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| Wilfried Ohms |
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| Ich wurde am 18. 05. 1960 in Graz geboren, wo ich auch bis zum
Abschluß des Gymnasiums lebte. Ich studierte an der Universität Wien Orientalistik und
Philosophie. Danach war ich in verschiedenen Berufen der Wirtschaft, zuletzt bis 1997 als
Korrespondent für diverse ausländische Zeitungen tätig. Seit 1998 freier
Schriftsteller. |
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| Werkliste |
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| 1993: |
Der Brückenwärter; Roman; Edition Atelier, Wien |
| 1994: |
Cuvar Mostar; Quorum Verlag, Zagreb |
| 1995: |
Putovania na granice; Bibliothek Mr. Zagreb, Zagreb |
| 1999: |
Kaltenberg Ein Abstieg; Roman; C.H. Beck, München |
| 2000: |
Abschied vom Spiegelbild; Erzählung; C.H. Beck, München |
| 2000: |
Beitrag für die Anthologie Flatterzungen;
Deutsche Literatur seit 1945; dtv München |
| 2002: |
Beitrag für die Anthologie Kleine Fibel des
Alltags; Jung & Jung Verlag, Salzburg |
| 2002: |
Theaterstück Mononoke ins Koreanische übersetzt von
Professor Lee Saang Woo |
| 2006: |
Kaltenberg ein Abstieg; Roman; TB dtv München |
| 2007: |
Abschied vom Spiegelbild; Erzählung; TB dtv München |
| 2007: |
Täuschungsnovelle; Roman; Leykam Verlag Graz |
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| Rezensionen |
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| Abschied vom Spiegelbild |
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Eine Bernhardsche Parallelaktion
Wilfried Ohms beeindruckend rätselhafte Brudergeschichte
Nach zwei Romanen legt der 1960 in Graz geborene, heute in Wien lebende Wilfried Ohms mit
einer wunderbar monographisch gearbeiteten Erzählung sein drittes Buch vor, in einer
präzisen und klaren und, wie man sofort merken kann, könnerhaften Sprache. Ich muß dazu |
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vorausschicken, daß ich Bernhardianer bin. Und ich will erklären,
daß ich, als ich erstmals Wilfried Ohms las, mich mit Faszination in die Bernhardsche
Welt versetzt gefühlt habe: ich habe diesen Text genossen. Und ich gestehe freimütig
ein, daß ich damit ein wenig auch die für mich heikle Frage umschiffen möchte, ob es
sich bei diesem Text um epigonale Literatur handelt. Dabei fiel beim Lesen der ersten
Zeilen sie geben die Nachricht vom Selbstmord des Zwillingsbruders wieder
der Gedanke zunächst auf Gert Hofmanns frühe Novelle Die Denunziation (1979), eine nicht
nur ähnlich einsetzende, zumindest auf der einen Erzählebene auch thematisch nicht
unähnliche Prosa. Doch bereits Gert Hofmann, übrigens einer der brillantesten deutschen
Erzähler, hatte lange mit der Einschränkung zu leben gehabt, seine formal meisterhaften
Erzähltexte wären zu sehr an Thomas Bernhards monotoner Sprachkunst und einseitiger
Themenbesessenheit orientiert. Lange, eigentlich bis zum Kinoerzähler (1990), einem
seiner letzten Bücher, dauerte es, bis die Kritik Gert Hofmann als wirklich
eigenständigen Erzähler rezipierte. So sehr das teilweise zutreffen mag
Vergleiche sind immer ein wenig ungerecht , so wenig ist das erzählerische
Frühwerk Hofmanns dadurch tatsächlich einzuschränken. Warum das hier gesagt wird? Liest
man sich in Wilfried Ohms Erzählung ein paar Seiten hinein, ist man bald überzeugt, daß
dieser Text eigentlich auf Thomas Bernhard, besonders dessen Erzählung 'Amras
(1964) rekurriere, die wiederum einst Gert Hofmann Ausgangspunkt gewesen sein mag. Alle
drei Texte stellen einen langen Brief bzw. fragmenthafte Aufzeichnungen dar: ein Ich teilt
sich in bezug auf den toten Bruder mit und versucht damit in jene Distanz zu treten, die
zu Lebzeiten nicht möglich war.
Man könnte freilich noch weiter ausholen und ein romantisches Motiv überlegen, doch um
bloße Doppelgängerschaft handelt es sich hier nicht, wenngleich der Erzähler jenen
unwiderruflichen Zusammenhang bemerkt, der die Grundlage des gesamten Textes bildet:
»Indem ich von meinem Zwillingsbruder schreibe, schreibe ich von mir. Seine Geschichte
ist meine ist unsere. Erinnerung an ihn ist Erinnerung an mich. Spiegelbild und Spiegel.«
Und ein paar Seiten weiter der erst eigentlich romantische Befund: »Das eigene, vom
Bruder verschiedene Ich blieb unser Geheimnis.«
Eine tiefe Geschwisterbeziehung, hier die von eineiigen Zwillingsbrüdern, gilt es zu
analysieren, das Untrennbare und gleichzeitig unmögliche Miteinander vor dem Hintergrund
einer finalen Lösung zu ergründen und sich, noch peinigender, die Auswirkung
vorzustellen, die dieser Tod auf das eigene Leben haben würde. »Regungslos bleibe ich
liegen und versuche, mich in den verwesenden Körper meines Zwillingsbruders
hineinzuversetzen: Ich bin tot, mein Leib zerfällt in Fäulnis.« Wie das in einer
solchen Konstellation ist: einer bleibt zurück, und der ist dazu verurteilt, ständig die
verlorene Hälfte zu reflektieren. Oder sich zu distanzieren. Denkt und schreibt deswegen
der Zurückgebliebene mit einer solch schmerzlichen Intensität? Der hier erzählt, ist
der Übriggebliebene, der einerseits das Verlorene, Teil seines Selbst, verarbeiten muß,
andererseits in dem Verlust endgültig die Chance auf eigenständige Identität
wahrzunehmen hat. Dazu muß er zunächst eine untrennbare Vergangenheit, das fatale
Gemeinsame erinnern:
Eine österreichische Kindheit in den sechziger Jahren, gutbürgerliches Elternhaus,
repressive Erziehung, und der größte Makel: die Ununterscheidbarkeit, die Demütigung
durch Verwechslung: »Unsere Ununterscheidbarkeit rieb man uns unter die Nase, als sei sie
das schwerste aller denkbaren Verbrechen. An der Gleichartigkeit unseres Aussehens schien
sich halb Graz zu stoßen. Für die Leute war sie eine von uns ersonnene Perfidie. Nur
dazu gut, Verwirrung und Unfrieden zu stiften.« Das könnten, nicht nur auf den ersten
Blick die stilistische Affinität ist nur allzu offensichtlich , genauso gut
auch Sätze von Thomas Bernhard sein, schlagende Sätze, apodiktisch und übertrieben. Mit
ihnen will Ohms aber auf das Substrat seines Textes aufmerksam machen und das ist
nun ein Thema, das mit der Amras-Konstellation freilich nichts zu tun hat: daß die
Brüder unter der scheinbaren Gleichheit, einer Identitätsklammer leiden, die sie nicht
sprengen können. Noch als Erwachsene vermögen sie einander auf Kindheitsfotografien
nicht zu unterscheiden: »Ich muß die Mutter fragen: Wer ist er, wer bin ich? Auch sie
irrt sich bisweilen. Ein Leben, das als Verwechslungskomödie begonnen hat und deren
Darsteller sich nach wie vor selbst auf den Leim gehen.« Das Problem erweist sich als so
grundsätzlich, daß es dem Erzähler mit sechzehn schon Anlaß für einen
Selbstmordversuch war. Die restriktive Erziehung schweißt nur noch schmerzlicher
zusammen, was die Natur schon »verdoppelt« hat.
Natürlich geht es da auch um ein konservatives Erziehungsmuster in einem konservativen
Österreich, konkretisiert mit dem »steiermärkischen Hochsicherheitstrakt«, als der das
Elternhaus bezeichnet wird in anderem Sinne übrigens eine Paraphrase auf den
Amras-Turm. Daß der Schauplatz Graz der Herkunftsort von Wilfried Ohms, der Familienname
im Text gar der des Autors ist, will einen autobiographischen Hintergrund suggerieren. Nur
daß der eben nicht nachvollziehbar ist, oder nur nicht nachvollziehbar gemacht wird,
wenngleich gerade das dem Text eine eigenständige Bedeutung hätte geben können. Wie in
Amras aber geht es um Familiengeschichte, genauer, um Familie als Ursächliches bei
Bernhard die genetische Grundlage des Krankhaften, bei Ohms ist das Zerstörerische ein
gesellschaftlich-ideologisches Moment: die Bürgerlichkeit, die österreichische Provinz.
In letzterem trifft man sich, nur unter verschiedener Betonung, in einem geradezu barocken
Topos wieder, denn in dem fiktiven Namen Ohms, ausgestattet mit steirischem
Familienwappen, zeigt sich eine weitere Parallele: auch in Amras sind die Zwillingsbrüder
Nachkommen einer traditionsreichen, einst einer der vermögendsten Tiroler Familien.
Aber die Frage nach dem Warum ist nicht das Wesentliche. Der tote Bruder war ein
Exzentriker, ein Unsteter, der vieles probierte, in allem scheiterte, in Aggression
endete. Nicht unbedeutend, daß man nebenbei erfährt, daß er eigentlich verhinderter
Pianist war. Auch in Amras ist der kranke Bruder, der sich umbringt (er stürzt sich aus
dem Turm), Musikstudent gewesen. Wie gesagt, um die Ursache für den Selbstmord geht es im
Grunde nicht, da steht vielmehr eine andere Frage, die nach dem Zusammenhang, nach der
Konsequenz: »Immer häufiger denke ich an ihn, als sei er dazu bestimmt gewesen, mir das
eigene Leben, das eigene Scheitern, erbarmungslos vorzuführen.«
Nicht erst am Schluß fragt man sich also: Wie weit in der Tat ist das eine
deterministische Geschichte? Alles läuft bei dem einen fast unausweichlich auf dieses
Ende zu, beruflich und privat schreitet er von einer Katastrophe zur anderen. Und der
überlebende Zwillingsbruder, der »ununterscheidbare«, welche Auswirkung muß das auf
ihn haben? Von ihm wissen wir, er lebt in geordneten Verhältnissen, aber nach Glück
hört sich das genausowenig an. Wird er sich folgerichtig auch umbringen?
Die Frage wird nicht ausgesprochen und hängt doch ständig im Raum. Das Ende bleibt
offen, oder doch nicht: Da blickt er in den Spiegel, in dem er sich angeblich nicht sehen
kann, ohne daß sofort das alte Identitätsproblem bei ihm auftritt, und sagt ein zuerst
lautloses, dann hörbares »Ja«. Eine Bekräftigung seines Lebenswillens? Eine Absage an
das Spiegelbild? Man möchte annehmen, daß dies damit gemeint ist, und der Titel der
Erzählung, »Abschied vom Spiegelbild« bekräftigt einen darin: er hat sich vom nun
toten Zwillingsbruder befreit und kann, nach diesem »Abschied«, nun endlich sein
eigenes, überhaupt ein eigenes Leben führen. Nur, wie sehr ist das Spiegelbild wirklich
vom eigenen zu trennen?
Die Konstellation in Amras (und in diesem Zusammenhang wäre auch Bernhards Erzählung Am
Ortler zu nennen) ist eine andere: der eine Bruder stirbt, und der andere bleibt als Teil
von ihm zurück, man sieht ihn am Ende seine Reflexionen und Aufzeichnungen im Irrenhaus
fortsetzen, als lebensuntüchtiger Rest, der sich weder befreien noch behaupten konnte,
der bei der Beobachtung des anderen von Anfang an sich selbst studiert hat. Will Ohms sich
hier von der Bernhardschen Vorlage lösen, einen auch erzählerisch eigenständigen Weg
gehen? Das einzige nämlich, was man Ohms Text letztlich vorwerfen müßte, wäre ja
ebendas: daß er nicht eine Paraphrase auf Amras sei, sondern in der Nachfolge von Thomas
Bernhard stünde. Oder wäre das Ende, will es gerade das nicht sein, mit anderer,
parallel zum Erzähltext verlaufender Botschaft, zwischen Autor und Leser, zu deuten,
also: Ab jetzt, geneigter Leser, schreibt Ohms, und nur noch Ohms, der sich mit
eindeutigem »Ja« von seinem »Zwilling« Bernhard gelöst hat? Ich gebe zu, eine
eigenwillige Hypothese, die erst mit Vorlage des nächsten Buches zu untermauern wäre,
vorausgesetzt, dieses würde dann tatsächlich nichts mehr mit Bernhardscher Prosa zu tun
haben.
Aber kehren wir zum erzählerischen »Ja« am Ende des fiktiven Textes zurück. Was hat es
mit diesem dem vermeintlichen Ja zum Weiter- bzw. eigentlichen Leben des Erzählers
am Ende wirklich auf sich? Soll uns das nicht auch trügen? Erinnern wir uns an
eine andere Erzählung Bernhards, die gleichfalls, noch viel eindeutiger und noch
viel gegensätzlicher mit »Ja« endet. Dort ist dieses Ja nämlich die Antwort auf
die Frage, ob sich die Protagonistin umbringen werde. »Ja«, ist das definitiv letzte
Wort auch bei Ohms, und es ist nicht auszuschließen, ob es uns nicht doch in diese
Ungewißheit entlassen will. So wenig ist auch klar, was von diesem unbestritten
beeindruckenden Text wirklich zu halten ist.
Gerhard Zeillinger
Quelle: Literatur und Kritik |
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aus |
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| österreichisches bibliothekswerk |
| Die Literaturdatenbank des Österreichischen Bibliothekswerks |
| www.biblio.at |
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| Weitere Rezensionen zu Abschied vom Spiegelbild |
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| Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.10.2001 |
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| "Auf ernüchternde Weise geheimnislos" findet Pia Reinachers
diesen Roman, an dem sie vom ersten Satz an irritiert hat, dass hier ein Autor nicht
erzählt, sondern schlicht rekapituliert. Es geht den Informationen der Rezensentin
zufolge, um eine "dunkle Kindheit aus lauter Versagungen, Elend und
Machtmissbrauch", die ein Zwillingspaar erleidet. Einer von ihnen bringt sich am Ende
um. "Ein berechenbarer Ausgang, auf den der Text vom ersten Buchstaben an
zurast", wie die Rezensentin meint. Naturgemäß sind "elende Kindheiten"
Vorlagen für Weltliteratur, lesen wir auch, und sehen eine verzweifelte Rezensentin
lauter Vorschläge machen, was für ein Potenzial Wilfried Ohms Stoff dafür geboten
hätte. Doch in seinem Buch hat sie kaum eine Stelle gefunden, "wo den Figuren Leben
eingehaucht" ist, "wo Bilder prall und plastisch leuchten". Stattdessen
spule der Autor "klappernd" die "erzieherischen Fehlleistungen" ab und
addiere "dunkel orakelnd" die Fehlleistungen der Eltern. Und: "Je
drastischer die Beschreibungen, je schriller der Ton." |
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| Neue Zürcher Zeitung vom 08.02.2001 |
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| Die Geschichte ist ein Drama. Der Erzähler erfährt vom Selbstmord des
Zwillingsbruders und versucht, den Tod des alter ego mit der linearen Auflistung von
bitteren Erinnerungen an eine gemeinsame Kindheit und Jugend zu bewältigen, berichtet
Samuel Moser. Ohne Pathos und vor allem ohne die sonst oft benutzten Elemente der
Sitcom-Komödien über lustige Verwechslungen verleiht der Autor dem Zwillings-Motiv eine
neue Dimension, findet der Rezensent. Die Qualität der Erzählung liege vor allem darin,
dass sie emotionslos sei. Die monotone Erzählweise sei bedrückend und lähmend. Anstatt
des erleichternden Gefühls einer gelungenen Trauerarbeit stelle sich ein kaltes Brennen
ein. Konsequent beschreibe Ohm den Prozess der Selbstzerstörung bis zum Suizid. Dabei
habe sich jedoch eine Schwäche eingeschlichen, so Moser. Die Schilderung des Erzählers
und Überlebenden sei zu stark vom verlorenen Bruder besetzt, die Trennung zwischen
Erzähler und Figur nicht deutlich und differenziert genug gelungen. |
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| Kaltenberg |
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Wilfried Ohms, der nach mehreren Auslandsaufenthalten
heute in Wien lebt, in verschiedenen Zeitschriften publiziert hat und 1993 seinen ersten
Roman "Brückenwärter" herausgebracht hat, schildert in seinem jüngsten Buch
lakonisch und mit unerbittlicher Genauigkeit den unaufhaltsamen Abstieg des
Handlungsreisenden Kaltenberg. Er, der ohne Vornamen bleibt, seiner Umgebung nie wirklich
nahe gekommen und sich selbst fremd geworden ist, verliert, beruflich und privat
gestrandet im südöstlichen Teil |
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eines zentraleuropäischen Landes als Vertreter für ein fehlerhaftes
und daher nahezu unverkäufliches Produkt, zusehends die Kontrolle über sein Leben. Der
schmale Roman ist eigentlich ein Brief an seine Schwester Elisabeth in Wien, die er drei
Jahre lang nicht mehr gesehen hat und der er zu erklären sucht, was mit ihm geschehen ist
und warum er jeden Kontakt zu ihr und zu seiner Mutter abgebrochen hat. Ob sie dieser
Brief je erreicht, bleibt allerdings offen. Ohms findet eindringliche, alptraumhafte
Bilder für das Abrutschen in Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit, Alkoholismus und
Kriminalität. Kaltenberg, gedemütigt und voller Scham, wehrt sich gar nicht gegen seinen
Abstieg, er gibt nach und nach jegliche Verantwortung für sein Tun und Lassen auf. Der
Befreiungsschlag erfolgt nicht, die ersehnte Ordnung in seinem Leben stellt sich nicht
ein, er scheitert letztlich an sich selbst und seinem Unvermögen, sich dem Sog zu
widersetzen, der ihn immer tiefer hinunterzieht.
Ursula Stock |
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aus |
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| österreichisches bibliothekswerk |
| Die Literaturdatenbank des Österreichischen Bibliothekswerks |
| www.biblio.at |
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| Weitere Rezensionen zu Kaltenberg |
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Produktbeschreibung
Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
Für Agnes Hüfner ist "Kaltenberg" die Geschichte eines Mannes, der nicht
erwachsen werden will, der die in der Kindheit erlittenen Demütigungen des Vaters zu
seinen eigenen Normen gemacht hat und seine Opferrolle akzeptiert hat. Bis zu einem
gewissen Punkt. Dass Kaltenberg dann letztlich doch noch die Wende in seinem Leben
schafft, findet die Rezensentin zwar überraschend, aber doch überzeugend. Sie meint
allerdings auch, dass Ohms bisweilen zu viele Hinweise gibt auf die Gründe für
Kaltenbergs Abstieg. In ihren Augen sind diese Hinweise und Wiederholungen überflüssig
und bremsen den Lesefluss. Positiv hebt sie hervor, dass der Autor genügend Distanz zu
seinem Protagonisten zeigt und daher ein Abgleiten der Geschichte ins Rührselige
vermeidet.
© Perlentaucher Medien GmbH
Kurzbeschreibung
"Ich holte das Marmeladenglas aus dem Versteck, und während ich den ersten Schluck
trank, meinte ich plötzlich, den Mann im Ohr zu sehen. Er stand im Lichtkegel der
Glühbirne, die von der Decke hing, und winkte mir zu. Gleich darauf verschmolz er mit dem
naß blitzenden Boden, verflüchtigte sich und löste sich auf." "Am nächsten
Tag wurde ich bei meiner Heimkehr verhaftet, ohne daß ich jemals den Grund dafür
erfuhr." Kaltenberg ist Handlungsreisender, unterwegs in einem Land in Mitteleuropa.
Sein Leben bewegt sich zwischen den Vorzimmern seiner Kunden und den Zügen und Bussen,
die er täglich benutzt, zwischen seiner Pension und der schäbigen Bar "Club
Montmartre". Hierhin flüchtet er sich fast jeden Abend, um auszubrechen aus der
Routine seines Daseins und um der Leere seines Lebens zu entkommen, und zunächst sieht es
auch so aus, als finde er hier ein Stück Zuhause mit Freunden. Lakonisch und auf jedes
überflüssige Detail verzichtend, beschreibt Wilfried Ohms den unaufhaltsamen Abstieg
Kaltenbergs. Mit der Genauigkeit eines Chirurgen seziert er das Leben eines Mannes, der
Stück für Stück jegliche Verantwortung für sein Handeln aufgibt. |
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| Kundenrezensionen Amazon |
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| Die präzise Erzählweise des Autors erzeugt eine enorme Spannung die
einen an dieses Buch regelrecht fesselt. Der Ich-Erzähler Kaltenberg schildert die
Geschichte seines Abstiegs in Form eines Briefes an seine Schwester, hierdurch wird der
Intimität dieses Erzählstils wieder eine Distanz hinzugefügt. Jeder Satz, jedes Wort
haben eine Bedeutung. Ein großartiges Werk. |
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| Wilfried Ohms |
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