Georg Franz Kolschitzky
Halbmond, Kipferl und Kaffee
Bild: Thomas Apolt
Bild:  1640-1694; Kurier während der zweiten Türkenbelagerung,
Ecke Favoritenstraße-Kolschitzkygasse (Thomas Apolt)
In der Favoritenstraße stand einst das Kaffeehaus „Zwirina“. Sein Besitzer, Franz Zwirina, wollte dem Ahnherrn seines Gewerbes, Georg Franz Kolschitzky, ein Denkmal setzen und ließ an der Hausecke seines Cafés eine Metallfigur des legendenumwobenen Wieners, in türkischer Tracht, auf einem Tablett Kaffee servierend, anbringen.
Der Legende nach hat Kolschitzky das erste Kaffeehaus in Wien aufgemacht; er soll dazu jene Kaffeebohnen verwendet haben, die die Türken bei ihrer Flucht zurückließen. Der Piaristenpater Gottfried Uhlich berichtete darüber in seiner „Geschichte der zweyten türkischen Belagerung Wiens“ aus dem Jahr 1783. Kolschitzkys Kaffeehaus habe sich im Schlossergassl befunden, im späteren Haus „Zur blauen Flasche“ in der Nähe des Stock-im-Eisen-Platzes. Es existieren jedoch keinerlei Belege für diese Geschichte.

Und dennoch ist es bezeichnend für Wien, dass nicht nur den großen Monarchen und siegreichen Feldherrn, sondern auch den kleinen Dingen des Lebens und ihren „Erfindern“ ein Denkmal gesetzt wird. Wer weiß, wie wichtig das Kaffeehaus für die Lebensart der Stadt geworden ist, wird ein Denkmal für den Begründer dieser Tradition erst so richtig verstehen.

Der in Ostgalizien geborene Kolschitzky kam im Alter von 16 Jahren nach Wien. Er sprach Türkisch und Rumänisch und war unter anderem Diener des nach Konstantinopel beorderten kaiserlichen Gesandten Johann Philipp Beris. 1667 trat er in den Dienst der „Wiener Orientalischen Handelskompanie“. Als die Truppen von Großwesir Kara Mustafa im Jahr 1683 die Wienerstadt belagerten, schlug seine große Stunde als Kundschafter: Kolschitzky wagte sich, als Türke verkleidet, durch die Linien der Belagerer und kehrte mit der Meldung zurück, dass sich das Entsatzheer bald in Marsch setzen werde. Daraufhin wurde er in den Rang eines kaiserlichen Dolmetschers erhoben, erhielt eine ständige Besoldung und bekam ein Hofquartier zugeteilt.

Das Kolschitzky-Denkmal in der Favoritenstraße wurde am 12. September 1885, dem Jahrestag der Schlacht am Kahlenberg, enthüllt.
auszugsweise aus
Matthias Settele; Wiener Denkmäler
Wiener Stadtgeschichten
vom Walzerkönig bis zur Spinnerin am Kreuz
Fotos von Thomas Apolt
Band 1011 -
Perlen-Reihe
Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H. - Wien
mit freundlicher Genehmigung
Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H.
www.deuticke.at
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