EINE AUTORITÄRE EUROPÄISCHE UNION
Der Wiener Kongress (1814/15)
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Der Wiener Kongress 1814/15. Auf dem Bild sind unter anderem Kaiser Franz I. von Österreich, Zar Alexander l. von Russland, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Lord Castlereagh für England und Talleyrand für Frankreich zu sehen. Zeitgenössischer Kupferstich.
Napoleon, der halb Europa verwüstet und den Tod von drei bis vier Millionen Menschen verursacht hatte, hätte vor ein Kriegsverbrechertribunal gehört, war er doch bei aller „Größe" zwanghaft aggressiv; er konnte nicht anders als immer und immer wieder Krieg zu führen. Die Idee einer solchen Aburteilung aber war den herrschenden Eliten noch fremd. Man begnügte sich mit Verbannung, zuerst auf die Mittelmeerinsel Elba, nach seinem Ausbruch von dort und seiner Niederlage bei Waterloo nach St. Helena mitten im Südatlantik.

Eine neue Staatsidee hatte die existenzielle Bedrohung durch Napoleon aber doch hervorgebracht: den internationalen Friedenskongress, bei dem alle, die in Europa etwa zu sagen hatten, eine „große Lösung" suchten. Fast könnte man von einer Art EU-Rat der Staats- und Regierungschefs sprechen, wenngleich mit Ausnahme der britischen Teilnehmer sich keiner vor einem Parlament zu verantworten hatte. „Es steht den Fürsten alleine zu, die Geschicke der Völker zu leiten", sagte der Staatskanzler Fürst Metternich. Viel später meinte Kaiser Franz I. allerdings zu ihm: „Mein lieber Metternich, heutzutag' san die Völker a wer ..."

Der Wiener Kongress dauerte 1814/15 neun Monate lang und kostete 80.000 Gulden - täglich. Obwohl er als ununterbrochene Abfolge von Festen und Lustbarkeiten in die Geschichte einging, produzierte er auch weit reichende Resultate. Österreich etwa verzichtete zwar auf Belgien, erhielt dafür aber Salzburg (das vorher ein Fürsterzbistum war) und im Süden und Südosten die Lombardei, Venedig,
Triest, Fiume, Istrien, Friaul, Brixen.Trient, Mailand und Modena, Krain, Tirol, Vorarlberg, Oberkärnten und Kroatien, Dalmatien und Cattaro (heute Kotor, Montenegro). Reiche Beute und gleichzeitig der Kern künftiger Konflikte.

In den nächsten Jahrzehnten führten die europäischen Großmächte keine Kriege gegeneinander. Sie hatten genug und waren außerdem damit beschäftigt, die eigenen Völker unter strikter Kontrolle zu halten.
Text auszugsweise aus
Hans Rauscher | Die Bilder Österreichs
Hans Rauscher versammelt erstmals die Bilder, die jeder mit Österreich assoziiert, die der österreichischen Identität zugrunde liegen. Er zeigt die Fotos, Fernsehbilder, Plakate und Gemälde historischer Ereignisse, die sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt haben. Er führt uns in ein Museum mit den Bildikonen Österreichs und erzählt eine Geschichte der Emotionen unseres Landes.
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Der Wiener Kongress
C. W. Fürst Metternich

18. 9. 1814-9. 6. 1815, im Pariser Frieden vom 30. 5. 1814 vereinbarte Zusammenkunft der Monarchen und Vertreter der wichtigsten Staaten zur polit. Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen.
 
Die Vertreter der 4 Hauptverbündeten waren: für Rußland Zar Alexander I. und K. W. Gf. Nesselrode, für Preußen Kg. Friedrich Wilhelm III. und Kanzler K. A. Fürst von Hardenberg, für England R. St. Viscount Castlereagh und A. W. Duke of Wellington, für Ö. Ks. Franz I. und C. W. Fürst Metternich (Vorsitzender); Frankreichs Vertreter C. M. de Talleyrand hatte erreicht, dass sein Land als 5. entscheidende Macht auftreten konnte. Kleinstaaten versuchten zu intervenieren, und die Verhandlungen waren durch Spannungen gekennzeichnet (3. 1. 1815 Geheimbündnis: Ö., England und Frankreich gegen Preußen und Rußland), wurden aber durch Napoleons Rückkehr aus Elba (1. 3. 1815) beschleunigt. Ein Ergebnis war, dass Ö. einen Teil seines früheren Besitzes zurückerhielt: W-Kä., Krain, Istrien, Dalmatien (Vbg., Ti., Sbg., Inn- und Hausruckviertel wurden erst 1816 durch einen Tauschvertrag mit Bayern restituiert), in Galizien den Kreis Tarnopol (nicht Neugalizien), in Oberitalien das lombardo-venezianische Königreich, das Ö. die Vormachtstellung in Italien sicherte. Die habsburg. Sekundogenituren Toskana (Ferdinand III., Bruder von Ks. Franz I.) und Modena (Franz IV. von Ö.-Este) wurden wiederhergestellt. Marie Louise behielt Parma und Piacenza, aber Ö. verzichtete auf die Vorlande mit dem Breisgau und auf die Ö. Niederlande. Anstelle des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reichs trat der Deutsche Bund unter ö. Vorsitz, die Bundesakte wurde Bestandteil der Kongreßakte. Weitere Ergebnisse waren: Die vergrößerte Schweiz erhielt die Garantie ihrer Neutralität; Baden, Württemberg und Bayern blieben bestehen; Krakau wurde ein Freistaat, Polen ein Teil Rußlands. Darüber hinaus erfolgte eine Kodifizierung des Gesandtschaftsrechts (Wr. Reglement) und der Freiheit der internat. Flussschiffahrt sowie die Ächtung des Sklavenhandels. Ö. hatte durch den W. K. noch einmal seine Stellung in Europa demonstriert und seine Vormachtstellung in Deutschland und Italien gewahrt; der weitere Verlauf des 19. Jh. war durch ein Konkurrenzverhältnis zu Preußen bestimmt, dem Ö. kontinuierl. weichen musste. Der W. K. war von vielen gesellschaftl. Veranstaltungen begleitet und verursachte Ö. große Kosten; von C. J. Fürst von Ligne wurde der Ausspruch "Der Kongress tanzt, aber er geht nicht weiter" ("Le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas") geprägt.
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Feierlicher Empfang der Monarchen Rußlands und Preußens durch
Kaiser Franz I. am 25. September 1814. Zeitgenössischer kolorierter Stich
  In einem Sitzungsraum des Palais am Ballhausplatz haben sich 23 Kongressteilnehmer wie zum Gruppenporträt versammelt. Die Inschrift des Stiches und die Medaillen in dern horizontalen Rahmenleisten weisen darauf hin, dass es sich um Delegationen der Unterzeichnerstaaten des Zweiten Pariser Friedens handelt: Von links nach rechts sind die Bildnisse - und, auf den Rückseiten der Medaille - Wappen der amtierenden Monarchen von England, Österreich, Spanien, Frankreich, Portugal, Preußen, Rußland und Schweden wiedergegeben, während die vertikalen Rahmen die Wappen der dargestellten Delegierten zeigen.
Wahrheit, Klugheit, Weisheit, Wissenschaft und vor allem Gerechtigkeit, die allegorischen Rahmenmotive, stehen als Motto über den Verhandlungen. Der Pariser Hofkünstler Jean Baptiste Isabey war im Gefolge der französischen Delgation nach Wien gereist und hatte dort Porträtzeichnungen der Krongressteilnehmer angefertigt.
Die ordensgeschmückten Sitzungsteilnehmer sind um einen runden Verhandlungstisch oder vor dem Fenster und der offenstehenden Tür zum Nebenraum gruppiert. Mit einer eleganten Geste weist der österreichische Staatskanzler Metternich auf den britischen Außenminister Castlereagh, der leger seinen linken Arm über die Stuhllehne fallen lässt. In aufrechter Haltung ihm gegenüber sitzt der preußische Staatskanzler Hardenberg, hinter dem der englische Herzog von Wellington Blickkontakt zu seinem Landsmann sucht. Hinter dem französischen Vertreter Talleyrand, der in selbstbewusster Haltung seinen rechten Arm auf den Verhandlungstisch gelgegt hat und durchaus gleichberechtigt neben den Delegierten der Siegermächte wirkt, steht als zweiter von rechts Wilhelm von Humboldt. Rasoumoffsky, der Vertreter Zar Alexanders I., ist etwa in der Bildmitte, vor der linken unteren Ecke des Gemäldes, zu erkennen.
Text auszugsweise aus
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Der Kongress tanzt
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Das große Karussell in der Hofreitschule am 23. November 1814
 Rund um den Kongress entfaltet sich ein glänzendes gesellschaftliches Leben. Festlichkeiten von verschwenderischer Pracht verwöhnen die Gäste und befriedigen die Schaulust der Bevölkerung. In den Häusern der Hocharistokratie und des Finanzadels regiert die „Salondiplomatie“. Die Gastfreundschaft des Hofes verschlingt Unsummen. „Vertrug sich wirklich der ernste Zweck dieser großen Versammlung, die schwierige Lage der Umstände mit dieser fröhlichen Verschwendung gleich nach dem Ende des Krieges…?“ fragt de la Garde. Der ungeheure Zustrom von Fremden lässt Mieten und Preise in die Höhe schnellen. Die über Teuerung und Steuern murrenden Wiener besänftigt der „Eipeldauer“: „Hab´n w´r schun zwanz´g Jahr das Elend und dö Misereri ausg´standten, no so wird uns ja das halbi Jahr a no nid umbringen.“ Das äußere Bild überstrahlt die Tatsache, dass die tatsächliche Arbeit des Kongresses nur äußerst schleppend vorangeht. Schon im Spätherbst vermerkt der österreichische Feldmarschall Charles Joseph Fürst von Ligne ironisch: „Le congrés ne marche pas, il danse“ – „Der Kongress kommt nicht vom Fleck, er tanzt.“
„Der Kongress ist aufgelöst“
 Mit diesen Worten landet Napoleon in Frankreich. Die Nachricht von seiner Rückkehr aus der Verbannung auf der Insel Elba schlägt am 5.März wie ein Blitz in Wien ein. „Man war eben auf einem Balle bei Herrn von Metternich, als man Napoleons Landung zu Cannes und seine ersten Erfolge vernahm“, berichtet de la Garde. „Tausende von Wachslichtern schienen plötzlich gelöscht… der Walzer wird unterbrochen; vergebens spielt das Orchester weiter…“ Die Großmächte, die gerade im Begriff waren, sich bei der Aufteilung der Länder zu überwerfen, rüsten vereint zum letzten Krieg gegen Napoleon.
Ergebnisse des Wiener Kongresses
 Mit der Schlussakte vom 9. Juni beendet der Wiener Kongress seine Verhandlungen. Teil der Schlussakte ist die Deutsche Bundesakte vom 8.Juni, mit der die Gründung des Deutschen Bundes festgelegt wird. Die Kongressbeschlüsse orientieren sich an den Interessen der Dynastien Europas. Das Gleichgewicht zwischen den Großmächten ist wieder hergestellt. Die Wünsche der Völker bleiben dabei unberücksichtigt. Die Veränderungen durch die Französische Revolution und durch Napoleon bleiben zunächst ohne Wirkung. Zur gemeinsamen Durchsetzung der restaurativen Festlegungen wird am 26.September die „Heilige Allianz“ zwischen Österreich, Preußen und Russland gegründet. Sie richtet sich gegen die Idee der Volkssouveränität und somit gegen alle nationalen Kräfte, deren Probleme ungelöst bleiben. Gleichzeitig soll die Emanzipation des Bürgertums verhindert und die Gefahr liberaler und demokratischer Strömungen abgewendet werden. Der Wiener Kongress leitet die Epoche des „Vormärz“ ein, den von Metternich verkörperten Polizei- und Zensurstaat, aber auch des „Biedermeier“ mit seiner kulturellen Hochblüte wienerischer Prägung.
Text auszugsweise aus
Stadtchronik Wien
Dr. Christian Brandstätter, Dr. Gnter Treffer
2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
mit freundlicher Genehmigung
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