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| Parlamentsgebäude |
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| Ursprünglich war beabsichtigt, für das Herrenhaus
und das Abgeordnetenhaus des durch das Februar-Patent 1861
geschaffenen Reichsrates zwei getrennte Gebäude zu errichten. Nach
dem Ausgleich mit Ungarn wurde dieser Plan jedoch fallen gelassen
und im Jahre 1869 vom Ministerium des Inneren der Architekt Theophil
von Hansen mit der Ausarbeitung des monumentalen Projektes für ein
großes Parlamentsgebäude betraut. Der erste Spatenstich erfolgte im
Juni 1874; der Grundstein trägt das Datum „2. September 1874“. Zur
gleichen Zeit wurde an der Errichtung der Hofmuseen, des Rathauses
und der Universität gearbeitet. Theophil Hansen entnahm - wie
bereits erwähnt - wohl überlegt und in sehr sinnvoller Weise den
Stil des Wiener Parlamentsgebäudes der griechischen Antike; stammen
doch auch wichtige staatsrechtliche Begriffe - beispielsweise
„Politik“, „Demokratie“ und andere - aus dem griechischen Altertum.
Symbolhafte Bedeutung hatte auch, dass für den Bau des
Parlamentsgebäudes Materialien aus fast allen Kronländern der
Monarchie herangezogen wurden. So sollte das Bauwerk das
Zusammenströmen aller Kräfte „der im Reichsrate vertretenen
Königreiche und Länder“ im Wiener Parlamentsgebäude
versinnbildlichen. Mit dem Untergang der Österreichisch-ungarischen
Monarchie endete die Epoche des Vielvölkerparlaments in Wien. |
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| Seit
November 1918 ist das Gebäude Sitz der parlamentarischen
Körperschaften der Republik Österreich, wobei zunächst die
Nationalversammlung und später der Nationalrat in dem bis zur
Zerstörung im Jahre 1945 unverändert gebliebenen Sitzungssaal des
ehemaligen Herrenhauses tagten. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges
wurde das Parlamentsgebäude stark in Mitleidenschaft gezogen; etwa
die Hälfte der Bausubstanz wurde vernichtet. Am 7. Februar 1945
erlitt die Säulenhalle durch Bombentreffer schwere Schäden. Zwei
Säulen wurden total zerstört, die Randdeckenkonstruktion mit der
reich vergoldeten Kassettendecke und ein prachtvolles Friesgemälde,
das 121 Meter lang sowie über 2 Meter hoch war und die wichtigsten
idealen und volkswirtschaftlichen Aufgaben des Parlaments
allegorisch darstellte, wurden schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau
erfolgte die Rekonstruktion nicht mehr in der ursprünglichen von
Hansen herrührenden Ausstattung: an Stelle von Pavonazzo-Marmor
wurde für den Wandplattenbelag Salzburger Marmor verwendet. Das
Friesgemälde konnte zunächst nicht wiederhergestellt werden; erst in
den 90er Jahren sollte es möglich werden, einzelne erhalten
gebliebene Teile zu restaurieren. Neben Zerstörungen im Kanzleitrakt
an der Ringstraße sowie in der Säulenhalle war vor allem der
Herrenhaustrakt stark von Kriegseinwirkungen betroffen. Der
Sitzungssaal des Herrenhauses war total ausgebrannt, wobei
insbesondere der figurale Schmuck sowie die zerstörten
Marmorplastiken des Lykurg, Solon, Themistokles, Aristides,
Sophokles, Sokrates, Perikles und Demosthenes kaum wiederherstellbar
erschienen. Angesichts dieser Tatsache entschloss man sich, nicht
den alten Herrenhaussaal zu rekonstruieren, sondern einen neuen Saal
in einer sachlichen, jedoch vornehmen und zweckmäßigen Ausstattung
für den Nationalrat der Republik Österreich zu errichten. Beim
Wiederaufbau des Gebäudes in den Jahren 1945 bis 1956 war man auch
bemüht, die schon von Hansen angestrebte technische Eigenständigkeit
weiter auszugestalten und zu vervollkommnen. So verfügt das
Parlamentsgebäude heute über ein Notstromaggregat, das jederzeit
eine ausreichende Stromversorgung des Hauses auch bei Ausfall des
Stadtnetzes gewährleistet, und über eine Vielzahl sonstiger
technischer Einrichtungen, die eine weitgehende Versorgungsautonomie
sicherstellen. Dass es sich hierbei um eine zwingende Notwendigkeit
handelt, ergibt sich nicht nur aus prinzipiellen Erwägungen im Sinne
der Gewaltentrennung, sondern auch aus der Möglichkeit eines
außergewöhnlichen Notstandes. Nationalrat und Bundesrat als gewählte
Vertretungskörper des österreichischen Volkes müssen jederzeit -
insbesondere im Katastrophenfalle - die materiellen Voraussetzungen
für ihre Tätigkeit gewährleistet wissen. Diesem Zweck dienen die
angeführten und viele andere, teils sehr komplizierte Einrichtungen
sowie die mit ihrer Wartung betrauten Bediensteten. Zum
Personalstand der Parlamentsdirektion gehören deshalb nicht nur
Akademiker, Stenographen, Verwaltungsbeamte, Sekretärinnen und
Beamte des Saaldienstes wie in jedem Parlament, sondern auch die mit
der Wartung der Infrastruktur des Parlamentsgebäudes betrauten
Techniker und Facharbeiter. |
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| Analog zu anderen Parlamenten wurde seit Jahren,
ja Jahrzehnten versucht, das eine oder andere Objekt in der Nähe des
Parlamentsgebäudes zu erwerben bzw. anzumieten. Endlich konnte 1981
mit einem grundlegenden Um- bzw. Ausbau des Hauses Reichsratsstraße
9 unter der Planung des Architekten Prof. Dr. Sepp Stein begonnen
werden; hierbei wurde die Auflage erteilt, das Parlamentsgebäude
durch einen Tunnel mit dem Haus in der Reichsratsstraße zu
verbinden. Mit diesem Tunnel sollte nicht nur eine Verbindung für
die Fußgänger, sondern auch eine technische Integration der beiden
Häuser hergestellt werden. Im Untergeschoss des Gebäudes, das Anfang
1985 bezogen werden konnte, mündet der Unterstraßentunnel ein;
weiters dient es der Unterbringung technischer Räume sowie der
Lager-, Vorbereitungs- und Personalräume für eine Restauration; eine
Hauptküche und ein Restaurant für etwa 130 Personen sind im
Erdgeschoss untergebracht. Im ersten Stock befinden sich
Restaurationsräume für ca. 110 Personen; Arbeitsräume für
Abgeordnete sind im zweiten, Büroräume im dritten bis sechsten Stock
untergebracht. Zehn Jahre nach dem Haus Reichsratsstraße 9 konnte
ein weiteres Gebäude, das Haus Reichsratsstraße 1, erworben und,
neuerlich unter federführender Planung des Architekten Prof. Dr.
Sepp Stein, für Zwecke des Parlaments adaptiert werden. Auch dieses
Haus wurde durch einen im Kellergeschoss mündenden
Unterstraßentunnel mit dem Parlamentsgebäude verbunden. Das
Kellergeschoss beherbergt Magazine, das Erdgeschoss neben einem
„Info-Shop“, wo Informationsmaterial über das österreichische
Parlament bezogen werden kann, das Parlamentspostamt und die
Druckerei. In den sechs Obergeschossen befinden sich Büro- und
sonstige Arbeitsräumlichkeiten für verschiedene Abteilungen der
Parlamentsdirektion. Die von diesen Abteilungen zuvor benützten
Räume im Parlamentsgebäude wurden, nachdem das Haus Reichsratsstraße
1 im Jahre 1994 bezogen worden war, größtenteils den
parlamentarischen Klubs zur Verfügung gestellt. Bereits im Jahre
1992 waren durch die Anmietung von Räumen in einem Gebäude in der
Schenkenstraße Büroräumlichkeiten für die parlamentarischen
Mitarbeiter der Abgeordneten geschaffen worden. |
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| Pallas Athene |
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| Die 5,5 m hohe Monumentalstatue der Pallas Athene vor dem
Wiener Parlamentsgebäude verleiht nicht nur der Außenerscheinung
dieses Gebäudes einen markanten plastischen Akzent, sondern ist
geradezu zu einer Symbolfigur für den österreichischen
Parlamentarismus geworden. Der dänische Architekt Theophil
Hansen, nach dessen Entwurf in den Jahren 1874 bis 1884 das
Parlamentsgebäude errichtet worden ist, hat dieses als
"Gesamtkunstwerk" konzipiert; so schloss seine Planung auch den figuralen Schmuck des Gebäudes
ein. Der vor der Parlamentsrampe zu errichtende Monumentalbrunnen
sollte Hansens ursprünglicher Planung nach von einer allegorischen
Darstellung der Austria, also einer Versinnbildlichung Österreichs,
bekrönt sein. Im endgültigen, 1878 von Hansen vorgelegten
Figurenprogramm trat an ihre Stelle Pallas Athene, die griechische
Göttin der Weisheit. Verwirklicht wurde die Monumentalstatue erst
nach Hansens Tod, aber seinem Entwurf entsprechend, vom Bildhauer
Carl Kundmann im Jahre 1902. |
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| Sitzungssaal des
ehemaligen Abgeordnetenhauses |
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| Der Sitzungssaal des ehemaligen Abgeordnetenhauses ist
weitgehend originalgetreu erhalten und dient heute den Sitzungen
der Bundesversammlung sowie gemeinsamen Fest- und
Gedenksitzungen des Nationalrates und des Bundesrates.
Architektonisch ist der Saal einem griechischen Theater
nachgebildet. Vor der Stirnwand befindet sich das Präsidium mit dem Rednerpult
und der Regierungsbank, im Halbkreis sind die Sitzplätze der
Abgeordneten angeordnet. Die aus Carrara-Marmor gehauenen
Marmorstatuen an der Stirnwand - zwischen den aus Untersberger
Marmor gefertigten Säulen und Pilastern - stellen römische
Staatsmänner, das von Friedrich Eisenmenger ausgeführte Friesgemälde
stellt die Entstehung des staatlichen Lebens dar; die Giebelgruppe
darüber soll den Tagesablauf versinnbildlichen. |
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| Säulenhalle |
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| Die große, in ihren Proportionen dem Parthenon der Akropolis
von Athen nachempfundene Säulenhalle bildet den zentralen Raum
des Parlamentsgebäudes und sollte nach der ursprünglichen
Absicht als Stätte der Begegnung zwischen den Mitgliedern des
Abgeordnetenhauses und des Herrenhauses dienen. Heute fungiert
sie als Veranstaltungsort, so etwa für den alljährlichen Empfang
des Präsidenten des Nationalrates und des Präsidenten des
Bundesrates für das Diplomatische Corps. Bei der Wahl der
Baumaterialien für das Parlamentsgebäude war Theophil Hansen bestrebt, Marmore und
Steine aus den Kronländern der Monarchie zu verwenden, um dadurch
deren Verbundenheit mit ihrem Parlament zum Ausdruck zu bringen. So
bestehen etwa die 24 monolithischen, d.h. aus einem Stück
gefertigten, jeweils mehr als 16 Tonnen schweren Säulen der großen
Säulenhalle aus Adneter Marmor, die Bodenplatten aus istrischem
Karstmarmor. Als in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs das
Parlamentsgebäude durch Bombentreffer schwer in Mitleidenschaft
gezogen wurde, erlitt auch die Säulenhalle schwere Schäden; die
beiden Säulen in der Nordwestecke der Halle wurden zerstört, die
Randdeckenkonstruktion mit der reich vergoldeten Kassettendecke und
das sich unterhalb der Decke hinziehende Friesgemälde von Eduard
Lebiedzki schwer beschädigt. Die beiden zerstörten Säulen wurden
1950 durch zwei neue, aus dem gleichen Steinbruch wie die Originale
gebrochene, jedoch nicht mehr die gleiche Musterung aufweisende
Säulen ersetzt. Die restaurierbaren Teile des Lebiedzki-Frieses
konnten erst in den 90er Jahren wiederhergestellt werden. |
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