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| Revolution 1848 |
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Erster Angriff der Kavallerie vor dem bürgerlichen Zeughaus |
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| Angesichts der Forderung nach einer demokrat. Verfassung war die
Erschütterung durch die franz. Februarrevolution 1848 in Ö. bes. stark. Schon am 1. und
2. Jänner war es in den ital. Provinzen zu blutigen Ausschreitungen gekommen
("Zigarrenrummel"), und Ö. verhängte in der Lombardei den Kriegszustand. Am
3. 3. hielt L. Kossuth, Führer der ungar. Opposition, im ungar. Reichstag in
Preßburg die "Taufrede der ö. Revolution", in der er für Ungarn eine moderne
Verfassung forderte. Am 13. 3. brach in Wien die Märzrevolution aus, die den Sturz
Metternichs erzwang. In OÖ., Stmk., Ti. und Mähren entwickelten die Landtage eine
lebhafte Tätigkeit; neue Gem.-Ordnungen und die Ablösung der Grundlasten waren die
wichtigsten Punkte; darüber hinaus blieb die R. im dt.-sprach. Ö. v. a. auf Wien
beschränkt. Einzig in der Stmk. meldeten sich radikale Elemente zu Wort, und im Oktober
erhielt Wien aus diesen Kreisen etwas Verstärkung. |
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Die Leiche des gelynchten Kriegsministers General
Theodor Graf Baillet
von Latour wird an eine Laterne geknüpft |
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| Am 17. und 18. 3. begannen, unterstützt von Sardinien, Aufstände in
Venedig und Mailand, das von J. W. Radetzky geräumt wurde. In Wien traten an die
Stelle der Staatskonferenz ein Provisorisches Staatsministerium unter Vorsitz von
F. A. Kolowrat-Liebsteinsky und an die Stelle der Hofämter Ministerien. Am
25. 4. wurde die Pillersdorfsche Verfassung erlassen, die aber auf heftige Kritik
stieß. Am 23. 3. hatte Ungarn ein liberales Ministerium, am 11. 4. eine eig.
Verfassung erhalten. Die auf einem bes. "Böhmischen Staatsrecht" beruhenden
Forderungen tschech. und adeliger Kreise wurden jedoch nur teilw. bewilligt. Am
26. 4. wurde in Krakau ein poln. Aufstand unterdrückt. Nach dem Sieg Radetzkys bei
Santa Lucia (6. 5.) im Sardinischen Krieg wurde auch in Italien die ö. Hoheit
wiederhergestellt. In diesen Tagen erhoben sich Slowaken, Rumänen und Banater Serben
gegen die zentralist. Tendenzen der ungar. Regierung. Das dt.-sprach. Bürgertum sah seine
Stellung durch die Freiheitsbestrebungen der anderen Nationen gefährdet, begrüßte daher
die Siege der ksl. Armee und suchte Rückhalt in Deutschland, das ebenfalls eine bürgerl.
Revolution erlebte ( Frankfurter Nationalversammlung). So kämpften die dt.-sprach.
Österreicher in der R. unter großdt. Losungen und schwarzrotgoldenen Fahnen, dem Symbol
sowohl der dt. Einheit als auch von Freiheit und Fortschritt. |
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Der Oberkommandant der Nationalgarde, der ehemalige
Kaiserliche Leutnant Wenzel Messenhauser, wird hingerichtet |
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| Das nächste Stadium der R. begann mit neuerl. Unruhen
am 15. 5. in Wien. In der "Sturmpetition" von Nationalgarden,
Studenten und Arbeitern in der Wr. Hofburg wurden die Zurücknahme
der "oktroyierten Verfassung" vom 25. 4. und die Einberufung eines
konstituierenden Reichstags mit allg., direkt und frei gewählten
Abgeordneten gefordert. Nach Straßenkämpfen wurden in der Nacht vom 15.
auf den 16. 5. diese Forderungen bewilligt. Ks. Ferdinand I. und die
ksl. Familie flohen am 17. 5. nach Innsbruck. Tumulte der Studenten
führten am 24. 5. zur Schließung der Univ. und am 26. 5. wieder zu
Barrikadenkämpfen in Wien, ausgelöst durch den Plan einer Auflösung der
Akademischen Legion. Die Regierung musste neben der Legion auch die
Bildung eines Sicherheitsausschusses, bestehend aus Bürgern,
Nationalgardisten und Studenten, gestatten, der nach Abzug des Militärs
für einige Zeit eines der Machtzentren in Wien wurde. |
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Der Sturm auf das Zeughaus am 7.
Oktober 1848.
Lithographie, F. Werner |
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| Den unter dem Studenten A. Willner gebildeten "Arbeiterkomitees"
gelang es, soz. Forderungen durchzusetzen (10-Stunden-Arbeitstag,
Lohnerhöhungen, Gründung des "Ersten ö. Arbeitervereins"
usw.). Auch in Prag spitzte sich die Lage zu: Einerseits versuchten
konservative Bürokraten, die Wirren in Wien zur Stärkung der Position
Böhmens innerhalb der Monarchie zu nutzen, andererseits griffen im
Prager "Pfingstaufstand" tschech. und dt.-sprach. Revolutionäre
zu den Waffen; ihr Aufstand wurde von der Armee unter A. Windisch-Graetz
blutig unterdrückt. In der Rückschau stellt sich diese Aktion des
Fürsten als Beginn des Wiedererstarkens der restaurativen Kräfte in
Ö. dar. |
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Barrikade auf dem Michaelerplatz
Am 26. 6. kam Erzhzg. Johann als Vertreter des Kaisers nach Wien, konnte diese
Position wegen seiner Berufung als "Reichsverweser" nach Frankfurt aber nicht in
der gewünschten Weise ausfüllen. |
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| Er betraute A. Doblhoff-Dier am 8. 7. mit der Bildung
eines vorwiegend demokratisch gesinnten Ministeriums und eröffnete
am 23. 7. den konstituierenden Reichstag. Dort beantragte H.
Kudlich am 26. 7. die schon vorher im Prinzip zugestandene Aufhebung
der bäuerl. Untertanenlasten, die am 7. 9. beschlossen und vom
Kaiser sanktioniert wurde. Durch diesen großen soz. Erfolg wurde die
Bauernschaft, die an der R. fast gar nicht beteiligt war, für die
Krone gewonnen. Auch in Italien bekam nach dem Sieg Radetzkys über
die sardinischen Truppen bei Custozza (25. 7.) die ö. Staatsmacht
die Oberhand und gewann die Lombardei zurück. Am 12. 8. kehrte
der Hof nach Wien zurück. Vom 21. bis 24. 8. stand Wien erneut
im Zeichen eines Aufstands, weil die Löhne für weibl. und jugendl.
Erdarbeiter herabgesetzt worden waren. Die Stadtgarde konnte die Ruhe
ohne militär. Hilfe wiederherstellen, doch gab es 22 Tote und mehr
als 300 Verwundete. |
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Die Erstürmung der Barrikaden in der
Jägerzeile am 28. Oktober 1848.
Zeitgenössische Lithographie |
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| Der Sicherheitsausschuss löste sich nach der "Praterschlacht"
selbst auf. Arbeiterunruhen ereigneten sich auch in anderen industriellen
Zentren; selbst in Ungarn begehrten die Landarbeiter auf. Mittlerweile
führte der Reichstag seine Beratungen zur Ausarbeitung einer Verfassung
fort, entfernte sich jedoch dabei immer mehr von den Grundlagen des
langsam wieder aufstrebenden monarchischen Prinzips. Die sich krisenhaft
zuspitzende Lage in Ungarn wirkte auf Ö. zurück, am 6. 10. kam
es in Wien wieder zu Kämpfen, und mit der Oktoberrevolution in Wien
fand die R. in Ö. ihren Höhepunkt. Deren Niederschlagung brach jedoch
den revolutionären Impetus, auch wenn sich das aus der R. entstandene
konstitutionelle Element noch einige Zeit hielt. Der Reichstag versammelte
sich in Kremsier, wo er im Winter 1848/49 die Verfassungsberatungen
weiterführte und nahezu abschloss (Kremsierer Reichstag). Am 7. 3.
1849 wurde der Reichstag aufgelöst und von Ks. Franz Joseph I., der nach
dem Rücktritt seines Onkels Ferdinand I. am 2. 12. den Thron bestiegen
hatte, eine neue, zentralistische, auf dem Boden des monarchischen
Prinzips stehende Verfassung oktroyiert. |
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Die Bombardierung der Stadt am 28.
Oktober 1848.
Kolorierte Lithographie, M. R. Toma |
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| Der Auflösung
des Reichstags folgten keinerlei revolutionäre Aktionen. Zu einer
solchen kam es lediglich im Mai 1849 in Prag, sie blieb jedoch isoliert
und wurde rasch niedergeschlagen. Mit der Kapitulation in Ungarn und
Venedig im August und September 1849 endete die R. in Ö. endgültig.
Ihre bes. Kennzeichen und zugleich die Gründe ihres Scheiterns waren
das Fehlen einer programmatischen Konzeption, einer zielbewussten
Führung sowie von Persönlichkeiten, die die gewonnenen Rechte und
Freiheiten zu verteidigen imstande waren. Dazu kam, dass sich die
bürgerlich-liberalen Kreise und die Bauern bald von der revolutionären
Masse in Wien distanzierten. Dennoch machte die R. den Weg zu einer
Verfassungsänderung frei, und nach einer Periode des Neoabsolutismus
erhielt in den 60er Jahren die Habsburgermonarchie eine konstitutionelle
Verfassung. Das wichtigste unmittelbare Ergebnis der R. war die Bauernbefreiung
und damit die Schaffung einer einheitl., die gesamte Bevölkerung umfassende
Staatsbürgergesellschaft, weiters die Auflösung der feudalen Struktur,
die mit einer Modernisierung des Verwaltungswesens mit Gemeinden,
Bezirksverwaltungen und einem staatl. Gerichtswesen verbunden war. |
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Text auszugsweise aus |
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"Neues Wiener Journal"
über die Ereignisse des 13. März 1848 |
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[...] Gestern Kampf, Blut und Tod in allen Straßen, fürchterliches
Geschrei um Freiheit, die heute die Stadt schmückt wie eine Braut, aus
allen Fenstern fliegen weiße und rote Kokarden, Kränze, Bänder, Fahnen.
... Doch ich will den Ereignissen nicht vorgreifen und ruhig erzählen,
wie diese nie geahnte, von keinem Menschen vorausgesehene Wiener
Revolution geschah. Am 12. März ... hielten die Studenten an der
Universität unter der Leitung sämtlicher Professoren eine Versammlung,
wo sie eine Adresse an den Kaiser beschlossen, worin Preßfreiheit, Mündlichkeit und
Öffentlichkeit der Gerichte ..., Verantwortlichkeit der Minister ... die Hauptpunkte
bildeten. ... Zugleich wurde beschlossen, sich am Montag, den 13. März ... in der
Herrengasse vor dem niederösterreichischen Landhause zu versammeln, um der auch von den
niederösterreichischen Ständen beabsichtigten Adresse mehr Nachdruck zu geben. ... Die
Stände eröffneten ihren Landtag ruhig, obgleich eine große Menschenmenge auf den Beinen
war, jedoch die Elite der gebildeten Welt. ... Plötzlich verbreitete sich ... das
Gerücht, es seien Studenten verhaftet worden. ... Die schon aufgeregte Menge will in das
Ständehaus dringen, wo die Reden immer hitziger werden; eine Abteilung Grenadiere und
Pioniere halten den Eingang besetzt. Die Unglücklichen geben Feuer in diese ...
vielleicht aus 6000 Menschen bestehende Menge. ...Über einige Tote geht der Weg in den
Palast. Alles wird zertrümmert. ... Bald darauf stürmte eine ungeheure Menschenmasse die
Freyung herauf ..., um das städtische Zeughaus zu stürmen. ... Nun ging es in allen
Straßen los. ... "Nieder mit Metternich ...! Freiheit! Waffen!" Das war das
Geschrei. ... Indessen war eine Bürgerdeputation beim Kaiser. Man verlangte:
1. Gleich Einstellung des Blutvergießens. 2. Abdankung Metternichs;
3. Errichtung einer Nationalgarde. Wenn diese drei Punkte nicht auf der Stelle
bewilligt wären, stände jetzt ganz Wien in Flammen. ... Es war der merkwürdigste Tag
der österreichischen Geschichte, der 13. März. Einige Studenten haben diese alte,
bemooste, sich unwiderstehlich glaubende Regierung über den Haufen geworfen. Das alte
System ist mit Metternich gestürzt. Es beginnt eine neue Zeit ... Wien steht wieder
mitten in Deutschland [...].
[14. März] ... Um 12 Uhr erschien eine Proklamation: Preßfreiheit, Nationalgarde,
Volksbewaffnung ist bewilligt, Konstitution ... in Aussicht. ... Erzherzog Albrecht ist
verschwunden. Er hat feuern lassen und der Haß gegen ihn ist furchtbar. Metternich ist
abgereist. ... Wer Wien nachts am 13. März nicht sah, hat nie etwas Großes und
Erhabenes gesehen. |
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| Die „Praterschlacht“ |
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| Die "Praterschlacht". 23. August
1848. Zeitgen. Lithographie, F. Werner |
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| 23.August 1848. Eine friedliche Demonstration
von Notstandsarbeitern, an der auch zahlreiche Frauen und Kinder
teilnehmen und die noch dazu bereits in Auflösung begriffen ist, wird im
Prater von Sicherheitswachen und Nationalgarden blutig
auseinandergetrieben. Die Arbeiter, die bei öffentlichen Notstandsbauten
beschäftigt werden, um die Zahl der Arbeitslosen zu verringern, haben
gegen eine Lohnkürzung der Frauen und Jugendlichen durch Arbeitsminister
Schwarzer protestiert. Die „Praterschlacht“ fordert insgesamt 22 Tote
und über 300 Verwundete. Nicht zuletzt in Zusammenhang damit beschließt
der Sicherheitsausschuss seine Selbstauflösung am 25.Mai. Die Revolution
ist an einer Wende angelangt, von der an die gegnerischen Kraft langsam
an Boden gewinnen. Die bisherige gemeinsame Front aus Studenten,
Arbeitern und Nationalgarde ist zerbrochen. Das Bürgertum fällt in
zunehmenden Maß ab, da es bereits seine Hauptziele erreicht hat. |
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