Szenen vom Terroranschlag auf den Sitz der OPEC in Wien, 22.12.1975
Am 21. Dezember 1975 stürmt ein sechsköpfiges Terror-Kommando
kurz vor zwölf Uhr die Konferenz der erdölexportierenden Länder (OPEC)
in Wien. In einem Schusswechsel werden ein österreichischer
Kriminalbeamter, ein irakischer Sicherheits- mann und
der libysche Delegierte Jusuf al-Azmarly getötet. Ein später
als Hans-Joachim Klein identifizierter Terrorist wird angeschossen.
Die Terroristen unter Führung des Venezolaners Ilich
Ramirez Sanchez alias "Carlos" (Bild links) nehmen etwa 70
Geiseln, darunter elf Ölminister der OPEC-Länder, und
erzwingen die Verlesung einer anti-israelischen Erklärung
im Rundfunk. Der hat mich in den A . . . geschossen, aber ich hab's ihm gegeben! Gut
erinnert sich Hofrat Ernst Wallaschek, einst Stapo-Beamter und seit sechs Jahren in
Pension, an diese Worte seines ihm entgegenwankenden Freundes Kurt Leopolder. Der war bei
der Alarmabteilung der Wiener Polizei und am 21. Dezember 1975 als einer der Ersten mit
den OPEC-Terroristen konfrontiert. Leopolder wurde vom deutschen Terroristen Hans-Joachim
Klein verletzt. Der Polizist feuerte zurück und traf Klein im Bauch. Drei Tage vor dem
Überfall bekamen die Täter Waffen von der libyschen Botschaft. Das hinderte Carlos
nicht, beim Sturm auf den Konferenzsaal den Chef-Statistiker der libyschen Regierung, Jusu
Ismirli, zu erschießen.
Verletzt wird der Terrorist
Hans-Joachim Klein aus der
Opec-Zentrale geführt
Ein angeschossener
Polizist wird aus dem
Gebäude getragen
Am darauffolgenden Tag lassen die Terroristen die in Österreich
wohnhaften Geiseln frei und besteigen mit den 33 verbliebenen Geiseln eine am Abend
bereitgestellte DC-9. Der angeschossene Klein wird bei der ersten Zwischenlandung in
Algier in ein Krankenhaus gebracht. In Algerien werden einige Geiseln freigelassen, am
nächsten Zielort Tripolis in Libyen kommen auch die Ölminister Algeriens und Libyens
frei. Erneut landet die DC-9 am 23. Dezember 1975 in Algier. Hier werden die beiden
letzten Geiseln, der saudische und der iranische Ölminister, gegen die Zusicherung des
freien Geleits freigelassen. Die Terroristen werden in einer Villa untergebracht. Die
arabischen Behörden ignorieren die Auslieferungsersuchen Österreichs.
Oben: Schwer verletzt nehmen Kleins Komplizen ihn mit nach Algier
Links: Nach der wilden Schießerei bietet die Opec-Zentrale ein Bild der Verwüstung
Die Terroristen dürfen am 31. Dezember 1975 ungehindert
nach Libyen ausreisen. Noch im Januar wird in einem österreichischen
Polizeibericht dem einzigen weiblichen Mitglied des Kommandos der
Mord an dem Polizisten und dem iranischen Sicherheitsmann zugeordnet.
Die Frau wurde später als die Deutsche Gabriele Kröcher-Tiedemann
identifiziert, die in einem Prozess 1990 in Köln aus Mangel an Beweisen
freigesprochen wurde. Sie ist im Oktober 1995 an einem Krebsleiden
gestorben. Auch Klein hat nach ihrem Tod ihren Namen als Beteiligte
genannt. Der libysche Delegierte ist nach Zeugenaussagen von "Carlos"
erschossen worden.
Gegen "Carlos" besteht nach wie vor ein österreichischer Haftbefehl aus dem
Jahr 1976. Ilich Ramirez Sanchez alias "Carlos" verbüßt in Frankreich
eine lebenslange Haft wegen des Mordes an zwei Polizisten und eines libanesischen
Informanten im Juni 1975 in Paris.