Mit der Villa Skywa erreichte die Wiener
Architektur und Wohnkultur, kurz vor dem ersten Weltkrieg, ihren
absoluten Höhepunkt. Höhepunkt, was den Grad der Ästhetisierung des
Lebens und den Einsatz gestalterischer, handwerklicher und materialer
Mittel betrifft.
Die Jahre der ästhetischen Revolution, des Auslotens eines “Purismus aus
Überfluß" um die Jahrhundertwende waren endgültig vorbei, es hatte sich
in der Wiener Architektur eine Spaltung vollzogen, eine Kluft aufgetan,
die unüberwindlich war.
Wenn man bedenkt, dass in nächster Nachbarschaft drei Jahre früher die
Villa Steiner und ein Jahr vorher das Haus Scheu erbaut wurden, so ist
es auch verständlich, dass zwischen Loos und Hoffmann, zwischen den
Repräsentanten eines zeitkritischen und eines genießenden Bürgertums,
keine ernsthafte Auseinandersetzung mehr möglich war.
Trotz dieser polaren Stellung zu Loos hatte aber Hoffmann deren
gemeinsame Basis nicht verlassen: auch die Villa Skywa ist noch eine
Auseinandersetzung mit dem “Englischen Landhaus" (der Grundriß eine
Variante der für Wien neuen Typologie) und deren Architektur eine
Biedermeier-Rezeption, freilich gegen den Strich von Zurückgezogenheit
und Bescheidenheit gebürstet.Ja sogar das Hineinführen in das Haus hat
Verwandtschaft mit dem Loosschen “Erschließungsritual", zeigt also eine
Weiterführung und gleichzeitig Befreiung von antiken (römischen)
Traditionen.
Was Loos minimalisierte und komprimierte, breitete Hoffmann in Fülle
aus. Man ist heute geneigt, die Hoffmannsche Architektur zwischen 1908
und 1914 durch ihren Hang zu Opulenz und Monumentalität und zu einer
fast barocken Sinnlichkeit gegenüber Loos als “traditionalistisch"
abzuqualifizieren. Dies ist bestimmt falsch.
Hoffmann leistete sich wieder einmal die Wiener Dialektik eines
“Vorgriffs in die Geschichte", zeigte seine Distanz zu ihr durch die
Verwendung scheinbarer historischer Elemente und deren Transformation:
so ist jedes Detail, jede Beziehung der Formen, gar nicht zu reden von
der räumlichen Konzeption, neu, in der Architekturgeschichte ohne
Beispiel.
Das war auch der Grund der Faszination dieser Bauten und für die
Wirkung, die etwa vom gleichzeitig konzipierten Österreich-Haus auf der
Kölner Werkbundausstellung ausging.
Man könnte abschließend sagen, daß es sich eben Hoffmann auf Grund
seiner unerschöpflichen formalen Erfindungsgabe leisten konnte, eine
solche Gratwanderung zu gehen, sich so intim mit der Tradition der
bürgerlichen Kultur einzulassen, ohne sich in ihr zu verstricken oder
zum Eklektiker zu werden. Das Haus ist seit langem ein Schulungsheim des
Österreichischen Gewerkschaftsbundes und hat sich auch, durch die
veränderte Nutzung, kleine Änderungen gefallen lassen müssen. (Text:
Friedrich Achleitner)
1999 ging die Villa Skywa in den Besitz der Bawag Leasing GmbH über.
Planung: Josef Hoffmann
Adresse:
Gloriettegasse 18, A-1130 Wien |