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| Mozarts letzter Weg |
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Bild: Abgebrochene Säule, die Mozarts unvollendetes Leben symbolisieren soll, St. Marxer
Friedhof. (Schutzumschlag)
© Verlag Christian Brandstätter
Duncan J. D. Smith |
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I. Bezirk (Innere Stadt), Kreuzkapelle an der nordöstlichen Wand des Stephansdoms,
Stephansplatz. |
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Der größte aller mit Wien in Verbindung stehenden Komponisten war
zweifellos der in Salzburg geborene Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Das gilt
jedenfalls in Bezug auf sein äußerst fruchtbares Schaffen (etwa 626 Einzelwerke) in
allen musikalischen Sparten, darunter Opern, Symphonien und Konzerte. Nachdem er mit acht
Jahren bereits viele Länder Europas bereist hatte, schien der Begriff
Wunderkind wie auf ihn gemünzt. Zahllose Bücher sind über diesen
Komponisten geschrieben worden, und auch heute noch ist sein Bild allgegenwärtig, von
Süßigkeiten, etwa den Mozartkugeln, bis zu den Ticketverkäufern im Rokokokostüm.
Mozart, dessen Leben so ausführlich dokumentiert ist, ist der einzige bedeutende
Komponist (neben Vivaldi), dessen letzte Ruhestätte man nicht genau kennt. Er kam 1781
nach Wien, weil er hier bessere Arbeitsmöglichkeiten erhoffte, und entschied sich zum
Bleiben. Hier erlebte er seine produktivsten Jahre und wohnte in vierzehn verschiedenen
Wohnungen, von denen nur eine (Figarohaus in der Domgasse 5), noch existiert. 1782
heiratete Mozart im Stephansdom Constanze Weber. Er komponierte sehr viel, war aber auch
ein zwanghafter Spieler und verlor beim Billard, bei Kegeln und Kartenspiel große Summen.
Dass er Geld zu verspielen hatte, straft die Legende Lügen, er sei verarmt gewesen;
allerdings waren seine Einkünfte unregelmäßig und er musste 1787 die Wohnung in der
Domgasse aufgeben, da er sich die Miete nicht mehr leisten konnte. |
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Bild oben: Mozarts Wohnhaus in der Domgasse, Blick von der Blutgasse.

Bild links: Die Kreuzkapelle an der nordöstlichen Außenwand des Stephansdoms

© Verlag Christian Brandstätter
Duncan J. D. Smith |
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Seine letzte Wohnung befand sich im Kleinen Kaiserhaus in der
Rauhensteingasse 8 (wo er Die Zauberflöte schrieb); heute steht hier das
Kaufhaus Steffl, das im 4. Stock eine sehenswerte Mozart-Ausstellung zeigt. In diesem Haus
starb Mozart in den frühen Morgenstunden des 5. Dezember 1791, wahrscheinlich an
rheumatischem Fieber. Er hatte noch an seinem Requiem gearbeitet, das einige Monate zuvor
von einem unbekannten Boten in Auftrag gegeben worden war. Der mysteriöse Mäzen stellte
sich später als Graf Franz Walsegg-Stuppach heraus, der das Werk als sein eigenes
auszugeben plante.
Am 6. Dezember wurde Mozarts Leichnam in den Stephansdom überführt, wo der Sarg in der
winzigen Kreuzkapelle eingesegnet wurde; sie liegt an der nordöstlichen Seite des Doms
und bildet dort einen überdeckten Ausgang aus der Krypta. Da das Wetter schlecht war,
folgte dem Sarg nur ein kläglich kurzer Trauerzug vom Dom zum St. Marxer Friedhof, wo
Mozarts Überreste, mit Kalk bestreut, um Ansteckung zu verhindern, in Sackleinwand
gehüllt und in einem Massengrab versenkt wurden. Manche behaupten, Mozart hätte dieses
unrühmliche Ende durch eine kleine zusätzliche Summe abwenden können, und es bleibt ein
Geheimnis, warum Familie oder Freunde sie nicht aufbrachten. Dass seine Frau beim
Begräbnis nicht anwesend war, soll seinen Grund darin haben, dass sie zu mitgenommen war.
Man sollte allerdings nicht vergessen, dass zu jener Zeit die Beerdigung in einem
Massengrab für alle außer die sehr Reichen üblich war (Kaiser Josef II. hatte es so
angeordnet) und dass man deshalb einzelne Gräber selten pflegte.
Begräbnisfeierlichkeiten waren überdies auf die Kirche beschränkt und die Trauergäste
gingen nur selten auf den Friedhof mit, wo der Leichnam erst nach Sonnenuntergang
hingebracht werden durfte. So ist es vielleicht nichts Außergewöhnliches, dass Mozarts
letzte Ruhestätte unbekannt geblieben ist; heute ist sie nur ungefähr durch eine
abgebrochene Säule bezeichnet, die sein unvollendetes Leben symbolisieren soll (Grab
179). Sogar die arme Constanze suchte Jahrzehnte später vergeblich nach der Stelle;
offensichtlich wusste sie nicht, dass die Massengräber alle acht Jahre ausgeräumt
wurden, um für neue Beerdigungen Platz zu schaffen. Ein etwas pompöseres, 1859
errichtetes Monument wurde später auf den Zentralfriedhof in Simmering versetzt, wo es
neben den Gedenkstätten für Beethoven, Schubert und Strauß steht. |
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| auszugsweise aus |
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| Duncan J. D. Smith; Nur in Wien |
Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und
versteckten Sehenswürdigkeiten
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
Fotografien von Duncan J. D. Smith
Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert, die Straßen anderer Städte mit
Asphalt. Karl Kraus (1874-1936)
Wien ist sicherlich eine der großartigsten und zugleich homogensten Hauptstädte in
Europa. Und es ist eine der faszinierendsten. Die Überfülle an Reiseführern, die es zu
kaufen gibt, präsentiert dem nicht allzu anspruchsvollen Besucher eine märchenhafte (und
leicht zugängliche) Fülle an Museen, Kirchen, Palais und kulinarischen Lokalitäten, und
sie erzählen von der Geschichte der Stadt seit den Zeiten der Römer über jene des
Habsburgerreiches bis zur Gegenwart. |
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|
mit freundlicher Genehmigung |
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| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
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