Wagner-Schüler und Stadtbaumeister Karl Ehn errichtet, fasste der Bau 1382 Wohnungen für rund 5500 Bewohner. Über Ehrenhof und mächtige Tore betritt man diese Stadt in der Stadt. Nur 20 Prozent des über 150.000 Quadratmeter großen und 1000 Meter langen Areals sind bebaut, der Rest wird als Spiel- und Gartenfläche genutzt. Der Bau enthält zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen wie Wäschereien, Bäder, Kindergärten, eine Bibliothek, Arztpraxen und Geschäftslokale. In den 1980er Jahren wurde der Karl-Marx-Hof generalsaniert.
Grafik: © Erhard Gaube, Citype
Bekannt wurde der Karl-Marx-Hof während des Februaraufstands, der sich 1934 gegen den austrofaschistischen Ständestaat richtete. Die aufständischen Arbeiter und der Republikanische Schutzbund verschanzten sich im Karl-Marx-Hof und gaben erst nach Artillerie-Beschuss durch das Bundesheer und die Heimwehr auf. Als Kommandant einer Kompanie des Freiwilligen Schutzkorps war der spätere Widerstandskämpfer Karl Biedermann führend an der Eroberung des Gebäudes beteiligt. Während des Ständestaates wurde der Karl-Marx-Hof in Heiligenstädter Hof unbenannt, 1945 erhielt er seinen ursprünglichen Namen zurück. Die schweren Bombenschäden wurden in den 50ern behoben.

Der Karl-Marx-Hof ist vier Straßenbahnhaltestellen (ungefähr 1100m) lang und ist damit der längste zusammenhängende Wohnbau der Welt.

Benannt ist der Gemeindebau nach den Philosophen, Ökonomen und Kommunisten Karl Marx.
Dieser Bericht basiert auf einem Artikel der
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Der Karl-Marx-Hof
aus dem Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie

©  www.dasrotewien.at - SPÖ
Die nach Karl Marx benannte Wohnhausanlage der Gemeinde Wien ist der wohl repräsentativste, sicherlich aber der bekannteste kommunale Wohnbau der Stadt. Der Karl-Marx-Hof wurde in den Jahren 1927 bis 1930 nach Plänen von Karl Ehn als Musterbeispiel eines monumentalen "Superblocks" errichtet.
Eine riesige Baustelle...
©  www.dasrotewien.at - SPÖ
Zusätzlich zu den 1.325 Wohnungen für etwa 5.500 BewohnerInnen wurden hier auch zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen geschaffen, u.a. zwei Zentralwäschereien mit 62 Waschständen, zwei Bäder mit
20 Wannen und 30 Brausen, zwei Kindergärten, eine Mutterberatungs-
stelle, ein Jugendheim, eine Bibliothek, eine Zahnklinik, eine Kranken­kassenstelle mit Ambulatorium, eine Apotheke, ein Postamt, mehrere Arztpraxen, Kaffeehäuser, Räumlichkeiten für politische Organisationen und 25 Geschäftslokale.
Die Waschküche Das Brausebad
Eine Musterwohnung Eine Musterwohnung
Eine eigene Wohnungsberatung Ein Restaurant im Karl-Marx-Hof
Der Kindergarten Der Kindergarten
Bilder: ©  www.dasrotewien.at - SPÖ
Der Karl-Marx-Hof wurde als Verbauung der relativ schmalen, aber
über einen Kilometer langen früheren "Hagenwiese" als geschlossene Wohnhofanlage mit großen, freundlichen Gartenhöfen errichtet. Besonders beeindruckend ist der stark zurückversetzte Mitteltrakt mit seinen sechs monumentalen Türmen, die von mächtigen Fahnenstangen überragt werden, den riesigen Durchfahrten, die auf die Achse Heiligenstädter Bahnhof / Hohe-Warte-Stadion ausgerichtet sind, den massiven, archaisch anmutenden Hauseingängen, den Balkon-, Loggien- und Erkergruppen die - auch durch ihre Andersfarbigkeit - wie "aufgesetzt" wirken und dem großen Vorplatz.
Totale vom Karl-Marx-Hof
©  www.dasrotewien.at - SPÖ
Die in der Mitte dieses Ehrenhofes stehende Bronzefigur "Sä-
mann" stammt von Otto Hofner (1929), die wunderbaren farbigen Keramikfiguren über den Rundbögen ("Aufklärung", "Befreiung", "Kinderfürsorge", "Körperkultur") und die zwei Blumenvasen von Josef Franz Riedl (1930).

Der Karl-Marx-Hof wurde in drei Abschnitten errichtet; der letzte Bauteil wurde erst im Sommer 1933 fertiggestellt.

Die Eröffnung der Anlage fand jedoch bereits am 12. Oktober 1930 statt; dabei sprach Bürgermeister Karl Seitz die berühmten Worte: Wenn wir einst nicht mehr sind, werden diese Steine für uns sprechen.

Im Februar 1934 war der Karl-Marx-Hof ein Zentrum des Wider-
standes gegen den Faschismus. Am 12. Februar versuchte die Polizei vergeblich, die Anlage zu besetzen. In den Abendstunden wurden starke Bundesheerverbände und eine große Schutzkorpseinheit unter dem Kommando von Karl Biedermann - der gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ein führender Vertreter des militärischen Widerstandes sein sollte und noch am 8. April 1945 am Floridsdorfer Spitz gehenkt wurde - zur Unterstützung herangebracht.
Februar 1934: Geschütze werden auf den Karl-Marx-Hof gerichtet
©  www.dasrotewien.at - SPÖ
Polizei und Militär im Karl-Marx-Hof
©  www.dasrotewien.at - SPÖ
Am 13. Februar 1934 wurden um ein Uhr früh die ersten Artillerie-
geschosse gegen den Karl-Marx-Hof abgefeuert. Am Vormittag setzte der systematische Beschuss ein und unter dem Schutz von Maschinengewehrfeuer erfolgte der Sturm auf den Gebäudekomplex, bei dem auch Panzerwagen zum Einsatz kamen. Die Kämpfe dauerten bis in die Vormittagsstunden des 15. Februar. Dann zogen sich die letzten Verteidiger vor der erdrückenden Übermacht zurück.
Beschussschäden
©  www.dasrotewien.at - SPÖ
Der "Blaue Bogen"
©  www.dasrotewien.at - SPÖ
Der Karl-Marx-Hof wurde noch im Februar in "Biedermannhof" umbenannt; im August 1935 gaben ihm die Austrofaschisten den offiziellen Namen "Heiligenstädter Hof", den auch die National-
sozialisten beibehielten. Das Kaffeehaus auf Stiege 3 wurde im Ständestaat übrigens in eine römisch-katholische Gottes­dienst-
stätte umgewandelt. Später machten die Nationalsozialisten
daraus einen Versammlungsraum ihrer Partei.

Seit 1945 trägt der Karl-Marx-Hof wieder seinen ursprünglichen Namen.

Bei der Stiege 32 in der Boschstraße erinnert eine Gedenktafel daran, dass Österreichs Arbeiter im Februar 1934 als erste in Europa dem Faschismus entgegentraten.
Literatur: Der Karl Marx-Hof. Die Wohnhausanlage der Gemeinde Wien auf der Hagenwiese in Heiligenstadt, 1930; Hans und Rudolf Hautmann, Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934, 1980; Fritz Herrmann, Karl-Marx-Hof. Szenen vom Untergang der Sozialdemokratie, 2001; Sonja Kofler, Wohnen im Karl-Marx-Hof 1930-1934. Der kurze Traum von einem besseren Leben, 2004; Inge Podbrecky, Rotes Wien, 2003; Susanne Reppé, Der Karl-Marx-Hof. Geschichte eines Gemeindebaus und seiner Bewohner, 1993; Helmut Weihsmann, Das Rote Wien. Sozialdemokratische Architektur und Kommunalpolitik 1919-1934, 1985/2002; Genoveva und Gerald Kriechbaum [Hrsg.], Karl-Marx-Hof. Versailles der Arbeiter, 2008

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dasrotewien.at
Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie
Sozialdemokratische Partei Österreichs, Landesorganisation Wien
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