Der Karlsplatz ist ein durch Jahrhunderte
hindurch gewachsener historischer Knotenpunkt. Der Resselpark selbst
entstand 1862 vor dem "k.k. Polytechnischen Institut" (der
heutigen Technischen Universität ) und der Evangelischen Schule, am
Ufer des Wienflusses und vor der von Fischer von Erlach erbauten
barocken Karlskirche. Seit der Regulierung und Einwölbung des
Wienflusses (1895-1902) und der Inbetriebnahme der Stadtbahn
(Vorläuferin der U-Bahn) gab es immer wieder Wettbewerbe, Pläne und
Lösungsvorschläge zur Umgestaltung des Parks bzw. des gesamten Platzes,
die jedoch nie realisiert wurden.
Bild: Otto-Wagner-Station
Der eigentliche Umbau des Karlsplatzes erfolgte in den 70er-Jahren des
20.Jhdts., in Verbindung mit dem Bau der Wiener U-Bahn (1.Teilstück: U1
Karlsplatz-Reumannplatz). Die Stadtverwaltung hatte im Zusammen- hang
mit dem U-Bahn-Bau auch einen internationalen Wettbewerb für die
Gestaltung des Platzes ausgeschrieben. Als Preisträger war die dänische
Architektengruppe Andersson, Brochmann und Brogaard mit der Ausarbeitung
der Detailpläne beauftragt worden.
Bild: Restaurant Resselpark
So kam es zur ersten Gesamtgestaltung für den Resselpark:
Die Straßenführung erfolgte gebündelt nördlich der beiden von Otto
Wagner entworfenen Stadtbahnpavillons, die nach der Umgestaltung des
Platzes restauriert und wieder aufgebaut wurden. Dadurch konnte der Resselpark sogar erweitert werden. Auch der alte
Baumbestand des Parks wurde weitgehend erhalten, 300 Bäume kamen neu dazu. Die Großflächen-Pflanzungen
des Bodendeckers Cotoneaster dammeri Skogsholmen wurden allerdings
inzwischen wieder entfernt.
Als architektonisches Bindeglied zwischen der
barocken Karlskirche und dem modernen Resselpark schuf man ein
ovales Wasserbecken, in dem sich die Kirche spiegelt und das inzwischen
Tummelplatz zahlreicher Wasservögel ist. Der englische Bildhauer Henry
Moore stellte für das Becken eine Skulptur "Hill Arches" zur Verfügung.
Vom Karlsplatz gelangt man zum Haupteingang des Historischen Museums der
Stadt Wien.
Bild: Blick vom Resselpark zur
Karlskirche
Im Resselpark selbst, der durch drei große
elliptische Grünflächen gegliedert ist, gibt es Spielplätze, Sitzecken,
ein Parkbeisl mit Gartenbetrieb, das seit 1873 betrieben wird, und ein
Kaffeehaus in der Otto-Wagner-Station. Das zweite Stationsgebäude ist zu
einem Museum der Stadt Wien geworden.
Bild: Kinder- und Freizeiteinrichtungen im Resselpark
Außerdem beherbergt der Park Denkmäler der Erfinder
Josef Ressel, Siegfried Marcus und Josef Madersperger sowie des
Komponisten Johannes Brahms. Dem Resselpark gegenüber befindet sich auch
das Gebäude des Musikvereins, Veranstaltungsort des jährlichen
weltberühmten Neujahrskonzertes
Der Edelstein in der Krone jedoch sind die beiden
Pavillons von 1899, die einander am Karlsplatz gegenüberstehen. Sie
befanden sich ursprünglich an jedem Ende der Akademiestraße und sollten
den Zugang zur Stadtbahn bilden, einer für jeden Bahnsteig; sie
verkörpern Jugendstilarchitektur in ihrer elegantesten Ausprägung.
Anders als die anderen, traditionell aus Steinen und Mörtelwerk erbauten
Stationen sind die beiden Pavillons aus vorgefertigten, grün
angestrichenen Metallelementen konstruiert, auf die Platten aus weißem
Carrara-Marmor aufgesetzt wurden. Dann erhielten sie ein
außergewöhnliches Kupferdach, das inzwischen eine charakteristische
grüne Patina aufweist. Die Jugendstilverzierungen reflektieren die nahe
gelegene barocke Karlskirche; sie bestehen aus goldenen, in den Marmor
eingelassenen Sonnenblumen und einem goldenen Pflanzenfries rund ums
Dach. Das alles sieht immer noch erstaunlich gut aus, die Komponenten
der Architektur sind deutlich zu erkennen, anders als die Ziegelelemente
mancher Gebäude im Ringstraßenstil, die sich als echter Stein ausgeben.
Heute allerdings haben die beiden Pavillons ihre ursprüngliche Funktion
eingebüßt; durch den einen gibt es zwar noch einen Zugang zur U-Bahn
(U4), doch werden dort auch Ausstellungen veranstaltet; der andere ist
ein Café.
auszugsweise aus
Duncan J. D. Smith; Nur in Wien
Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten,
geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
Fotografien von Duncan J. D. Smith
„Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert, die Straßen
anderer Städte mit Asphalt.“ Karl Kraus (1874-1936)
Wien ist sicherlich eine der großartigsten und zugleich
homogensten Hauptstädte in Europa. Und es ist eine der
faszinierendsten. Die Überfülle an Reiseführern, die es zu
kaufen gibt, präsentiert dem nicht allzu anspruchsvollen
Besucher eine märchenhafte (und leicht zugängliche) Fülle an
Museen, Kirchen, Palais und kulinarischen Lokalitäten, und sie
erzählen von der Geschichte der Stadt seit den Zeiten der Römer
über jene des Habsburgerreiches bis zur Gegenwart.
mit freundlicher Genehmigung
Christian Brandstätter
Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen
und öffentliche Stellen
BILD zu OTS - Historische
Lokomotive "Ilse" des Technischen Museums Wien.
Fotograf: Niko Formanek
Fotocredit: Pressefotos.at / Daniel K. Gebhart
Wien (OTS) - Das Technische Museum Wien
und das Wien Museum setzen im Herbst auf zwei große Verkehrsthemen:
Unter den Titeln "Spurwechsel. Wien lernt Auto fahren" und "Großer
Bahnhof. Wien und die weite Welt" präsentieren die beiden Museen in
aufeinander abgestimmten Ausstellungen unterschiedliche Facetten urbaner
Verkehrsgeschichte am Beispiel Wiens. Als Symbol der Zusammenarbeit und
als Vorbotin der zweiAusstellungen steht von Ende August bis Mai
nächsten Jahres die Dampflok "Ilse" am Karlsplatz. Die 22,5 Tonnen
schwere Dame, Baujahr 1882, wurde in den letzten Monaten aufwändig
restauriert und wird ein Blickfang für Fußgänger und Autofahrer an der
Ecke Karlsplatz / Lothringerstraße sein.