Neujahr
PROSIT NEUJAHR - © Peter Atkins - Fotolia.com
Im westlichen Kulturraum war der 1. Januar als Termin für den Jahresanfang seit dem Mittelalter weit verbreitet. Unabhängig davon gab und gibt es in unterschiedlichen Regionen und Zeiten andere Daten und darüber hinaus wurden in denselben geographischen Gebieten mitunter verschiedene Neujahrstermine gleichzeitig verwendet.

Insgesamt sind die zeitlich und örtlichen Unterschiede so zahlreich, dass sie nur knapp zu umreißen sind. Ein Datum, an dem der 1. Januar in Europa allgemein als Jahresanfang anerkannt wurde, gibt es nicht. Im Jahre 153 v. Chr. verlegten die Römer nach ihrem Kalender den Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar, auf den Tag des Amtsantrittes der Konsuln. Sie benannten die Jahre ja auch nach den Amtszeiten dieser Konsuln. Damit verloren auch die Zählmonate (September, soviel wie siebter, Oktober, der achte, November, der neunte, Dezember, der zehnte) ihre entsprechenden Positionen. In der katholischen Liturgie wird der 1. Januar als Oktavtag von Weihnachten und als Hochfest der Gottesmutterschaft Marias begangen. Gleichzeitig wird im Evangelium an die Beschneidung und Namengebung Jesu am achten Tag (Luk. 2,21) erinnert - so auch in den evangelischen Kirchen. Heute gehören in vielen Ländern Feuerwerk und Böllerschießen zu Silvester ebenso zum Jahreswechsel, wie Glück- und Gesundheitswünsche im neuen Jahr. So wünscht man sich zum Beispiel oft „einen guten Rutsch“ ins neue Jahr. Dies hat jedoch nichts mit „rutschen“ zu tun. Wie viele Redewendungen im Deutschen hat dieser Ausdruck seine Wurzeln im Jiddischen und Hebräischen: „Rosch“ heißt auf Hebräisch „Kopf“ oder „Anfang“, zum Jahresanfang wünscht man sich Rosh Hashanah. Auf Jiddisch wünschten sich die Juden dann einen „guten Anfang“ („tov rosch“), also einen guten Jahresbeginn, aus dem dann später der „gute Rutsch“ wurde. Zu Beachten ist dabei jedoch, dass das jüdische Jahr im September/Oktober beginnt.
Neujahr in den großen Weltreligionen
Das Neujahrsfest wird in verschiedenen Kulturkreisen auf jeweils spezifische Art begangen, die von der örtlichen Tradition, der Religion und der gesellschaftlichen Stellung abhängt. Unter Neujahr, dem Beginn eines neuen Kalenderjahres, versteht der westliche Kulturkreis meist den 1. Januar im gregorianischen Kalender. Doch muss sich das Neujahrsfest keineswegs auf 1 Tag beschränken. Im Orient oder in den Ländern Süd- und Ostasiens erstreckt es sich oft über mehrere Tage, und auch bei uns wird es meist als Einheit mit dem Silvester- oder Altjahrestag empfunden, an dem es neben kirchlichen Jahresschlussfeiern besonders viele private Feiern und Partys gibt.

In vielen Ländern weicht das Datum des Neujahrsfestes von unserem ab, insbesondere wenn in die traditionelle, meist religiös geprägte Kalenderrechnung neben dem Sonnenlauf auch das sog. Mondjahr eingeht. In Arabien dauert es 354-355 Tage, also etwa 11 Tage zu kurz. Juden und Chinesen gleichen dies alle 3 Jahre mit einem 13. Monat aus (Schaltjahr zu 385 Tagen). Daher wird das Neujahrsfest zu sehr unterschiedlichen Terminen gefeiert:
Christliches (westliches) Neujahrsfest: seit dem Mittelalter am 1. Januar, und heute oft mit dem 31. Dezember kombiniert. Das liturgische Kirchenjahr beginnt jedoch am 1. Adventsonntag.
Orthodoxe: teilweise am Dreikönigsfest, wie es bis vor 800 Jahren auch in Deutschland üblich war.
Buddhismus: Tet Nguyên Ðán (Vietnam) und chinesisches Neujahrsfest zwischen Ende Januar und Mitte Februar (dies Jahr am 29. Januar 2006). Der Grund liegt im Mondjahr und fallweisen Schaltmonaten. Japan feiert hingegen am 1. Januar.
Hinduismus: Bikarami Samvat ist dieses Jahr am 30. März. Die Jain wählen das indische Diwali-Fest im November als ihr Neujahr.
Islam: ra's al'äm, Jahrestag der Hedschra (al Hidjra) am 1. Muharram, doch kein offizieller Feiertag. Jährlich um 10-12 Tage früher, Neujahr 1426 war am 10. Februar 2005, 1427 am 31. Januar 2006.
Judentum: Rosch ha-Schana ("Kopf des Jahres), Ende September oder erste Hälfte Oktober. Neujahr 5766 war am 4. Oktober 2005.
Aus alten Traditionen stammen u.a. folgende Neujahrstermine:
keltisches Neujahrsfest: teilweise Samhain (31. Oktober), Tag der Todesgöttin Hellia - siehe auch Halloween (All Hallows Eve)
Kurden und Perser: Frühlingsfest Newroz am 20. bzw. 21. März. Es feiert den Sieg eines antiken Helden über das Böse
Khmer und Tamilen begehen Neujahr zu Mitte April,
Koreas Chongmyo-Zeremonien fallen in diesem Jahr auf den 1. Mai.
Äthiopien und die Kopten feiern Neujahr am 11. September, den auch die Rastafari-Religion übernommen hat.
Obwohl schon in der Antike die unterschiedlichen und teilweise beweglichen Termine als störend empfunden wurden, hat dies die Hochschätzung der Neujahrsfeste nicht beeinträchtigt. Trotz der sogar verschiedenen Jahreslänge behielt jeder Übergang einer alten zu einer neuen Zeitperiode seine Symbolik, je nach zugrunde liegender Weltanschauung: für die Einbindung in den Kosmos und seine vermutete Ewigkeit, als Sinnbild der wiederkehrenden Sonne, für Fruchtbarkeit und gute Ernten, für Tod und die Folge der Generationen, für die Sehnsucht nach künftigem Glück, für Geborgenheit in Gott, für religiöse Neuschöpfung oder periodische Wiedergeburt, und allgemein für die Verlässlichkeit der Jahreszeiten und ihrer Besonderheiten.

In früheren Zeiten wurde in Europa der Jahreswechsel nicht Anfang Januar, sondern am Dreikönigstag oder am 1. April begangen, also kurz nach dem Frühlingsbeginn. Möglicherweise hat der Aprilscherz hierin seinen Ursprung. Wer bei der Kalenderreform nicht mitmachen und das alte Neujahrsfest feiern wollte, wurde mit ironischen Gaben und Spott an das neue Datum erinnert.
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