Parade von Besatzungssoldaten am Heldenplatz in Wien, 1955
Binnen weniger Tage wurde nach dem Ende
der Kämpfe noch im April 1945 eine provisorische Gemeindeverwaltung
konstituiert, die politischen Parteien entstanden ebenfalls von neuem.
Die Lage der Stadt war freilich trist: Mehr als 20 Prozent des
Hausbestandes waren ganz oder teilweise zerstört, beinahe 87.000
Wohnungen unbewohnbar. Im Stadtgebiet wurden mehr als 3.000
Bombentrichter gezählt, zahlreiche Brücken lagen in Trümmern, Kanäle,
Gas- und Wasserleitungen hatten schwere Schäden erlitten.
Zunächst ging es somit um die Lösung elementarster Probleme,
die Stadt musste erst wieder funktonsfähig gemacht werden. Der äußere politische Rahmen
gestaltete sich gleichfalls als kompliziert, erkannten doch die alliierten
Besatzungsmächte die Gebietserweiterungen der Nazi-Zeit nicht an. Dies hatte zur Folge,
dass die bis 1938 bestehenden Bezirke auf vier alliierte Besatzungszonen aufgeteilt
wurden, die Innere Stadt wurde von allen vieren gemeinsam als "Interalliierte
Zone" verwaltet. Die Bezirke 22 - 26, damit die 97 niederösterreichischen
Gemeinden, um die Wien im Oktober 1938 erweitert worden war, galten als zu
Niederösterreich gehörig und unterstanden damit der sowjetischen Besatzungsmacht.
Im November 1945 erfolgte mit der
Abhaltung der ersten Gemeinderatswahlen die endgültige Rückkehr zu
demokratischen Verhältnissen. Die 100 Mandate des Wiener Gemeinderates
teilten sich zu 58 auf die Sozialistische Partei, zu 36 auf die
Volkspartei und zu 6 auf die Kommunisten auf. Schwerpunkte der Tätigkeit
der Stadtverwaltung waren zunächst vor allem Jugend- und Altersfürsorge,
Instandsetzung der städtischen Unternehmungen und Wiederaufbau, ein
Programm, das bis in die frühen Sechzigerjahre im Wesentlichen
vorherrschen sollte.
Bereits 1946 beschloss man das so
genannte "Gebietsänderungsgesetz", das die Stadterweiterung von 1938 weitgehend wieder
rückgängig machen sollte. Das Gesetz fand jedoch acht Jahre lang nicht die Zustimmung
der Besatzungsmächte, vor allem der sowjetischen, sodass seine endgültige Realisierung
erst 1954 möglich war. Seither umfasst das Stadtgebiet 23 Bezirke, wobei gegenüber der
Ära vor 1938 der 22. Bezirk nördlich der Donau und der 23. Bezirk im äußersten Süden
des Stadtgebietes nunmehr endgültig zu Wien kamen. Ein Jahr später, am 15. Mai 1955, sollte dann auch das Land mit dem
"Österreichischen Staatsvertrag" seine Freiheit wiedererlangen. In Wien selbst
kam es nicht zuletzt dank der Auswirkungen der Marshallplan-Hilfe wie auch des Endes der
Beschlagnahmungen von Industrieanlagen seitens der sowjetischen Besatzungsmacht zu einem
neuerlichen Wirtschaftsaufschwung. Es waren freilich Probleme bisher nicht bekannten
Zuschnitts, die nun zunehmend neue Anforderungen an die Stadtverwaltung stellten. Dabei
sei etwa auf das weiter steigende Verkehrsaufkommen im Stadtgebiet hingewiesen, das trotz
eines umfassenden Ausbaus der öffentlichen Verkehrsmittel von einer ungeheuren Zunahme
des Individualverkehrs begleitet war und ist. Noch in den fünfziger und Sechzigerjahren
kam es im Rahmen von Straßenbauten zu Maßnahmen, etwa der Demolierung historischer
Gebäude wie auch der radikalen Fällung von Alleebäumen, Maßnahmen, die nach und nach
mit einem wachsenden Umweltbewusstsein der Bevölkerung kollidierten.